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Die Wehrmacht im Blick der Öffentlichkeit

Eine Analyse der Ausstellungen: "Vernichtungskrieg, Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944" und "Aufstand des Gewissens" unter ausstellungskonzeptionellen Aspekten

Die Wehrmacht im Blick der Öffentlichkeit
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Anke Immenroth
  • Abgabedatum: Dezember 2000
  • Umfang: 87 Seiten
  • Dateigröße: 679,4 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-4787-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-4787-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-4787-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Immenroth, Anke Dezember 2000: Die Wehrmacht im Blick der Öffentlichkeit, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Widerstand, Ausstellungsdidaktik, Wehrmachtsausstellung, Museumsdidaktik

Staatsexamensarbeit von Anke Immenroth

Einleitung:

Die Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“ wurde wie wohl kaum eine andere Ausstellung in Deutschland bisher in der Öffentlichkeit diskutiert. Nicht nur HistorikerInnen führten und führen eine Debatte über die Verbrechen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg sowie über das Ausmaß und den Grad der Beteiligung, auch die Öffentlichkeit nahm Kenntnis von Forschungsergebnissen, die in der Wissenschaft bereits seit den 70er Jahren vorliegen. Im Rahmen der Diskussion um die Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“ wurden zahlreiche Arbeiten veröffentlicht, die die Reaktionen auf diese unter bestimmten Kriterien untersucht haben, wobei sich hauptsächlich auf die Debatte um die Ausstellung bezogen wurde. In vielen Aspekten wurde Kritik geäußert, die zum Teil verifiziert, zum Teil nicht bestätigt werden konnte, wie das vor Kurzem erschienene Gutachten feststellt.

Im Gegensatz dazu blieb die Ausstellung des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes (MGFA) „Aufstand des Gewissens. Militärischer Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime 1933-1945“ von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet. Die thematischen Erweiterungen dieser Ausstellung, die im Rahmen der Überarbeitungen 1994 und 1998 stattgefunden haben, wurden lediglich unter einigen HistorikerInnen diskutiert.

In den Debatten und den Veröffentlichungen über die Vernichtungskriegsausstellung wurde ein Vergleich mit anderen Ausstellungen bisher nicht geführt. Darin liegt ein grundlegendes Defizit, da erst durch eine Gegenüberstellung bestimmte Kritikpunkte klarer herausgestellt werden können und so ihre Berechtigung erhalten bzw. relativiert werden müssen.

Für die unterschiedlichen Reaktionen auf die beiden Ausstellungen liegen verschiedene Gründe vor. Die vorliegende Arbeit analysiert, inwieweit hierbei die jeweiligen Konzeptionen ausschlaggebend sind.

Gang der Untersuchung:

Ziel ist es, die Vorgehensweisen der Ausstellungsmacher zu verdeutlichen. Es wird dabei untersucht, ob bestimmte Kriterien bei der Umsetzung der Ausstellungsidee berücksichtigt worden sind. Der Vergleich soll die Unterschiede der beiden Ausstellungen aufzeigen, aber auch die Gemeinsamkeiten, so fern solche vorhanden sind.

Hierbei bezieht sich die vorliegende Arbeit ausschließlich auf konzeptionelle Aspekte. Auf fachwissenschaftliche Inhalte der beiden Ausstellungsthemen wird nur am Rande eingegangen. Eine derartige Diskussion soll und kann in diesem Rahmen nicht geführt werden.

Um die Ausstellungskonzeptionen analysieren zu können, ist es notwendig, zunächst einige Merkmale von Ausstellungskonzeptionen im allgemeinen zu erläutern. Da eine grundlegende Vorgehensweise sowie bestimmte obligatorische Kriterien hierfür in der einschlägigen Literatur als solches nicht vorliegen, wird ein Kriterienkatalog erarbeitet, der – in Bezug auf die vorliegende Arbeit – die wichtigsten Merkmale für die Umsetzung einer Ausstellung aufführt und erläutert.

Anschließend wird nach einer kurzen Darstellung der jeweiligen Ausstellungen (Kapitel 3.1. und 4.1.) zunächst die Vernichtungskriegsausstellung im Kapitel 3.2. und darauf folgend die Widerstandsausstellung im Kapitel 4.2. anhand des Kriterienkataloges analysiert. Damit soll eine Umsetzung der zuvor erarbeiteten Merkmale an den einzelnen Ausstellungen überprüft werden.

Es wird von der Vergleichbarkeit der beiden Ausstellungen ausgegangen, was in Kapitel 5. anhand von bestimmten gemeinsamen Merkmalen skizziert werden soll.

Das Kapitel 6. nimmt eine Gegenüberstellung der beiden Ausstellungen vor.

Der eigentliche Vergleich greift einige Aspekte der vorangegangen Analyse auf, die die verschiedenen Konzeptionen und die Unterschiede in der Vorgehensweise verdeutlichen.

Abschließend werden wesentliche Erkenntnisse in Kapitel 7. zusammengefasst und bewertet.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 3
2. Kriterienkatalog 6
2.1 Erkenntnisinteresse 7
2.2 Transparenz des Erkenntnisinteresses 8
2.3 „Überwältigungsverbot“ beachten 9
2.4 Ambivalenzen aufzeigen 10
2.5 Formale Gestaltung 12
2.5.1 Aufbau 12
2.5.2 Medieneinsatz 12
2.5.3 Textgestaltung 13
2.5.4 Auswahl der Exponate 13
2.5.5 Umfang 14
2.6 Themeneingrenzung 15
2.7 Gegenwartsbezug 15
2.8 Aufarbeitung der Vergangenheit und Geschichtsbewusstsein 16
3. Vernichtungskriegsausstellung 18
3.1 Kurzbeschreibung 18
3.2 Anwendung der Kriterien auf die Ausstellung „Vernichtungskrieg Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“ 21
3.2.1 Erkenntnisinteresse 21
3.2.2 Transparenz des Erkenntnisinteresses 24
3.2.3 „Überwältigungsverbot“ 26
3.2.4 Ambivalenz aufzeigen 28
3.2.5. formale Gestaltung 33
3.3.6 Themeneingrenzung 37
3.3.7 Gegenwartsbezug 39
3.3.8 Geschichtsbewusstsein und Geschichtsverarbeitung 40
4. Die Ausstellung „Aufstand des Gewissens - Militärischer Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime“ 41
4.1 Kurzbeschreibung 41
4.2 Anwendung der Kriterien auf die Ausstellung „Aufstand des Gewissens Militärischer Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime“ 44
4.2.1 Erkenntnisinteresse 45
4.2.2 Transparenz des Erkenntnisinteresses 47
4.2.3 Überwältigungsverbot 48
4.2.4 Ambivalenzen aufzeigen 50
4.2.5 formale Gestaltung 52
4.2.6 Themeneingrenzung 56
4.2.7 Gegenwartsbezug 57
4.2.8 Aufarbeitung der Vergangenheit und Geschichtsbewusstsein 60
5. Zur Vergleichbarkeit der Ausstellungen „Vernichtungskrieg - Verbbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“ und „Aufstand des Gewissens - Militärischer Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime 1933-1945“ 61
5.1 Ausstellungstypus 62
5.2 Ausstellungsanlass 62
5.3 Historischer Gegenstand der Ausstellungen 63
6. Vergleich der Ausstellungen „Vernichtungskrieg - Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“ und „Aufstand des Gewissens - Militärischer Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime“ 63
6.1 Erkenntnisinteresse und transparenter Umgang 63
6.1.1 Institutioneller Hintergrund 64
6.2 Ambivalenzen und deren Verdeutlichung gegenüber den BesucherInnen 65
6.3 Formale Aspekte 65
6.3.1 Medienumgang 66
6.4 Aufarbeitung der Geschichte und Geschichtsbewusstsein 66
7. Abschließende Bemerkungen 67
8. Literatur 68
8.1 Monographien 68
8.2 Aufsätze 72
8.3 Tages- und Wochenzeitungen 83

Automatisiert erstellter Textauszug:

Textgestaltung Durch die graphische Darstellung der Texte können anhand der Schriftart und der Schriftgröße Originaltexte von erläuternden oder einführenden Texten unterschieden werden. Einzelne Absätze sind thematisch gegliedert und unter einer Überschrift zusammengefasst, so dass es den BesucherInnen ermöglicht wird, sich einen Überblick über das Thema der einzelnen Ausstellungstafeln zu verschaffen. Ebenso ergänzen sich Fotografien und der danebenstehende Text, so dass zwar jedes Bild für sich allein stehen, aber ebenso gut auch ein Zusammenhang hergestellt werden kann122. Zu den Ergebnissen einer Umfrage über diesen Aspekt berichtet PETRA BOPP: „Die Anordnung von Text, Bild und Dokument in der Ausstellung ‚Vernichtungskrieg’ greift [...]. übliche Lesegewohnheiten auf, indem wichtige Stellen hervorgehoben werden. Die Intensität des Lesens überträgt sich auf die Wahrnehmung der Fotografien. [...] Die Bilder wiederum verleiten zum Weiterlesen„ Eine Ausnahme stellt hierbei das schon in Kapitel 3.2.3. erläuterte „Eiserne Kreuz„ dar, in dem die Bild- und Schriftdokumente in keinem Zusammenhang zueinander stehen. [...]

Medieneinsatz Neben 105 Texttafeln von je 2,30m Höhe und 1,03m Breite, dem „Eisernen Kreuz„ als zentraler Skulptur aus vier aufrecht stehenden großen Metallwinkeln und einer Bodenplatte aus Eisen besteht die Ausstellung weiterhin aus vier Videogeräten und Monitoren mit Kopfhörern sowie faksimilierten Fotos und Dokumenten an zwei Tischen zum Nachschlagen. Trotz der zahlreichen Fotos basiert ein Großteil der Ausstellung jedoch auf schriftliche Dokumente. Die Vernichtungskriegsausstellung enthält weder dreidimensionale Exponate noch originale Ausstellungsstücke. Diese geringe Vielfalt der Medien (hauptsächlich „Flachware„) ist der in der Ausstellung dargestellten Thematik allerdings durchaus angemessen, um einen Eindruck über die Dimensionen und den Charakter des Vernichtungskriegs in den Jahren 1941 bis 1944 zu vermitteln. Ebenso wird durch diese eher schlichte Form der Präsentation nicht von der eigentlichen Thematik abgelenkt. Die Videoinstallationen sind leicht zu bedienen. Man kann meist schnell in einen sich immer wiederholenden Filmabschnitt geistig einsteigen. Sie bieten eine Abwechselung zu den Bild- und Schriftdokumenten und stellen eine geeignete Ergänzung zu diesen dar. Die Anordnung der Bilder und Texte erschwert allerdings ein längeres Verweilen an bestimmten Stellen, da auf vielen Tafeln auch noch tief unterhalb der „Lesehöhe„ Bilder und Texte abgebildet sind, die nur im Knien gelesen und betrachtet werden können. Die Fotos stammen vor allem aus dem Bundesarchiv Koblenz, dem Staatsarchiv Moskau sowie aus serbischen Archiven118. Allerdings kann die Herkunft der Dokumente in der Ausstellung nicht immer nachvollzogen werden. Informationen über Herkunft der Dokumente müssen erst beim HIS erfragt werden. Hier sei die Ehrlichkeit der Ausstellungsmacher in den Fällen erwähnt werden, in denen sich Fotos nicht eindeutig zu ordnen lassen119. Andererseits sollten diese bei einer solchen Fülle von verfügbaren Fotos sensibel mit der Auswahl umgehen und auf nicht eindeutige Fotos besser verzichten120. [...]

33 Jugoslawien im April 1941, beschreibt die Besatzungspolitik und endet mit der Abberufung General Böhmes aus Serbien im Dezember 1941115. Es wurde von den Ausstellungsmachern versucht, „Texte und Fotos so aufzubauen, dass jedes Medium für sich stehen, argumentieren bzw. wirken kann.„116 Allerdings wird durch die Gestaltung der Ausstellung eine Orientierung erschwert, so dass der Aufbau unübersichtlich erscheint. Die einzelnen Themengebiete sind nicht klar voneinander abgegrenzt und alle Tafeln in gleicher Weise gestaltet (grauer Hintergrund mit schwarz-weißen Fotos und Textdokumenten). Das „Eiserne Kreuz„ hebt sich zwar durch die Anordnung der Tafeln hervor, lässt aber wiederum in sich keine Struktur des Aufbaus erkennen. „Verwischen der Spuren„ ist vom Schriftbild gegenüber den anderen Teilen unterscheidbar und die „Bilderwelt der Nachkriegsjahre„ kann ebenfalls durch die hervorstechenden Buch- und Illustriertenabbildungen als eigener Teil erkannt werden. Besonders verwirrend erscheint die Form der Präsentation für die drei Fallbeispiele. Es ist nicht immer deutlich zu erkennen, dass es sich hier um drei einzelne, unabhängig voneinander stehende Abschnitte handelt, die exemplarisch die Verbrechen zeigen. Vielmehr kann der Eindruck entstehen, es werde ein Sammelsurium von vielen verschiedenen Begebenheiten dargestellt, die ohne Struktur und Hintergrund präsentiert werden. Dieser verstärkt sich zusätzlich, wenn kein Vorwissen besteht und zuvor keine Auseinandersetzung mit der Ausstellung stattgefunden hat. Schnell kann die Frage auftauchen, wo die Ausstellung anfängt oder aufhört bzw. in welcher Reihenfolge man die Tafeln betrachten sollte117. Ebenso führt der Aufbau dazu, dass man den Überblick über die Zusammenhänge, in die das Gezeigte einzuordnen ist, verliert. Übersichten über den Kriegsverlauf und auch über die Gesamtorganisation der Wehrmacht würden an vielen Stellen der Ausstellung eine inhaltliche und räumliche Orientierung erleichtern. Für die BesucherInnen fehlt in der Vernichtungskriegsausstellung an entscheidenden Stellen notwendiges Hintergrundwissen. So wird beispielsweise auf die Tatsache, dass drei der „Verbrecherischen Befehle„, nämlich der „Kriegsgerichtsbarkeitserlaß„, die „Richtlinien für das Verhalten der Truppe in Russland„ und der „Kommissarbefehl„, schon vor dem [...]

Arbeit zitieren:
Immenroth, Anke Dezember 2000: Die Wehrmacht im Blick der Öffentlichkeit, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Widerstand, Ausstellungsdidaktik, Wehrmachtsausstellung, Museumsdidaktik

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