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Weibliche Elendsprostitution

Sozialpädagogische Hilfen

Weibliche Elendsprostitution
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Nadine Meier
  • Abgabedatum: Juli 2007
  • Umfang: 135 Seiten
  • Dateigröße: 409,1 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Düsseldorf Deutschland
  • Bibliografie: ca. 29
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-2231-8
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Meier, Nadine Juli 2007: Weibliche Elendsprostitution, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Elendsprostitution, Prostitution, Frauenhandel, Menschenhandel, Zwangsprostitution

Diplomarbeit von Nadine Meier

Einleitung:

Prostituierte haben Aids und sind drogensüchtig! In unserer Gesellschaft existieren viele Vorurteile über Prostituierte. Diese Arbeit möchte untersuchen, inwieweit die Aussagen zutreffen. Obwohl in der Bundesrepublik Deutschland ca. 400.000 Prostituierte arbeiten, werden sie stigmatisiert und gesellschaftlich missachtet. Diese Arbeit will untersuchen, wie soziale Arbeit aussehen kann, um die Betroffenen zu unterstützen. Hierzu wird eine Einführung in diese Themen gegeben sowie einen Einblick in die aktuelle Situation von Prostituierten in der Bundesrepublik Deutschland. Das Hauptaugenmerk wird in dieser Arbeit auf die weibliche Prostitution gerichtet, da sich hauptsächlich Frauen prostituieren. Da der Begriff der Elendsprostitution in der Fachliteratur nicht eindeutig definiert ist, beschäftigt sich diese Arbeit exemplarisch mit den Formen der Beschaffungs- und Zwangsprostitution.

In diesen Zusammenhang findet auch eine Auseinandersetzung mit den aktuellen rechtlichen Bestimmungen und deren Auswirkungen auf die Situation der prostitutiv Tätigen statt.

Die Arbeit setzt sich aus einem ersten, theoretischen und einem zweiten, empirischen Teil zusammen. Der theoretische Teil gibt zu Beginn einen groben Überblick über die historische Entwicklung von Prostitution. Hierbei wird der Zeitraum von der Antike bis heute beleuchtet. Des Weiteren wird die Situation von Prostituierten, unter Bezugnahme der aktuellen gesetzlichen Bestimmungen, sowie deren Auswirkung dargestellt. Es wird hierbei auch untersucht, inwieweit sich die Situation der Betroffenen verändert hat.

Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit der Situation des in Deutschland stattfindenden Frauenhandels im Zusammenhang mit Migration. Hierbei werden sowohl die Gründe der Migration, als auch die Praktiken des Frauenhandels beleuchtet. Ferner wird das Ausmaß des Menschenhandels aufgezeigt.

Im dritten Kapitel wird untersucht, inwiefern die soziale Arbeit Hilfen anbieten kann, um die Betroffenen zu unterstützen. Da die Arbeit sich lediglich als eine Einführung in das Thema versteht, beschränkt sie sich auf die primären Hilfen. Hierbei werden niedrigschwellige Angebote, wie Streetwork und Cafe Angebote in ihrer Bedeutung für Klientenkontakte untersucht. Des Weiteren werden Anforderungen an die Mitarbeiter und untersucht und ob eine Spezialisierung der Beratungs- und Unterstützungsangebote für Prostituierte nötig ist. Ferner wird die Frage, inwiefern eine Kooperation verschiedener sozialpädagogischer Hilfeeinrichtungen sinnvoll ist untersucht. Darauf folgt eine exemplarische Vorstellung eines niedrigschwelligen Kooperationsprojekts.

Den zweiten Teil dieser Arbeit, bildet die empirische Überprüfung der in Kapitel drei untersuchten Fragestellungen. Hierbei wird das sozialpädagogische Handlungsfeld mit Prostituierten durch die empirische Methode des Experteninterviews beleuchtet. Zunächst findet die Darstellung der methodischen Vorgehensweisen statt und an die Präsentation der Ergebnisse schließt sich die Zusammenfassung dieser an. Abschließend werden die Ergebnisse des empirischen Interviews mit dem aus dem theoretischen Teil gewonnen Erkenntnisse zusammengebracht und ausgewertet.

Den Abschluss der Arbeit bildet das Fazit.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis 2
Einleitung 4
A. Theoretischer Teil 6
1. Weibliche Prostitution 6
1.1 Geschichtlicher Abriss der Prostitution 6
1.2 Prostitution in der Bundesrepublik Deutschland 11
1.2.1 Rechtliche Situation von Prostituierten 12
1.2.1.1 Prostitutionsgesetz 12
1.2.1.2 Sperrbezirksverordnungen 17
1.2.1.3 rechtliche Situation von ausländischen Prostituierten 19
1.3.1 Umfang der Prostitution in der Bundesrepublik Deutschland 20
1.3.3 Arbeitsbedingungen im Sexgewerbe/ Prostitutionsformen 22
1.3.4 Gesundheitliche Situation 27
1.3.4.1 Infektionsschutzgesetz 28
1.3.4.2 Gesetz zur Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten/ Bundesseuchengesetz 29
1.3.5 Organisation der Prostitution 30
1.3.5.1 Der klassische Zuhälter 30
1.3.5.2 Die selbständig arbeitende Prostituierte 31
1.3.5.3 Dienstleister/ innen im Prostitutionsmilieu 32
1.3.5.4 Dienstleister / innen für das Milieu 32
1.3.6 Verdienst 33
1.4 Sucht und Prostitution 33
1.4.1 Beschaffungsprostitution 34
1.4.2 Merkmale der Beschaffungsprostitution 35
1.4.3 Substitution 37
1.4.4 Drogenkonsumraum 37
2. Menschenhandel 38
2.1 Definition Menschenhandel 39
2.2 Erscheinungsformen des Menschenhandels 40
2.3 Zahlen und Fakten 42
2.3.1 Ermittlungsverfahren 43
2.3.2 Opfer 44
2.3.4 Altersstruktur der Opfer 45
2.3.5 Tatverdächtige 46
2.3.6 Anwerbung der Opfer 46
2.3.6 Einsatz von Täuschung/ Zwang/ Gewalt 48
2.4 Migration und Frauenhandel 49
2.4.1 Auslösende und aufrechterhaltende Bedingungen für Migration 50
2.4.2 Feminisierung der Migration 51
2.4.3 Praktiken des Frauenhandels 52
2.4.4 Anwerbungsmethoden 52
2.4.4.1 Anwerbung durch Arbeitsversprechen 52
2.4.4.2 Anwerbung über die Vortäuschung einer Liebesbeziehung 53
2.4.4.3 Sonstige Anwerbemethoden 53
2.4.5 Kontaktaufnahme und Ablauf 54
2.4.6 Organisation des Frauenhandels 55
2.4.6.1 Private Zuhälterei 56
2.4.6.2 Organisierter Frauenhandel 56
2.4.7 Ablauf in der Bundesrepublik 58
2.4.8 Internationale Verbindungen der Organisationen 58
2.4.9 Fachberatungsstellen 59
2.5 Fazit 59
3. sozialpädagogische Hilfen 61
3.1 niedrigschwellige Angebote 61
3.1.1 Streetwork 61
3.2 Treffpunkt und Cafe 62
3.1.3 Bedeutung der niedrig schwelligen Arbeit für Klientenkontakte 64
3.2 Soziale Beratung und Unterstützung 65
3.2.1 Unterstützungsbedarf 66
3.3 Anforderungen an die Mitarbeiter 74
3.3.1 Offenheit und Parteilichkeit 74
3.3.2 Anforderungen an Prostituiertenberatungsstellen und die Beratenden 75
3.4 Vernetzung und Kooperation 77
3.5 Notwendigkeit spezialisierter Beratungs- und Unterstützungsangebote für Prostituierte 77
3.6 Schlussfolgerungen und Empfehlungen für die ausstiegsunterstützende Arbeit mit Prostituierten 78
3.7 Beispiel 79
B. Empirischer Teil 81
4. Das leitfadengestützte Experteninterview 81
4.1 Methodisches Vorgehen 81
4.2 Qualitatives Verfahren 81
4.3 Auswahl der Experten 82
4.4 Leitfaden 83
4.5 Durchführung des Interviews 84
4.6 Datenauswertung 84
4.6 Ergebnisse 85
4.7 Zusammenfassung 98
5. Fazit 100
Literaturverzeichnis 103
Anhang 106

Textprobe:

Kapitel 1.4, Sucht und Prostitution: Sucht und Prostitution sind eng miteinander verbunden. Viele Frauen betäuben sich mit Alkohol und/oder anderen Drogen, um die Anforderungen auszuhalten. Sie müssen stets arbeitsfähig sein und können sich keine Ausfälle leisten. Mit Hilfe von Medikamenten und Alkohol halten sie sich fit. Der Unterschied zu drogenabhängigen Prostituierten ist, dass das Geldverdienen in der Prostitution nicht von einer Suchtmittelabhängigkeit geprägt ist. Grundsätzlich kann man zwischen Professionellen- und Beschaffungsprostituierten unterscheiden.

Kapitel 1.4.1, Beschaffungsprostitution: Beschaffungsprostitution- auch Drogenprostitution bezeichnet die Prostitution zur Finanzierung von Drogen. Es lässt sich nur schwer von anderen Prostitutionsformen abgrenzen, da sie sich teilweise überschneiden und ähnliche Motive für die Prostitution zusammenfallen. Im Bereich der Beschaffungsprostitution ist der Drogenkonsum nicht eine Begleiterscheinung, sondern stellt das Hauptmotiv für die Prostitutionstätigkeit dar. Viele Drogenabhängige gehen dafür der Beschaffungsprostitution nach. Der Konsum von Drogen ist kostspielig und das Geld ist kaum durch „normale“ Erwerbsarbeit zu beschaffen. Als Alternative bleibt den Abhängigen Dealerei, Prostitution und diverse Formen von Kriminalität.

Die Frauen sehen für sich selbst keine andere Möglichkeit andere Möglichkeit ihre Drogenabhängigkeit zu finanzieren, als anschaffen zu gehen. Beschaffungskriminalität wie Diebstahl, kommt für die meisten Frauen nicht in Frage. Dealerei ist als Frau in der Szene schwierig, da sie ohne Mann nicht anerkannt werden. Drogenhandel ist oft mit Gewalt verbunden, wobei es als Frau schwer ist, dieser entgegenzutreten.

Beschaffungsprostitution ist eine Form der Existenzsicherung und eine Möglichkeit, das Geld für den Konsum zu beschaffen. Drogen sind wiederum eine Möglichkeit die Tätigkeit auszuhalten. Drogen und Prostitution können zu einem Kreislauf werden.

Kapitel 1.4.2 Merkmale der Beschaffungsprostitution: Drogenabhängige Frauen prostituieren sich in der Regel nicht freiwillig und erleben in dieser Zeit Gefühle wie Ekel, Scham und Schuld. Sie sind gefangen in einem Teufelskreis. Die Drogenabhängigkeit zwingt sie in die Prostitution und muss aufrechterhalten werden, damit sie die Sexarbeit ausüben können. Im schlimmsten Fall ist der Tagesrhythmus der Sucht unterworfen und besteht nur aus „Strich und Schuss.“ Innerhalb der sozialen Hierarchie haben Drogenabhängige den niedrigsten Status, selbst innerhalb der Gruppe der Prostituierten. Sie arbeiten unter den schlechtesten Bedingungen ihres Berufes. Sie sind überwiegend auf den Straßenstrich angewiesen, der zu den gefährlichsten Arbeitsbereichen im Sexgewerbe zählt (vgl. Kapitel 1.3.3). Dadurch, dass sie sich schnell und billig verkaufen müssen, weil sie das Geld für den nächsten Schuss benötigen, unterbieten sie die Preise und sind den negativen Reaktionen der anderen Prostituierten und Zuhältern ausgesetzt, die die Auswirkungen solcher Dumpingpreise erfahren. Das führt zu Konkurrenzkämpfen und rivalisierenden Beziehungen.

Sie sind die Zielgruppe von Freiern, die nicht bereit sind viel Geld zu bezahlen und Wert auf kondomfreien Geschlechtsverkehr legen. Aufgrund der zwingenden Notwendigkeit, Geld für den Konsum zu verdienen, lassen sie sich auf gefährliche Praktiken oder extreme Wünsche der Männer ein. Männer sind bereit überhöhte Preise für kondomfreien Verkehr zu bezahlen und Beschaffungsprostituierte sind meist gut mit Geld zu locken. Sie können sich keinen Verdienstausfall aufgrund ihrer Sucht leisten.

Drogenabhängige Prostituierte sind oft Opfer von Gewalt. Sie sind im besonderen Maße Gewalt von Freiern ausgesetzt. So sind sie häufiger als die professionellen Prostituierten Opfer von Vergewaltigungen, sexueller Nötigung, Raub oder Körperverletzung. Auf der einen Seite haben sie in der Regel keinen Zuhälter, der unter anderem für den Schutz der Frauen sorgt, andererseits nutzen Freier die Angst der Frauen vor der Polizei aus, weil sie illegale Drogen konsumieren und selbst eine Anzeige befürchten.

Die Befürchtung, wegen Drogenkonsums beschuldigt zu werden ist ein häufiger Grund, weshalb sich drogenabhängige Frauen dazu entschließen keine Anzeige gegen gewalttätige Freier zu erstatten. Die Angst ist jedoch unbegründet. Fragen, die über das eigentliche Tatgeschehen hinaus gehen, müssen nicht beantwortet werden. Es muss noch nicht einmal dieses Schweigen begründet werden. Gemäß § 55 StPo (Strafprozessordnung) kann die Auskunft verweigert werden, wenn mit einer wahrheitsgemäßen Beantwortung die Frau sich selbst der Begehung einer Straftat beschuldigen würde. Als Zeugin muss sie sich auch nicht auf Drogenkonsum testen lassen. Sollte jedoch die freiwillig abgegebene Urinprobe trotzdem positiv ausfallen, kann sie nicht strafrechtlich verfolgt werden, wenn sie dazu keine weiteren Angaben zu ihrem Konsum macht. Der Konsum von Drogen allein, ist nicht strafbar.

In der Regel wird die Frau, zur Überführung des Täters, den Tatort nennen müssen. Es kann vorkommen, dass sie sich selbst beschuldigt, im Sperrbezirk (vgl. 1.2.1.2) Prostitution ausgeübt zu haben. Mit dem Wissen, dass eine einmalige Ausübung der Prostitution im Sperrbezirk nur eine Ordnungswidrigkeit darstellt und mit einer Geldbuße geahndet wird, hält sich die Selbstbeschuldigung in Grenzen. Der beharrliche Verstoß, dies bedeutet, wiederholtes Arbeiten im Sperrbezirk, ist strafbar. Auf Fragen, die sich auf die Tätigkeit im Sperrbezirk beziehen und für die Aufklärung der Straftat nicht von Bedeutung sind, kann die Auskunft wiederum nach § 55 StPo verweigert werden.

Kapitel 1.4.3, Substitution: Substitution ist sicherlich kein Allheilmittel, jedoch eine gute Möglichkeit, um Drogenabhängigen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Es kann eine gute Hilfe für drogenabhängige Frauen sein. Sie müssen nicht mehr anschaffen gehen, um ihre Sucht zu finanzieren, nicht mehr kondomfreien Verkehr haben oder extremen Sexpraktiken zustimmen, um genügend Geld zu verdienen und sind nicht mehr von Männern abhängig, die sich um ihren Schutz kümmern. Außerdem entfällt die Beschaffung von illegalen Drogen, sie sind nicht mehr sexuellem Missbrauch sowie psychischer und physischer Gewalt ausgesetzt. Es fällt für die Frauen die Beschaffungskriminalität und ein Leben in Angst vor Polizei und Recht weitgehend weg.

Medizinische Risiken wie beim intravenösen Drogenkonsum bestehen nicht mehr. Substitution sollte allerdings mit Beratung kombiniert werden.

Kapitel 1.4.4, Drogenkonsumraum: Drogenkonsumräume, auch Fixerstuben, Druckräume oder Gassenstübl genannt, bieten Drogenabhängigen eine legale Möglichkeit, unter hygienischen Bedingungen, ihre mitgebrachten Drogen zu konsumieren. Die rechtliche Grundlage für den Betrieb eines Drogenkonsumraumes ist durch § 10a BtMG (Erlaubnis für den Betrieb von Drogenkonsumräumen) geschaffen. Die hygienischen Bedingungen beinhalten z. B. steriles Spritzbesteck. Der Konsumvorgang wird beobachtet und eine sofortige Notfallversorgung bei einer „Überdosis“ wird gewährleistet. In der Regel wird in den Konsumräumen eine medizinische Grundversorgung angeboten. Ebenso erhalten die Konsumenten wichtige Informationen über Erkrankungen wie HIV- Infektionen oder Hepatitis und werden über risikoärmere Konsumtechniken und „safer- use“ aufgeklärt. Ziel solcher Einrichtungen ist, das Überleben von Drogenkonsumenten zu sichern, eine medizinische Versorgung zu gewährleisten, Notfallhilfe bei Überdosierungen zu bieten und dass der Drogenkonsum in öffentlichen Räumen reduziert wird.

Arbeit zitieren:
Meier, Nadine Juli 2007: Weibliche Elendsprostitution, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Elendsprostitution, Prostitution, Frauenhandel, Menschenhandel, Zwangsprostitution

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