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Der Wille als Ding an sich?

Schopenhauers Kantinterpretation und ihre Irrtümer

Der Wille als Ding an sich?
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Giovanni Rubeis
  • Abgabedatum: November 2006
  • Umfang: 100 Seiten
  • Dateigröße: 361,4 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Wien Österreich
  • Bibliografie: ca. 15
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0107-8
  • ISBN (CD) :978-3-8366-0107-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Rubeis, Giovanni November 2006: Der Wille als Ding an sich?, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Kant, Immanuel, Rezeption, Schopenhauer, Arthur

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Magisterarbeit von Giovanni Rubeis

Problemstellung:

Ziel dieser Arbeit ist es zu untersuchen, ob Schopenhauer seinem Anspruch, der Vollender der Kantschen Philosophie zu sein, tatsächlich gerecht wird. Exemplarisch für diesen Anspruch Schopenhauers lässt sich folgendes Zitat heranziehen: „Kant ist mit seinem Denken nicht zu Ende gekommen: ich habe bloß seine Sache durchgeführt. Demgemäß habe ich was Kant von der menschlichen Erscheinung allein sagt auf alle Erscheinung überhaupt, als welche von jener nur dem Grade nach verschieden ist, übertragen, nämlich daß das Wesen an sich derselben ein absolut Freies, d.h. ein Wille ist.“ Im Wesentlich soll dieser Satz widerlegt werden. Positiv gewendet lautet die These, die hierbei überprüft werden soll:

Schopenhauer interpretiert die Kantsche Erkenntnistheorie teils falsch, teils verwirft er deren fundamentale Einsichten. Die Tatsache, dass Schopenhauer bereits auf dem Weg zum Ding an sich eine falsche Abzweigung nimmt, führt schließlich zu der metaphysischen Fehlinterpretation des Willens als Ding sich.

Es ergibt sich jedoch auch ein äußerst fruchtbares Resultat der Schopenhauerschen Kantkritik, indem nämlich Schopenhauer die Problematik der Verbindung von theoretischer und praktischer Vernunft aufzeigt.

Die „Kritik der Kantischen Philosophie“, welche Schopenhauer als Anhang zu den vier Büchern des ersten Bandes seines Hauptwerkes „Die Welt als Wille und Vorstellung“ beigefügt hat, soll als Leitfaden der Untersuchung dienen. Anhand der Kritik lässt sich die Kantinterpretation Schopenhauers sowie ihre grundlegenden Irrtümer und Missverständnisse anschaulich darlegen. Dabei ist es auch immer wieder notwendig, Kant dem Kant Schopenhauers gegenüberzustellen, um eben jene Fehler aufzuzeigen. Da Schopenhauer die Angewohnheit hat, meist sehr rhapsodisch, selektiv und kursorisch in der Darstellung der Kantschen Philosophie vorzugehen, sollen Schlüsselstellen bei Kant detailliert ausgeführt werden. Diese Vorgehensweise soll v.a. zeigen, dass die Theorie Kants in ihrer Komplexität mehr Behutsamkeit in der Betrachtung verlangt, als Schopenhauer meist aufbringt.

In der Einleitung werden zunächst die Grundzüge der Schopenhauerschen Kritik kurz dargestellt, um einen Eindruck von Schopenhauers Kantbild zu vermitteln. Danach wendet sich der erste Abschnitt der epistemologischen Seite der Kantkritik bei Schopenhauer zu. Hier soll aufgezeigt werden, inwieweit Schopenhauer Kant fehl interpretiert bzw. verwirft und dadurch von ihm abweicht.

Der zweite Abschnitt befasst sich mit den Konsequenzen dieser fundamentalen Unterschiede, wie sie sich auf metaphysischem und ethischem Gebiet niederschlagen. Da Schopenhauer die Ethik Kants fast zur Gänze verwirft, fällt die Darstellung seines Verhältnisses zur praktischen Philosophie Kants entsprechend knapp aus, da er sich hier nicht als Vollender Kants versteht, sondern dessen gesamte Moraltheorie verwirft. Es soll an dieser Stelle zunächst gezeigt werden, warum Schopenhauer keinen Zugang zur Kantschen Ethik finden kann, um in der Folge darzulegen, dass seine Kritik der Kantschen Ethik auf eine gewichtige Problematik der Kantschen Vernunftkonzeption verweist.

Im dritten Abschnitt schließlich soll geprüft werden, inwieweit obige These zutreffend ist.

Diese Einteilung dient dazu, die Parallelisierung von theoretischer und praktischer Philosophie, wie sie in Kants Werk auftritt, nachzuzeichnen, um den Zusammenhang von theoretischer und praktischer Vernunft verdeutlichen zu können. Die äußerst detaillierte Darstellung des Kantschen Ansatzes soll v.a. eines leisten: Nicht nur die Irrtümer der Schopenhauerschen Interpretation, sondern auch deren Gründe sollen herausgearbeitet werden.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis 1
Vorwort 2
Einleitung 5
I. Abschnitt: Der Weg zum Ding an sich 13
I.1 Transzendentale Ästhetik 13
I.2 Schopenhauers Kritik der transzendentalen Ästhetik 17
I.2.1 Kausalität als Funktion des Verstandes - Der Satz vom zureichenden Grunde 17
I.3.1 Die Deduktion der reinen Verstandesbegriffe 24
I.3.2 Transzendentale Deduktion 32
I.3.3 Kritik der transzendentalen Logik 40
I.3.4 Kritische Anmerkung 48
II. Abschnitt: Das Ding an sich 51
II.1 Das Ding an sich als Grenzbegriff 51
II.2 Der Wille als Ding an sich 53
II.3 Schopenhauers Kritik am Ding an sich 57
II.4 Die Idee der Freiheit 58
II.4.1 Die Antinomienlehre 60
II.4.2 Schopenhauers Kritik der transzendentalen Ideen und der Antinomienlehre 66
II.4.3 Der Wille bei Kant 74
II.4.4 Maxime und praktisches Gesetz 75
II.4.5 Das Grundgesetz der reinen praktischen Vernunft 78
II.4.6 Vom Sittengesetz zur Freiheit 81
II.5 Schopenhauers Kritik der Kantschen Ethik 81
II.6 Die Problematik der homogenen Vernunft 86
III. Conclusio 90
Literaturverzeichnis 96

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis 1
Vorwort 2
Einleitung 5
I. Abschnitt: Der Weg zum Ding an sich 13
I.1 Transzendentale Ästhetik 13
I.2 Schopenhauers Kritik der transzendentalen Ästhetik 17
I.2.1 Kausalität als Funktion des Verstandes - Der Satz vom zureichenden Grunde 17
I.3.1 Die Deduktion der reinen Verstandesbegriffe 24
I.3.2 Transzendentale Deduktion 32
I.3.3 Kritik der transzendentalen Logik 40
I.3.4 Kritische Anmerkung 48
II. Abschnitt: Das Ding an sich 51
II.1 Das Ding an sich als Grenzbegriff 51
II.2 Der Wille als Ding an sich 53
II.3 Schopenhauers Kritik am Ding an sich 57
II.4 Die Idee der Freiheit 58
II.4.1 Die Antinomienlehre 60
II.4.2 Schopenhauers Kritik der transzendentalen Ideen und der Antinomienlehre 66
II.4.3 Der Wille bei Kant 74
II.4.4 Maxime und praktisches Gesetz 75
II.4.5 Das Grundgesetz der reinen praktischen Vernunft 78
II.4.6 Vom Sittengesetz zur Freiheit 81
II.5 Schopenhauers Kritik der Kantschen Ethik 81
II.6 Die Problematik der homogenen Vernunft 86
III. Conclusio 90
Literaturverzeichnis 96

Textprobe:

Kapitel I.2.1, Kausalität als Funktion des Verstandes - Der Satz vom zureichenden Grunde: Für Schopenhauer ist der Satz vom zureichenden Grunde ein Ursatz der Erkenntnis. Bereits bei Wolff ist dieser Satz - neben dem Satz vom ausgeschlossenen Widerspruch - von fundamentaler Bedeutung und Schopenhauer führt ihn auch in der Wolffschen Formulierung ein: Nichts ist ohne Grund warum es sei und nicht vielmehr nicht sei. In dieser allgemeinen Formulierung drückt er die apriorische Verbindung aller Vorstellungen des Subjekts aus. Die unterschiedlichen Arten von Objekten bedingen verschiedene Arten der Verbindung und dementsprechend gibt es auch verschiedene Formen, in welchen der Satz vom zureichenden Grunde auftritt. Schopenhauer unterscheidet vier Spezifikationen des Satzes vom zureichenden Grunde und mit diesen jeweils korrelierend vier Klassen von Vorstellungen, wobei für die hier durchzuführende Untersuchung v.a. die erste und vierte Klasse relevant sind.

Die erste Klasse bilden die anschaulichen, empirischen oder vollständigen Vorstellungen. Diese enthalten sowohl Form als auch Materie der Erscheinung und stehen damit den abstrakten, d.h. rein gedachten Begriffen gegenüber. Raum und Zeit sind die Formen dieser Vorstellungen, die Materie deren Gehalt. Die wechselseitige Durchdringung von Raum und Zeit konstituiert die empirische Realität. Das Faktum der Subjektivität der Anschauungsformen führt Schopenhauer zu dem bereits genannten Schluss, dass jegliche Objektivität vom Subjekt bedingt ist.

Der Satz vom Grunde erlaubt es nun, empirische, d.h. raum-zeitliche Vorstellungen miteinander zu verknüpfen, genauer gesagt eine Abfolge von Zuständen zu erkennen. Der Satz vom Grunde strukturiert beide Anschauungsformen; in der Zeit ist er Bestimmungsgrund der Sukzession, im Raum Bestimmungsgrund der Lage. Der Schnittpunkt von Raum und Zeit ist die Materie. Sie füllt den Raum in allen drei Dimensionen aus und erstreckt sich als beständig in der Zeit. Insofern ist ihr Sein wesentlich Wirken, was bedeutet: Materie ist die Manifestation der Kausalität. In dieser Klasse tritt der Satz vom Grunde als das eigentliche Gesetz der Kausalität oder Satz vom zureichenden Grunde des Werdens auf. Die Abfolge von Ursache und Wirkung manifestiert sich im Auftreten eines Zustandes, der von einem anderen, vorhergehenden Zustand bedingt ist.

Kausalität findet demnach nur ihre Anwendung, wenn Veränderung vorliegt; daher nennt Schopenhauer diese Spezifaktion auch den Satz vom zureichenden Grunde des Werdens. Der zureichende Grund kann hierbei eine Ursache, ein Reiz oder ein Motiv sein. Die Ursache bedingt Veränderungen im anorganischen Bereich, ist also wesentlich das Prinzip chemischer und physikalischer Prozesse. Hier gilt der Grundsatz, dass Ursache und Wirkung ihrer Intensität nach einander entsprechen. Reize treten im Pflanzen- und Tierreich auf, wobei ein asymmetrisches Verhältnis von Ursache und Wirkung besteht. Motive gehen über Reize insofern hinaus, als sie handlungsleitend sind. Zweckorientiertes Handeln ist nur durch ein Erkenntnisvermögen möglich, d.h. der Zweck der Handlung muß vorgestellt werden können.

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Rubeis, Giovanni November 2006: Der Wille als Ding an sich?, Hamburg: Diplomica Verlag

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