Bachelor + Master Publishing
811 Bachelorarbeiten, 533 Masterarbeiten, 10.103 Diplomarbeiten

Wildnis - eine kulturphilosophische und ethische Betrachtung

Wildnis - eine kulturphilosophische und ethische Betrachtung
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Anika Niebrügge
  • Abgabedatum: Mai 2004
  • Umfang: 106 Seiten
  • Dateigröße: 576,6 KB
  • Note: 1,9
  • Institution / Hochschule: Westfälische Wilhelms-Universität Münster Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8450-7
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8450-7 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8450-7 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Niebrügge, Anika Mai 2004: Wildnis - eine kulturphilosophische und ethische Betrachtung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Naturschutz, Nationalpark, Schutzgebiet, Umweltethik, Kulturgeschichte der Natur

Magisterarbeit von Anika Niebrügge

Zusammenfassung:

Vor allem im Zusammenhang mit der Schutzgebietskategorie ‚Nationalpark’ taucht in der aktuellen Naturschutzdiskussion immer wieder der Begriff ‚Wildnis‘ auf. In bestimmten Gebieten soll die Natur sich selbst überlassen werden und ‚verwildern‘. ‚Natürliche Dynamik‘ und ‚Prozessschutz‘ sind mittlerweile zu international anerkannten Naturschutzzielen geworden. In der praktischen Umsetzung erweisen sie sich jedoch oft als problematisch, z.B. wenn es darum geht, Nutzungseinschränkungen gegenüber den jeweils Betroffenen zu rechtfertigen oder zu definieren, welche Eingriffe in einem Gebiet zulässig oder sogar notwendig sind.

Ziel meiner Arbeit ist es, den Wildnisbegriff in seiner Entwicklung und Funktion zu untersuchen und auf dieser Grundlage die Möglichkeit einer ethischen Legitimation der mit Schutzbestimmungen einhergehenden Einschränkungen zu diskutieren.

Im Zuge dessen wird im ersten Teil der Arbeit zunächst ein Bezug zwischen dem Begriff ‚Wildnis‘ und verschiedenen Auffassungen von Natur hergestellt. Ein kurzer Überblick über die Entwicklung des Begriffs ‚Natur‘ von der Antike bis in die Gegenwart zeigt ideengeschichtliche Zusammenhänge auf, die für einen Wandel in der Wildnisbewertung maßgeblich waren. Bedeutende Stationen dieses Wandels von einer tendenziell eher negativen zu einer vermehrt positiven Vorstellung von Wildnis werden nachvollzogen.

Eine nähere Bestimmung des Begriffs setzt sich anschließend mit der für Wildnis geforderten Ursprünglichkeit und der Rolle, die dem Menschen ihr gegenüber zukommt, auseinander. In diesem Rahmen werden die gegenwärtig geltenden internationalen Richtlinien für Wildnisschutz vorgestellt. Der darauffolgende Abschnitt befasst sich mit Kritikpunkten, denen der Wildnisbegriff in Bezug auf seine Konzeption und praktische Umsetzung ausgesetzt ist.

Im zweiten Teil der Arbeit geht es um die Frage der ethischen Legitimation von Wildnisschutz. Als Argumentationsbasis wird nach einer kurzen Übersicht über die Grundpositionen der ökologischen Ethik zunächst eine anthropozentrische Position gewählt. Es folgt eine Darstellung und Auswertung verschiedener anthropozentrischer Argumente, die sich auf den instrumentellen und/oder den Eigenwert von Wildnis beziehen.

Zwei Fallbeispiele, in denen im Zusammenhang mit Wildnis konkret aufgetretene Konfliktsituationen vorgestellt und anhand eines Schemas ethischer Urteilsfindung analysiert werden, runden die Arbeit ab.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Zum Begriff ‚Wildnis’ 3
2.1 Funktion und Abgrenzung 3
2.2 Grundlagen in Naturvorstellung und -bezug 5
3. Philosophiegeschichtliche Einordnung des Begriffs ‚Natur‘ 7
3.1 Geordnete Ganzheit– ‚Natur’ in Antike und Mittelalter 7
3.2 Naturvorstellungen der Neuzeit 10
3.2.1 Beherrschbare Maschine 10
3.2.2 Malerische Landschaft 11
3.3 Lebensraum – eine heutige Sicht auf ‚Natur’ 13
4. Wildnisbewertung im Wandel der Naturkonzepte 14
4.1 Die bedrohliche Wildnis 14
4.2 Auf dem Weg zum Wunschbild 15
4.2.1 Religiöse Aufwertung 15
4.2.2 Wildnis und Romantik 16
4.2.2.1 Primitvismus – die Sehnsucht nach Natürlichkeit 16
4.2.2.2 Das Erhabene – wilde Natur wird ästhetisch bedeutsam 17
4.2.3 Die amerikanische wilderness-Bewegung 18
5. Genauere Bestimmung des Wildnisbegriffs 20
5.1 Zur Rolle des Menschen 22
5.2 ‚Ursprünglich’ oder ‚verwildert’? 22
5.3 Verschiedene Wildheitsgrade 25
5.4 Politische Grundlagen für Wildnisschutz 26
6. Kritik am Wildnisbegriff und seiner Anwendung 30
6.1 Wildnisschutz contra Menschenschutz? 30
6.2 Das Paradoxe an der Wildnis 34
6.2.1 Gesetzlich geregelter Kontrollverlust 34
6.2.2 Natur im Museum 35
6.2.3 Wildnis nach Wunsch 37
7. Zur ethischen Legitimation des Wildnisschutzes 38
7.1 Wildniswert und Wildnisschutz als Themen einer ökologischen Ethik 39
7.2 Grundpositionen der ökologischen Ethik 40
7.3 Auf der Suche nach einer Argumentationsbasis für Wildnisschutz 41
7.3.1 Die Rolle von Pathozentrismus und Biozentrismus 41
7.3.2 Zur Ausblendung holistischer Argumente 42
8. Wildnisschutz-Argumentation auf anthropozentrischer Grundlage 43
8.1 Eigenwert und instrumenteller Wert 44
8.2 Argumente des instrumentellen Wertes von Wildnis 46
8.2.1 Wildnisschutz als Ressourcenschutz 46
8.2.1.1 Schutz genetischer Ressourcen 47
8.2.1.2 Schutz medizinischer Ressourcen 48
8.2.2 Natur in Quarantäne 49
8.2.3 Wissenschaftliche Bedeutung 50
8.2.4 Ökonomische Bedeutung 51
8.2.5 Erholungswert 52
8.2.6 Jagdmöglichkeiten 53
8.2.7 Wirkung auf Geist und Psyche 54
8.2.8 Minderheitenschutz 55
8.2.8.1 Naturvölker 56
8.2.8.2 Wildnisliebhaber 56
8.3 Argumente des Eigenwertes von Wildnis 57
8.3.1 Ästhetische und religiöse Bedeutung 57
8.3.2 Symbolische Bedeutung 58
8.3.2.1 Wildnis als Ursprung 59
8.3.2.2 Wildnis als Gleichnis 60
8.4 Zusammenfassung und Einstufung der Argumente 61
9. Fallbeispiele 63
9.1 Anwohnerkonflikte im nepalesischen Royal Chitwan Nationalpark 64
9.1.1 Sachlage und Aufgabenstellung 64
9.1.2 Interessenverteilung 65
9.1.3 Pro-Argumente 66
9.1.4 Contra-Argumente 67
9.1.5 Moral point of view und grundlegende Konflikte 68
9.1.6 Auswertung 69
9.1.7 Fazit und Stellungnahme 71
9.1.8 Entwicklung der Situation 73
9.2 Die Borkenkäferproblematik im Nationalpark Bayerischer Wald 74
9.2.1 Sachlage und Aufgabenstellung 74
9.2.2 Interessenverteilung 76
9.2.3 Pro-Argumente 77
9.2.4 Contra-Argumente 77
9.2.5 Moral point of view und grundlegende Konflikte 78
9.2.6 Auswertung 79
9.2.7 Fazit und Stellungnahme 81
9.2.8 Entwicklung der Situation 83
10. Schlussbetrachtung 85
QUELLENVERZEICHNIS 87

Automatisiert erstellter Textauszug:

8.2 Argumente des instrumentellen Wertes von Wildnis 8.2.1 Wildnisschutz als Ressourcenschutz Einige gut vermittelbare, da instrumentell und an materiellen Gütern ausgerichtete Wildnisschutz-Argumente lassen sich auf der Grundlage der Funktion von Wildnisgebieten als Speicher bestehender oder Entwicklungsräume potentieller Ressourcen, die für Menschen von großer Wichtigkeit sind, entwickeln. Diese Argumente betrachten Wildnisgebiete gewissermaßen als ‚Ressourcenreservate’. Insofern es sich um Ressourcen handelt, deren Nutzung einen erheblichen Eingriff in natürliche Prozesse bedeutet, darf diese Nutzung allerdings nur potentiell anvisiert sein, da das Gebiet seinen Wildnischarakter verlieren würde, sobald Ressourcen genutzt würden. Denkbar ist hier z.B. der Schutz von Wildnisgebieten als Ressourcenreservate für zukünftige Generationen. Um dieses Argument speziell auf Wildnisgebiete anwenden zu können, müssen die in Frage kommenden Ressourcen eine gewisse Abhängigkeit von Wildnisbedingungen aufweisen, also nur in Wildnisgebieten zu finden sein oder zumindest in besonderer Qualität oder Quantität dort vorkommen. Infrage kommen in diesem Sinne z.B. Tiere, die auf Wildnisgebiete angewiesen sind oder besonders hochwertiges Holz aus unbewirtschafteten Wäldern.128 Nachwachsende Rohstoffe oder Energiequellen, die auch in Kulturlandschaften vorkommen, würden hingegen nicht unter die Kategorie der wildnisabhängigen Ressourcen fallen. In eine ähnliche Richtung gehen Argumente, die betonen, dass von Wildnisgebieten wichtige ökologische ‚Dienstleistungen’ wie z.B. Klimaregulierung, Schutz vor Überschwemmungen oder Lachsaufzucht ausgehen. Wie für die Ressourcen gilt auch hier, dass die angesprochenen Dienstleistungen in gewissem Maße wildnisabhängig sein müssen, um für Wildnisschutz angeführt werden zu können.129 Werden die gefragten Ressourcen oder Dienstleistungen als die Güter gesehen, denen das größte Gewicht gegeben wird, erscheint Wildnis nur als eine Art Nebenprodukt, [...]

aesthetic and moral ideals.”122 ‘Considered preferences’ haben somit eine spezielle Qualität. Sie können eine Distanzierung von direkt wahrgenommenen ‚felt preferences’, die mit der Weltsicht und den Idealen eines Menschen nicht vereinbar sind, bedeuten. Da die Herausbildung einer Weltsicht mit bestimmten Idealen und Handlungsanforderungen ein fortlaufender Prozess ist, haben ‚considered preferences’ zwar hypothetischen Charakter, sind aber als Vergleichsgröße zu ‚felt preferences’ sehr wirkungsvoll. Norton bezeichnet Ethiktheorien dann als stark anthropozentrisch, wenn sie nur auf die Befriedigung menschlicher ‚felt preferences’ abzielen und als schwach anthropozentrisch, wenn sie sich auch an ‚considered preferences’ im Sinne selbstgesetzter menschlicher Ideale und Handlungsmaßstäbe orientieren. Ein starker Anthropozentrismus, der ‚felt preferences’ nicht reflektiert, könnte eine Praxis der Ausbeutung der Natur nicht kritisieren. Schwacher Anthropozentrismus hingegen wägt ‚felt preferences’ gegen ‚considered preferences’ ab und bietet in Bezug auf übergeordnete Ideale die Grundlage für Kritik an Ausbeutung und Zerstörung von Natur.123 Außerdem betont ein schwacher Anthropozentrismus auch die Bedeutung von Natur als Informations- und Inspirationsquelle für die Herausbildung menschlicher Wertvorstellungen und Präferenzen: „Because weak anthropocentrism places value not only on felt preferences, but also on the process of value formation embodied in the criticism and replacement of felt preferences with more rational ones, it makes possible appeals to the value of experiences of natural objects and undisturbed places in human value formation.”124 Auf der Basis eines solchen weitgefassten Anthropozentrismus können viele Argumente für Wildnisschutz gefunden werden. [...]

7.3.2 Zur Ausblendung holistischer Argumente Wildnisschutz versteht sich in Abgrenzung zu selektiven Naturschutzzielen, wie z.B. Artenschutz, als Schutz natürlicher Ganzheiten und kann in diesem Sinne bereits als holistisch betrachtet werden. Dieser Holismus gilt jedoch zunächst nur hinsichtlich der Anwendung von Wildnisschutz und noch nicht in Bezug auf die Grundlagen seiner moralischen Legitimation. So muss die Motivation, die hinter dem Schutz natürlicher Ganzheiten steht, nicht unbedingt eine holistische im moralischen Sinne, sondern kann auch eine anthropozentrische sein. Im Gegensatz zu einer anthropozentrischen Argumentation könnte es die Leistung einer holistischen sein, Gründe für Wildnisschutz zu liefern, die sich nicht auf menschliche Bedürfnisse und Interessen stützen und daher von diesen unabhängig sind. In dieser Arbeit soll jedoch eine holistische Argumentation vorerst ausgeblendet werden, um der Frage nachzugehen, was eine anthropozentrische Position hinsichtlich der Rechtfertigung von Wildnisschutz leisten kann. Die Entscheidung für eine anthropozentrische Herangehensweise fußt darauf, dass Anthropozentrismus ein oft vertretener Ansatz ist, der verbreiteten zeitgenössischen Moralvorstellungen zugrunde liegt und daher in der politischen Öffentlichkeit am ehesten Anerkennung und Beachtung finden kann. Für den Wildnisschutz als Thema der politischen Ethik ist Anthropozentrismus somit ein wichtiges Konzept. Die plausible Begründbarkeit eines Vorgehens im Sinne des Holismus ist umstritten, zumindest sofern die jeweilige holistische Position mit Schutzansprüchen einhergeht, [...]

Arbeit zitieren:
Niebrügge, Anika Mai 2004: Wildnis - eine kulturphilosophische und ethische Betrachtung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Naturschutz, Nationalpark, Schutzgebiet, Umweltethik, Kulturgeschichte der Natur

Entdecken Sie mehr zum Thema

diplom.de
Bachelor + Master Publishing

Hermannstal 119 k
22119 Hamburg

Fon: +49 (0) 40 655992-0
Fax: +49 (0) 40 655992-22

Service-Telefon

Rufen Sie uns an:
+49 (0) 40 655992-0

Mo-Fr
09.00-16.00 Uhr

diplom.de in den Medien

Folgen Sie uns bei Twitter & werden Sie diplom.de-Fan bei Facebook!
Schreibtipps unserer Lektoren, Neuigkeiten aus dem Verlagsalltag und das Expertenwissen unserer Autoren als Tweet & Post!
Wir freuen uns auf Sie!

diplom.de BACHELOR + MASTER PUBLISHING

Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Magisterarbeiten, Dissertationen und andere Abschlussarbeiten aus allen Fachbereichen und Hochschulen können Sie bei uns als eBook sofort per Download beziehen oder sich auf CD oder als Buch zusenden lassen. Seit mehr als 15 Jahren ist diplom.de der seriöse, professionelle und erfolgreiche Partner für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Abschlussarbeiten.

© Diplomica Verlag GmbH 1996-2011, AG Hamburg HRB 80293 - GF Björn Bedey, USt-IdNr.: DE214910002 - Verkehrsnummer: 12285 - Impressum
Index der Arbeiten - Index der Autoren