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Der Wettbewerb auf dem Berliner Zeitungsmarkt

Eine industrieökonomische Analyse des Wettbewerbs auf dem Berliner Markt für regionale Abonnement-Zeitungen von 1990 bis 2002

Der Wettbewerb auf dem Berliner Zeitungsmarkt
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Patrick Proner
  • Abgabedatum: November 2004
  • Umfang: 350 Seiten
  • Dateigröße: 1,8 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Johannes Gutenberg-Universität Mainz Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8964-9
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8964-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Proner, Patrick November 2004: Der Wettbewerb auf dem Berliner Zeitungsmarkt, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Medien, Marketing, Berliner Morgenpost, Der Tagesspiegel, Struktur-Verhalten-Ergebnis-Paradigma

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Magisterarbeit von Patrick Proner

Einleitung:

Im Juni 2002 erwarb die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck den Berliner Verlag von Gruner+Jahr, einem seiner langjährigen Konkurrenten auf dem Berliner Markt für regionale Abonnement-Zeitungen. Dies war der Beginn einer langwierigen juristischen Auseinandersetzung, die bis heute nicht abgeschlossen ist und in deren Folge unter anderem die Novellierung des Pressefusionsgesetzes vorgesehen ist.

Bis zu diesem Verkauf hatten die auf dem Berliner Zeitungsmarkt tätigen Verlage mit dem Einsatz zahlreicher Marketinginstrumente versucht, ihren Marktanteil zu Lasten der Konkurrenten auszubauen, was von Beteiligten und externen Beobachtern als „Berliner Zeitungskrieg“ und „Berliner Haifischbecken“ bezeichnet wurde. Die Arbeit untersucht diesen zum Teil ruinösen Wettbewerb, dessen dauerhaft unbefriedigende Ergebnisse letztendlich dazu führten, dass einer der Wettbewerber, Gruner+Jahr, aus dem Markt austrat.

Gang der Untersuchung:

Die Untersuchung beginnt zeitlich mit der Wiedervereinigung im Jahr 1990 und schließt mit dem Verkauf des Berliner Verlages an Holtzbrinck ab. Diese Abgrenzung wird bewusst gewählt, um sich auf die marktwirtschaftlichen anstelle der noch laufenden kartellrechtlichen Ereignisse zu fokussieren. Unter Berücksichtigung der dynamischen Veränderung der Marktstruktur ist das Ziel der Untersuchung die Analyse des Marktverhaltens und der damit erzielten Ergebnisse. Die sich aus diesem Untersuchungsziel ableitenden Fragestellungen lauten wie folgt:

Marktstruktur: Welche Voraussetzungen hatten die Zeitungen im Wettbewerb? Wie waren der Leser- und Anzeigenmarkt strukturiert und wie veränderten sie sich? Welche Leser- und Anzeigenstrukturen hatten die einzelnen Blätter?

Marktverhalten: Welche Strategien setzten die Zeitungen auf dem Lesermarkt und den Anzeigenmärkten ein? Welche Rolle spielten im Einzelnen die Wettbewerbsparameter Preis, Qualität und Innovation sowie Vertrieb und Werbung?

Marktergebnis: Welche kurz-, mittel- und langfristigen Ergebnisse wurden auf dem Lesermarkt und den Anzeigenmärkten erzielt?

Den theoretischen Rahmen der Untersuchung bildet das Struktur-Verhalten-Ergebnis-Paradigma (SVE) der Industrieökonomie. Dieses wird zunächst anhand seiner einzelnen Parameter (Marktstruktur, Marktverhalten, Marktergebnis) diskutiert. Hierbei wird festgestellt, dass es sich um keinen einseitigen Ursache-Wirkungs-Prozess von der Struktur zum Ergebnis hin handelt, sondern dass sich die drei Parameter wechselseitig beeinflussen und daher simultan zu betrachten sind.

Der empirische Teil der Arbeit folgt dem theoretischen Konstrukt und gliedert die Untersuchung in die drei Teile: Marktstruktur, Marktverhalten und Marktergebnis.

Bei der Beschreibung der Marktstruktur erfolgt zunächst die Marktabgrenzung: Es wird begründet, warum der relevante Markt aus den drei Zeitungen Berliner Morgenpost (Axel-Springer-Verlag), Berliner Zeitung (Gruner+Jahr) und Der Tagesspiegel (Georg von Holtzbrinck) besteht und eine lesermarktbezogene Marktabgrenzung bevorzugt wird. Im Anschluss werden die Akteure sowohl auf Zeitungs- als auch auf Verlagsebene vorgestellt. Die soziodemographische Entwicklung Berlins sowie der intermediäre Wettbewerb bilden sowohl den Rahmen als auch die Basis für die Analyse der intramediären Konkurrenz.

Der Kern der Arbeit, die Analyse des Marktverhaltens, widmet sich den einzelnen Marketinginstrumenten und untersucht ihren Einsatz sowie Teilergebnisse für den Lesermarkt und die Anzeigenmärkte. Bei den Anzeigenmärkten rücken vor allem die Rubriken Immobilien-, Kfz- und Stellenmarkt in den Mittelpunkt der Untersuchung.

Das zentrale Ergebnis der Arbeit ist, dass die Zeitungen unterschiedliche Voraussetzungen im Wettbewerb hatten, sich aufgrund dessen unterschiedlich verhielten und konsequenterweise unterschiedliche Ergebnisse erzielten. Es wird gezeigt, dass alle drei Verlage ihre Marketinginstrumentarien ausreizten und dennoch keiner sein originäres Marktziel, die Zeitung für Gesamt-Berlin herauszugeben, erreichte. Der intensive Einsatz der Wettbewerbsparameter – vor allem des Preises und Freiexemplare im Vertrieb - nahm phasenweise ruinöse Ausmaße an.

Eine wesentliche Erkenntnis für den Lesermarkt ist, dass die erzielten Ergebnisse zu großen Teilen von der Leserstruktur der einzelnen Zeitungen abhingen. So verlor z.B. die Berliner Zeitung massiv an Lesern, nachdem das ursprünglich aus Ost-Berlin stammende Blatt 1997 einen Relaunch vollzog, um neue Leserschichten im Westteil der Stadt zu erreichen. Das preissensitive Stammpublikum im Ostteil Berlins konnte sich mit der neuen inhaltlichen Ausrichtung und optischen Anmutung jedoch nur schwer anfreunden.

Die Analyse der Anzeigenmärkte veranschaulicht die Wirkungslosigkeit des Instrumentes Preis. Die Senkung der Anzeigenpreise oder sogar die kostenlose Abgabe von Anzeigenraum in den Rubrikmärkten führte nicht, wie von einigen Verlagen erhofft, zu einem größeren Marktanteil. Stattdessen lernten die Wettbewerber, dass die Rubrikmärkte starre, intransparente Strukturen besitzen und ihre wichtigste Währung die Resonanz für den Anzeigenkunden ist. Andererseits konnten kleinere Marktbewegungen durch den effizienten Einsatz von Innovationen und Anzeigen-Kombinationen herbeigeführt werden.

Die als Fallstudie konzipierte Arbeit verwendet drei Quellen: Zum einen wurden persönliche Interviews am offenen Leitfaden mit aktuellen und ehemaligen Führungskräften der drei Verlage geführt. Zum anderen wurde statistisches Datenmaterial, bestehend aus Preislisten, Auflagenzahlen, Markt-Media-Studien und soziodemographischen Daten einer Sekundäranalyse unterzogen. Als dritte Quelle wurden Beiträge aus der Fachliteratur hinzugezogen.

Obwohl der Wettbewerb auf dem Berliner Markt für regionale Abonnement-Zeitungen ein Einzelfall ist, können die Ergebnisse partiell auf oligopolistisch organisierte Märkte mit heterogenen Käuferstrukturen übertragen werden. Darüber hinaus zeigt die Fallstudie die Folgen eines ruinösen Wettbewerbs auf und liefert die Vorgeschichte zu dem Fall, welcher der anstehenden Novellierung der Pressefusionskontrolle einen entscheidenden Schub verliehen hat.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis 5
Tabellenverzeichnis 6
Abkürzungsverzeichnis 7
I. Einleitung 9
II. Theoretischer Teil 11
1. Das Struktur-Verhalten-Ergebnis-Paradigma 11
1.1 Marktstruktur 15
1.1.1 Marktabgrenzung 15
1.1.2 Marktform 19
1.1.3 Marktphasen 20
1.1.4 Marktschranken 22
1.2 Marktverhalten 23
1.2.1 Preiswettbewerb 27
1.2.1.1 Preisstarrheit 33
1.2.1.2 Ruinöser Preiskampf 34
1.2.2 Qualitäts- und Innovationswettberb 37
1.2.3 Vertriebs- und Werbewettbewerb 42
1.3 Marktergebnis 43
2. Grenzen des SVE-Paradigmas 44
3. Zusammenfassung 45
III. Empirischer Teil 47
1. Der relevante Markt 48
2. Die Akteure 51
2.1 Berliner Morgenpost 51
2.2 Berliner Zeitung 55
2.3 Der Tagesspiegel 59
3. Die soziodemographische Entwicklung Berlins 62
3.1 Bevölkerungszahlen 62
3.2 Einkommen 63
3.3 Alter 66
3.4 Bildung 67
4. Intermediärer Wettbewerb 68
4.1 Print 69
4.1.1 Überregionale Tageszeitungen und Kaufzeitungen 69
4.1.2 Sonstige Printobjekte 71
4.2 Online 74
4.3 Hörfunk und Fernsehen 76
5. Generelle Marktentwicklung 77
5.1 Lesermarkt 77
5.1.1 Auflage 77
5.1.2 Reichweite 82
5.1.2.1 Haushaltsnettoeinkommen 83
5.1.2.2 Alter 86
5.1.2.3 Bildung 88
5.2 Anzeigenmarkt 90
5.2.1 Überregionales Anzeigengeschäft 90
5.2.2 Lokales- und Rubrikanzeigengeschäft 94
5.3 Fazit 96
6. Preiswettbewerb 99
6.1 Lesermarkt 99
6.1.1 Abonnementpreis 99
6.1.2 Einzelverkaufspreis 106
6.1.2.1 Werktagsausgaben 107
6.1.2.2 Samstagsausgaben 112
6.1.2.3 Sonntagsausgaben 114
6.2 Anzeigenmarkt 115
6.2.1 Anzeigenpreise 115
6.2.2 Immobilienmarkt 119
6.2.2.1 Marktstruktur 119
6.2.2.2 Marktverhalten 121
6.2.2.3 Marktergebnis 124
6.2.3 Kfz-Markt 126
6.2.3.1 Marktstruktur 126
6.2.3.2 Marktverhalten 127
6.2.3.3 Marktergebnis 129
6.2.4 Stellenmarkt 131
6.2.4.1 Marktstruktur 131
6.2.4.2 Marktverhalten 132
6.2.4.3 Marktergebnis 134
6.3 Fazit 134
7. Qualitäts- und Innovationswettbewerb 138
7.1 Lesermarkt 138
7.1.1 Montags- und Sonntagsausgaben 138
7.1.1.1 Marktstruktur 138
7.1.1.2 Marktverhalten 139
7.1.1.3 Marktergebnis 140
7.1.2 Bezirksausgaben 144
7.1.2.1 Marktstruktur 144
7.1.2.2 Marktverhalten 145
7.1.2.3 Marktergebnis 146
7.1.3 Relaunches 147
7.1.3.1 Marktstruktur 147
7.1.3.2 Marktverhalten 147
7.1.3.3 Marktergebnis 151
7.1.4 Sonstige Innovationen 154
7.2 Anzeigenmarkt 155
7.2.1 Tabellenanzeigen 155
7.2.2 Anzeigenkombinationen 156
7.3 Fazit 158
8. Vertriebs- und Werbewettbewerb 160
8.1 Zustellerwettbewerb 160
8.2 Freiexemplare 161
8.3 Sonstiger Verkauf 164
8.4 Sonstige Vertriebs- und Werbemaßnahmen 166
8.5 Fazit 168
IV. Erkenntnisse 169
Literaturverzeichnis 175
Anhang 189
A. Chronologie 190
B. Tabellen 198
C. Interviewleitfaden und Interviews 246

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die Tabellenanzeige war aus Lesersicht durchaus eine Innovation und hatte einen Vorteil in Form von Transparenz. Erlöstechnisch war sie jedoch ein Flop. Für den Leser schafft sie zwar eine höhere Transparenz des Anzeigenmarktes, der Inserent will das gar nicht: In einer Seite mit Kfz-Tabellenanzeigen stehen zum Beispiel 20 VW Passat, die sich geringfügig unterscheiden. Das ist in einem so großen Markt durchaus üblich. Die Tabellenanzeigen sind standardisiert und der Platz, das Angebot zu beschreiben, ist gering. Nehmen wir an, Farbe, Kilometerstand des Autos usw. sind identisch und die Autos unterscheiden sich nur in der Ausstattung und im Preis. Das Ergebnis ist, dass wenn 20 Anzeigen [...]

In den 70er und 80er Jahren waren die Zeitungen oft in zwei Büchern strukuriert, das hing mit der Drucktechnik zusammen. Man hatte zuerst das überregionale, danach das lokale Buch. In Berlin war es sehr schnell so, dass es vier Bücher gab – weil die Ressorts einfach groß wurden. Es gab ein überregionales großes Politikbuch, ein lokales Buch, ein Wirtschaftsbuch und ein kulturelles Buch. Man kann sagen, dass die Vier-Buch-Struktur regionaler Zeitungen Anfang der 90er Jahre in Berlin Signalwirkung auch für den gesamten deutschen Markt besaß. Das war eine weitere Produktinnovation: Zeitungen strukturieren und in Lesesegmente bringen – das ist in Berlin sehr stark betrieben worden. [...]

Der Laie stellt sich bei der IVW-geprüften Auflage vor, dass das Abonnenten sind, die beliefert werden. Der Wert lässt sich jedoch innerhalb seiner Definition beeinflussen. „Sonstiger Verkauf“ heißt, dass es einen höheren Rabatt gibt, als bei einem Barzahler-Skonto oder einem Studenten-Rabatt – viel mehr Rabattarten sind nicht zugelassen. Werden beispielsweise den Mitarbeitern einer Firma Abonnements geliefert, weil sie das als Sozialleistung definiert und der Verlag aufgrund der großen Menge zehn Prozent Rabatt gewährt, dann wird das bereits als „Sonstiger Verkauf“ ausgewiesen. Die Zeitungen werden wie normale Abos ausgeliefert - das sind keine Zeitungsstapel, die in der Ecke vergammeln. Daher ist mein „Petitum“ erst einmal: „Sonstiger Verkauf“ ist nichts Schlechtes. Und jetzt kommt das „Aber“: Dieser darf nicht für Tricksereien ausgenutzt werden. Es schadet der ganzen Branche. [...]

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Schlagworte:
Medien, Marketing, Berliner Morgenpost, Der Tagesspiegel, Struktur-Verhalten-Ergebnis-Paradigma

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