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Waveletanalyse von EEG-Zeitreihen

Waveletanalyse von EEG-Zeitreihen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Heiko Hansen
  • Abgabedatum: September 2000
  • Umfang: 81 Seiten
  • Dateigröße: 2,3 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7004-3
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7004-3 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7004-3 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hansen, Heiko September 2000: Waveletanalyse von EEG-Zeitreihen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Schlafapnoe, Arousal, Epilepsie, Entropie, Elektroenzephalogramm

Diplomarbeit von Heiko Hansen

Zusammenfassung:

Seit fast 80 Jahren werden Elektroenzephalogramme (EEG) des Menschen aufgezeichnet. Diese Aufzeichnungen haben zu einem erheblichen Erkenntnisgewinn in der medizinischen Forschung geführt, sei es bei der Diagnose und Therapie von Krankheiten, oder dem Verständnis über die Abläufe im Gehirn an sich. Die komplexe Struktur des EEGs, bestehend aus abwechselnd sehr aktiven und weniger aktiven Bereichen unterschiedlichster Dauer, die Störungen durch äussere Einflüsse und die begrenzte räumliche Zuordnung zu einem Hirnareal, stellen eine grosse Herausforderung für den Zeitreihenanalytiker dar. Er ist daran interessiert, mit Hilfe mathematischer und numerischer Methoden die Dynamik zu beschreiben, charakteristische Strukturen aufzuzeigen und neue Informationen zu gewinnen.

Auf diese Weise wird es möglich, eine numerische Vorverarbeitung des umfangreichen Datenmaterials vorzunehmen, und somit Diagnose und Therapie von Krankheiten zu beschleunigen. Die verwendeten Untersuchungsmethoden entstammen dabei sowohl aus der Statistik, als auch, in neuerer Zeit, aus der nichtlinearen Dynamik.

Die Wavelet-Transformation ist eine relativ neue Methode der Zeitreihenanalyse. Obwohl es bereits seit langem ähnliche Analyseverfahren gab, wurden die mathematischen Grundlagen erst in den achtziger Jahren entwickelt. Ziel der Forschung war es, eine Methode zu entwickeln, die das Zeit-Frequenz-Verhalten auf unterschiedlichen Zeitskalen so genau wie möglich darstellt.

Ihre schnelle Verbreitung verdankt die Wavelet-Transformation einer schnellen numerischen Berechnungsmethode, und der rasanten technischen Entwicklung bei der elektronischen Datenverarbeitung, die die effektive Analyse umfangreicher Datenmengen möglich macht.

In der vorliegenden Arbeit sollen EEGs mit Hilfe der Diskreten Wavelet-Transformation und davon abgeleiteter Methoden untersucht werden. Die Anwendung auf EEG-Zeitserien ist dabei auf zwei Schwerpunkte unterteilt: Im ersten Teil wird ein Algorithmus zur automatischen Detektion lokaler Strukturen in Schlaf-EEG-Zeitreihen, den Arousals, erarbeitet. Es wurde festgestellt, daß Arousals häufiger im Schlaf-EEG von Patienten mit Schlafstörungen auftreten als beim gesunden Menschen. Das Auftreten der Arousals gilt als Folge einer automatischen Weck-Reaktion, die das Gehirn aufgrund einer Beeinträchtigung der Atmung vornimmt. Die Anzahl der Arousals im EEG ist also für die Diagnose einer Schlafstörung von Interesse. Die Auswertung der EEG-Zeitreihe wird durch einen menschlichen Experten durchgeführt, der das gesamte EEG visuell inspiziert. Wie man sich vorstellen kann, stellt die Auswertung einer viele Stunden umfassenden Zeitreihe ein langwieriges und kostspieliges Unterfangen dar.

Es wären daher automatisierte Verfahren zur Auswertung wünschenswert. Die Entwicklung solcher Verfahren befindet sich jedoch noch in ihren Anfängen. Da die Bedeutung der Arousals erst seit wenigen Jahren bekannt ist, existieren noch keine zuverlässigen Verfahren, die die automatische Detektion durchführen könnten. Es soll daher ein Ansatz für ein solches Verfahren erarbeitet werden.

Im zweiten Teil werden drei Verfahren zur quantitativen Bestimmung der Komplexität einer Zeitreihe verglichen. Diese Verfahren basieren dabei auf dem Entropie-Kalkül und werden auf eine EEG-Zeitreihe mit bekannter Dynamik angewendet. Da es sich bei den drei Verfahren um lineare Methoden handelt, stellen sie eine Alternative zu den nichtlinearen Methoden der quantitativen Beschreibung, wie etwa der Bestimmung der Korrelationsdimension, dar. Die EEG-Zeitreihe stammt von einem Epilepsiepatienten und wurde im Rahmen einer Untersuchung der Bonner Klinik für Epileptologie untersucht.

Die vorliegende Arbeit gliedert sich wie folgt:

Im zweiten Kapitel werden kurz deterministische und stochastische dynamische Systeme besprochen. In Kapitel 3 wird die Theorie der Fourier- und der Wavelet-Transformation erklärt und die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Verfahren aufgezeigt. Die Theorie der Diskreten Wavelet-Transformation (DWT) wird erläutert und der numerische Algorithmus zur Berechnung dargestellt.

In Kapitel 4 werden einige Eigenschaften sowie die Verfahrensweise der DWT anhand modellierter Zeitreihen demonstriert. Eine kurze Einführung in das Gebiet der Bestimmung der Korrelationsdimension wird gegeben.

In Kapitel 5 werden die Aufnahme und Verwendung von Schlaf-EEG-Zeitreihen besprochen. Die Definition des Arousals wird gegeben und einige Eigenschaften dargestellt. Anschliessend wird ein Algorithmus zur Detektion der Arousals besprochen und an EEG-Zeitreihen aus dem Schlafmedizinischen Labor der CAU Kiel getestet.

In Kapitel 6 werden die Analysemethode der Entropie des Leistungsspektrums sowie zwei Algorithmen der Entropie der Wavelet-Transformation beschrieben, und zunächst auf modellierte Zeitreihen angewendet. Anschliessend erfolgt der Vergleich anhand der Analyse der EEG-Zeitserie des Epilepsiepatienten.

Die Zusammenfassung der Ergebnisse beschliesst die Arbeit.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Dynamische Systeme 3
3. Fourier- und Wavelet-Transformation 7
3.1 Fourier-Transformation 7
3.2 Gefensterte Fourier-Transformation 8
3.3 Wavelets 9
3.4 Diskrete Wavelet-Transformation (DWT) 12
3.5 Multiskalenanalyse 13
3.6 Pyramidenalgorithmus 16
4. Anwendung der DWT auf modellierte Zeitreihen 19
4.1 Modellierte Zeitreihen 19
4.2 Bestimmung der Korrelationsdimension 23
4.3 Waveletzerlegung 25
5. Automatisierte Arousaldetektion in Schlaf-EEG-Zeitreihen 32
5.1 Elektroenzephalographie 32
5.2 Arousal in Schlaf-EEGs 33
5.3 Arousalerkennung 38
5.4 Ein Algorithmus zur Arousal-Erkennung 43
5.5 Systematische Fehler 44
5.6 Ergebnis des Verfahrens 44
5.7 Der Schwellwert 46
5.8 Zusammenfassung und Diskussion 50
6. Fourier- und Wavelet-Entropie 51
6.1 Entropie 52
6.2 Entropie des Leistungsspektrums 53
6.3 Wavelet-Entropie 54
6.3.1 Definition 1 55
6.3.2 Definition 2 55
6.4 Parameter der verwendeten Methoden 56
6.5 Anwendung auf verrauschte Sinus-Zeitreihen 57
6.6 Analyse von Zeitreihen des nicht-stationären Mackey-Glass-Systems 60
6.7 Anwendung auf Epilepsie-Daten 63
7. Zusammenfassung und Ausblick 67
A.1 Koeffizienten des Daubechies-Wavelets DB6 70
A.2 Pyramidenalgorithmus 70
Literaturverzeichnis 72

Automatisiert erstellter Textauszug:

Abbildung 5.5: Gefensterte Fouriertransformation a) vor b) w¨hrend und c) nach einem a Arousal. Die Zunahme in den h¨heren Frequenzen w¨hrend des Arousals ist zu erkennen. o a ¨ Uber die Ursachen der Arousalentstehung ist wenig bekannt. Sie gelten als automatische Weck-Reaktion des Gehirns in Folge k¨rperlicher Beeintr¨chtigungen. Der Schlafeno a de wacht w¨hrend des Arousals meist nicht vollst¨ndig auf, er wird jedoch am erholsaa a men Tiefschlaf gest¨rt. Gr¨nde f¨r das Auftreten von Arousal sind zumeist Atemausf¨lle o u u a w¨hrend des Schlafs. Solche Atemausf¨lle werden als Apnoe bezeichnet. Es wird zwischen a a verschiedenen Apnoe-Formen unterschieden: • Bei dem sogenannten obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) kommt es w¨hrend des Schlafes zum Verschluß der Luftwege im Bereiche des weichen Gaumens a und des Rachens. Der Atemstillstand dauert dabei mehr als 10 Sekunden. • Bei dem sogenannte Upper-Airway-Resistance-Syndrome (UARS) f¨llt die Atmung a nicht vollst¨ndig aus, der Atemwiderstand erh¨ht sich jedoch, und der Patient a o schnarcht in Folge dessen. Apnoe-Erkrankungen bewirken eine permanente M¨digkeit. Obwohl Apnoe-Patienten u w¨hrend des Tages jederzeit schlafen k¨nnten, erholt sich der Organismus dabei nicht. a o Die Schlafst¨rung f¨hrt zu psychologischen Ver¨nderungen wie Konzentrationsschwieo u a rigkeiten, Reizbarkeit, Ungeduld und Depressionen. Im weiteren kommt es zu Folgesch¨den wie etwa Herz-Kreislauferkrankungen in Form von Bluthochdruck oder Herza Rhythmusst¨rungen. Als wichtigste Therapie gilt die sogenannte “continuous positive o airway pressure” kurz CPAP-Therapie. Der Patient tr¨gt dabei w¨hrend des Schlafs eine a a ¨ Atemmaske, durch die er Luft mit leichtem Uberdruck zugef¨hrt bekommt [10]. u OSAS und UARS werden anhand von Messungen am schlafenden Patienten festgestellt. In diesen Schlafableitungen werden unter anderem das EEG, das EKG (Elektrokar- [...]

Abbildung 5.2: Das sogenannte Hypnogramm zeigt die Schlafphasen des Menschen w¨hrend der Nacht auf. NR steht f¨r Non-REM. Mit einem Stern gekennzeichnet a u sind zus¨tzlich Epochen mit Arousal-T¨tigkeit. Eine Epoche bezeichnet ein Segment der a a Schlafableitung von 30 Sekunden L¨nge. Das Hypnogramm wird vom menschlichen Exa perten durch visuelle Klassifizierung der Schlafableitung erstellt. 4. W¨hrend des REM-Schlaf muß eine Zunahme der Amplitude im EMG erkennbar a sein. Diese Bedingung gilt nicht w¨hrend der Non-REM-Phasen. a 5. Artefakte, sogenannte K-Komplexe oder δ-Wellen gelten nicht als Arousal. Als Artefakte werden Strukturen im EEG bezeichnet, die nicht durch Hirnaktivit¨t verura sacht wurden. 6. Mehrfach auftretende aufeinanderfolgende Strukturen im EEG welche einzeln k¨rzer u als drei Sekunden, zusammen aber l¨nger als drei Sekunden sind, werden nicht als a Arousal gewertet. Der ASDA weist darauf hin, das diese Definition nicht unumst¨ßlich ist. Andere Autoo ren werten ein Arousal zum Beispiel bereits bei Frequenzverschiebungen von 1,5 Sekunden L¨nge. Loredo et al. und De Carli et al. machen darauf aufmerksam, daß auch unter Exa perten oft Uneinigkeit dar¨ber herrscht, ob ein bestimmtes Ereignis als Arousal anerkannt u wird oder nicht [31, 13]. Abbildungen 5.3 und 5.4 zeigt typische Beispiele f¨r Arousal. Dargestellt sind jeweils u EEG-Ableitpositionen C3 und C4 Mastoid einer Schlafableitung, sowie das dazugeh¨rige o EMG. [...]

Ziel der in diesem Kapitel dargestellten Untersuchung ist es ein Verfahren zur automatischen Detektion bestimmter Strukturen in Schlaf-EEG-Zeitreihen zu entwickeln. Diese Strukturen werden Arousals genannt. Die Dauer eines Arousal liegt zwischen 3 und 30 Sekunden. Im Allgemeinen treten sie h¨ufiger w¨hrend des REM-Schlafs auf. Wichtiges Merkmal der Arousal ist die deutliche a a Verschiebung zu hohen Frequenzen im Spektrum des EEGs. In Abbildung 5.5 ist ein Beispiel f¨r eine solche Verschiebung dargestellt. W¨hrend des REM-Schlafs ist ein weiteres u a Merkmal des Arousals ein Amplitudenanstieg im EMG (Elektromyogramm, Messung der Muskelaktivit¨t). Im folgenden werden die Regeln zur Erkennung eines Arousals, wie sie a die ASDA (American Sleep Disorders Association) vorschl¨gt, dargestellt [2]. a Eine Arousal zeichnet sich durch folgende Punkte aus: 1. Der Patient muß schlafen, das heißt, dem vermeintlichen Arousal m¨ssen mindestens u 10 Sekunden Schlaf vorausgegangen sein. 2. Um zwei Arousals voneinander zu trennen, m¨ssen mindestens 10 Sekunden Schlaf u zwischen den Ereignissen liegen. 3. Die Frequenzverschiebung im EEG muß mindestens drei Sekunden andauern. [...]

Arbeit zitieren:
Hansen, Heiko September 2000: Waveletanalyse von EEG-Zeitreihen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Schlafapnoe, Arousal, Epilepsie, Entropie, Elektroenzephalogramm

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