Weiterentwicklung der investororientierten Unternehmensanalyse durch die Reform der Lageberichterstattung
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Stefanie Utesch
- Abgabedatum: August 2007
- Umfang: 225 Seiten
- Dateigröße: 1,8 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
- Bibliografie: ca. 410
- ISBN (eBook): 978-3-8366-0963-0
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Utesch, Stefanie August 2007: Weiterentwicklung der investororientierten Unternehmensanalyse durch die Reform der Lageberichterstattung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Lagebericht, Unternehmensanalyse, Investoren, Value Reporting, Rechnungslegung
58,00 €
PDF-eBook Download: 58,00 €
Diplomarbeit von Stefanie Utesch
Problemdarstellung:
„Im Lagebericht wird jetzt mehr nach vorne geschaut“ lautete ein Titel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 7. März 2005. Diese Aussage steht stellvertretend für die größte Reform der deutschen Lageberichterstattung in den vergangenen 20 Jahren. Der Hauptbestandteil dieser Reform ist das auf Basis europäischer Harmonisierungsbestrebungen am 5. November 2004 beschlossene Bilanzrechtsreformgesetz (BilReG). Dieses Gesetz beinhaltet neben der Internationalisierung des deutschen Bilanzrechts insbesondere umfassendere Anforderungen für die Aufstellung des Lageberichts und des Konzernlageberichts. Für Geschäftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2004 beginnen, müssen (Konzern-)Lageberichte nunmehr sowohl zukunfts- als auch wertorientierte Informationen enthalten. Die Berichterstattungspflicht über diese Inhalte impliziert damit eine gesetzlich normierte Aufnahme einzelner Elemente des Value Reporting und verdeutlicht damit die Transformation einer investor- und kapitalmarktorientierten Sichtweise in die externe Unternehmensberichterstattung, die einen Paradigmenwechsel in der bis zu dem Zeitpunkt vom Gläubigerschutz geprägten Rechnungslegung in Deutschland bewirkt hat.
Ergänzend konkretisiert wird die Aufstellung und der Inhalt des (Konzern-)Lageberichts durch den am 26. Februar 2005 bekannt gemachten Deutschen Rechnungslegungsstandard Nr. 15 (DRS 15) „Lageberichterstattung“, der in Bezug auf die Risikoberichterstattung explizit auf den Deutschen Rechnungslegungsstandard Nr. 5 (DRS 5) „Risikoberichterstattung“ verweist. Zusätzlich erweitert wurden die Anforderungen an die Lageberichterstattung durch das Vorstandsvergütungs-Offenlegungsgesetz (VorstOG) vom 3. August 2005, das Übernahmerichtlinie-Umsetzungsgesetz (ÜR-UG) vom 8. Juli 2006 sowie das erst kürzlich verabschiedete Transparenzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (TUG) vom 5. Januar 2007. Mit diesen Reformbestandteilen wird bezweckt, einen erweiterten Informationsgehalts und eine erhöhte Transparenz in der deutschen Rechnungslegung zu normieren, die das Vertrauen in die Kapitalmärkte stärken sollen und mit entscheidungsrelevanten Informationen für Investoren einen Beitrag zur Möglichkeit eines Soll-Ist-Vergleichs leistet.
Aus diesem Grund ist das oben stehende Zitat insbesondere für Privatinvestoren bedeutsam, die ihre Anlageentscheidungen - Unternehmensanteile zu kaufen oder zu verkaufen - lediglich auf Basis der von Unternehmen i.d.R. im Geschäftsbericht publizierten Rechnungslegungsinstrumente treffen können. Die seitens der Investoren zu Zwecken von Zwecken Anlageentscheidungen vornehmlich angewandten Unternehmensbewertungsverfahren sind hierbei die Zukunftserfolgswertverfahren. Diese berücksichtigen die zukünftige Ertragskraft eines Unternehmens, die wiederum die Wertgenerierung des in das Unternehmen investierten Kapitals und des damit verbundenen Risikos determiniert wird. Zur Prognostizierbarkeit der künftigen Ertragskraft eines Unternehmens sind die meist quantitativen, vergangenheitsorientierten und damit retrospektiven Informationen der Jahresabschluss- bzw. Konzernabschlussbestandteile jedoch nicht ausreichend. Selbst der als Ergänzungsinstrument fungierende (Konzern-)Lagebericht wies in der Vergangenheit eine mangelnde Zukunftsbezogenheit sowie Intransparenzen auf und konnte die individuellen Informationsbedürfnisse der Investoren nur partiell erfüllen.
Mit der Aufnahme prospektiver Informationen und die Erhöhung der Transparenzanforderungen orientiert sich die Lageberichterstattung zunehmend an der internen Unternehmenssteuerung und leistet daher einen Beitrag zur Konvergenz der internen und externen Rechnungslegung sowie zur Reduzierung der Informationsasymmetrien zwischen dem Investor und dem Management eines Unternehmens, so dass die Unsicherheiten in Bezug auf die Schätzung des Zukunftserfolgswerts reduziert werden können. Daher kann angenommen werden, dass die zunehmende Kapitalmarktorientierung auch für die investororientierte Unternehmensanalyse einen Mehrwert bewirken konnte. Dieser Mehrwert soll daher im Rahmen dieser Arbeit hinsichtlich seiner tatsächlichen Existenz, seiner Höhe und seiner Abweichung von dem optimalen Informationsgehalt eines (Konzern-)Lageberichts zur Bestimmung des Unternehmenswerts untersucht werden.
Gang der Untersuchung:
Entsprechend der Problemstellung verfolgt diese Arbeit das Ziel, den Beitrag der Reform der Lageberichterstattung für die investororientierte Unternehmensanalyse zu messen. Dazu werden in dem einleitenden Kapitel 2 zunächst die Grundlagen der nationalen und internationalen Lageberichterstattung im Kontext der investororientierten Unternehmensberichterstattung erläutert und deren Bedeutung für die investororientierte Unternehmensanalyse herausgearbeitet. Dies setzt voraus, eine Eingrenzung des weitreichenden Feldes externer Rechnungslegungsadressaten und deren heterogenen Informationsbedürfnisse vorzunehmen und eine Definition für das im Rahmen dieser Untersuchung berücksichtigte Zielobjekt - den Investor - herzuleiten. Aus der anschließenden Darstellung des Gegenstands, der Ziele und der Methoden der investororientierten Unternehmensanalyse sowie damit verbundener Schwierigkeiten werden die Informationsbedürfnisse der Investoren an die (Lage-)Berichterstattung abgeleitet, die als Grundlage für die später durchgeführte Untersuchung dienen.
Das anschließende Kapitel 3 befasst sich mit der Darstellung der Reform der Lageberichterstattung, um ihre Wirkungsweise in der später durchgeführten Untersuchung beurteilen zu können. Hier wird zur Hervorhebung der zunehmenden Bedeutung des Lageberichts als externes Berichterstattungsinstruments im Zeitablauf zunächst eine kurze Beschreibung der historischen Entwicklung der Lageberichterstattung gegeben. Anschließend erfolgt eine detaillierte Darstellung der einzelnen Reformbestandteile, die sowohl die Entwicklung und den Inhalt der jeweiligen Gesetze umfasst als auch einen Vergleich mit den jeweils in der Vergangenheit gültigen Gesetzesfassungen beinhaltet. Um eine mögliche zukünftige Ausgestaltung der Lageberichterstattung zu berücksichtigen, werden zusätzlich gegenwärtige nationale Standardentwürfe sowie europäische und internationale Entwicklungen bzw. Projekte dargestellt.
Das Kapitel 4 stellt den Hauptteil dieser Arbeit dar. In diesem Kapitel wird die Reform der Lageberichterstattung hinsichtlich ihres Beitrags zur Weiterentwicklung der investororientierten Unternehmensanalyse bewertet. Hierzu wird anhand der Informationsbedürfnisse der Investoren ein idealer Informationsgehalt definiert. Mit Hilfe einer Nutzwertanalyse werden die aus dem idealen Informationsbedarf abgeleiteten Bewertungskriterien mit objektiven Gewichtungsfaktoren sowie Informationsgehaltsausprägungen des (Konzern-)Lageberichts eines deutschen börsennotierten Unternehmens, das zur Aufstellung eines Konzernabschlusses nach IFRS verpflichtet ist, bewertet. Dabei wird jeweils der gesetzlich normierte Informationsgehalt vor und nach der Reform bestimmt und anschließend mit dem idealen Informationsgehalt verglichen, um fortbestehende Informationslücken aufzudecken. Für etwaige Informationslücken werden ferner Möglichkeiten aufgezeigt, diese zu schließen und den Informationsgehalt weiter zu erhöhen. Um einen Vergleich mit der praxisorientierten Lageberichterstattung vorzunehmen und den Mehrwert zu unterstreichen, werden in Bezug auf einzelne Bewertungskriterien jeweils exemplarische Praxisbeispiele börsennotierter Unternehmen herangezogen.
Die Arbeit schließt mit einer Schlussbetrachtung in Kapitel 5.
Inhaltsverzeichnis:
| Abbildungsverzeichnis | III | |
| Tabellenverzeichnis | IV | |
| Abkürzungsverzeichnis | V | |
| Symbolverzeichnis | XIII | |
| 1. | Einleitung | 1 |
| 1.1 | Problemstellung | 1 |
| 1.2 | Gang der Untersuchung | 2 |
| 2. | Lageberichterstattung im Kontext investororientierter Unternehmensanalyse | 4 |
| 2.1 | Der Lagebericht als Instrument der externen Rechnungslegung | 4 |
| 2.1.1 | Der handelsrechtliche Lagebericht | 4 |
| 2.1.2 | Der Lagebericht nach internationalen Vorschriften | 5 |
| 2.1.3 | Entwicklung des Lageberichts zum Value Reporting-Instrument | 7 |
| 2.2 | Investoren: Adressaten der externen Rechnungslegung | 11 |
| 2.3 | Investororientierte Unternehmensanalyse | 13 |
| 2.3.1 | Begriff und Ziel der investororientierten Unternehmensanalyse | 13 |
| 2.3.2 | Methoden der investororientierten Unternehmensanalyse | 14 |
| 2.3.3 | Informationsbedürfnisse der Investoren | 17 |
| 2.3.4 | Informationsquellen | 18 |
| 2.3.5 | Principal-Agent-Theorie und Probleme der Unternehmensanalyse | 19 |
| 2.4 | Zielsystem und Zielkonflikte aus Unternehmenssicht | 21 |
| 3. | Die Reform der Lageberichterstattung | 23 |
| 3.1 | Historische Entwicklung der Lageberichterstattung | 23 |
| 3.2 | Bilanzrechtsreformgesetz (BilReG) | 29 |
| 3.2.1 | EU-Richtlinien als Basis des BilReG | 29 |
| 3.2.2 | Entwicklung, Anwendungsbereich und Zielsetzung des BilReG | 30 |
| 3.2.3 | Gegenstand des BilReG | 31 |
| 3.3 | DRS 15 „Lageberichterstattung“ | 39 |
| 3.3.1 | Entwicklung, Anwendungsbereich und Zielsetzung des DRS 15 | 39 |
| 3.3.2 | Gegenstand des DRS 15 | 40 |
| 3.3.2.1 | Grundsätze der Lageberichterstattung nach DRS 15 | 40 |
| 3.3.2.2 | Gliederung und Berichtsteile des Lageberichts nach DRS 15 | 44 |
| 3.3.3 | DRS 5 „Risikoberichterstattung“: Ergänzung des DRS 15 | 48 |
| 3.4 | Vorstandsvergütungs-Offenlegungsgesetz (VorstOG) | 50 |
| 3.4.1 | Entwicklung, Anwendungsbereich und Zielsetzung des VorstOG | 50 |
| 3.4.2 | Gegenstand des VorstOG | 51 |
| 3.5 | Übernahmerichtlinie-Umsetzungsgesetz (ÜR-UG) | 52 |
| 3.5.1 | Entwicklung, Anwendungsbereich und Zielsetzung des ÜR-UG | 52 |
| 3.5.2 | Gegenstand des Übernahmerichtlinie-Umsetzungsgesetzes | 52 |
| 3.6 | Gesetz zur Umsetzung der EU-Transparenzrichtlinie (TUG) | 54 |
| 3.6.1 | Entwicklung, Anwendungsbereich und Zielsetzung des TUG | 54 |
| 3.6.2 | Gegenstand des TUG | 55 |
| 3.7 | Europäische und Internationale Entwicklungen | 58 |
| 3.7.1 | Änderungen der 4. und 7. EG-Richtlinie | 58 |
| 3.7.2 | IASB-Diskussionspapier „Management Commentary“ | 60 |
| 3.8 | Zwischenfazit zur Reform | 65 |
| 4. | Analyse und Beurteilung der Weiterentwicklung der investororientierten Unternehmensanalyse durch die Reform der Lageberichterstattung | 66 |
| 4.1 | Einsatz der Nutzwertanalyse als Bewertungsinstrument | 66 |
| 4.1.1 | Grundlagen zur Nutzwertanalyse | 67 |
| 4.1.2 | Festlegung des Zielsystems | 67 |
| 4.1.3 | Ermittlung geeigneter Bewertungskriterien | 68 |
| 4.1.4 | Gewichtung der Bewertungskriterien | 75 |
| 4.1.5 | Bestimmung der Ausprägungsmerkmale | 75 |
| 4.1.6 | Bestimmung der Teilnutzenwerte | 77 |
| 4.1.7 | Aggregation der Teilnutzenwerte zum Gesamtnutzen | 78 |
| 4.2 | Übertragung der Nutzwertanalyse auf die Beurteilung der Reform | 78 |
| 4.2.1 | Vorgehensweise und Annahmen | 78 |
| 4.2.2 | Bildung der Teilnutzenwerte | 80 |
| 4.2.2.1 | Teilnutzenwert des Reinvermögenszeitwerts | 80 |
| 4.2.2.1.1 | Materielle und finanzielle Vermögenswerte | 80 |
| 4.2.2.1.2 | Immaterielle Vermögenswerte | 86 |
| 4.2.2.1.3 | Ergebnis für den Teilnutzenwert | 90 |
| 4.2.2.1.4 | Berichterstattung in der Praxis | 91 |
| 4.2.2.2 | Teilnutzenwert des Zukunftserfolgswerts | 93 |
| 4.2.2.2.1 | Nachhaltiges Periodenergebnis | 93 |
| 4.2.2.2.2 | Künftiges Periodenergebnis | 94 |
| 4.2.2.2.3 | Prognosequalität | 96 |
| 4.2.2.2.4 | Kapitalkosten und Kapitalstruktur | 98 |
| 4.2.2.2.5 | Ergebnis für den Teilnutzenwert | 102 |
| 4.2.2.2.6 | Berichterstattung in der Praxis | 103 |
| 4.2.2.3 | Teilnutzenwert der Nonfinancials | 105 |
| 4.2.2.3.1 | Ziele und Strategien | 105 |
| 4.2.2.3.2 | Umfeld des Unternehmens | 106 |
| 4.2.2.3.3 | Betriebliche Aufgabenbereiche | 109 |
| 4.2.2.3.4 | Ergebnis für den Teilnutzenwert | 115 |
| 4.2.2.3.5 | Berichterstattung in der Praxis | 116 |
| 4.2.2.4 | Teilnutzenwert des Internen Steuerungs- und Anreizsystems | 117 |
| 4.2.2.4.1 | Internes Steuerungssystem | 118 |
| 4.2.2.4.2 | Anreizsystem | 121 |
| 4.2.2.4.3 | Ergebnis für den Teilnutzenwert | 123 |
| 4.2.2.4.4 | Berichterstattung in der Praxis | 124 |
| 4.2.3 | Bildung und Interpretation des Gesamtnutzens | 125 |
| 4.3 | Weiterentwicklung durch Qualität der Informationen | 130 |
| 4.3.1 | Verlässlichkeitsgrad | 130 |
| 4.3.2 | Aktualität | 132 |
| 4.3.3 | Klarheit, Übersicht und Vergleichbarkeit | 134 |
| 4.3.4 | Synergien | 136 |
| 4.4 | Auswertung und Beurteilung der Reform | 137 |
| 4.5 | Ansätze zur Reduktion fortbestehender Informationslücken | 138 |
| 4.5.1 | Nutzerorientierte Maßnahmen | 138 |
| 4.5.2 | Zeitnahe Berichterstattung | 139 |
| 4.5.3 | Ausweitung der nichtfinanziellen Berichterstattung | 140 |
| 4.5.3.1 | Balanced Scorecard als externes Reportinginstrument | 141 |
| 4.5.3.2 | Wissensbilanzen als Intellectual Property Statement | 144 |
| 4.5.3.3 | Nachhaltigkeitsberichterstattung | 146 |
| 4.5.4 | Unternehmensbewertung im Lagebericht | 150 |
| 4.6 | Zwischenfazit zur Analyse | 152 |
| 5. | Schlussbetrachtung und Ausblick | 153 |
| Anhang | XVI | |
| Literaturverzeichnis | XXXVIII | |
| Verzeichnis der Gesetze, Standards, Verordnungen und Rahmengrundsätze | LX | |
| Verzeichnis analysierter Geschäftsberichte | LXVI | |
| Erklärung | LXIX |
Textprobe:
Kapitel 3.7, Europäische und Internationale Entwicklungen:
Änderungen der 4. und 7. EG-Richtlinie:
Zur Erleichterung grenzüberschreitender Investitionen, Verbesserung der Vergleichbarkeit und Transparenz sowie der Stärkung des Vertrauens in europäische Unternehmensabschlüsse und -lageberichte wurde von der Europäischen Kommission die Richtlinie 2006/46/EG am 16. August 2006 veröffentlicht, die Änderungen der 4. und 7. EG-Richtlinie beinhaltet. Diese Änderungen betreffen die Offenlegung außerbilanzieller Geschäfte und Transaktionen mit nahe stehenden Unternehmen und Personen im (Konzern-)Anhang sowie die kollektive - dem nationalen Recht bereits entsprechende - Verantwortung und Haftung von Organmitgliedern für sämtliche Kapitalgesellschaften. Darüber hinaus sieht die Richtlinie für kapitalmarktorientierte Unternehmen die Einführung eines Corporate Governance Statements als Publizitätsinstrument vor.
Das zu publizierende Corporate Governance Statement ist als gesonderter Abschnitt in den jährlichen Lagebericht zu integrieren oder alternativ in einem gesonderten Bericht, der gemeinsam mit dem Abschluss und dem Lagebericht offengelegt wird, bzw. einer Einstellung auf die Internetseite mit einem entsprechenden Hinweis im Lagebericht zu publizieren und muss folgende Mindestbestandteile enthalten:
- Verweis über den verpflichtenden und/oder freiwillig angewandten Unternehmensführungskodex und/oder relevante Angaben zu über die nationalen Rechtsanforderungen hinausgehenden Unternehmensführungspraktiken.
- Entsprechenserklärung: Sofern eine Gesellschaft national vorgeschriebene Kodizes nicht anwendet oder von diesen abweicht, ist sie zu einer Erklärung über die inhaltliche Abweichung einschließlich zugrunde liegender Gründe verpflichtet.
- Beschreibung wichtiger Merkmale des internen Kontroll- und Risikomanagementsystems bezüglich des Rechnungslegungsprozesses.
- Informationen nach der Übernahme-Richtlinie.
- Durchführung und Rechte der Hauptversammlung.
- Zusammensetzung und Arbeitsweise der Verwaltungs-, Leitungs- und Aufsichtsorgane und ihrer Ausschüsse: In diesem Zusammenhang bestehen Angabepflichten über die interne Organisation und Arbeitsweise des Aufsichtsrats, Bildung von Aufsichtsratausschüssen, Umgang mit Risiken und Interessenskonflikten, Unternehmensstrategie sowie die Zusammensetzung des Aufsichtsrats. Entsprechende Angabepflichten zum Vorstand sieht die Kommission gegenwärtig nicht vor.
In der Literatur wird die Publizität des Corporate Governance Statements als Bestandteil des Lageberichts aufgrund eines lediglich indirekten Bezugs zu den Informationen des Jahresabschlusses und Lageberichts, des Abweichens vom Zweck der Ergänzungsfunktion des Lageberichts, der Bedeutung der Corporate Governance-Informationen sowie des teilweise abweichenden Adressatenkreises kritisiert. Darüber hinaus würde der vom Vorstand aufzustellende Lagebericht „durch den erhebliche[n] Einfluss des Aufsichtsrats auf die Corporate Governance negiert“.
Die nationale Ausgestaltung der externen Berichterstattung über die Corporate Governance als möglicher Bestandteil der Lageberichterstattung bleibt bis zur Umsetzung der Richtlinie bis spätestens 5. September 2008 abzuwarten.
IASB-Diskussionspapier „Management Commentary“:
Das Diskussionspapier „Management Commentary“ wurde aufgrund des internationalen Interesses an standardisierten Regelungen und des Fehlens eines entsprechenden IFRS-Standards zur Lageberichterstattung am 27. Oktober 2005 vom IASB veröffentlicht. Es spiegelt die Sichtweise und die Ergebnisse der vom IASB eingesetzten Forschungsgruppe wider, die aus verschiedenen nationalen Standardsetzern besteht, und bezweckt eine „Debatte über die Notwendigkeit und potentielle Ausgestaltung eines dem Lagebericht ähnlichen Berichtsinstruments, des Management Commentary (...), im Regelsystem der IFRS zu initiieren“. Die Frist zur Abgabe von Stellungnahmen zum Diskussionspapier, die nach der Auswertung über die Einsetzung eines Standardsetzungsprozesses entscheiden, endete am 28. April 2006.
Der Management Commentary wird dem Financial Reporting zugeteilt und soll der Zielgruppe der (potentiellen) Investoren durch entscheidungsorientierte Informationen - insbesondere zur Durchführung von Unternehmensanalysen - bei der Interpretation und Beurteilung der Financial Statements unter Berücksichtigung des Unternehmensumfelds, Beurteilung der aus Managementsicht erfolgskritisch eingeschätzter Faktoren und Managementpläne sowie der Beurteilung der Unternehmensstrategien und deren Erfolgswahrscheinlichkeit dienen.
Die inhaltliche Ausgestaltung wird durch anzuwendende Qualitätsanforderungen und Grundsätze der Berichterstattung geprägt, die den Grundsätzen der Lageberichterstattung nach DRS 15 entsprechen. Der Management Commentary erfordert bei der Aufstellung die Berücksichtigung der folgenden drei Grundsätze der Berichterstattung: der Grundsatz der Ergänzung und Erläuterung des Jahresabschlusses (Supplement and Complement Financial Statement Information), der Grundsatz der Vermittlung einer Analyse aus Managementsicht (Through the Eyes of Management) sowie der Grundsatz der Zukunftsorientierung (Orientation to the Future).
Der Grundsatz der Ergänzung und Erläuterung des Jahresabschlusses umfasst eine Erklärung zu Betragsangaben im Jahresabschluss einschließlich der Bedingungen und Ereignisse, auf deren Basis diese ermittelt wurden. Der Jahresabschluss soll in Anlehnung an den Shareholder Value-Gedanken in der Unternehmenssteuerung und -bewertung mit Hilfe finanzieller und nichtfinanzieller Informationen zum Geschäftsbetrieb und zur Entwicklung des Unternehmens erläutert werden, die nicht in den Bestandteilen des Jahresabschlusses enthalten sind. Dabei soll die Berichterstattung konsistent, aber ohne eine wiederholte inhaltliche Beschreibung erfolgen.
Mit der Darstellung der Informationen aus Sicht des Managements wird - analog zum DRS 15 - der Management Approach in die Lageberichterstattung implementiert, wodurch die internen Kenntnisse des Managements als Entscheidungsgremium eine in die Berichterstattung einfließende Subjektivität gewährleisten, so dass folglich zusätzlich Informationen über interne Entscheidungsprozesse enthalten sind.
Durch den Grundsatz der Zukunftsorientierung soll die Zielsetzung einer prospektiven Berichterstattung umgesetzt werden. „Die Kommunikation einer Richtung, in welche sich das Unternehmen bewegt“ umfasst die Identifikation wichtiger Trends und Einflussfaktoren, die zur Beurteilung der zukünftigen Entwicklung des Unternehmens entscheidend sind, einschließlich von Erläuterungen über die Indikation und Auswirkungen von Ereignissen, Entscheidungen, Sachverhalten und Entwicklungen der Vergangenheit auf das zukünftige Erfolgspotential.
58,00 €
PDF-eBook Download: 58,00 €
Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836609630
Arbeit zitieren:
Utesch, Stefanie August 2007: Weiterentwicklung der investororientierten Unternehmensanalyse durch die Reform der Lageberichterstattung, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Lagebericht, Unternehmensanalyse, Investoren, Value Reporting, Rechnungslegung



