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Weblogs vs. Journalismus

Konkurrenzkampf oder Symbiose?

Weblogs vs. Journalismus
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Stefanie Stradmann
  • Abgabedatum: März 2010
  • Umfang: 91 Seiten
  • Dateigröße: 21,1 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven, Standort Wilhelmshafen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4584-3
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Stradmann, Stefanie März 2010: Weblogs vs. Journalismus, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Weblogs, Journalismus, Inhaltsanalyse, Glaubwürdigkeit, Qualität

Bachelorarbeit von Stefanie Stradmann

Einleitung:

Mit dem Aufkommen des so genannten Web 2.0 und der Entwicklung einfacher Content-Management-Systemen sowie leicht handhabarer Social Software, entstand in den letzten Jahren ein enormes Potenzial einer Neustrukturierung der gesellschaftlichen Kommunikationswege- und Formen. Der partizipative Journalism ,auch Grassroots Journalism genannt, erlebte einen regelrechten Boom, währenddessen der traditionelle Journalismus immer mehr sein Monopol, Informationen für die breite Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, verlor. Längst sind Journalisten nicht mehr als alleinige Gatekeeper zu betrachten, sondern stehen viel mehr einem Publikum gegenüber, welches eigenständig und individuell seine Informationen sondiert und sich vom Rezipienten zum Produzenten entwickelt. ‘Das Internet hat nicht nur neugierige Surfer hervorgebracht, sondern auch die historische versunkene Gestalt eines egalitären Publikums von schreibenden und lesenden Konversationsteilnehmern [...] wiederbelebt’. ‘Neue globale und netzwerkorientierte Kommunikationsmedien ermöglichen Formen der organisierten und strukturierten Berichterstattung, die nicht mehr an Institutionen oder Medienunternehmen gekoppelt sind’. Neben Wikis, Podcasts und Communities geraten besonders Weblogs immer wieder ins Auge des öffentlichen Interesses. Durch geringere technische, ökonomische, kognitive und rechtliche Barrieren bietet Weblogs jedem die Möglichkeit des Publizierens. Laien versuchen sich als Journalisten, um unter anderem von den Massenmedien nicht bedachte Nischen zu füllen. Unterstützt wurde diese Entwicklung durch eine aufkommende Unzufriedenheit mit der Insuffizienz der klassischen Medienkommunikation unter globalen Kommunikationsbedingungen im Zusammenhang mit einer oft kritisierten Kommerzialisierung oder Medialisierung des traditionellen Journalismus. So sehen viele in Weblogs das Potenzial einer unabhängigen Gegenöffentlichkeit, und eine neue Form der Berichterstattung, andere wiederum den ‘Sargnagel’ des traditionellen Journalismus oder nicht viel mehr als einen ‘privaten tabledance’. Viele Journalisten ‘are dissmissive of bloggers, describing them as self-interested or unskilled amateurs’. Andere Berufspublizisten wiederum genießen die neu erlangte Freiheit, die ihnen Weblogs bieten.

Im Folgenden soll die forschungsleitende Frage geklärt werden, in wie weit Weblogs als Journalismus betrachtet werden können, in welchen Punkten die Blogosphäre als Konkurrenz zu traditionellen Massenmedien angesehen bzw. ob sie als Konkurrenz angesehen werden kann oder ob beide Kommunikations- und Informationsformen durch gegenseitig Ergänzung eine Symbiose eingehen können. Verglichen werden dazu zum einen die wesentlichen Merkmale und Strukturen beider Medienformate sowie deren jeweilige Position im wirtschaftlichen Kontext. Zur Qualitätsuntersuchung der publizierten Inhalte dient eine empirisch überprüfbare Inhaltsanalyse.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis IV
1. Einleitung 1
2. Weblogs = Journalismus? 2
2.1 Abgrenzung 2
2.1.1 Definition Weblogs 2
2.1.3 Definition Journalismus 6
2.1.3 Exkurs: Journalisten Blogs 7
2.3 Selbst- und Fremdbild 8
2.3 Strukturen und Merkmale 13
2.3.1 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen im Kontext mit Kommunikationsstrukturen 13
2.3.2 Öffentliche Aufgaben und rechtliche Stellung 17
2.3.3 Zielgruppen und Publikum 20
2.3.4 Qualitätssicherung und Glaubwürdigkeit 21
3. Inhaltsanalyse 24
3.1 Operationalisierung 24
3.1.1 Stichprobenbildung 24
3.1.2 Kategorisierung und Hypothesenbildung 24
3.2 Testgütekriterien 27
3.2.1 Reliabilität 27
3.2.2 Validität 27
3.2.3 Objektivität 27
3.2.4 Repräsentativität 28
3.3 Ergebnisse 28
3.3.1 Aktualität 28
3.3.2 Publizität 29
3.3.3 Objektivität 29
3.3.4 Thematische Breite, Analysetiefe und somit Sachkompetenz 30
3.3.4 Verständlichkeit 33
3.3.5 Trennung von Nachricht und Werbung 34
3.4 Interpretation 35
4. Fazit 37
4.1 Ausblick 40
Glossar 42
Literaturverzeichnis 45
Anhang A

Textprobe:

Kapitel 3.4, Interpretation:

Im Durchschnitt lässt sich ein höherer Informationsgehalt seitens der Tageszeitungen und damit seitens des traditionellen Journalismus feststellen. Im Vergleich bieten die journalistischen Texte pro Artikel fast das Vierfache an verschiedenen Aspekten der Nachricht (Weblogs im Durchschnitt 12 Aspekte, TZ im Durchschnitt 44 Aspekte). Dennoch konnten Weblogs ergänzend neue Aspekte, anführen die Journalisten als ‘Laien’ zum Beispiel auf dem technischen Gebiet des Hackerangriffes ohne Bezugnahme weiterer Quellen oder Experten nicht hätten anbringen können. Bei der Anzahl der Akteure liegt der Durchschnitt in den Weblogs bei unter einem Viertel im Vergleich zu den Tageszeitungen. Genauso verhält es sich mit der Anzahl der verwendeten Zitate und dem durchschnittlichen Umfang eines Artikels. Des Weiteren erreichen Weblogs gerade einmal 7% des Verbreitungsgrades von Tageszeitungen. Der Grad der Publizität ist somit im Journalismus um ein Vielfaches größer. Folglich erreichen klassische Nachrichten weitaus mehr Menschen als Nachrichten die online in Weblogs publiziert werden. Nur in der Transparenz der Recherche und somit in der Kategorie Quellenangabe schneiden Weblogs um 38 Prozentpunkte besser ab als die untersuchten Tageszeitungen. Zudem findet in Weblogs in 50 % der Fälle keine strikte Trennung von Nachricht und Werbung statt. Insgesamt können Weblogs die Informationsbreite von journalistischen Artikeln nicht erreichen, besitzen aber durchaus Potential zur Nachrichtenvermittlung. Einzelne Weblogs, unter anderem auch die Journalisten Weblogs ‘Spreeblick.de’ sowie’ netzpolitik.de’, weisen einen journalistischen Standard auf und erreichen eine fast vergleichbare Qualität wie die journalistischen Artikel. Dies wiederum bekräftigt die Vermutung, dass J-Blogs das größte Konkurrenzpotential besitzen. Der Weblog ‘netzwertig.de’ erreicht mitunter sogar einen höheren Informationsgehalt wie beispielsweise ‘die Welt’, obwohl dieser kein klassischer J-Blog ist. Sind auch keine ausgebildeten Journalisten an den Publikationen von ‘netzwertig.de’ beteiligt, weißt der Weblogs dennoch klassische redaktionelle Strukturen auf, die evtl. für das hohe Maß an Qualität durch internen Qualitätskontrolle verantwortlich sein kann.

Privatbetriebene Weblogs konnten hingegen kaum an die journalistsischen Standards heranreichen.

Da bei dieser Inhaltsanalyse die verlinkten Texte und dessen Informationsgehalt außen vor gelassen wurden, müsste in einer weiteren Untersuchung geprüft werden, ob durch diese Verweise nicht sogar ein ähnlicher Informationsgehalt wie er in traditionellen journalistischen Texten zu finden ist, zustande kommen kann. Zusammenfassend lässt sich jedoch feststellen, dass Weblogs als Gesamtheit betrachtet journalistische Standards im traditionellen Sinne nur peripher erfüllen. Lediglich JBlogs oder Weblogs mit Redaktion ähnlichen Strukturen scheinen journalistische Ansprüche erfüllen zu können. Zwar bieten Weblogs durch die Form der Publikation eine viel höhere Aktualität dennoch fehlen vielen Veröffentlichungen die Recherchetiefe und vielleicht auch die Recherchemöglichkeiten, die Journalisten durch die Partizipation in einer Redaktion und durch diverse deutsche Mediengesetze geboten werden.

Diese Ergebnisse werden von einer 2009 durch Neuberger durchgeführten Studie in der Internetangebote auf ihre journalistische Identität hin untersucht wurden, gefestigt. Gerade einmal 18,6 % von 97 untersuchten Weblogs wiesen die Einhaltung journalistischen Standards auf. Die geringe Zahl relevanter Weblogs bezüglich der journalistischen Leistung bestätigt für Neuberger, dass Blogger im Wesentlichen komplementäre und nur punktuell journalistische Leistung erbringen. Dennoch sollte die Bedeutung der Weblogs für die Öffentlichkeit nicht als geringe eingeschätzt werden, da sie, wie auch im Fall der vorangegangenen Inhaltsanalyse, Quelle für den Journalismus sein kann und zur öffentlichen Anschlusskommunikation fungiert.

Arbeit zitieren:
Stradmann, Stefanie März 2010: Weblogs vs. Journalismus, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Weblogs, Journalismus, Inhaltsanalyse, Glaubwürdigkeit, Qualität

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