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Wellness in der Multioptionsgesellschaft

Wellness in der Multioptionsgesellschaft
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Claudia Freidl
  • Abgabedatum: September 2003
  • Umfang: 111 Seiten
  • Dateigröße: 3,4 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Karl-Franzens-Universität Graz Österreich
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7615-1
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Freidl, Claudia September 2003: Wellness in der Multioptionsgesellschaft, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Gegenwartsdiagnose, Freizeitgestaltung, Gesundheit, Freizeitgesellschaft

Diplomarbeit von Claudia Freidl

Zusammenfassung:

In dieser Diplomarbeit beschäftigte ich mich mit dem Phänomen Wellness in einer bestimmten Perspektive. Gründe dafür, wieso Wellness in unserer Gesellschaft so starken Anklang findet, lassen sich aus gegenwärtigen Gesellschaftsdiagnosen gewinnen. Insbesondere orientiere ich mich an der „Multioptionsgesellschaft“ von Peter Gross, der unsere Gesellschaft als Multioptionsgesellschaft beschreibt, in der die Devise in allen Lebensbereichen „Mehr“ lautet.

Die Absichten dieser Arbeit liegen darin, zu zeigen, dass auch ein Trend wie Wellness den Prinzipien der Multioptionsgesellschaft unterliegt. Anhand von zwölf Kennzeichen der Multioptionsgesellschaft wird gezeigt, dass diese Annahme zulässig ist. Ein Trend, der als ein Teil des Megatrends des 21. Jahrhunderts angesehen wird, kann sich kaum der Steigerungsdevise der Multioptionsgesellschaft - immer weiter, immer schneller, immer höher - entziehen. Viele andere Eigenschaften der Multioptionsgesellschaft sind verantwortlich für den Erfolg von Wellness. In dieser Gesellschaft rückte die Arbeit erstmals ein wenig in den Hintergrund und die Freizeit gewann relativ an Bedeutung. Es entstand ein Verlangen nach einer erfüllten und interessanten Freizeitgestaltung. Wellnessurlaube bieten dafür eine perfekte Lösung.

Ebenso änderten sich in der Multioptionsgesellschaft die Arbeitsverhältnisse: Einerseits ist Flexibilität gefragt und zum anderen ist die physische Belastung am Arbeitsplatz zwar gesunken, jedoch ist die psychische Belastung stark gestiegen. Ein sportlicher und seelischer Ausgleich wird daher immer wichtiger. Die Mitglieder der Multioptionsgesellschaft fühlen sich oft verloren und suchen nach mehr Lebenssinn, welchen sie immer öfter in Wellnesselementen finden. Zum Einen wird Sport zu einer Art Ersatzreligion, zum Anderen finden Menschen in asiatischen Traditionen wie Yoga oder Ayurveda ihre passende Religion. Die zunehmende Individualisierung unserer Gesellschaft begünstigt die Annahme von Wellness ebenso. Körperliche Attraktivität, Wohlbefinden und Gesundheit zählen zu den wichtigsten Bedürfnissen unserer Gesellschaft. Nur in einer individualistischen Gesellschaft ist es möglich, das eigene Wohlbefinden in den Mittelpunkt zu stellen.

Wellness wurde jedoch nicht nur durch die Kennzeichen dieser Gesellschaft begünstigt, sonder in Wellness selbst spiegeln sich die Eigenheiten der Multioptionsgesellschaft wieder. Der erste Punkt ist der Steigerungsimperativ. Gerade die Steigerung der Optionen trifft auf einen Trend wie Wellness besonders zu. Tagtäglich landen mehr Wellnessprodukte auf dem Markt und die Menschen selbst streben nach mehr Gesundheit und mehr Wohlbefinden. Der Verlust der Traditionen ist ein weiteres Kennzeichen der Multioptionsgesellschaft. Diverse Wellnessprodukte und –anwendungen konnten erst durch Enttraditionalisierung vermarktet werden. Dafür gelangten alte Traditionen aus China, Japan oder dem arabischen Raum in abgewandelter Form in die westliche Gesellschaft.

Auch in einem weiterem Merkmal der multiplen Gesellschaft findet man im Wellnessphänomen Äquivalente: Wellness passt sich der Dynamisierung der Gesellschaft an. Obwohl immer wieder betont wird, dass man sich für Wellness Zeit nehmen soll, findet man immer mehr Angebote, die auch für den durch Zeitknappheit gekennzeichneten westlichen Menschen eine Lösung bieten. Die Multikulturalität stellt ein weiteres Kennzeichen der Multioptionsgesellschaft dar und den Mix von Kulturen und Traditionen findet man in ausgeprägter Weise im Wellness-Phänomen wieder. Alte, zum Teil antike Traditionen werden in Vital- und Wellnessoasen angeboten. Die Kommerzialisierung der Gesellschaft klammert natürlich einen Trend wie Wellness nicht aus: Man versucht mit dem Schlagwort Wellness alles zu vermarkten, vom Wellness-Haarshampoo bis hin zu Wellness-Möbel wird alles angeboten. Die Multioptionsgesellschaft wurde als eine komplexe Gesellschaft beschrieben, und alleine das Vokabular der Wellness-Sprache spiegelt die Komplexität, die man in unserer Gesellschaft findet, wieder. Die steigende Komplexität wird als Ursache für den Stress in unserer Gesellschaft gesehen. Viele Menschen empfinden die Steigerung der Optionen als Belastung, trotzdem hetzt man auch durch vielseitige Wellness- und Sportprogramme. Zwanghaft versucht man, sich gesund zu ernähren und fit zu halten. Aus diesen Gründen werden die Stimmen für eine Entschleunigung laut. Auch beim Wellnesstrend findet eine Umstellung statt, manche Menschen merken, dass sie mit weniger mehr erreichen können. Sanfte und zum Teil vergessene Wellnessmethoden gewinnen an Bedeutung.

Wellness ist ein wesentlicher Bestandteil des Megatrends Gesundheit. Man kann Wellness für sich nutzen, dem Stress des modernen Lebens entkommen, einfach abschalten und die Langsamkeit wieder entdecken. Auch Faulsein kann manchmal gut für die Seele sein. Man kann sich aber auch an die Vorgaben der Konsum- oder Multioptionsgesellschaft halten und von einem Trend zum nächsten hetzen.

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG 3
2. EINFÜHRUNG 6
2.1 WAS IST WELLNESS? 6
2.2 WAS IST DIE MULTIOPTIONSGESELLSCHAFT? 15
3. WELLNESS IN DER MULTIOPTIONSGESELLSCHAFT 18
3.1 DER STEIGERUNGSIMPERATIV 18
3.1.1 Die Unendlichkeit von Optionen 19
3.1.2 Der Mehrgott auf Wellness-Trip 21
3.2 ENTOBLIGATIONIERUNG UND ENTTRADITIONALISIERUNG 25
3.2.1 Der Abbau von Traditionen und Obligationen 25
3.2.2 Enttraditionalisierung von Yoga und Co 29
3.3 RATLOSIGKEIT VERSUS SINNSUCHE 34
3.3.1 Der Verlust von Orientierungen 34
3.3.2 Sinnsuche im Wellnessbetrieb 38
3.4 DYNAMISIERUNG DER GESELLSCHAFT 42
3.4.1 Das Prinzip der Beschleunigung 42
3.4.2 Wellness für Rastlose 46
3.5 FLEXIBILISIERUNG DER ARBEIT 50
3.5.1 Der flexible Mitarbeiter 50
3.5.2 Wellness für die Arbeit, Wellness in der Arbeit 53
3.6 ERLEBNISSTEIGERUNG IN DER FREIZEIT 56
3.6.1 Überbietungsdrang statt Erholung? 56
3.6.2 Die Freizeitangebote des Wellnessmarkts 58
3.7 ZWISCHENMENSCHLICHE BEZIEHUNGEN 62
3.7.1 Von den Familien zu den Nomaden? 62
3.7.2 Wellness als Egotrip? 67
3.8 MULTIKULTURALITÄT UND HYBRIDITÄT 71
3.8.1 Das gemischte Kulturangebot der Gesellschaft 71
3.8.2 Kulturmix im Wellnessbereich 73
3.9 VERMARKTUNG 79
3.9.1 Kommerzialisierung der Gesellschaft 79
3.9.2 Verkaufsförderung durch Wellness 81
3.10 KOMPLEXITÄT 86
3.10.1 Erfahrungsüberlastung und Ich-Schwäche 86
3.10.2 Wellness-Vielfalt und Persönlichkeitsdesign 88
3.11 STRESS UND UNZUFRIEDENHEIT 92
3.11.1 Belastungssteigerung durch das Überangebot 92
3.11.2 Das Paradoxon des Wellnessstress 96
3.12 ENTSCHLEUNIGUNG 101
3.12.1 Blick auf ein Kompensationselement 101
3.12.2 Wellness-light 103
4. RESÜMEE 107
5. QUELLENVERZEICHNIS: 109
5.1 BÜCHER 109
5.2 ZEITSCHRIFTEN UND BROSCHÜREN 113
5.3 INTERNET 114

Automatisiert erstellter Textauszug:

Menschen haben zwar ständig die Angewohnheit zu beteuern, dass die gute alte Zeit viel besser war, dass da noch Werte wie Stabilität und Solidarität eine beachtliche Bedeutung hatten, jedoch trifft dies auf die Multioptionsgesellschaft sicherlich nicht zu. Stabilität wird als Lähmung aufgefasst, wer sich nicht ständig in Bewegung befindet und sich verändert, ist nicht erfolgreich. „Das Ziel ist weniger wichtig als der Akt des Aufbruchs.“48 Die multiplen Optionen von heute stehen den verblichenen Selbstverständlichkeiten gegenüber, wodurch eine enorme Leere entsteht, da man trotz allem noch immer nach Gewissheiten sucht. Besonders im familiären Bereich verschwinden traditionelle Elemente. Die Pflege der Alten hat sich stark gewandelt; früher pflegte man seine Eltern noch zu Hause, heute verbringen die meisten Senioren ihren Lebensabend in Pflegeheimen. Selbstverständliche Verpflichtungen und Obligationen haben sich in der heutigen Gesellschaft selbst in Optionen umgewandelt. [...]

Die Qual der Wahl hat der Konsument auch bei der Auswahl, der Art und Weise, wie er ein neues Fitnesstraining erlernen will oder wie er Informationen über eine gesündere Ernährung bekommt. Wer zum Beispiel Yoga erlernen will, hat viele Möglichkeiten: Bücher, Zeitschriften, Audio- und Videokassetten, CD-ROMs, Abendkurse oder Einzelstunden. Bei den meisten anderen sportlichen Betätigungen sieht es ähnlich aus. Auch bei Diäten oder der einfachen gesunden Ernährung zeigt sich das gleiche Bild, man kann ebenso Zeitschriften und Bücher als Informationsmaterial verwenden, an Kursen teilnehmen oder sich direkt an einen Ernährungsberater wenden. Es gibt unzählige Wege, sich über Sport und Ernährung zu informieren. [...]

In einer Vorschau (Abbildung 5) des Magazines „Shape“ kommt das Streben nach dem Mehr besonders zum Ausdruck. In allen Lebensbereichen wird eine Steigerung des „JetztZustandes“ angestrebt. Versprochen wird unter anderem das beste Workout gegen Rückenschmerzen. Auch wenn schon in anderen Ausgaben immer wieder Übungen gegen Rückenschmerzen gezeigt wurden, soll in dieser nächsten Ausgabe endlich das beste Workout gegen Rückenprobleme gezeigt werden. Ebenso wird durch „Wohlfühlrezepte“ Hoffnung auf mehr Lebensfreude gemacht. Konnte man in dieser Ausgabe noch den „7Tages-Essplan gegen Cellulite“44 ausprobieren, so kann man sich im nächsten Monat nicht nur darüber freuen, etwas gegen Cellulite getan zu haben, sondern auch das generelle Lebensgefühl mittels „Wohlfühlrezepte“ zu steigern. Erst in dieser Ausgabe und auch in den vorhergehenden Ausgaben sind zahlreiche Fitnessübungen für einen schlanken und durchtrainierten Körpern erschienen, dessen ungeachtet wird man in der nächsten Ausgabe die besten Tricks und die schnellsten Methoden lesen können, noch mehr Fett zu verbrennen. Diese Vorschau und die damit verbundene Anregung zum Kauf des nächsten Magazins zeigt, dass die Steigerung in allen Lebensbereichen nach wie vor ein wichtiger Aspekt der Multioptionsgesellschaft ist. Mit den Ansprüchen der Konsumenten sind auch die Anforderungen an das Trainingspersonal gestiegen. In einem Fitnessstudio reicht eine einfache Erklärung der Geräte schon lange nicht mehr aus, der Konsument möchte genau informiert werden. Dies setzt zum Teil genaue anatomische und gesundheitliche Kenntnisse voraus. Fitnessstudios haben sich in „Kompetenzzentren“ umgewandelt, in denen Leistungsdiagnostiker, Physiotherapeuten und Ernährungsberater zusammenarbeiten. Ihre erworbenen Kenntnisse müssen sie ständig erweitern, denn die Kunden wollen über die neuesten Trends informiert werden. Wird eine neue Trendsportart bekannt, erwarten sich die Kunden natürlich auch das Angebot in ihrem nächsten Fitnessstudio. Einfaches Trainieren und Gewichte stemmen auf diese Art wollen nur noch die wenigsten Kunden ihren Körper trainieren. Angesagt sind Trendsportarten wie „Poweryoga“ oder „Pilates“, die nicht nur körperliche Fitness versprechen, sondern auch gut für Geist und Seele sind. [...]

Arbeit zitieren:
Freidl, Claudia September 2003: Wellness in der Multioptionsgesellschaft, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Gegenwartsdiagnose, Freizeitgestaltung, Gesundheit, Freizeitgesellschaft

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