Weltraumtourismus
Wahnsinn oder Wirklichkeit?
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Romy Freitag
- Abgabedatum: Oktober 2008
- Umfang: 146 Seiten
- Dateigröße: 2,6 MB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Fachhochschule Kempten Deutschland
- Bibliografie: ca. 180
- ISBN (eBook): 978-3-8366-2880-8
- ISBN (CD) :978-3-8366-2880-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Freitag, Romy Oktober 2008: Weltraumtourismus, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Raumfahrtgeschichte, Space Camps, Parabelflüge, Suborbitalflüge, Weltraumhotel
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Diplomarbeit von Romy Freitag
Einleitung:
Zu Beginn der Arbeit soll ein Einblick in die allgemeine Raumfahrtgeschichte die wichtigsten Zusammenhänge des heutigen Weltraumgeschehens verdeutlichen und zum Thema Weltraumtourismus hinführen. Dieser soll nachfolgend in den begrifflichen, den thematischen sowie den geschichtlichen Rahmen eingeordnet werden, um die anschließenden Zusammenhänge des äußeren Marktes rund um den Weltraumtourismus besser erfassen zu können. Weitere untersuchte Kriterien sind die Rahmenbedingungen, welche die essentiellen Voraussetzungen für den sich zunehmend etablierenden Weltraumtourismusmarkt bilden. Insbesondere die Sicherheit und die Gesetzgebung, aber auch die Faktoren Nachfrage sowie die Kosten sollen hier erörtert werden. Aufbauend darauf werden anschließend die verschiedenen Arten des Weltraumtourismus ausführlicher beleuchtet. Überleitend dazu bilden die zukünftigen Reisearten sowie generelle Zukunftsaussichten den Untersuchungsgegenstand. Aufgrund der erst kürzlich entstandenen Branche am Ende des 20. Jahrhunderts, besteht hier noch ein beachtlicher Forschungs- und Entwicklungsbedarf. Aufgrund dessen sollen einige Marktforschungsergebnisse sowie eine Primärforschung einen verbesserten Aufschluss über die Zukunft des Weltraumtourismus verschaffen. Darüber hinaus sollen die ambivalenten Auswirkungen des Weltraumtourismus prognostiziert und Förderungsmöglichkeiten für diesen demonstriert werden. In einem letzten Punkt werden die Erkenntnisse und Kernaussagen zusammengefasst und durch den Verfasser der Arbeit kritisch gewürdigt.
Die meisten Menschen haben schon einmal vom Weltraumtourismus gehört und einigen mögen auch Touristen wie Dennis Tito oder Richard Garriot durch öffentliche Berichte bekannt sein, jedoch wissen die wenigsten, welche vielfältigen Möglichkeiten der Weltraumtourismus, über einen Flug zur Weltraumstation ISS hinaus, bietet und mit welchen Preisen sie zu rechnen haben. Diese Fragen und Rätsel ergeben sich aus der Tatsache, dass der Weltraum bislang fast ausschließlich von den staatlichen Raumfahrtagenturen erforscht wurde und für die Allgemeinheit unerreichbar scheint. Der NASA Astronaut Donald Williams verlautete einst nach einem Weltraumbesuch: ‘Allen, die in den Weltraum gegangen sind, um sich die Erde zu betrachten, und allen Hunderten oder Tausenden, die noch gehen werden, wird diese Erfahrung höchst sicher die Perspektive verändern. Die Dinge die wir in unserer Welt teilen, sind sehr viel wertvoller als die, die uns trennen.’ Diese Faszination für den scheinbar bewusstseinserweiternden Weltraum teilten alle bisherigen Weltraumtouristen und Astronauten. All diejenigen, für welche der Weltraum bisher unerreichbar blieb, öffnen sich in der Zukunft neue Möglichkeiten, die in dieser Arbeit aufgezeigt werden sollen.
Ziel der Diplomarbeit ist es, den gegenwärtigen Entwicklungsstand des Weltraumtourismus sowie zukünftige Projekte und Pläne zu veranschaulichen. Es soll darüber hinaus erörtert werden, inwiefern der Weltraumtourismus Zukunftsfähigkeit aufweist und ob dieser einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden kann. Zudem soll diskutiert werden, welche Konditionen notwendig sind, um den Markt zu etablieren und welchen Nutzen er für die Interessenvertreter der Branche mit sich bringt.
Inhaltsverzeichnis:
| INHALTSVERZEICHNIS | I | |
| ABBILDUNGSVERZEICHNIS | IV | |
| TABELLENVERZEICHNIS | V | |
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | VI | |
| SYMBOLVERZEICHNIS | VIII | |
| 1. | ZIELSETZUNG UND AUFBAU DER ARBEIT | 1 |
| 1.1 | Management Summary | 1 |
| 1.2 | Einführung in die Thematik | 1 |
| 1.3 | Zielsetzung | 2 |
| 2. | GRUNDLAGEN DER RAUMFAHRT UND DES WELTRAUMTOURISMUS | 3 |
| 2.1 | Die Raumfahrtgeschichte | 3 |
| 2.1.1 | Theorien und Visionen der Raumfahrt | 3 |
| 2.1.2 | Beginn der Raumfahrt | 4 |
| 2.2 | Weltraumtourismus | 7 |
| 2.2.1 | Begriffsdefinition | 7 |
| 2.2.2 | Thematischer Rahmen | 7 |
| 2.2.2.1 | Abenteuertourismus | 8 |
| 2.2.2.2 | Der Weltraum als Nische | 9 |
| 2.2.3 | Die Geschichte des Weltraumtourismus | 10 |
| 2.2.4 | Faszination Weltraum | 12 |
| 2.2.4.1 | Motivation der Weltraumtouristen | 12 |
| 2.2.4.2 | Die Rolle der Medien | 14 |
| 3. | DIE ÄUßERE UMWELT DES MARKTES | 17 |
| 3.1 | Öffentliche und private Interessenvertreter | 17 |
| 3.1.1 | Der öffentliche Sektor | 17 |
| 3.1.2 | Der private Sektor | 19 |
| 3.2 | Geographische Voraussetzungen | 19 |
| 3.3 | Technische Voraussetzungen | 21 |
| 3.3.1 | Orbitale Entwicklungen | 21 |
| 3.3.1.1 | Entwicklungen bis zum heutigen Zeitpunkt | 21 |
| 3.3.1.2 | Zukünftige Entwicklungen | 22 |
| 3.3.1.3 | Technische Besonderheiten der Raketenflugzeuge | 25 |
| 3.3.2 | Suborbitale Entwicklungen der New Space Industrie | 26 |
| 3.3.2.1 | Die Bedeutung Ansari X - Preis | 26 |
| 3.3.2.2 | Fabrikanten suborbitaler Raumfahrzeuge | 28 |
| 3.4 | Reiseveranstalter und deren Differenzierungsstrategien | 31 |
| 3.5 | Weltraumtouristen | 33 |
| 4. | DIE RAHMENBEDINGUNGEN DES WELTRAUMTOURISMUS | 37 |
| 4.1 | Sicherheitstechnische Rahmenbedingungen | 37 |
| 4.2 | Gesetzliche Rahmenbedingungen | 40 |
| 4.2.1 | Zertifizierungen | 42 |
| 4.2.2 | Haftungsbedingungen | 44 |
| 4.2.3 | Versicherungen | 45 |
| 4.3 | Medizinische Kriterien | 46 |
| 4.4 | Kosten und Finanzierung | 49 |
| 4.5 | Nachfrage | 51 |
| 4.6 | Rentabilitätsprognosen | 54 |
| 5. | ARTEN DES WELTRAUMTOURISMUS | 57 |
| 5.1 | Irdischer Weltraumtourismus | 57 |
| 5.1.1 | Space Camps | 58 |
| 5.1.2 | Astro - Tourismus | 60 |
| 5.2 | Flüge mit simulierten Weltraumeffekten | 61 |
| 5.2.1 | Parabelflüge | 61 |
| 5.2.2 | Flüge in großer Höhe | 63 |
| 5.3 | Der Aufbruch in den Weltraum | 64 |
| 5.3.1 | Suborbitale Flüge | 64 |
| 5.3.2 | Primärforschung | 68 |
| 5.3.2.1 | Untersuchungsgegenstand | 68 |
| 5.3.2.2 | Ergebnisse der Umfrage | 68 |
| 5.3.3 | Orbitale Flüge | 71 |
| 5.3.3.1 | Auswahl für einen Flug ins All | 72 |
| 5.3.3.2 | Vorbereitung auf den Flug | 74 |
| 5.3.3.3 | Aufenthalt im Weltraum | 76 |
| 5.3.3.4 | Rückkehr zur Erde | 80 |
| 6. | DIE ZUKUNFT DES WELTRAUMTOURISMUS | 83 |
| 6.1 | Prognosen und Visionen | 83 |
| 6.1.1 | Flüge der Zukunft: Mond und Mars | 85 |
| 6.1.2 | Weltraumhotels | 88 |
| 6.2 | Die Grenzen des Weltraumtourismus | 91 |
| 6.3 | Erwartete Auswirkungen des Weltraumtourismus | 92 |
| 6.3.1 | Technische Förderungen | 92 |
| 6.3.2 | Wirtschaftliche Gewinne | 93 |
| 6.3.3 | Gesellschaftspolitische Chancen | 94 |
| 6.3.4 | Umwelttechnische Auswirkungen | 95 |
| 6.4 | Förderungsmöglichkeiten des Weltraumtourismus | 97 |
| 7. | FAZIT UND AUSBLICK | 101 |
| ANHANG | IX | |
| LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS | XX |
Textprobe:
Kapitel 5.3.3.1, Auswahl für einen Flug ins All:
Für die ersten Astronautenflüge gab es strenge Auswahlkriterien, insbesondere weil man nicht wusste, wie sich die Schwerelosigkeit auf den menschlichen Körper auswirken würde. Nach diversen erfolgreichen Tests mit Tieren im Weltraum hatten die Astronauten auf sowjetischer und amerikanischer Seite harte Prüfungen zu bestehen. Sie mussten sich auf Laufbändern bewähren, wurden in Zentrifugen festgeschnallt und zum Teil zwischen ein bis zehn Tagen ohne Kontakt zur Außenwelt in dunkle Isolationskammern gesperrt. Dort mussten sie unter extremen Bedingungen Experimente durchführen, zum Beispiel einen Mathematiktest lösen, während eine flüsternde Stimme ihnen die falschen Antworten durch ihre Kopfhörer soufflierte. Auch Sauerstoff-Mangel Tests wurden durchgeführt. Nachdem mit Juri Gagarin der erste Mensch unbeschadet aus dem All zurückkehrte, bestätigte sich, dass jegliche Bedenken über mögliche körperliche Reaktionen unbegründet waren, woraufhin man die Auswahlkriterien zurückstellte. Dennoch blieben die Richtlinien für Astronauten sehr streng und es wurde aufgrund deren Vorbildfunktionen ein intaktes Familienleben vorausgesetzt. Seit der Existenz des Space Shuttles ab dem Jahr 1975 flogen auch immer mehr Wissenschaftler, Ingenieure, Ärzte und Politiker ins All und die Auswahlkriterien waren weniger streng. Nach dem Unglück der Challenger, die kurz nach dem Start in Flammen aufging und an Bord eine Lehrerin beherbergte, wurde zunächst entschieden, dass in Zukunft keine Nicht-Astronauten im Space Shuttle mitfliegen dürfen.
Mit dem Beginn des Weltraumtourismus kamen einige Veränderungen zum Tragen: Dennis Tito und seine Nachfolger mussten sich monatelangen physiologischen und psychologischen Tests unterziehen. Außerdem wurden von der NASA Aufnahmeregeln festgelegt, nach welchen alle Kandidaten genauestens nach ihrer medizinischen Vergangenheit sowie nach ihrer verhaltensmäßigen Eignung und ihren sprachlichen Fähigkeiten beurteilt werden. Sollte sich ein Kandidat vorher beim Militär oder in einer Organisation, die mit der NASA im Konflikt steht, befunden haben, so kann dies ein Disqualifizierungsgrund sein. Die organisierende Firma Space Adventures erstellt zu diesem Zweck ein sogenanntes ‘Orbitales Qualifikationsprogramm’, welches alle notwendigen Tests einschließt, um mit der russischen Agentur Roskosmos ins All zu starten. Die Grundvoraussetzungen für die Teilnahme sind eine Größe zwischen 1,60 und 1,85 Metern, einem Gewicht von 50 bis 95 kg und einem Mindestalter von 18 Jahren.
Zukünftig werden auch die Touristen eine Wahl bezüglich des Anbieters zu treffen haben, da es voraussehbar ist, dass Orbitalflüge von europäischen, russischen, chinesischen und von einigen amerikanischen Firmen angeboten werden. Je nachdem welchen Umfang das orbitale Erlebnis bieten soll – die Touristen bleiben entweder während des gesamten Fluges an Bord des Raumfahrzeugs oder docken an die ISS bzw. ein Hotel an – wird es deutliche Preisunterschiede geben. Einige Veranstalter diskutieren sogar, den Ticketpreis zukünftig abhängig vom Gewicht der Touristen zu machen.
1. Vorbereitung auf den Flug:
Das obligatorische Training für einen Orbitalflug ist überlebenswichtig, da sich grundlegende Dinge wie Schlafen, Essen, Trinken und sogar der Gang zur Toilette im Weltraum gravierend von den Begebenheiten auf der Erde unterscheiden.
Die nachfolgenden Touristen müssen jedoch nicht mehr wie Dennis Tito ein Jahr, sondern lediglich sechs Monate Vorbereitungszeit auf sich nehmen. Die Vorbereitungen ähneln dennoch denen eines militärischen Einsatzes und verlangen eine gute Fitness und Ausdauer. Die sechsmonatige Trainingsperiode kann sich in der Zukunft minimieren, wird jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach drei Monate nicht unterschreiten. Laut einer Umfrage im Jahr 2006, wie in der folgenden Abbildung dargestellt ist, wäre etwa jeder Fünfte bereit die Zeit für ein solches Training auf sich zu nehmen.
NASA Astronauten durchlaufen beispielsweise Trainingszentren an verschiedenen Orten, während die Europäer und Japaner hauptsächlich im russischen Sternenstädtchen trainieren. China besitzt sogar ein eigenes Trainingszentrum.
Während des gesamten Trainings können die Touristen noch jederzeit vom Flug zurücktreten und bekommen 50 % der geleisteten Kosten erstattet. An dieser Aussage kommen jedoch Zweifel auf, wenn man das neueste Gerichtsverfahren gegen die Firma Space Adventures verfolgt, welches von Daisuke Enomoto eingeleitet wurde, der im September 2006, anstelle von Anousheh Ansari, in den Weltraum fliegen sollte, jedoch aus medizinischen Gründen disqualifiziert wurde. Er bekam bis heute seine geleisteten 21 Mio. USD nicht zurückerstattet.
Wie im Kapitel 4.3. erläutert wurde, bilden einige medizinische Tests die Basis der Flugvorbereitung, da es bei den Kosten des Fluges unvertretbar wäre, wenn der Tourist während des Fluges permanent unter Übelkeit leiden würde oder sogar gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt wäre. Ergeben sich aus den medizinischen Untersuchungen keine Unregelmäßigkeiten, so kann der Teilnehmer aktiv mit dem Training beginnen. Teil des Trainings sind sowohl praktische als auch theoretische Einheiten.
Zunächst werden die Touristen bezüglich der Körperreaktion auf Beschleunigungskräfte in der in Abbildung 28 im Anhang A erkennbarer Zentrifuge mit zehn Metern Durchmesser trainiert. Des Weiteren üben die Teilnehmer in einem riesigen Trainingspool. Hier wird die sogenannte ‘Extra Vehicular Activity’ (EVA) praktiziert, welche auch als Laufen im All bezeichnet werden kann. Der zwölf Meter tiefe Trainingspool dient für Reparaturübungen an der Attrappe des Raumfahrzeugs, welche sich auf dessen Grund befindet. Die Übungen gestalten sich durch die steifen Raumanzüge, die dicken Handschuhe und die schlechte Sicht und Beweglichkeit sehr schwierig. Die 200 kg schweren Raumanzüge müssen korrekt angepasst werden und können in der Herstellung bis zu eine Million USD kosten. Die Übung im Pool kommt der Schwerelosigkeit sehr nahe, jedoch kann hier der Wasserwiderstand benutzt werden, um Bewegungen auszuführen. Im Weltraum existiert keine Atmosphäre und folglich auch keine Möglichkeit, sich in eine bestimmte Richtung zu bewegen. Aus diesem Grund werden Astronauten im freien Weltraum mit Kabeln an das Raumfahrzeug angebunden, so dass sie nicht davon schweben. Sollten diese einmal ausfallen, sind in den Rucksäcken der Astronauten Notfall-Rückkehrsysteme mit kleinen Raketenschubdüsen untergebracht.
Im Pool simuliert wird ebenso eine Wasserlandung. Da die Raumfahrzeuge nicht prädestiniert sind, sich lange auf der Wasseroberfläche zu halten, müssen die Teilnehmer schnellstmöglich aus dem Vehikel aussteigen. Hierbei tragen sie ihre vollständige Raumfahrtausrüstung, bestehend aus Notfallrationen an Essen, einer Flasche Wasser, einem Erste-Hilfe-Kästchen, einem Schweizer Taschenmesser, einer Taschenlampe und einer Trillerpfeife, die den Ausstieg zusätzlich erschweren. Je nachdem wie lange der Ausstieg dauert, wird diese Prozedur wiederholt, bis ein zufriedenstellendes Ergebnis erreicht wurde.
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Arbeit zitieren:
Freitag, Romy Oktober 2008: Weltraumtourismus, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Raumfahrtgeschichte, Space Camps, Parabelflüge, Suborbitalflüge, Weltraumhotel



