Bachelor + Master Publishing
811 Bachelorarbeiten, 533 Masterarbeiten, 10.103 Diplomarbeiten

Die Welt-Systemtheorie von Immanuel Wallerstein und ihre Bedeutung für das Management in der modernen Gesellschaft

Die Welt-Systemtheorie von Immanuel Wallerstein und ihre Bedeutung für das Management in der modernen Gesellschaft
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Janine Tepaß
  • Abgabedatum: Oktober 2009
  • Umfang: 63 Seiten
  • Dateigröße: 355,8 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Hohenheim Deutschland
  • Bibliografie: ca. 49
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-2016-6
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Tepaß, Janine Oktober 2009: Die Welt-Systemtheorie von Immanuel Wallerstein und ihre Bedeutung für das Management in der modernen Gesellschaft, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Immanuel Wallerstein, Kapitalismus, Krise, System, Management

Bachelorarbeit von Janine Tepaß

Einleitung:

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben ihr „Triple-A-Rating“ verloren. Europa befindet sich in einer Schuldenkrise mit unvorhersehbaren Folgen. Gold- und Aktienkurse schwanken erheblich. Die Menschen haben Angst vor Extremszenarien: vor Inflation, vor einer Währungsreform, vor Bankenzusammenbrüchen, vor kriegerischen Auseinandersetzungen. Sind diese realistisch oder nur unverantwortliche Horrorszenarien? Jedenfalls rufen sie Erinnerungen an den 15. September 2008 wach, als die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers im Zuge der Finanzkrise Insolvenz anmelden musste. Der Dow-Jones-Index brach daraufhin um mehr als 500 Punkte ein, weitere Bankenzusammenbrüche durch enorme Kreditausfälle folgten, die Güternachfrage sank dramatisch, Unternehmen kollabierten, Menschen wurden entlassen oder gingen in Kurzarbeit, es herrschte Unsicherheit und Misstrauen.

Fortan wurde und wird oft die Frage thematisiert, ob nicht der Kapitalismus der Universalschlüssel aller Probleme sei: Ist der Kapitalismus der Übeltäter, der Gier und Eigennutz belohnt, die Reichen reicher und die Armen ärmer macht anstatt den Wohlstand aller zu steigern?1 Öffnete sich die Schere zwischen Arm und Reich in Folge der Lehren der Chicago Schule und der Reagan-Thatcher Ära, die Ungleichheit als Vorraussetzung für Arbeits- und Bildungsanreize sahen, um Wachstum und Wohlstand zu sichern, wovon letztendlich auch die Ärmeren profitieren würden?2 Überstrapazieren die westlich-pluralistischen Gesellschaften die Wachstumsspirale, indem sie ökonomische und menschliche Ressourcen bis an ihre Grenzen ausbeuten3 und so letztendlich an den inneren Widersprüchen des Systems zusammenbrechen?4 Eskaliert als Folge die weltweite Widerstandsbereitschaft? Weisen Insolvenzwellen, Spekulationsblasen und Klimakatastrophen auf den Untergang des Kapitalismus hin? Doch was überhaupt meint Kapitalismus? Diese Frage stellten sich auch Experten in Hongkong, über die die Financial Times am 4. Mai 1986 berichtete.5 Sie mussten ihre Besprechung abbrechen, da niemand den Kapitalismus definieren konnte.6 Es gab jedoch einige, die eine begriffliche Einordnung wagten, wie beispielsweise Karl Marx, Rosa Luxemburg, Joseph Alois Schumpeter, Immanuel Wallerstein und andere.

Immanuel Wallerstein sucht die Antwort in der Wirtschaftshistorie und beantwortet diese Frage, indem er in drei (von vier) bisher erschienenen Bänden ein Denkmodell entwickelt, das den Kapitalismus als historisches Sozialsystem anhand der Entwicklung der kapitalistischen Weltwirtschaft mit ihren Mechanismen, Abhängigkeiten und Wechselwirkungen darstellt. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit genau dieser Theorie - der Welt-Systemtheorie Immanuel Wallersteins - und zeigt ihre Bedeutung für das Management in der modernen Gesellschaft auf.

Inhaltsverzeichnis:

INHALTSVERZEICHNIS II
ABBILDUNGSVERZEICHNIS III
TABELLENVERZEICHNIS III
I. Einleitung (aktualisiert) 1
II. Haupteinteilung 2
1. Über Immanuel Wallerstein 2
2. Die Welt-Systemtheorie nach Immanuel Wallerstein 3
2.1 Arten sozialer Systeme 7
2.2 Die Entstehung der kapitalistischen Weltwirtschaft 9
2.2.1 1. Stadium: 1450-1640 10
2.2.2 2. Stadium: 1640-1815 12
2.2.3 3. Stadium: 1815-1917 13
2.3 Das moderne Welt-System: Die kapitalistische Weltwirtschaft 15
2.3.1 Logik des modernen Welt-Systems 16
2.3.2 Rahmenbedingungen des modernen Welt-Systems 17
2.3.3 Mechanismen des modernen Welt-Systems 23
2.3.3.1 Der ungleiche Tausch 23
2.3.3.2 Die Arbeitsorganisation 24
2.3.3.3 Die Ideologien 25
2.3.3.4 Die säkularen Trends 26
2.4 Der Niedergang der kapitalistischen Weltwirtschaft 27
2.5 Kritische Betrachtung 32
3. Die Bedeutung der Welt-Systemtheorie für das Management in der modernen Gesellschaft 38
III. Schlussbetrachtung 45
LITERATURVERZEICHNIS IV

Textprobe:

Kapitel 2.2, Die Entstehung der kapitalistischen Weltwirtschaft:

Als Martin Benhaim 1492 den ersten Erdglobus entwarf, Kolumbus vermeintlich und Vasco da Gama 1498 tatsächlich den Seeweg nach Indien fand, deuteten diese Ereignisse symbolisch den Beginn der kapitalistischen Weltwirtschaft an, deren Ursprung Wallerstein in Zentral- und Nordwesteuropa (England, Frankreich und Holland) während des langen 16. Jahrhunderts (um ca. 1450-1640) verortet. Dabei vereinigte sich das System des christlichen Mittelmeerraumes mit den oberitalienischen Städten einerseits und dem nord-westeuropäischen flandrisch-hanseatischen Handelsnetz andererseits, wobei die grundlegenden Strukturen des historischen Kapitalismus im Jahre 1650 existierten. Aufgrund eines leichten Vorteils bei der Aneignung von Ressourcen, Natur und Raum hatte Nordwesteuropa einen leichten Vorsprung hinsichtlich der Kapitalakkumulation. Die folgenden Jahrhunderte waren von konstantem technischen Wandel gezeichnet, der eine Expansion über geographische Grenzen hinaus ermöglichte. So führte die innere Dynamik des Systems zu einem Prozess sukzessiver, geographischer Expansion: Von Venedig über Antwerpen, „Genua, Amsterdam, London und zuletzt New York“ wurden Regionen und Gesellschaften zunächst als Peripherien inkorporiert, bis das System in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert eine geographische Globalität aufwies und seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein auch die entlegeneren Weltregionen umspannendes System des Austausches und der Arbeitsteilung bildet. Im Folgenden wird der Verlauf der Entstehung des modernen Welt-Systems nach der Aufteilung der bisher erschienen drei Bände in drei Hauptperioden gegliedert dargestellt.

2.2.1. 1. Stadium: 1450-1640:

"Als der Traum der Habsburger vom Weltreich ausgeträumt war - und 1557 war er ein für allemal ausgeträumt -, da war die kapitalistische Weltwirtschaft ein etabliertes System, das aus dem Gleichgewicht zu bringen fast unmöglich war".

Im ersten veröffentlichten Band seiner Theorie beschäftigt sich Wallerstein mit den Anfängen des (noch) europäischen Welt-Systems, welches Imperien, Stadtstaaten und Nationalstaaten umfasste. Am Beginn stand die territoriale, kommerzielle und demographische Expansion (unter Führung Portugals) während des westlichen Feudalismus (von ca. 1150 bis 1300), die sich um etwa 1300 bis 1450 zu einer Schrumpfung umkehrte und in einer ökonomischen, politischen und sozialen Krise endete. Klimatologische Ursachen oder zyklische wie ökonomische Trends bieten eine mögliche Erklärung. Vordergründig seien jedoch die gegenseitigen Vernichtungskriege des Adels, die Bauernrevolten und ihre Folgen (u.a. Nahrungsmittelknappheit, höhere Steuern und Naturalabgaben) Ursache dieser Krise, wobei auch die Bevölkerung aufgrund von ausbrechenden Krankheiten, Epidemien und Seuchen abnahm. Als dann der Kampf der Habsburger unter dem römisch-deutschen Kaiser und König Spaniens Karl V. sowie Franz I. von Frankreich sich die sich ausformende europäische Weltwirtschaft ihrem jeweiligen Weltreich einzuverleiben zur Erschöpfung beider führte, brach 1556 im Zuge der herrschenden Finanzkrise das Reich Karl des V. auseinander und auch Frankreich erklärte seinen Bankrott. Gerade diese Vielfalt an Ursachen führte zu einem gewaltigen sozialen Wandel. Den Zusammenbruch Spaniens bezeichnet Wallerstein dabei als Wendepunkt, da die Minderung der spanischen Vorherrschaft und die Ablehnung der Reichsidee der Niederländischen Revolution wichen, was eine allmähliche Konsolidierung der europäischen Weltwirtschaft ermöglichte. Für deren Etablierung waren vor allem drei Punkte wesentlich, nämlich die territoriale Expansion, die Entwicklung von (unterschiedlichen) Arbeitskontrollmechanismen und die Schaffung von unterschiedlich starken Staatsapparaten, wobei der erste Punkt die Folgenden bedingt. Expansion meint dabei ein verbessertes Land-/ Arbeitskräfteverhältnis, welches eine verbesserte Akkumulation von Grundkapital ermöglichte. Diese Expansion basierte auf einer ungleichen Entwicklung und Belohnung, was zu einer Differenzierung in Zentrums- und Peripheriegebiete führte, die ihren Ausdruck auch in einer Vielzahl von sozialen Schichten fand, wobei die Religion als nationales Bindemittel fungierte. Durch zwei wesentliche Schlüsselinstitutionen, nämlich einerseits die weltweite Arbeitsteilung, die durch eine effizientere und erweiterte Produktivität und eine zunehmende Mechanisierung gezeichnet ist und andererseits die Ausbildung starker bürokratischer Staatsapparate, bildeten verschiedene Regionen innerhalb der Weltwirtschaft ungleiche nationale Entwicklungen aus. So konnte sich - angefangen um 1450 in Europa - eine neue Form der Surplusaneignung etablieren, die nicht mehr auf Tributzahlungen oder feudalen Renten basierte und sich im 16. Jahrhundert durch eine kapitalistische Produktionsweise auszeichnete. Der Expansionsdrang im Zentrum war abhängig vom Stand der Technologie und führte zur Systemausdehnung, bis der Verlust den Gewinn überstieg. Die sich entwickelnden, erweiterten bürokratischen Staatsstrukturen waren dabei einerseits Folge des sich ausweitenden kapitalistischen Handels, andererseits können sie als ökonomische Stütze des sich entwickelnden kapitalistischen Systems gesehen werden. Bis 1640 gehörten die Staaten Nordwesteuropas, die des christlichen Mittelmeerraums, Mitteleuropa, der Ostseeraum, einige amerikanische Regionen (Peru, Chile, Brasilien, Antillen, Terraferna), aber auch Inseln im Atlantischen Ozean (nicht jedoch Gebiete am Indischen Ozean, nicht der Ferne Osten, nicht das Osmanische Reich, nicht Russland) zur europäischen Weltwirtschaft. Die Grenzen lassen sich nicht nur durch das Handelsvolumen bestimmen, sondern gerade durch die Unterschiede der Handelsbeziehungen ziehen.

So ordnet Wallerstein um 1640 vor allem Holland und Zeeland, England sowie in gewissem Umfang Nord- und Westfrankreich dem Zentrum der Weltwirtschaft zu, wohingegen Spanien und die norditalienischen Stadtstaaten zur Semiperipherie absanken und Osteuropa (vorrangig Landwirtschaft) und Hispano-Amerika (hauptsächlich Bergbau) zur Peripherie geworden sind. Große Weltregionen wie Afrika, Indien, China und sogar Russland blieben zunächst noch als sogenannte externe Zonen außerhalb der kapitalistischen Weltwirtschaft.

Arbeit zitieren:
Tepaß, Janine Oktober 2009: Die Welt-Systemtheorie von Immanuel Wallerstein und ihre Bedeutung für das Management in der modernen Gesellschaft, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Immanuel Wallerstein, Kapitalismus, Krise, System, Management

diplom.de
Bachelor + Master Publishing

Hermannstal 119 k
22119 Hamburg

Fon: +49 (0) 40 655992-0
Fax: +49 (0) 40 655992-22

Service-Telefon

Rufen Sie uns an:
+49 (0) 40 655992-0

Mo-Fr
09.00-16.00 Uhr

diplom.de in den Medien

Folgen Sie uns bei Twitter & werden Sie diplom.de-Fan bei Facebook!
Schreibtipps unserer Lektoren, Neuigkeiten aus dem Verlagsalltag und das Expertenwissen unserer Autoren als Tweet & Post!
Wir freuen uns auf Sie!

diplom.de BACHELOR + MASTER PUBLISHING

Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Magisterarbeiten, Dissertationen und andere Abschlussarbeiten aus allen Fachbereichen und Hochschulen können Sie bei uns als eBook sofort per Download beziehen oder sich auf CD oder als Buch zusenden lassen. Seit mehr als 15 Jahren ist diplom.de der seriöse, professionelle und erfolgreiche Partner für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Abschlussarbeiten.

© Diplomica Verlag GmbH 1996-2011, AG Hamburg HRB 80293 - GF Björn Bedey, USt-IdNr.: DE214910002 - Verkehrsnummer: 12285 - Impressum
Index der Arbeiten - Index der Autoren