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Das Wesen des Dokumentarfilms - Möglichkeiten der Dramaturgie und Gestaltung

Das Wesen des Dokumentarfilms - Möglichkeiten der Dramaturgie und Gestaltung
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Monika Grassl
  • Abgabedatum: September 2005
  • Umfang: 164 Seiten
  • Dateigröße: 1,3 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule St. Pölten Österreich
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9323-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9323-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9323-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Grassl, Monika September 2005: Das Wesen des Dokumentarfilms - Möglichkeiten der Dramaturgie und Gestaltung, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Film, Erzählung, Dokumentation, Kommunikation, Realität

Diplomarbeit von Monika Grassl

Einleitung:

Seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts nimmt der Dokumentarfilm eine wichtige wirtschaftliche, bildungs- und gesellschaftspolitische Funktion ein. Ziel dieser Arbeit ist es, einen umfassenden Einblick in das spezielle Wesen des Dokumentarfilms zu geben und in weiterer Folge den Dokumentarfilm von anderen dokumentarischen Formen am audiovisuellen Mediensektor abzugrenzen.

Gerade in der heutigen Zeit werden seine Bedeutung und sein Wesen vor allem von ProgrammgestalterInnen, und in weiterer Folge von einem potentiellen Publikum oft ignoriert oder verkannt. Um dem etwas entgegenzusetzen, setzt sich die vorliegende Arbeit mit dem dokumentarischen Genre als eine besondere Kommunikationsform auseinander.

In erster Linie wird seine Darstellungs- und Vermittlungsfunktion ins Zentrum der Betrachtung gestellt. Dazu werden verschiedene Erzähltechniken, sowie kinematographische Gestaltungsformen beschrieben, die im Dokumentarfilm Anwendung finden können. In diesem Zusammenhang wird auch dargelegt, warum die Anwendung narratologischer und gestaltungstechnischer Strukturen für den Dokumentarfilm unausweichlich ist. Durch die Besonderheiten des Genres in der Erzählweise und der kinematographischen Umsetzung entsteht eine völlig neue filmische Realität, die es ebenfalls zu diskutieren gilt.

Wie die vorliegende Arbeit aufzeigen wird, gibt es vor allem unter den FilmemacherInnen unterschiedliche Ansichten, was ein Dokumentarfilm ist und wie er eine Realität darstellen kann. Daher lässt jede Beschäftigung mit dem Wesen des Dokumentarfilms auch folgende Fragen aufkommen: Wie beeinflusst die Subjektivität des/der FilmemacherIn den Dokumentarfilm? Wie kann im Dokumentarfilm wirklichkeitsnah dargestellt werden? Welche Bedeutung haben ethische Fragen? Kommen versteckte Ideologien zum Einsatz? Welche Wirkung hat das Gefilmte auf den/die RezipientInnen? Um das Wesen des Dokumentarfilms zu begreifen, wäre dahereine umfassende Beschäftigung mit all diesen Bereichen notwendig. Da dies den hier vorgegebenen Rahmen sprengen würde, wurde das Thema der Arbeit auf die Narratologie und die formalen Elemente der kinematographischen Umsetzung fokussiert.

Gang der Untersuchung:

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Dokumentarfilm als ein Kommunikations- und Ausdrucksmittel der heutigen Zeit. Laut Definitionen in Fachbüchern und Lexika soll der Dokumentarfilm die Realität in seiner „vorgefundenen Ursprünglichkeit“ wiedergeben.

Daher wird in der Arbeit der Frage nachgegangen, ob und wie eine vorgefundene Realität dokumentarisch dargestellt werden kann, sodass das Dargestellte einen authentischen Charakter aufweist und einem Wahrheitsanspruch genügt. Durch die besonderen Umstände während der oft extremen Drehbedingungen, der subjektiven Sicht des/der FilmemacherIn und der Wahrnehmung des/der ZuseherIn entsteht aus einer vorgefundenen Wirklichkeit eine neue dokumentarfilmische Realität.

Um diese zu beschreiben, werden in der vorliegenden Arbeit auch die Einflussfaktoren während der Herstellungsphasen eines Dokumentarfilms thematisiert. Die Möglichkeiten der dokumentarischen Umsetzung einer vorgefunden Realität werden auf vier verschiedenen Ebenen des Dokumentarfilms diskutiert:

- Inhalt, Thema und Botschaft des Dokumentarfilms.

- Narrative und dramaturgische Gestaltung eines dokumentarischen Themas.

- Kinematographische Stilmittel für die Umsetzung der filmischen Erzählung.

- Filmische Realität, die sich aus den ersten drei Ebenen neu konstruiert.

Gleichzeitig wird der Versuch unternommen, das schwer zu kategorisierende Genre „Dokumentarfilm“ wissenschaftlich zu fassen. Dazu wurde als Methode das qualitative Experteninterview gewählt. Anhand der Ergebnisse der Interviews wird der Frage nachgegangen, was einen „guten“ Dokumentarfilm ausmacht. In dieser Arbeit wird ein Dokumentarfilm in einer ersten Betrachtung als „gut“ erachtet, wenn er sich als informativ, wahr, glaubwürdig, differenziert und unterhaltend erweist und der Film sowie seine Botschaft von einem Publikum verstanden werden.

Gleichzeitig soll sich der „gute“ Dokumentarfilm durch einen künstlerischen Anspruch des/der FilmemacherIn auszeichnen und genügend Raum für Interpretationen des/der ZuseherIn bieten. Die vorliegende Arbeit erhebt jedoch nicht den Anspruch, ein allgemeingültiges Rezept für das dokumentarische Genre gefunden zu haben, das automatisch zum Erfolg und zur Anerkennung eines Dokumentarfilms beim Publikum führt.

Ausgangspunkt der Arbeit ist die Beschäftigung mit dem Dokumentarfilm als eine Darstellungs- und Vermittlungsform. Dabei ist zu beachten, dass der Dokumentarfilm immer als ein Produkt seiner Zeit betrachtet werden muss, da er von gesellschaftlichen, wirtschaftlichen sowie technischen Einflussfaktoren geprägt ist. Deshalb ist es für eine Auseinandersetzung notwendig, das Genre für den heutigen Zeitgeist neu zu definieren und zu positionieren.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich daher auch mit der Abgrenzung des Dokumentarfilms zu anderen aktuellen dokumentarischen Formen. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es also, durch eine umfassende Literaturrecherche sowie den Ergebnissen der Experteninterviews Genremerkmale und Kriterien für einen guten Dokumentarfilm darzustellen. Diese Kriterien können einerseits der praktischen Umsetzung von Dokumentarfilmen dienen, indem sie Möglichkeiten für die narrative und gestaltungstechnische Planung einer Dokumentarfilmproduktion bieten.

In der Auseinandersetzung mit dem Wesen des Dokumentarfilms soll die Arbeit andererseits auch zur Entwicklung eines dokumentarischen Bewusstseins in Fernsehanstalten, bei RedakteurInnen, ProduzentInnen sowie beim Publikum beitragen. Durch das Verständnis, was ein Dokumentarfilm sein kann, soll auch eine Kommunikationsbasis geschaffen werden.

Der Dialog zwischen den Kreativen – den FilmemacherInnen – und den ProduzentInnen – den Fernsehstationen oder GeldgeberInnen – soll vereinfacht werden. Zusätzlich soll die Arbeit Anreiz für weitere kommunikationswissenschaftliche, kinematographische sowie dokumentarische Forschungen sein.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 7
2. WAHL DES FORSCHUNGSGEGENSTANDES 8
2.1 ZIELSETZUNG 8
2.2 FORSCHUNGSMETHODE 9
2.2.1 Forschungsleitende Fragestellungen 9
2.2.2 Das qualitative Interview 10
3. BESCHREIBUNG DES GENRES 12
3.1 STELLUNG VON AUDIOVISUELLEN MEDIEN 12
3.2 DAS MEDIUM FILM 14
3.3 DAS DOKUMENTARISCHE GENRE 16
3.3.1 Mögliche Definitionen des Genres 16
3.3.2 Abgrenzung zum fiktionalen Film 19
3.3.3 Abgrenzung zum dokumentarischen Journalismus 22
3.3.3.1 Die Meldung 23
3.3.3.2 Der Bericht 23
3.3.3.3 Die Reportage 24
3.3.3.4 Das Feature 24
3.3.3.5 Magazinbeiträge 25
3.3.4 Besondere Formen des dokumentarischen Films 26
3.3.4.1 Das Dokudrama 27
3.3.4.2 Der Filmessay 28
3.3.4.3 Dokutainment 28
3.3.4.4 "Reality-TV" 29
3.3.4.5 "Pseudo-Dokus" 30
3.3.4.6 Die TV-Dokumentation 31
3.3.4.7 Der Dokumentarfilm 32
3.3.5 Vertriebskanäle 34
3.3.5.1 Das Kino 35
3.3.5.2 Das Fernsehen 36
3.4 SCHLUSSFOLGERUNGEN 40
4. KOMMUNIKATIONSMITTEL DOKUMENTARFILM 41
4.1 THEORETISCHE ÜBERLEGUNGEN 41
4.1.1 Der Begriff Kommunikation 41
4.1.2 Filmtheoretische Überlegungen 43
4.1.3 Semiotische Betrachtungsweise 44
4.1.3.1 Zeichen 45
4.1.3.2 System 46
4.1.3.3 Die Sprache der Bilder 46
4.2 SCHLUSSFOLGERUNG 48
4.3 ERSTE FILMISCHE EBENE: INHALT UND THEMA 50
5. ZWEITE FILMISCHE EBENE: DIE ERZÄHLUNG 53
5.1 DIE NARRATION 53
5.1.1 Interdisziplinäre Betrachtung von Erzählung 55
5.1.1.1 Ansätze aus der Histographie 55
5.1.1.2 Ansätze aus der Literaturwissenschaft 56
5.1.1.3 Sprachwissenschaft und Linguistik 56
5.1.2 Narrative Modelle 57
5.1.2.1 Narratives Modell von Thorndyke 58
5.1.2.2 Modell Labov und Waletzky 59
5.1.2.3 Das strukturale Modell 60
5.1.2.4 Am Handlungsverlauf orientierte Modelle 62
5.1.3 Das narrative System 63
5.1.3.1 Wahrnehmungspsychologische Voraussetzung 63
5.1.3.2 Bedeutung der narrativen Form 64
5.1.3.3 Merkmale einer Erzählung 65
5.1.3.4 Die narrative Struktur 66
5.2 ERZÄHLEN IM DOKUMENTARFILM 67
5.2.1 Bedeutung von narrativen Elementen für den Dokumentarfilm 67
5.2.1.1 Kritik an der Narrativität 69
5.2.1.2 Kritik an der Kritik 70
5.2.2 Der narrative Aufbau im Dokumentarfilm 73
5.2.2.1 Die Stimme im Dokumentarfilm - "wer spricht?" 74
5.2.2.2 Modus - "wer sieht?" 78
5.2.2.3 Organisation der Zeit 81
5.2.2.4 Dramaturgische Regeln im Dokumentarfilm 87
5.3 SCHLUSSFOLGERUNG 92
6. DRITTE FILMISCHE EBENE: KINEMATOGRAPHISCHE UMSETZUNG IM DOKUMENTARFILM 93
6.1 STILMITTEL DER INTRADIEGETISCHEN EBENE 94
6.1.1 Kommentarstimmen im "ON" 94
6.1.1.1 Der intradiegetisch-heterodiegetische Erzähler 95
6.1.1.2 Darstellung der "Talking Heads" 96
6.1.1.3 Das Interview 97
6.1.2 Das Filmbild 98
6.1.3 Originalton (O-Ton) 100
6.1.4 Montage und Bildschnitt 101
6.2 ELEMENTE DER EXTRADIEGETISCHEN EBENE 102
6.2.1 Der Kommentar aus dem "OFF" 103
6.2.1.1 Der extradiegetisch-heterodiegetische Erzähler 104
6.2.1.2 Der Intradiegetisch-homodiegetische Erzähler 105
6.2.2 Fremdsprachige Übersetzungen 106
6.2.3 Ohne Worte 107
6.2.4 Kinematographische Umsetzung der Perspektive 108
6.2.4.1 Die Übersicht 108
6.2.4.2 Innenperspektive 108
6.2.4.3 Außenperspektive 109
6.3 SCHLUSSFOLGERUNG 109
7. VIERTE EBENE: DIE NEUE REALITÄT IM FILM 110
7.1 STELLENWERT DER "NICHTFILMISCHEN REALITÄT" 111
7.2 BEGRIFFSDEFINITIONEN 113
7.3 HISTORISCHE TENDENZEN IM UMGANG MIT REALITÄT 114
7.4 THEORIEN ZUR VERMITTLUNG VON REALITÄT 118
7.4.1 Erkenntnistheoretischer Ansatz 119
7.4.2 Ansätze der Kommunikations- und Medienwissenschaften 120
7.5 ZUR PROBLEMATIK DER DARSTELLUNG VON REALITÄT IM DOKUMENTARFILM 22
7.5.1 Ebenen der Realität 122
7.5.2 Codierung von Realität durch die "Macher" 125
7.5.2.1 Die Subjektivität des Dokumentarfilmers 125
7.5.2.2 Präsents der Kamera und des Teams 126
7.5.2.3 Im Spannungsfeld von Repräsentation und Konstruktion 127
7.5.2.4 Finanzielle Einflüsse 130
7.5.3 Decodierung von Realität durch die Rezipienten 131
7.6 SCHLUSSFOLGERUNG 133
8. DAS WESEN DES DOKUMENTARFILMS 135
8.1 PERSÖNLICHE ANSICHTEN DER INTERVIEWTEN 135
8.2 MERKMALE DES "GUTEN" DOKUMENTARFILMS 137
9. RESÜMEE 144
10. AUSBLICK 147
ANHANG A. QUELLENVERZEICHNIS 150
ANHANG B. GLOSSAR 157
ANHANG C. DANKSAGUNG 161

Automatisiert erstellter Textauszug:

Der Modus bestimmt die Steuerung der narrativen Information. Er ist eine „Bezeichnung für die verschiedenen Verbformen, die benutzt werden, um eine Sache mehr oder weniger nachdrücklich zu behaupten und um auf die verschiedenen Blickwinkel (points de vue) hinzuweisen, unter denen sie betrachtet werden.“196 Viele TheoretikerInnen vermengen unter dem „points de vue“ die Elemente Stimme und Modus, d.h. die Frage „wer liefert im Film den Blickwinkel“ wird mit der Frage „wer ist der Erzähler?“ vermischt. Gérard Genette möchte durch seine Gedanken die Problematik dieser Vermengung aufzeigen. Denn während das Analyseinstrument „Stimme“ die Frage beantworten soll „wer spricht“, wird mit dem Modus direkt auf den/die FilmemacherIn verwiesen, also „wer sieht“. „Bekanntermaßen gibt es keine „objektive“ Darstellung in dem Sinn, dass sie nicht durch einen zum Objekt eingenommenen Stand- oder Blickpunkt geprägt wäre.“197 Wie in dem Zitat bereits angedeutet, kann die Darstellung eines Ereignisses im Dokumentarfilm auch nur aus einer subjektiven Sicht heraus geschehen. Dieser Blickwinkel, aus welchem die Geschichte gezeigt wird, ergibt sich sowohl aus dem [...]

tagonisten-Erzähler“, der „Autobiographische Erzähler“ und der „Fiktionalisierte Erzähler“ (siehe Kapitel 6.1.1., S. 94).191 „Talking Heads“ „Mit dem sprechenden Menschen tritt die altbekannte Figur des Erzählers im Dokumentarfilm sichtbar auf, ein epischer Katalysator, der nicht nur Inhalte vermittelt, sondern den Film als Ganzes dramaturgisch vorantreibt oder bremst, kommentiert, kritisiert, persifliert. Und wie im richtigen Leben häng die Qualität der Erzählung in erster Linie vom rhetorischen und schauspielerischen Talent der Erzählenden ab.“192 Mit „Talking Heads“ sind also Personen gemeint, die vor der Kamera direkt zu Wort kommen. Durch diese Form der Sprache können die ProtagonistInnen ihre eigene Sicht der Dinge und ihre Gefühle am besten zum Ausdruck bringen. Die Blicke in die Kamera treffen die ZuseherInnen direkt, ein aufkommendes FrageAntwort-Muster hegt Interesse und Hinweiszeichen veranlassen den/die ZuseherIn zu Hypothesen über den Fortgang der Filmerzählung. Die AkteurInnen fungieren so als Zeugen von Geschehnissen und in erster Linie von sich selbst. Diese Form ermöglicht deshalb eine präzisere und authentischere dokumentarische Beleuchtung einer Geschichte, eines Sachverhaltes oder Standpunktes.193 Wilma Kiener bezeichnet diesen Erzählertyp als „Protagonisten Erzähler“ (siehe Kapitel 6.1.1.2, S. 95). Er kommuniziert mit den ZuseherInnen mehr indirekt, indem er als Reflektorfigur fungiert. Im Gegensatz zur Erzählfigur erzählen diese keine Geschichte, sondern reflektieren, nehmen wahr, empfinden und registrierten Geschehnisse. Dabei reicht das Spektrum meist von allgemeinen, jedermann zugänglichen Beobachtungen bis zu intimen Gefühlen, Wahrnehmungen und persönlichen Gedanken, die aber kaum verbalisiert werden. Die Qualität und die Aufnahme von Information sind oft von der Entfernung und Nähe von dem/der ZuseherIn zu dieser Reflektorfigur abhängig. Die Gefühlsäußerungen der Figuren rufen [...]

Genette definiert vier Grundtypen des literarischen Erzählers, die auf den Dokumentarfilm übertragen werden können: Der extradiegetisch-heterodietische, der extradiegetisch-homodiegetische, der intradiegetisch-homodiegetische und der intradiegetisch-heterodiegetische Erzähler. Extradiegetisch ist der Erzähler dann, wenn er als Person keine Spuren im Text hinterlässt. Das Gegenteil ist die intradiegetische Erzählweise, bei der der Erzähler gleichzeitig zum Akteur wird. Als homodiegetisch bezeichnet man eine Erzählung dann, wenn der Erzähler an dem Vorfall selbst beteiligt war. Bei einer heterodiegetischen Darstellung war er in das dargestellte Ereignis wiederum nicht integriert. Dadurch ist der Status des Erzählers einerseits durch die Ebene festgelegt, auf der er sich befindet (d.h. extra- oder intradiegetisch), und weiters durch seine Beziehung zur Erzählrealität (homo- oder heterodiegetisch).190 Im Dokumentarfilm können sich demnach eine extradiegetische Erzählfigur mit Gestaltungsfunktion und eine intradiegetische Person, also die identifizierbare Filmfigur gegenüberstehen. In welchem Verhältnis diese beiden Typen zueinander stehen und welche der beiden Erzählerstimmen dominiert, bleibt zwar jedem/r FilmemacherIn selbst überlassen, es kann jedoch ausschlaggebend auf Tiefe, Qualität und Authentizität des dokumentarischen Charakters sein. Wilma Kiener betont, dass im Dokumentarfilm lediglich der extradiegetische Erzähler uneingeschränkt gültig sein kann. Durch die verschiedenen Erzählebenen ergeben sich auch sieben unterschiedliche kommunikative Situationen. Wilma Kiener definiert daher sieben Haupttypen des nichtfiktionalen Erzählers, die einerseits die Identität des Erzählers sowie deren Verhältnis zu den dargestellten Ereignissen erahnen lassen. Dazu zählen: Der „Nüchterne Erzähler“ (d.h. der neutrale, sachlich distanzierte Erzähler), der „Expressive Erzähler“, der „Reporter-Erzähler“, der „Investigative Erzähler“, der „Pro- [...]

Arbeit zitieren:
Grassl, Monika September 2005: Das Wesen des Dokumentarfilms - Möglichkeiten der Dramaturgie und Gestaltung, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Film, Erzählung, Dokumentation, Kommunikation, Realität

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