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Wege zu mehr Effizienz und Wettbewerb in der Wasserwirtschaft

Wege zu mehr Effizienz und Wettbewerb in der Wasserwirtschaft
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Dirk Schäfer
  • Abgabedatum: April 2005
  • Umfang: 46 Seiten
  • Dateigröße: 342,4 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: Universität Witten/Herdecke GmbH Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9835-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9835-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9835-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Schäfer, Dirk April 2005: Wege zu mehr Effizienz und Wettbewerb in der Wasserwirtschaft, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Versorgung, Liberalisierung, Benchmarking, Regulierung, England

Diplomarbeit von Dirk Schäfer

Einleitung:

Netzgebundene Dienstleistungen wie die Wasser-, Strom-, Gasversorgung oder die Telekommunikation (Festnetz) weisen die klassischen Merkmale natürlicher Monopole auf, d.h. hohe Markteintrittsbarrieren aufgrund hoher versunkener Kosten sowie die Unwirtschaftlichkeit einer Duplizierung der Netze in einem Versorgungsgebiet.

In anderen Netzindustrien (Elektrizität - und Gasversorgung, Telekommunikation) hat in der jüngeren Vergangenheit eine Umstrukturierung in der Weise stattgefunden, dass Wettbewerb zwischen Produzenten bzw. Anbietern innerhalb eines Versorgungsgebietes möglich wurde. In der Wasserwirtschaft wurde dies jedoch bislang unter anderem aus Umwelt- und Wirtschaftlichkeitsüberlegungen weitgehend abgelehnt. In der Elektrizitätswirtschaft können Kostenreduktionen vor allem in der wettbewerblich organisierbaren Stromerzeugung realisiert werden, auf die in der Regel mehr als die Hälfte der Kosten entfällt. In der Wasserversorgung ist die Kostenstruktur anders. Hier entfällt ein erheblicher Teil der Kosten auf die überwiegend lokal angelegten Versorgungsnetze, also auf jenen Teil, der aufgrund der oben genannten Effekte nur schwierig einem verstärkten Wettbewerb ausgesetzt werden kann.

Die deutsche Wasserwirtschaft musste sich in den vergangenen Jahren immer wieder mit der Frage ihrer Effizienz auseinander setzen. Die Schwerpunkte der Diskussion verschieben sich dabei von Zeit zu Zeit. Nach der Veröffentlichung der Studie zum Forschungsvorhaben „Optionen, Chancen und Rahmenbedingungen einer Marktöffnung für eine nachhaltige Wasserwirtschaft“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie im Jahr 2001 war zunächst intensiv über eine weitgehende Marktöffnung mit deutlichen Einschnitten für die kommunale Entscheidungsfreiheit in der Wasserwirtschaft diskutiert worden. Heute stehen eher weniger weitreichende Maßnahmen, wie verstärkte Kooperation oder Benchmarking im Vordergrund.

Die vorliegende Arbeit greift die in den vergangenen Jahren geführte Diskussion auf, stellt die verschiedenen diskutierten Möglichkeiten der Effizienzsteigerung im deutschen Wassersektor dar und stellt diesen Erfahrungen aus England und Wales gegenüber, wo seit den 80er Jahren die Wasserwirtschaft in einem Ausmaß privatisiert und liberalisiert wurde, wie es weltweit einmalig ist.

Die vorliegende Arbeit soll darstellen, welche Möglichkeiten zur Steigerung der Effizienz und des Wettbewerbs im deutschen Wassersektor bestehen. Sie soll dabei die Diskussion aufgreifen, die in den vergangenen Jahren zu diesem Thema in der Fachwelt geführt wurde und immer noch geführt wird. Verschiedene Modelle, welche unterschiedliche Teilbereiche und -aufgaben der Wasserversorgung betreffen, sollen hierzu erläutert und wo möglich bezüglich ihrer Anwendbarkeit bzw. ihres Potentials zur Steigerung der Effizienz von Wasserversorgungsunternehmen beurteilt werden.

Da praktische Erfahrungen mit manchen dieser Modelle in Deutschland bislang nicht gesammelt wurden, soll die Arbeit schließlich beschreiben, welche Maßnahmen zur Wettbewerbssteigerung in England und Wales in den vergangenen Jahren umgesetzt wurden. Für die Bearbeitung sind aktuelle Studien, Veröffentlichungen aus Fachbüchern und Fachzeitschriften sowie dem Internet auszuwerten und zu diskutieren. Relevante Gesetze und Verordnungen sind zu berücksichtigen.

Gang der Untersuchung:

Die Arbeit gibt in Kapitel 3 zunächst einen kurzen Überblick über die Struktur des deutschen Wassersektors, d.h. wer welche Aufgaben wahrnimmt und wer die Kunden sind. Im folgenden Kapitel 4 wird die seit langem kontrovers geführte Diskussion über die Effizienz deutscher Wasserunternehmen dargestellt. Die verschiedenen anzutreffenden Positionen und deren Begründungen werden aufgezeigt und kritisch hinterfragt.

Kapitel5 erläutert den rechtlichen Rahmen der Wasserversorgung soweit er für die Wettbewerbsgestaltung und -ausprägung von Bedeutung ist. Die Liberalisierungsdiskussion sowie eine Abgrenzung der häufig nicht klar getrennten Begriffe „Liberalisierung“ und „Privatisierung“ erfolgt in Kapitel 6. Dieses zeigt auch in einer Übersicht, wo die wesentlichen Unterschiede einer Marktöffnung in der Wasserwirtschaft im Vergleich zum Strom- oder Gasmarkt liegen.

Die möglichen Ausgestaltungen eines verstärkten Wettbewerbs in der deutschen Wasserwirtschaft werden in Kapitel 7 dargestellt. Die in der Vergangenheit sehr kontrovers diskutierte Liberalisierung der Wasserwirtschaft würde nur einen Teil der denkbaren Maßnahmen zur Effizienzsteigerung umfassen. Daher werden in diesem Kapitel weitere Optionen bzw. Instrumente zur Effizienzsteigerung erläutert. Manche dieser Maßnahmen sind bereits unter dem bestehenden rechtlichen Rahmen möglich und werden in Einzelfällen auch praktiziert (z.B. Benchmarking).

Erfahrungen aus der Praxis liegen für ausgewählte Maßnahmen insbesondere aus England und Wales vor. Daher werden in Kapitel 8 einige der dortigen Bemühungen zur Wettbewerbssteigerung sowie die damit gesammelten Erfahrungen aufgezeigt. Kapitel 9 gibt eine abschließende Beurteilung der dargestellten Optionen zur Effizienzsteigerung und Wettbewerbsstärkung.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Aufgabenstellung und Struktur der Arbeit 2
2.1 Aufgabenstellung und Methode 2
2.2 Struktur 2
3. Derzeitige Wasserversorgung in Deutschland 3
4. Diskussion zur Effizienz der deutschen Wasserwirtschaft 4
4.1 Begriffsverständnis 4
4.2 Grundsätzliche Argumentationen 4
5. Rechtlicher Rahmen 8
6. Liberalisierung 10
7. Ausgestaltung des Wettbewerbs im Markt 13
7.1 Wassergewinnung und -aufbereitung 13
7.2 Inkasso und Kundendienst 14
7.3 Zwischenhändler 15
7.4 Eigenversorgung 16
7.5 Parallele Versorgungsnetze 16
7.6 Verbundnetze und Durchleitung 17
7.7 Versorgung von Großkunden 19
7.8 Missbrauchsaufsicht durch die Kartell- oder Kommunalaufsichtsbehörden 20
7.8.1 Beispiel Stadtwerke Wiesbaden 21
7.9 Benchmarking 22
7.9.1 Beispielprojekte in Bayern und Hessen 23
7.9.2 Fazit Benchmarking 26
7.10 Kooperation 27
8. England und Wales 28
8.1 Einleitung 28
8.2 Privatisierung und der Wassersektor heute 28
8.3 Yardstick oder Comparative Competition 30
8.4 Inset Appointments 31
8.5 Common Carriage - Durchleitung 33
8.5.1 Beispiel Bristol Water 36
8.5.2 Beispiel Northumbrian Water 37
8.5.3 Vergleich der Zugangskonditionen von Bristol und Northumbrian Water 38
8.5.4 Fazit Common Carriage 38
9. Fazit 40
Literatur 42

Automatisiert erstellter Textauszug:

Wie in Kapitel 5 dargestellt, unterliegt die Kontrolle der Preis- bzw. der Gebührenaufsicht in der Wasserwirtschaft den Kartell- bzw. Kommunalaufsichtsbehörden. Diese können einschreiten, wenn ein Wasserunternehmen seine Monopolsituation ausnutzt und von seinen Kunden zu hohe Preise oder Gebühren verlangt. Dabei ist nicht entscheidend, ob dies aufgrund mangelnder Effizienz des Unternehmens und damit einhergehenden hohen Kosten geschieht, oder ob das Unternehmen hohe Gewinne abschöpft und diese bspw. zur Quersubventionierung für andere, defizitäre Wirtschaftsbereiche (z.B. ÖPNV) verwendet. Im Folgenden soll das Vorgehen der für die Überwachung privatrechtlicher Wasserunternehmen zuständigen Kartellbehörden näher beschrieben werden. Diese werden in der Regel eine Wasserbehörde als oberste Fachaufsichtsbehörde mit einbeziehen.35 Die Kartellbehörden wenden im Rahmen der Missbrauchsaufsicht das Vergleichsmarktkonzept an. Dieses erlaubt einen Preisvergleich zwischen verschiedenen Unternehmen. Rechtsgrundlage hierfür ist § 130 Abs. 8 des GWB. Das Vergleichsmarktkonzept besteht aus den folgenden Grundelementen: Es dürfen nur gleichartige Unternehmen verglichen werden. Es müssen ungünstigere Preise bei einem der WVU vorliegen. Das Unternehmen mit den höheren Wasserpreisen erhält Gelegenheit, diese zu rechtfertigen bzw. begründen. Die Gleichartigkeit ist dabei aus Kundensicht zu bestimmen, wobei es vorrangig auf die gleiche Marktstufe und die gleiche Marktfunktion ankommt. Die Auswahl der Vergleichsunternehmen liegt im Ermessen der Kartellbehörden. Die Kartellbehörden haben sich darauf geeinigt, jeweils mindestens zwei Musterabnahmefälle zu vergleichen. Dabei handelt es sich um den Typ „Einfamilienhaus“ mit 150 m³ Jahresabnahme und den Fall „Mehrfamilienhaus“ mit 400 m³ Jahresabnahme. Weitere Musterfälle, beispielsweise für Gewerbe und Industrie, können ebenfalls betrachtet werden. Das betroffene WVU kann seine höheren Preise der Kartellbehörde erklären. Es muss sich dabei auf ungünstige Umstände berufen, die ihm nicht zurechenbar sind. Darunter sind Rahmenbedingungen zu verstehen, die zwangsläufig zu höheren Preisen führen und die nicht vom WVU zu verantworten und zu beeinflussen sind. Dazu zählt insbesondere eine ungünstige Gebietsstruktur (z.B. weiträumiges, gering besiedeltes Versorgungsgebiet oder große Höhenunterschiede), welche die Kosten der Versorgung zwangsläufig erhöht. Dem gegenüber stehen freiwillige Entscheidungen der Betriebe, die in der Regel keine [...]

Einen weiteren Ansatz stellt die Versorgung von Großkunden durch WVU dar, die diese selbst auswählen können. Hierdurch würde das Gebietsmonopol der bestehenden Versorger nur zu einem geringen Grad aufgehoben. Es wäre dabei sowohl denkbar, dass der neue Versorger auf Ressourcen des bestehenden Versorgers zurückgreift (diese Option würde dem Zwischenhandel nahe kommen). Es wäre jedoch auch denkbar, dass der neue Versorger eine eigene Aufbereitung errichtet oder ein bestehendes Netz zu seinem neuen gewerblichen Kunden ausdehnt. Dies würde auch dadurch interessant werden, dass Industriekunden häufig keine Trinkwasserqualität benötigen. Ein Versorger könnte sich daher auf die von seinen Kunden gewünschte Wasserqualität einstellen und u.U. ganze Gewerbegebiete mit Brauchwasser versorgen. Auch könnte ein solcher Versorger Kosteneinsparungen evtl. durch eine geringere Servicequalität erzielen, wenn bspw. in einem Gewerbegebiet oder bei einem Großkunden nur zu bestimmten Tageszeiten Wasser zur Verfügung stehen muss, eine 24h Versorgung also nicht erforderlich ist. Da bereits heute viele Betriebe ihre eigene Wasserversorgung eingerichtet haben, würde dieses Szenario nicht unbedingt tief greifende Änderungen mit sich bringen. Auswirkungen könnte es jedoch auf bisherige Versorger haben, die in ihren bestehenden Anlagen die Kapazitäten für die betreffenden gewerblichen Unternehmen haben und diese zukünftig nicht mehr benötigen. Aufgrund der beschriebenen hohen Fixkostenanteile könnte dies zu einer Preiserhöhung für die übrigen Kunden führen, sofern die entstehenden Überkapazitäten nicht Kosten sparend abgebaut werden können. Wesentliche Unterschiede zum englischen Modell der Inset Appointments ergeben sich hierbei dadurch, dass den Unternehmen in England ein maximaler Wassertarif vorgegeben ist. Diese Preisdeckelung würde die genannten Preiserhöhungseffekte weitgehend ausschließen. In Deutschland hingegen sind die Unternehmen berechtigt, kostendeckende Tarife zu verlangen und könnten die entstehenden Kosten auf die geringer werdende Kundenzahl umlegen. Somit bestünde bei dieser Option die Gefahr, dass wenige [...]

langjährige Konzession innehat, die ihm den Markt für einen entsprechenden Zeitraum sichert, ohne dass er Konkurrenz fürchten muss. Würde ein Versorger hingegen in einem liberalisierten Markt investieren, in einem Versorgungsgebiet in dem er die Konkurrenz anderer Unternehmen zu fürchten hat, würde er ein deutlich größeres Risiko sehen bzgl. der Chancen, die Investitionssumme einschließlich Gewinnen zu erwirtschaften. Er würde versuchen, dieses Risiko durch höhere Wassertarife zu kompensieren. Um geeignete Rahmenbedingungen für die Durchleitung zu schaffen, wäre gegebenenfalls eine Regulierungsbehörde wie OFWAT in England erforderlich. Die Regulierungsbehörde definiert die Regeln, unter denen der Wettbewerb stattfinden kann und stellt dabei sicher, dass die erforderlichen Investitionen in das Versorgungsnetz vorgenommen werden. [...]

Arbeit zitieren:
Schäfer, Dirk April 2005: Wege zu mehr Effizienz und Wettbewerb in der Wasserwirtschaft, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Versorgung, Liberalisierung, Benchmarking, Regulierung, England

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