Werbung zwischen Kunst und Manipulation
Denkanstöße zur persönlichen Auseinandersetzung mit dem polarisierenden Wesen der Werbung
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Tanja Hartmann
- Abgabedatum: März 2002
- Umfang: 157 Seiten
- Dateigröße: 3,1 MB
- Note: 1,5
- Institution / Hochschule: Hochschule der Medien (ehem. Hochschule für Druck und Medien Stuttgart (FH)) Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6029-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6029-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6029-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hartmann, Tanja März 2002: Werbung zwischen Kunst und Manipulation, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Gestaltempfindung, Kunstgeschichte, Provokation, Postmoderne, Kommunikationspsychologie
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Diplomarbeit von Tanja Hartmann
Einleitung:
Die Diskussion um Werbung und Kunst ist so alt wie die Werbung selbst und angesichts der scheinbar zunehmenden Verschmelzung beider Bereiche heute brisanter denn je. Dabei glauben wir auf den ersten Blick genau zu wissen, was unter Werbung und was dagegen unter Kunst zu verstehen ist.
Die Frage nach Werbung, ruft bei vielen zunächst die Erinnerung an den letzten Fernsehabend wach oder erinnert an den Promotionstand in der Fußgängerzone gestern Mittag.
Denken wir dagegen an Kunst, beschleicht uns das klamme Gefühl von hohen, fensterlosen Räumen in alten Museumsgebäuden, so still, dass man kaum zu atmen wagt. Die vielfältigen anderen Bereiche der bildenden Kunst, wie Architektur, Plastik, Objekt- und Projektkunst aber auch Videokunst werden dabei oftmals vergessen.
Der Kunstbegriff lässt sich heute jedoch fast unendlich ausdehnen. Nicht selten stehen wir kopfschüttelnd vor dem, was uns als Kunst feilgeboten wird. Auch beschäftigen sich immer mehr Museen mit Werbung, präsentieren Sonderausstellungen und Bildbände mit liebevoll recherchierten Ausführungen zum „Produktdesign der 80er“ oder den „schönsten Emailschilder der ersten Markenartikler“.
Umgekehrt finden wir Motive, die wir als Ausdrucksformen der Kunst zu kennen glaubten, im Auftrag des Produktdesigns plötzlich auf Geschirr, Schreibutensilien, T-Shirts, Uhren, Aschenbecher, als Kalender, Poster und Postkarten wieder.
Liegt damit nicht die Vermutung nahe, dass zischen Werbung und Kunst doch eine Verbindung besteht? Und dennoch ist Werbung nicht einfach mit Kunst gleichzusetzen. Werbung polarisiert. Für die einen ist sie Kunst, für die anderen die wahrscheinlich geschickteste Manipulation der Welt.
Im unserem Bewusstsein sind die Begriffe Kunst und Werbung nicht klar definiert. Die vereinfachende Formel, die Kunst ins Museum verbannt und als Werbung all das verteufelt, was sich uns Tag täglich bunt und laut entgegendrängt, ist längst überholt. Die fortschreitende Entwicklung der Märkte und die sich dadurch ständig wandelnden Anforderungen an Kommunikation und Werbung sowie die Unzahl neuer Tendenzen in der Kunst, auch bedingt durch die rasante Entwicklung neuer Medien, erschweren eine klare, allgemeingültige Begriffsdefinition.
Ziel dieser Arbeit ist es daher, ausgehend von der geschichtlichen Entwicklung des schöpferisch tätigen Menschen, neue Denkanstöße zu geben, um, neben den durch die Gesellschaft geprägten Ansichten, eine Art persönlich-philosophische Auffassung der beiden sich phasenweise überschneidenden Lebensbereiche Kunst und Werbung zu erlangen. Am Ende steht eine Frage, die, wie ich meine, jeder für sich selbst beantworten muss: Ist Werbung Kunst oder doch nur listige Manipulation auf Kosten der Verbraucher?
Inhaltsverzeichnis:
| I. | Vorwort (mit eidesstattlicher Erklärung) | 2 |
| 1. | Themeneinführung | 6 |
| 2. | Begriffliche Abgrenzung | 8 |
| 3. | Geschichtliche Intensionsbetrachtung von Kunst und Werbung. | 9 |
| 3.1 | Gestalt - Grundempfindung des Menschen? | 9 |
| 3.1.1 | Frühe Formbegegnung | 9 |
| 3.1.2 | Situative Farbempfindung | 10 |
| 3.1.3 | Das Geheimnis des Duktus | 11 |
| 3.1.4 | Geometrie der Natur | 12 |
| 3.1.5 | Klassische Konditionierung in der Werbung | 13 |
| 3.1.6 | Kulturelle Abhängigkeit | 15 |
| 3.1.7 | Philosophische Betrachtung | 16 |
| 3.2 | Kunsthandwerk | 18 |
| 3.2.1 | Die Kinderstube der Kunst - Malerei als Wegbereiter der Schrift | 19 |
| 3.2.2 | Cycladenidole - Unvermögen oder bewusstes Formempfinden? | 28 |
| 3.2.3 | Frühes Produktdesign - Die Hochkultur Ägyptens | 32 |
| 3.2.4 | Historischer Ausblick - Die Antike Griechenlands und die Machtdemonstration des mittelalterlichen Klerus | 37 |
| 3.2.5 | Zusammenfassung - Kunstwollen und Stellung der frühen Künstler | 39 |
| 3.3 | Die Kunst wagt erste Schritte | 41 |
| 3.3.1 | Renaissance - Die Entdeckung des Menschen und der Natur. | 41 |
| 3.3.2 | Manierismus - Die geistige Geburt der Moderne | 47 |
| 3.3.3 | Barock - Strömungen und Gegenströmungen | 49 |
| 3.3.4 | Aufklärung - Edle Einfalt und stille Größe des Klassizismus | 52 |
| 3.3.5 | Der kritische Blick des Künstlers - Naturalismus und Realismus | 54 |
| 3.3.6 | Weltschmerz und Sehnsucht - Das identifikatorische Element der Romantik | 55 |
| 3.3.7 | Zusammenfassung - Neues Selbstbewusstsein, neue Abhängigkeit. | 56 |
| 3.4 | Wendepunkt Industrialisierung - Werbung entwickelt Selbstbewusstsein | 58 |
| 3.4.1 | Impressionismus - Aufbruch in die Moderne | 59 |
| 3.4.2 | Plakatkunst - Einheit von Motiv und Schrift | 61 |
| 3.4.3 | Historischer Ausblick - Erneute Divergenz von Kunst und Werbung | 64 |
| 3.4.4 | Kunst und Werbung im Angesicht des Nationalsozialismus | 69 |
| 4. | Fazit aus den Ereignissen der Geschichte | 78 |
| 4.1 | Die Ableitung von Merkmalen und Merkmalsausprägungen | 79 |
| 4.1.1 | Merkmal 1 - „Das Selbstverständnis der Künstler“ | 79 |
| 4.1.2 | Merkmal 2 - „Anforderung an den Betrachter“ | 80 |
| 4.1.3 | Merkmal 3 - „Motivwahl in Abhängigkeit der Zielgruppe“ | 81 |
| 4.1.4 | Merkmal 4 - „Darstellungsweise“ | 82 |
| 4.2 | Erste Ansatzpunkte einer Kunstdefinition | 83 |
| 5. | Kunst und Werbung in einer postmodernen Gesellschaft | 85 |
| 5.1 | Moderne Wirtschaftswerbung und ihre Intension | 85 |
| 5.1.1 | Der Begriff des Marketing | 85 |
| 5.1.2 | Der Begriff der Werbung | 87 |
| 5.2 | Eindrücke einer Gesellschaft | 89 |
| 5.2.1 | Gesellschaftliches Umfeld | 89 |
| 5.2.2 | Umriss eines Gesellschaftstypus | 93 |
| 5.3 | Über die Schwierigkeit zu Provozieren | 96 |
| 5.3.1 | Folgen postmoderner Toleranz | 97 |
| 5.3.2 | Aufmerksamkeit für Kunst und Werbung | 98 |
| 5.3.3 | Merkmalsvergleich I | 100 |
| 5.4 | Über die Schwierigkeit innovativ zu sein | 101 |
| 5.4.1 | Gefangenschaft im Vokabular eines Weltbildes | 102 |
| 5.4.2 | Abhängigkeit von technischen Entwicklungen | 103 |
| 5.4.3 | Innovationen in der Kunst | 103 |
| 5.4.4 | Innovation in Wirtschaft und Werbung | 105 |
| 5.4.5 | Merkmalsvergleich II | 107 |
| 5.5 | Das Wesen der Manipulation | 109 |
| 5.5.1 | Allgemeiner Sprachgebrauch und Definition von Manipulation | 109 |
| 5.5.2 | Psychologische Ansätze | 112 |
| 5.5.3 | Kommunikationspsychologische Modelle | 113 |
| 5.5.4 | Philosophische Ansätze | 115 |
| 5.5.5 | Manipulationsvorwürfe gegenüber der Werbung | 117 |
| 6. | Abschließende Worte | 121 |
| 6.1 | Rückblickende Zusammenfassung | 121 |
| 6.2 | Fazit | 123 |
| 6.3 | Abschließendes Beispiel | 124 |
| 6.3.1 | Persönliche Eingrenzung des allgemeinen Begriffs der Kunst | 125 |
| 6.3.2 | Persönliche Bewertung des allgemeinen Begriffs der Werbung | 127 |
| 6.3.3 | Anerkennung von Ausnahmen im Einzelfall | 128 |
| 6.4 | Ausblick. | 129 |
| 7. | Persönliches Schlusswort | 132 |
| ANHANG | ||
| Übersicht der Merkmalsentwicklungen 1-4 | 133 | |
| Übersicht der Merkmalsprofile von Kunst und Werbung | 134 | |
| Primärliteratur | 135 | |
| Sekundärliteratur | 137 | |
| Indirekt zitierte Originalliteratur. | 138 | |
| Artikel und Webpages | 139 | |
| Abbildungsverzeichnis der Textabbildungen | 141 | |
| Abbildungsverzeichnis der Umschlagabbildungen (1-19) | ||
| Abbildungsverzeichnis der Umschlagabbildungen (20-40) |
Historischer Ausblick – Erneute Divergenz von Kunst und Werbung Hatte sich die Kunst in ihrer Bewegung des Jugendstils, in der Konzentration auf das Schöne und Dekorative, zeitweise mit den Anforderungen früher werblicher Plakate zur Jahrhundertwende gedeckt, so begann doch schon in den ersten zwanzig Jahren des neuen Jahrhunderts eine erneut divergente Entwicklung der Bereiche Kunst und Werbung. Während sich die Werbegrafik mehr und mehr einer sachlich-figurativen, leicht verständlichen Gestaltungsweise zuwand, die sich allenfalls formal jedoch keinesfalls geistig künstlerischen Ansprüchen anpasste, so sollte sich in der Kunst erneut die Gegenbewegung derer entwickeln, die eine Kunst des Augenblicks und des reinen Ausdrucks des Schönen verurteilten. Erneut verlangte technischer und wissenschaftlicher Fortschritt, wie die Entdeckung von Röntgenstrahlen [...]
und Künstler übernahmen1. Sie waren Vorgänger heutiger Werbeagenturen, die ebenso zwischen den rein kommerziellen Interessen der Wirtschaft und den individuell-künstlerischen Ansprüchen der Gestalter zu vermitteln suchten. Standen diese Werkstätten in den Anfängen der Plakatentwicklung noch überzeugt hinter dem künstlerischen Anspruch als Gestaltungsziel an sich, um die Kunst dem Leben näher zu bringen, so erkannten später auch sie, dass mit zunehmender Vielfalt der Werbeaussagen, der Motivvorrat des Jugendstils an seine Grenzen zu stoßen drohte. Falls der Text unverständlich blieb, konnte der Betrachter durch den typischen visuellen Kontext aus Blumen und Frauengestalten (Abb. 11) fehlgeleitet werden, da dieser für viele Produktgruppen keinen Zusammenhang mehr herzustellen vermochte. Dies führte mit zunehmender Professionalisierung der Werbebranche schließlich zur Rückbesinnung auf eine sachlich orientierte Gestaltungsebene, deren künstlerisches Moment nunmehr lediglich als Grundbedingung für die nötige Aufmerksamkeit verstanden wurde. Die Gestaltung musste sich von nun an den angestrebten Kommunikationszielen unterordnen und stand somit vollkommen im Dienste der Seriosität und Glaubwürdigkeit der Werbung sowie der Produktpositionierung2. [...]
Einer der ersten anerkannten Künstler, der sich mit Plakatentwürfen beschäftigte, war der Franzose Toulouse-Lautrec1. Seine Plakatentwürfe erregten vor allem dadurch Aufsehen, dass sie keinerlei Rücksicht auf die Interessen der Auftraggeber zu nehmen schienen. Er zeigte in skizzenhafter Ausführung gewagte Sujets, wie zum Beispiel Prostituierte, und seine wenig schmeichelhaften Personendarstellungen unterlagen dem Vorwurf, das Publikum abzuschrecken. Seinen Plakaten verlieh er so eine Aura künstlerischer Authentizität (Abb. 32). Dadurch wurde Toulouse-Lautrec zum Vorbild der Reformbestrebungen des Jugendstils, die eine Einheit von Kunst und Alltag, von Kunst und Straßenleben, von Kunst und Handwerk forderten2. Als ein Künstler, der sowohl kommerzielle Grafik als auch Gemälde produzierte, ohne sich von den Auftraggebern aus der Wirtschaft zu einer „unkünstlerischen“ Plakatgestaltung bewegen zu lassen, bot er einer neuen Künstlergeneration eine neue Identifikationsmöglichkeit. Die Jugendstilkünstler, die sich dem Primat der Schönheit, des Traums, der Symbolik und der Ästhetik verschrieben hatten, erkannten das Plakat erstmals als ein, der Architektur Stil, und der anderen nicht nur Schaffensbereichen der Fernwirkung gleichwertiges Arbeitsgebiet an und entwickelten einen, dem Medium angemessenen gestalterischen Rechenschaft trug, sondern Bild und Schrift, Farben und Formen zu einer gestalterischen Einheit zusammenfasste. Auf diese Weise wurde also der Werbung kurzzeitig, von 1896 – 1903, die Anerkennung als Kunstform zuteil. Es entstanden Liebhabervereine, wie der „Verein der Plakatfreunde“3, deren Mitglieder Künstlerplakate sammelten und teilweise hohe Summen bezahlten. Große Ausstellungen der Kunstgewerbemuseen dienten außerdem, wie auch die künstlerische Gestaltung der Plakate selbst, dem Bestreben der Kunsttheoretiker, das Volk ästhetisch zu erziehen und ihm die Kunst näher zu bringen. Es entstanden Werkstätten, die, neben der Bereitstellung technischer Reproduktionsmittel zur Vervielfältigung der Plakate, auch die Mittlerrolle zwischen Auftraggeber [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832460297
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Hartmann, Tanja März 2002: Werbung zwischen Kunst und Manipulation, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Gestaltempfindung, Kunstgeschichte, Provokation, Postmoderne, Kommunikationspsychologie



