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Die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre in Deutschland: Ursachen, Verlauf und Maßnahmen der Wirtschaftspolitik

Vergleich der Krisen 1929 und 2008/09

Die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre in Deutschland: Ursachen, Verlauf und Maßnahmen der Wirtschaftspolitik
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Stefanie Beck
  • Abgabedatum: August 2009
  • Umfang: 91 Seiten
  • Dateigröße: 1,0 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Nürtingen Deutschland
  • Bibliografie: ca. 49
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-0357-2
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Beck, Stefanie August 2009: Die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre in Deutschland: Ursachen, Verlauf und Maßnahmen der Wirtschaftspolitik, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: 1929, Immobilienkrise, Finanzmarktkrise, Gegenmaßnahmen, Wirtschaftskrise 2008

Diplomarbeit von Stefanie Beck

Einleitung:

Die wirtschaftliche Rezession, die 2008 begann und eine weltweite Krise auslöste, wird ihren Tiefpunkt, der Vorhersage von Wirtschaftswissenschaftlern und Politikern nach, frühestens Ende 2009 oder 2010 finden. Aktuell ist es wichtig, dass Politiker konsequent handeln, damit die Intensität und Dauer der Krise eingeschränkt werden kann. Dazu braucht es eines Wissens über die Ursachen der jetzigen Krise. Des Weiteren sollten vergangene Rezessionen auf Ähnlichkeiten analysiert werden. Bereits 1929 ereignete sich eine tiefgreifende Wirtschaftskrise, die aus einer katastrophalen Schrumpfung der Weltwirtschaft resultierte und mehrere Jahre nicht überwunden war. Diese Krise könnte Ähnlichkeit mit der jetzigen haben. Zwar wiederholt sich die Geschichte nicht identisch. Aber von Mark Twain, Beobachter und Kritiker des sozialen Verhaltens der amerikanischen Gesellschaft, ist überliefert, sie reime sich. Mark Twain meinte damit, dass es ähnlich wiederkehrende wirtschaftliche Abläufe und Regelmäßigkeiten gibt.

Bei der Analyse der Wirtschaftskrise 2008/2009, sollte auf Merkmale geachtet werden, die mit denen der vergangenen Krise übereinstimmen oder Ähnlichkeiten aufweisen. Es ist notwendig, die Ursachen der Krise 1929 zu kennen, um herauszufinden, ob wir heute vor einem ähnlichen Problem wie damals stehen. Des Weiteren ist es empfehlenswert, die Lösungsansätze und Maßnahmen, die angewandt wurden, um die Krise zu bekämpfen, zu studieren. Das Studium der damals praktizierten Fiskal- und Geldpolitik könnte hilfreich sein. Daraus sollte vor dem Aufstellen von Maßnahmen zur Bekämpfung der Krise unserer Zeit gelernt werden. Sinnvoll ist es weiterhin, die ehemals vorherrschenden wirtschaftstheoretischen Überzeugungen zu studieren und zu untersuchen, welche Auswirkungen sie auf politisches Handeln hatten. Nur dann wird verständlich, wieso und weshalb so gehandelt wurde. Dementsprechend kann auf Basis der Teildisziplinen der Wirtschaftslehre: Wirtschaftstheorie und Wirtschaftsgeschichte, die Wirtschaftspolitik neue Ziele definieren und implementieren.

Ich werde mich im Folgenden mit den Ursachen und dem Verlauf der Weltwirtschaftskrise der Dreißiger Jahre in Deutschland beschäftigen, um herauszufinden, ob, wieweit und inwiefern Übereinstimmungen mit der Krise jener Zeit existieren. Außerdem werde ich fragen, ob die Wirtschaftspolitik heute etwas aus der vergangenen Krise gelernt hat.

Zusammenhänge werden deutlich, indem der Verlauf relevanter Konjunkturindikatoren verschiedener Länder von Mitte der 20er bis Ende de 30er beschrieben wird. Das Bruttoinlandsprodukt, die Industrieproduktion, die Arbeitslosenzahlen und der Handel bedeutender Industrieländer im Vergleich beschreiben die Situation Deutschlands im internationalen Vergleich. Die Indikatoren des Deutschen Reiches veranschaulichen die Intensität und Länge der Krise. Anschließend werde ich im Punkt 2.2 erklären, weshalb die Krise in den Dreißiger Jahren zustande kam. Ich werde mich mit den langfristigen Faktoren, die Fehlentwicklungen der gleichgewichtigen Entwicklung der Weltwirtschaft in Folge des Ersten Weltkriegs beschäftigen und dann auf die kurzfristig wirkenden Faktoren eingehen. Diese verstärkten die langfristigen Fehlentwicklungen. Dadurch wird deutlich werden, weshalb es zu der Krise der 1930er Jahre kam. Anschließend werde ich stärker auf Deutschland eingehen und die dort zwischen 1929 und 1932 vorherrschende Wirtschaft- und Finanzpolitik beschreiben und beurteilen. Dadurch wird erkennbar werden, welche wirtschaftspolitischen Maßnahmen einen konjunkturellen Aufschwung unterstützen. Folgend werde ich mich mit dem Aufschwung der Wirtschaft im Dritten Reich beschäftigen. Ich werde analysieren, wie es zu der wirtschaftlichen Besserung kam. Anschließend werde ich Zusammenhänge zwischen der Krise der 1930er Jahre und der Krise 2008/09 aufzeigen.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis IIII
Tabellenverzeichnis IV
1. Einleitung 1
2. Weltwirtschaftskrise 1929 – 1933: Ursachen und Verlauf 3
2.1 Beschreibung des Verlaufs der Krise Anhand von Konjunkturindikatoren 3
2.1.1 Bruttoinlandsprodukt 3
2.1.1.1 Staatenvergleich 3
2.1.1.2 Deutschland 6
2.1.2 Industrieproduktion 7
2.1.2.1 Staatenvergleich 7
2.1.2.2 Deutschland 8
2.1.3 Arbeitslosenzahlen 10
2.1.3.1 Staatenvergleich 10
2.1.3.2 Deutschland 12
2.1.4 Handel 15
2.1.4.1 Welthandel 15
2.1.4.2 Handelsbilanz Des Deutschen Reiches 16
2.2 Erklärung Der Weltwirtschaftskrise 17
2.2.1 Langfristig wirkende Faktoren ( Ursachen Im Engen Sinne) 17
2.2.2 Kurzfristig wirkende Faktoren ( Krise-Verstärker) 28
2.2.2.1 Geldpolitik 28
2.2.2.2 Handelspolitik 30
2.2.2.3 Währungspolitik 31
3. Wirtschafts- und Finanzpolitik in Deutschland 1929 – 1932 34
3.1 Deflationspolitik des Kabinetts Brüning 35
3.2 Wirtschaftspolitik des Kabinetts von Papen 50
4. Aufschwung der Wirtschaft im Dritten Reich 59
5. Was Lehrt die Große Depression der 1930er Jahre für die Bekämpfung der 2008 ausgebrochenen Finanz- und Wirtschaftskrise? 63
5.1 Beschreibung des Zustands der Wirtschaft 2009 und Prognose der Entwicklung der Wirtschaft 2010 mittels einiger realwirtschaftlicher Indikatoren 63
5.1.1 Weltwirtschaft 63
5.1.2 Wirtschaft der Bundesrepublik Deutschland 66
5.2 Vergleich der Krise 2008/09 mit der Weltwirtschaftskrise 1929 – 39 und Versuch, die Krise 2008/09 mittels einer vergleichenden Betrachtung zu erklären 68
6. Fazit 78

Textprobe:

Kapitel 3.1, DEFLATIONSPOLITIK DES KABINETTS BRÜNING:

Anfang 1930 glaubte in Deutschland die Mehrheit der Politiker, Unternehmer und Gewerkschaftler der klassischen Theorie, die besagte, Rezession sei von Zeit zu Zeit notwendig, um Fehlentwicklungen zu korrigieren. Sie taten deshalb nicht viel, um die wirtschaftliche Situation zu verbessern beziehungsweise um der Krise Einhalt zu gewähren. Der Glaube an die Selbstheilungskräfte der Märkte war tief verwurzelt. Dementsprechend glaubten die Politiker, dass die Krise notwendig sei, damit die Investitionsgüterindustrie auf den Bedarf der Konsumgüterindustrie zurückgeschnitten werde. Der Markt würde dadurch von unproduktiven, unsolide finanzierten Unternehmen gereinigt. Nachdem sich die Wirtschaft dann neu angepasst hätte, würde von selbst ein neuer Aufschwung eintreten. Dieser würde dann zu höherem Wachstum als zuvor führen. Die Regierung beziehungsweise der Staat sollte deshalb nicht eingreifen, sondern die Märkte sich selbst überlassen. Die notwendige Krise nannte man ‘Reinigungskrise’. Das bedeutet, dass durch die Depression ‘auf dem Arbeitsmarkt die Löhne, auf dem Geld- und Kapitalmarkt die Zinsen und auf dem Markt für Rohstoffe und Halbfabrikate die Preise nach unten’ gedrückt wurden. Die Ökonomen meinten, dass dadurch ‘neue Investitionen rentabel’ werden würden. Diese Vermutung war durch die Rezessionen vor 1914, die in der Regel kurz waren, recht gut bestätigt worden.

Die Deutsche Reichsbank änderte dennoch ihre Politik, indem sie ‘ihren Diskontsatz von 7,5 auf 4 Prozent’ zwischen Oktober 1929 und August 1930 erhöhte. Der ‘Zinssatz für Monatsgeld’ ging von knapp zehn im Monatsdurchschnitt auf weniger als fünf Prozent zurück. Das brachte allerdings nicht viel Aufschwung in die Wirtschaft, denn die Preise für Rohstoffe und industrielle Erzeugnisse waren nicht beweglich genug. Insgesamt verringerten sie sich um zehn Prozent. Zu dem Zeitpunkt waren viele Politiker davon überzeugt, dass die Wirtschaft in Deutschland wieder boomen könnte. Man hoffte, dass die USA erneut eine große Anzahl an Krediten gewähren würde und somit die deutsche Wirtschaftskraft wieder herstellen könnte. Doch es kam anders.

Durch den Young-Plan vom Januar 1930 wurden die Zahlungsverpflichtungen für Deutschland heruntergesetzt. Der Young-Plan, der den Dawes-Plan von 1924 ablöste, war Ergebnis der Pariser Verhandlungen. Er ermöglichte die Befreiung des Rheinlands, also den Abzug der französischen Besatzungsarmee, fünf Jahre vor der im Locarno-Vertrag 1926 vereinbarten Zeit. In dem Plan waren die Regeln für und die Höhe der Reparationszahlungen, sowie Vorschriften, die das Eingreifen der Politik in die Wirtschaft beschränken sollten geregelt. Er sah vor, dass Deutschland ‘ bis 1988 in 59 Jahren einen Beitrag von 113,9 Mrd. Reichsmark’ zahlen sollte. Außerdem mussten die ‘emittierten Banknoten mindestens in Höhe von 40 Prozent durch Gold oder Golddevisen gedeckt sein’. Sollte das nicht der Fall sein, und eine Unterdeckung vorliegen, so musste die Reichsbank den Diskontsatz erhöhen. Ferner durfte das deutsche Reich keine autonome Geldpolitik betreiben und der Kreditrahmen bei der Notenbank betrug 400 Mio. Reichsmark. Der Wechselkurs zwischen Reichsmark und Dollar wurde festgesetzt. Hoover, der davon ausging, dass durch eine erzeugte Inflation in Deutschland die Schulden des Reiches verringert werden würden, drohte mit hohen Sanktionen.

Der Young-Plan führte nicht, wie erwartet zu einer wirtschaftlichen Besserung. Ein Grund dafür war, dass die Young- Anleihen zu niedrig gehandelt wurden. Geringer als die vorigen Dawes-Anleihen. Der Ertrag der Young-Anleihe floss an Deutschland, das Anleiheschuldner war. Es war vorgesehen, dass ein Teil des Aufkommens sofort an Frankreich weiterfließen sollte. Die Young- Anleihe war weniger erfolgreich wie die Dawes-Anleihe. Nur ein Bruchteil des erwarteten Betrags wurde eingenommen. Das zeigte, dass der internationale Kapitalmarkt austrocknete. Die Franzosen waren im Mai dazu bereit, die Young-Anleihen anzukaufen. Doch das Geld dafür kam von kurzfristigen unsicheren Krediten aus London und New York. Außerdem zogen die Franzosen zur Finanzierung der Anleihen Auslandsanlagen ab.

Am 30. März 1930 trat Heinrich Brüning das Amt des Reichskanzlers von Deutschland an. Er regierte ‘mit einer neuen Koalition ohne Sozialdemokraten,’ das heißt ‘ohne parlamentarische Mehrheit’. Brüning war schon seit 1924 im Reichstag tätig und bekannt dafür, dass er sich mit Finanz- und Steuersachen ausgezeichnet auskannte. Sein vorrangiges Ziel war es, während seiner Amtszeit das Budget auszugleichen. Es war ihm zudem wichtig, die Staatsschulden, die in den letzten Jahren angestiegen waren, zu tilgen. Sein Vorgänger Hermann Müller versagte trotz der Einführung neuer Steuerquellen in diesen Punkten.

Brüning selbst sah zu Beginn seiner Amtszeit keinen Anlass, in die Finanz- und Wirtschaftswelt einzugreifen, da er, wie die meisten Politiker zu dieser Zeit, von dem klassischen Ansatz geprägt war. Er war demnach davon überzeugt, dass sich die Wirtschaft von selbst wieder einpendeln würde.

Arbeit zitieren:
Beck, Stefanie August 2009: Die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre in Deutschland: Ursachen, Verlauf und Maßnahmen der Wirtschaftspolitik, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
1929, Immobilienkrise, Finanzmarktkrise, Gegenmaßnahmen, Wirtschaftskrise 2008

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