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Zur Wirksamkeit der Behandlung von Sexualstraftätern

Eine Metaanalyse deutschsprachiger Studien

Zur Wirksamkeit der Behandlung von Sexualstraftätern
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Markus Väth
  • Abgabedatum: Januar 2000
  • Umfang: 113 Seiten
  • Dateigröße: 675,9 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5600-9
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5600-9 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5600-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Väth, Markus Januar 2000: Zur Wirksamkeit der Behandlung von Sexualstraftätern, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Rechtspsychologie, Sexualtherapie, sexual offender

Diplomarbeit von Markus Väth

Gang der Untersuchung:

Ziel dieser Arbeit ist es, in einer quantitativen Metaanalyse Aussagen über Rückfallrisiken, Rückfallqouten sowie mögliche bedeutsame Variablen im Zusammenhang mit der therapeutischen Effektivität herauszuarbeiten. Hierzu wurden ausschliesslich Studien aus dem deutschsprachigen Raum untersucht.

Im theoretischen Teil dieser Arbeit wird zunächst die tatsächliche Auftretensrate von Sexualdelikten diskutiert. Dies mündet unter anderem in der Frage, ob die - prozentual gesehen - selten auftretenden, unterschiedlichen Deliktarten (Exhibitionismus, Pädophilie etc.) das entstandene, manchmal an Hysterie grenzende Medienecho rechtfertigen.

Weiterhin werden Aspekte der Ätiologie von Sexualverbrechen und -tätern vorgestellt. Einschlägige Theorien über die Entstehung von Sexualverbrechen werden erörtert. Das schliesst eine Auseinandersetzung über verbreitete Mythen betreffend „den“ Sexualstraftäter ein. Auf persönlichkeitspsychologischer Seite wird die Entwicklung und Bedeutung von Tätertypologien diskutiert.

Betreffs der Therapie von Sexualstraftätern werden die wichtigsten theoretischen Konzepte vorgestellt. Ferner wird die konkrete Umsetzung in Therapieprogramme diskutiert. Es folgt ein Überblick über den Stand der therapeutischen Evaluationsforschung. Bisherige Metaanalysen werden kurz dargestellt sowie die wichtigsten Forschungsergebnisse diskutiert.

Schliesslich erfolgt eine kurze Einführung in die Methodik der Metaanalyse. Das generelle Verfahren einer Metaanalyse wird erläutert sowie deren Varianten vorgestellt. Auch die Validitätsgefährdungen und mögliche Gültigkeitseinschränkungen werden diskutiert.

Der methodische Teil folgt in seiner Gliederung dem standardisierten Vorgehen einer Metaanalyse:

1. Die Fragestellung wird spezifiziert und erörtert, mögliche Hypothesen vorgestellt.

2. Der Prozess der Literaturrecherche wird dokumentiert.

3. Das Ergebnis der Datensammlung wird in seinen Grundzügen dargestellt; erste methodische Umformungen (z.B. Bildung eines Altersmittelwertes aus möglicherweise weit streuenden Einzelwerten) werden dokumentiert. Auf diesbezügliche Validitätsprobleme wird hingewiesen.

4. Die Ergebnisse der statistischen Auswertung werden vorgestellt. Dabei liegt der Schwerpunkt der deskriptiven Statistik auf einer Darstellung der Rückfälligkeit in Abhängigkeit verschiedener Variablen. Darüberhinaus werden für jede Studie Effektstärken berechnet. Es erfolgt eine Auseinandersetzung mit den eingangs gemachten Hypothesen. Anderweitige statistische Erkenntnisse und mögliche Perspektiven für eine weitergehende Fragestellung werden dokumentiert und diskutiert.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einführung 6
2. Epidemiologie 8
2.1 Erläuterungen zum Sexualstrafrecht 8
2.2 Häufigkeiten von Straftaten gg. d. sexuelle Selbstbestimmung in Dts. 9
3. Ätiologie 13
3.1 Psychoanalytische Theorien 13
3.1.1 Psychodynamik 13
3.1.2 Dimensionalität 15
3.2 Lern- und Handlungstheorien 15
3.3 Biologische Ansätze 17
4. Tätertypologien 19
4.1 Allgemeine Klassifikationen 19
4.2 Deliktspezifische Klassifikationen 20
4.2.1 Vergewaltigung 20
4.2.1.1 Die Typologie von Groth (1979) 20
4.2.1.2 Die Typologie von Rehder (1990) 22
4.2.2 Sexueller Missbrauch 24
4.2.2.1 Die Typologie von Groth (1978) 25
4.2.2.2 Das Vier-Faktoren-Modell von Finkelhor (1984) 26
5. Therapie 30
5.1 Theoretische Therapiekonzepte 30
5.1.1 Psychoanalyse 30
5.1.2 Kognitive Verhaltenstherapie 31
5.1.3 Relapse prevention 33
5.1.4 Chirurgische Eingriffe bzw. medikamentöse Behandlung 33
5.2 Therapieprogramme 34
5.2.1 Das Langenfelder Modell 34
5.2.2 Der Richtlinien-Katalog von Lösel & Bender (1997) 36
5.3 Therapie-Evaluation 39
5.3.1 Methodische Probleme 39
5.3.2 Internationale Evaluationen 42
5.3.3 Deutschsprachige Evaluationen 42
6. Methodik der Metaanalyse 44
6.1 Varianten 44
6.2 Kritik 45
6.3 Validitätsgefährdungen nach Cook & Campbell (1979) 46
6.4 Metaanalytisches Vorgehen 49
6.4.1 Fragestellung 49
6.4.2 Literaturrecherche & Auswahl der Studien 49
6.4.3 Kodierschema 50
6.4.3.1 Studienvariablen 51
6.4.3.2 Prädiktorvariablen 51
6.4.3.3 Kriteriumsvariablen 53
6.4.3.4 Methodenvariablen 52
6.4.3.5 Validitätsvariablen 53
6.4.4 Rückfälligkeit in Abhängigkeit verschiedener Variablen
6.4.5 Validitätseinschätz. d. Primärstudien & Stichprobengewichtungen 54
6.4.6 Berechnung der Effektstärken 55
6.4.7 Überprüfung der Ergebnishomogenität 57
6.4.8 Ermittlung von Moderatorvariablen 58
6.4.9 Diskussion 60
7. Fragestellung 61
8. Literaturrecherche & Auswahl der Studien 62
9. Deskriptive Statistik 65
9.1 Studienvariablen 65
9.2 Prädiktorvariablen 66
9.3 Rückfälligkeit in Abhängigkeit verschiedener Variablen 72
9.3.1 Behandlung 72
9.3.2 Behandlungsart 74
9.3.3 Behandlungsdauer 75
9.3.4 Deliktarten 76
9.3.5 Vorstrafen 77
9.3.6 Alter bei Behandlungsbeginn 77
9.3.7 Jahr der Publikation 78
9.3.8 Follow-up-Zeiträume 79
10. Validitätseinschätzungen der Primärstudien & Stichprobengewichtung
11. Effektstärken & Ergebnishomogenität 84
11.1 Gruppenvergleiche mit unbehandelten Sexualstraftätern 84
11.2 Gruppenvergleiche mit Anderen Tätern 85
11.3 Zusammenfassung der Effektstärken 87
11.4 Ergebnishomogenität & Gesamtsignifikanz 88
12. Moderatoranalyse 90
12.1 Stichprobengrösse 90
12.2 Follow-up-Zeitraum 91
12.3 Therapieart 91
12.4 Setting 92
13. Diskussion 93
13.1 Methodisches 93
13.2 Ergebnisse 93
13.3 Ausblick 96
14. Literatur 97
14.1 Verzeichnis der verwendeten Literatur 97
14.2 Verzeichnis der analysierten Studien 105
14.3 Verzeichnis der ausgeschlossenen Studien 105
15. Anhang 107

Automatisiert erstellter Textauszug:

Zwei Studien (Dessecker, 1996; Dimmeck & Duncker, 1996) machten keine Angaben zum Therapiesetting. Nach eingehender Prüfung wurden beide dem stationären Setting zugeordnet. Eine andere Arbeit (Ahrens, 1990) war mit einem kombiniert ambulantstationärem Setting ein Sonderfall: eine CPA-Therapie mit ambulanter Nachbetreuung. Zwei Therapien hatten ein rein ambulantes Setting: einmal eine CPA-Therapie (Micheroli & Battegay, 1985), zum anderen eine österreichische „Nachbetreuungsambulanz“ (Wagner, Knecht & Bolterauer, 1997). Anfängliche Überlegungen, Rückfallzahlen in Abhängigkeit des therapeutischen Settings zu prüfen, wurden verworfen: Erstens ist das zahlenmässige Ungleichgewicht zu gross (zwei rein ambulante Settings gegenüber 14 stationären), zweitens dürfte es sich in Therapien mit ambulantem Setting um eine selektierte, leichter zu behandelnde Klientel handeln. Dieser Frage wird an anderer Stelle in der Moderatoranalyse nachgegangen. Jahr der Publikation. Für das Jahr der Publikation ergab sich ein Zeitraum von 1983 bis 1997 mit einem Median von Md=1994. Dieses in den letzten Jahren gestiegene Forschungsinteresse kann als Reaktion auf eine immer grösser werdende gesellschaftspolitische Relevanz des Themas gewertet werden. So berichtet Rüther (1998), allein die Presseberichterstattung zum Thema „Kindesmissbrauch“ habe sich von 1986 bis 1996 von 80 Veröffentlichungen jährlich auf 800 Veröffentlichungen verzehntfacht. Obwohl demgegenüber im gleichen Zeitraum die registrierten Sexualmorde um mehr als die Hälfte (1986: 61 Sexualmorde, 1995: 24 Sexualmorde) abnahmen (Rüther, 1998), sollte sich die Evaluationsforschung auch der Beantwortung von Fragen annehmen, die ihre Legitimation nicht aufgrund grosser Fallzahlen, sondern aufgrund des öffentlichen Interesses erhalten. 9.2 Prädiktorvariablen Stichprobengrösse. Die Stichprobengrösse der einzelnen Studien lag vor dem Anlegen diverser Ausschlusskriterien zwischen N = 13 und N = 508 Probanden, durchschnittlich ergab sich eine mittlere Stichprobenstärke von N = 136 bei insgesamt N = 2307 Probanden. Nachdem jedoch Ausschlusskriterien festgelegt worden waren, mussten die Stichproben der Primärstudien reduziert werden. Nun lag die Probandenanzahl zwischen N = 7 und N = 263, bei einer mittleren Stichprobenstärke von N = 84 und insgesamt N = 1434 Probanden. Somit verringerte sich die Gesamtstichprobengrösse um 37,8%. Aus allen Studien ergab sich eine mehr oder weniger grosse Zahl von Behandelten, jedoch nur aus zwei Studien (Berner & Karlick-Bolten, 1986; Dünkel & Geng, 1994) eine Stichprobe von Unbehandelten. Alle Werte von „Unbehandelten“, die sich auf den Angaben lediglich dieser zwei Studien gründen, müssen für eine stabilere 66 [...]

Follow-up-Zeitraum. Als zweites ist gerade im Bereich der Sexualstraftaten der Followup-Zeitraum ein wichtiges methodisches Kriterium: Bei längeren Follow-up-Zeiträumen erwartet man eine grössere Rückfallgefahr als bei kurzen. Dabei ist nicht nur an Differenzen zwischen, sondern bei Kontrollgruppen-Designs auch an Differenzen innerhalb der einzelnen Studien zu denken. Da beide Variablen (Follow-up-Zeitraum und Effektstärke) intervallskaliert sind, gilt auch hier die Produkt-Moment-Korrelation nach Formel 6.15. Lediglich die Stichprobenkennwerte werden durch Follow-up-Kennwerte (Fi, F, sF) ersetzt und für jeweils einen Gruppenvergleich eine Korrelation inklusive Signifikanztest berechnet: rF-1, rF-2, rF-3 und rF-4. Für den gewichteten Follow-up-Zeitraum wird kein Zusammenhangsmass berechnet, da hier Interaktionen zwischen dem Follow-up und der Stichprobengewichtung auftreten. Behandlungsart. Zumindest theoretisch können sich Unterschiede zwischen den verschiedenen therapeutischen Heransgehensweisen ergeben. Auch wenn man eine mögliche Vermischung unterschiedlicher Behandlungsarten in Rechnung stellt, kann man doch wenigstens drei Gruppen identifizieren: Medizinische Behandlungen, Einschlägige 58 [...]

Die 75%-Regel wird auf die Roh-Effektstärken angewandt. Ist der gefundene Wert grösser als 0.75, kann auf Homogenität der Effektstärken geschlossen werden. Ist er kleiner als 0.75, muss von einer Heterogenität der Effektstärken ausgegangen werden, was letztlich mehrere Metaanalysen über homogene Untersuchungsteilgruppen erforderlich machen würde. Weiterhin wird für alle vier Gruppen die Signifikanz des mittleren Gesamt-Effekts getestet und ein Konfidenzintervall gebildet. Umschliesst dieses Konfidenzintervall die Null, gilt die metaanalytisch ermittelte Gesamteffektstärke als nicht signifikant. Das Konfidenzintervall bildet sich nach der Formel ∆ - z(2,5%) ⋅ sδ ≤ δ ≤ ∆ + z(2,5%) ⋅ sδ mit ∆ sδ δ = gemittelte Effektstärke aller Primärstudien einer Gruppe, = s∆²-se² , = geschätzte Populationseffektgrösse. (6.12) [...]

Arbeit zitieren:
Väth, Markus Januar 2000: Zur Wirksamkeit der Behandlung von Sexualstraftätern, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Rechtspsychologie, Sexualtherapie, sexual offender

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