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Die Wirksamkeit von körperlicher Aktivität bei depressiven Störungen und der Vorschlag eines Konzeptentwurfs für die Praxis

Die Wirksamkeit von körperlicher Aktivität bei depressiven Störungen und der Vorschlag eines Konzeptentwurfs für die Praxis
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Christina Custal
  • Abgabedatum: April 2010
  • Umfang: 210 Seiten
  • Dateigröße: 951,3 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule Nürnberg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 67
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-0126-4
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Custal, Christina April 2010: Die Wirksamkeit von körperlicher Aktivität bei depressiven Störungen und der Vorschlag eines Konzeptentwurfs für die Praxis, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Depression, Bewegung, Sport, Therapie, Konzept

Diplomarbeit von Christina Custal

Einleitung:

Im ersten Teil meiner Diplomarbeit wird das Krankheitsbild der Depression ausführlich dargestellt. Ein Abgrenzungsversuch von gesundem zu krankem Erleben und Verhalten wird durch den Krankheits- und Störungsbegriff unternommen. Im Anschluss daran sollen einige Definitionsversuche den Begriffsumfang der ‚depressiven Störung’ präzisieren. Nach der Untersuchung von Symptomatik, Verlauf und die Prognose der Depression werden aktuelle Standards der Klassifikationssysteme thematisiert. In diesem Zusammenhang werden Methoden der Diagnosestellung und Früherkennung depressiver Störungen aufgegriffen und mögliche Differentialdiagnosen skizziert. Zudem wird ein kurzer Überblick über Häufigkeit, Verbreitung und Formen des Krankheitsbildes dargestellt. Um die zu erörternden Therapieformen der Depression begründen zu können, sollen zunächst gängige Erklärungsmodelle der Entstehung von depressiven Störungen beschrieben werden.

In Teil 2 dieser Arbeit wird die Sport- und Bewegungstherapie als separater Punkt aufgeführt und ausführlich behandelt. Die Wirksamkeit von körperlicher Aktivität auf depressive Störungen soll durch verschiedene mögliche Wirkmechanismen unter Bezugnahme auf die physiologisch-biochemischen, psychisch-emotionalen und sozialen Dimensionen beschrieben werden. Des Weiteren belegen wissenschaftliche Untersuchungen die Wirksamkeit körperlicher Aktivität auf depressive Störungen. In diesem Zusammenhang wird erläutert, wie die Wirksamkeit körperlicher Aktivität auf Depressionen effektiviert werden kann, beziehungsweise welche Komponenten dabei eine Rolle spielen können.

In den Punkten 5 und 7 werden stationäre Angebote der Sport- und Bewegungstherapie am Beispiel der Station P 12 des Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Universitätsklinikums Erlangen-Nürnberg dargestellt und hinterfragt. Zudem wird das Angebotsspektrum ambulanter Sport- und Bewegungsgruppen für psychisch kranke/depressive Menschen im Raum Erlangen/Nürnberg aufgegriffen und näher beleuchtet.

Mit dem Konzeptentwurf ‘Bewegung gegen Depression (BgD)’ in Punkt 6 wurde die theoretische Entwicklung einer Bewegungsgruppe für depressive Menschen versucht. Dieses Sport- und Bewegungskonzept soll sowohl für das stationäre, als auch für das ambulante Setting anwendbar sein. Einen essentiellen Bestandteil des Konzepts bilden die psychoedukativen Elemente. Durch eine möglichst umfassende Betreuung und Aufklärung der Teilnehmer soll eine hohe Nachhaltigkeit gewährleistet werden. Die Aktivitätsmodule zeichnen sich durch eine große Vielfalt verschiedenartiger Bewegungsarten aus, so dass eine möglichst große Bandbreite unterschiedlicher Patienten erreicht werden kann.

Um einen optimalen Lesefluss zu gewährleisten, verzichte ich auf eine geschlechtsspezifische Trennung.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 4
2. Krankheitsmodell der Depression 6
2.1 Begriffsbestimmung 6
2.1.1 Definition des Krankheitsbegriffes 6
2.1.2 Definition des Störungsbegriffes 7
2.1.3 Definitionsversuche des Depressionsbegriffs 7
2.2 Symptomatik, Verlauf und Prognose 9
2.2.1 Symptomatik 9
2.2.2 Verlauf 14
2.2.3 Prognose 16
2.3 Diagnostik 17
2.3.1 Diagnostik mit ICD-10 17
2.3.2 Syndromale Diagnostik 22
2.3.3 Früherkennung 23
2.3.4 Differenzialdiagnostik 25
2.4 Epidemiologie 27
2.5 Ätiologie 28
2.5.1 Vulnerabilitäts-Stress-Modell 29
2.5.2 Biochemische Faktoren 30
2.5.3 Psychoanalytischer Ansatz 32
2.6 Behandlungsmöglichkeiten bei Depressionen 32
2.6.1 Biologische Therapien 33
2.6.2 Psychotherapie 37
2.6.3 Soziotherapeutische Maßnahmen 41
2.6.4 Ergänzende Therapieformen 42
3. Sport- und Bewegungstherapie 44
3.1 Kriterien des Therapiebegriffs 44
3.2 Indikationen und Kontraindikationen 46
3.3 Ziele 47
3.4 Ansätze und Module 48
3.5 Compliance 49
3.6 Aufbau 51
3.7 Unerwünschte Begleiterscheinungen 52
4. Mögliche Wirkmechanismen von körperlicher Aktivität bei depressiven Störungen 54
4.1 Physiologisch-biochemische Effekte 54
4.1.1 Biochemische Wirkung 54
4.1.2 Physische Auswirkungen 57
4.2 Psychisch-emotionale Wirkung 58
4.2.1 Förderung der Selbstwirksamkeit 58
4.2.2 Aufbau eines positiven Selbstbildes 58
4.2.3 Kognitive Umstrukturierung nach Beck 59
4.2.4 Modifikation von Fehlattributionen 59
4.2.5 Erweiterung des Ausdrucks 60
4.2.6 Verbesserung der Körperwahrnehmung 60
4.2.7 Reduktion innerer Spannungszustände 61
4.2.8 Verbesserung der Schlafqualität 61
4.2.9 Verbesserung des allgemeinen Wohlbefindens und der Genussfähigkeit 62
4.2.10 Antriebssteigerung 62
4.3 Effekte auf soziale Aspekte 62
4.4 Untersuchungsergebnisse 63
4.4.1 Antidepressiva versus körperliche Aktivität 63
4.4.2 Verbesserung der Pharmakodynamik 64
4.5 Potentielle Einflussfaktoren auf die Wirksamkeit 64
4.5.1 Ausdauertraining versus anaerobe Aktivitäten 64
4.5.2 Trainingsfrequenz 65
4.5.3 Trainingsintensität 65
4.5.4 Effektstärke in Abhängigkeit der Depressionsformen 66
5. Sport und Bewegung im klinischen Alltag am Beispiel der Station P 12 des Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Universitätsklinikums Erlangen-Nürnberg 67
5.1 Kurzinformation zur Station P 12 67
5.2 Sport- und bewegungstherapeutische Angebote der Station P 12 69
5.3 Diskussion 71
6. Vorschlag eines Konzeptentwurfs für die Praxis 74
6.1 Allgemeine Rahmenbedingungen: 74
6.2 Ziele des Konzepts: 75
6.3 Aufbau und Inhalte des Konzepts 76
6.3.1 Kurzanamnese mittels Fragebogen und ADS-K 77
6.3.2 Einführungsveranstaltung 77
6.3.3 Programmablauf 78
6.3.4 Gruppensitzung und Aktivitätsmodule 78
6.3.5 Nachsorgeplanung, Abschlussreflexion und ADS-K 82
7. Ambulante Sport- und Bewegungsgruppen im Raum Erlangen-Fürth-Nürnberg 84
8. Schlussbemerkung 94
9. Quellenverzeichnis 96
10. Anhang 103

Textprobe:

Kapitel 4, Mögliche Wirkmechanismen von körperlicher Aktivität bei depressiven Störungen:

Zahlreiche empirische Untersuchungen – die teilweise in Punkt 4.4 näher erläutert werden – belegen, dass körperliche Aktivität eine positive Veränderung des psychischen Befindens bei depressiven Menschen bewirkt und zur Linderung der depressiven Symptomatik beitragen kann. In den Punkten 4.1 bis 4.3 werden die Hypothesen der einzelnen Wirkmechanismen, mit der körperliche Aktivität speziell auf die Symptomatik von depressiven Menschen wirkt, auf drei unterschiedlichen Ebenen erläutert. In Punkt 4.1 werden die biochemischen und körperlichen Vorgänge, die durch Sport und Bewegung ausgelöst werden und deren Relevanz für depressive Menschen beschrieben. Im Punkt 4.2 wird die psychisch-emotionale Wirkebene von Bewegung auf depressive Menschen beschrieben. Zudem werden die sozialen Wirkmechanismen von Sport und Bewegung und deren Relevanz für die Symptomatik depressiver Menschen in Punkt 4.3 näher beleuchtet.

Physiologisch-biochemische Effekte:

Biochemische Wirkung:

Wie in Punkt 2.5 bereits erwähnt wurde, basiert das biochemische Erklärungsmodell der Depression auf der Annahme von Neurotransmitter- und Rezeptorstörungen des Gehirns. Die Sport- und Bewegungstherapie begründet ihre Wirksamkeit unter anderem auf der Basis unterschiedlicher biochemischer Vorgänge, die sich positiv auf die psychische Befindlichkeit von depressiven Menschen auswirken. Sport und Bewegung aktiviert den Sympathicus. Daraus resultiert eine vermehrte Katecholaminausschüttung in Form von Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin aus dem Nebennierenmark. Dieser Vorgang wiederum löst eine Ausschüttung weiterer hormoneller Stoffe wie Testosteron, Insulin-like Growth Factor, Renin und Angiotensin II aus. Der biochemische Erklärungsansatz basiert auf der Annahme, dass Depressionen mit einem Mangel an Katecholaminen oder ihren Stoffwechselprodukten wie Dopamin und Serotonin verbunden sind. Durch die vermehrte Ausschüttung der genannten Katecholamine verspürt der depressive Patient eine Verbesserung seiner depressiven Symptomatik.

Des Weiteren wurde nach akuter Ausdauerbelastung von über 30-40 Minuten ein Anstieg der Beta-Endorphin-Konzentration im peripheren Blut festgestellt. Das Beta-Endorphin ist ein körpereigenes Opiat, das eine euphorisierende Wirkung auslöst, vergleichbar mit der Wirkung von Morphin. Bei Marathonläufen wird die Wirkung des Beta-Endorphins für das ‘Runners High’ verantwortlich gemacht. Dieser Zustand stellt sich nach einer längeren Laufstrecke ein und wird von Marathonläufern als berauschend und euphorisierend beschrieben. Auch bei depressiven Menschen wirkt sich körperliche Aktivität über eine Beta-Endorphinausschüttung positiv auf die gedrückte Stimmung aus.

Darüber hinaus kommt es infolge körperlicher Aktivität zu einer Stimulation des Nervus Vagus (zehnten Hirnnervs). Der Nervus Vagus innerviert Hirnbereiche, die bei der Entstehung von depressiven Störungen eine wesentliche Rolle spielen. Eine vorübergehende Aktivierung des zehnten Hirnnervs wird auch bei der Vagusstimulation, einer weiteren Behandlungsmethode gegen Depressionen, beabsichtigt.

Im Zusammenhang mit biochemischen Effekten von Bewegung ist zudem zu erwähnen, dass die Sensibilität serotonerger Rezeptoren durch intensives Training verändert wird. Körperliche Aktivität und Ausdauertraining im Besonderen bewirken einen vermehrten Einstrom der Aminosäure Tryptophan (TRP) in das Gehirn und stimuliert in Folge dessen die Serotoninproduktion. Eine vermehrte Produktion des Neurotransmitterstoffs Serotonin bewirkt eine Verbesserung des Allgemeinbefindens im Sinne einer stimmungsaufhellenden Wirkung, nicht nur bei depressiven Menschen.

In Tierexperimenten mit Ratten konnte nachgewiesen werden, dass akute körperliche Aktivität zu einem erhöhten Serotoninumsatz im mediobasalen Hypothalamus führt. Nach einstündiger körperlicher Belastung wiesen die Ratten einen deutlichen Anstieg des extrazellulären Serotoninspiegels auf. Aus den tierexperimentellen Ergebnissen lässt sich schließen, dass es bei regelmäßiger körperlicher Aktivität über Wochen zu einer adaptiven Herabregulation bestimmter serotonerger Rezeptoren kommt. Es ist ebenso erwiesen, dass eine Trainingspause bei trainierten Langstreckenläufern zu ‘Entzugserscheinungen’ wie erhöhter Reizbarkeit, innerer Unruhe oder leichter depressiver Verstimmung führen kann. In diesem Fall geht man von einer Herabregulation bestimmter Rezeptoren aus. Bei Wiederaufnahme des Trainings bilden sich die Symptome in der Regel wieder zurück.

Durch den Anstieg des ‘atrialen natriuretischen Peptids’ ANP in Folge von aeroben Aktivitäten wie zum Beispiel Laufen kann auf Grund der inhibitorischen Wirkung auf verschiedene Mechanismen der Stressachse eine angstlösenden Wirkung erzielt werden. Angsterkrankungen treten wie bereits in Punkt 2.3.1 erwähnt häufig im Zusammenhang mit depressiven Störungen auf.

Neben der Wirkung auf verschiedene Hormon- und Neurotransmittersysteme des menschlichen Körpers, wurde durch empirische Studien belegt, dass körperliche Aktivität zu einem Anstieg von BDNF (‘brain-derived neurotrophic factor’) führt. BDNF fördert die Neurogenese bestimmter Hirnareale und wirkt sich positiv auf Gedächtnisleistungen aus. Beispielsweise kommt es durch körperliche Aktivität in Folge des Wachstumsfaktor IGF-I zu einer Volumenzunahme des Hippokampus. In tierexperimentellen Untersuchungen hat man festgestellt, dass es bei Mäusen unter regelmäßiger motorischer Aktivität zu einem Anstieg neuronaler Vorläuferzellen im Bereich des Hippokampus kommt. Zudem erzielten die motorisch aktiven Mäuse bessere Ergebnisse in den Gedächtnisparadigmen. Auch im Hinblick auf die Alzheimer-Demenz, die häufig auch depressive Symptome mit sich bringt, sind regelmäßig sporttherapeutische Verfahren als präventive oder auch symptomlindernde Maßnahmen als äußerst sinnvoll zu erachten. Einer verminderten kognitiven Leistungsfähigkeit, die häufig als ein Symptom depressiver Störungen auftritt, kann somit durch regelmäßige körperlicher Aktivität entgegengewirkt werden.

Arbeit zitieren:
Custal, Christina April 2010: Die Wirksamkeit von körperlicher Aktivität bei depressiven Störungen und der Vorschlag eines Konzeptentwurfs für die Praxis, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Depression, Bewegung, Sport, Therapie, Konzept

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