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Wandel der Eltern-Kind-Beziehungen während des Jugendalters

Wandel der Eltern-Kind-Beziehungen während des Jugendalters
Über dieses Buch
  • Art: Staatsexamensarbeit
  • Autor: Stefan Fredeweß
  • Abgabedatum: November 2003
  • Umfang: 111 Seiten
  • Dateigröße: 1,8 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität Osnabrück Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9760-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9760-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9760-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Fredeweß, Stefan November 2003: Wandel der Eltern-Kind-Beziehungen während des Jugendalters, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Adoleszenz, Erziehungshilfen, Elternhaus, Gleichaltrige, Peer Group

Staatsexamensarbeit von Stefan Fredeweß

Einleitung:

Bei der Untersuchung des Wandels in der Beziehung zwischen Eltern und Jugendlichen stehen Letztere im Mittelpunkt. Die Eltern beschreibe ich überwiegend in Wechselbeziehung zu den Heranwachsenden. Ihnen eigene Kapitel, wie zu den Folgen veränderter Beziehungen, zu widmen, würde sich als eine lohnenswerte Arbeit erweisen. Ich unterlasse dies jedoch, da während der Adoleszenz aufgrund der körperlichen und psychologischen Reife Umwandlungen im Eltern-Kind-Verhältnis hauptsächlich seitens der Jugendlichen angestrebt werden.

Gang der Untersuchung:

In Kapitel 2 gehe ich zunächst auf die Bedeutung des Wandels der Eltern-Kind-Beziehung ein. Es verschafft ein theoretisches Grundwissen zu den Konzepten Verbundenheit und Autonomie sowie zur Identitätsentwicklung. In den weiteren Kapiteln erfolgt vorwiegend eine längsschnittliche Analyse zu den Veränderungen in der Adoleszenz aufgrund ausgewählter empirischer Daten.

Im Eltern-Kind-Verhältnis findet Wandel einerseits auf der Handlungsebene und andererseits auf der Beziehungsebene statt. So untersuche ich auf der Handlungsebene in Kapitel 3 Gesprächs- und Konfliktthemen und in Kapitel 4 Änderungen zum gegenseitigen Unterstützungsverhalten. Aufgrund der Tatsache, dass sich in Konflikten Autonomiebestrebungen manifestieren, lassen sich anhand wechselnder Streitthemen wandelnde Präferenzen für Bereiche ableiten, in denen Unabhängigkeit das Ziel ist. Dagegen bieten Ausführungen zu den intergenerativen Transferleistungen, insbesondere bezüglich der emotionalen Hilfen, eher Hinweise zur Einschätzung gegenseitiger Verbundenheit. Die Handlungsebene spielt für die Beziehungsebene eine gravierende Rolle, da sie Auswirkungen auf die wahrgenommene Beziehungsqualität hat.

In Kapitel 5 gehe ich gezielt auf die Beziehungsebene ein, indem ich die Bedeutung der Eltern als Bezugspersonen, die Umsetzung von Autonomie und die Konstanz der emotionalen Bezogenheit untersuche, um Umstrukturierungen in den Beziehungen zu verfolgen. Neben universellen spreche ich individuelle Entwicklungsverläufe an.

Das anschließende 6. Kapitel beschreibt die Orientierung an Gleichaltrige (Peers). Der Entschluss die Gleichaltrigen einzubeziehen entsprang der Überlegung, dass sie diejenigen sind, die nach den Eltern an Bedeutung gewinnen bevor partnerschaftliche Beziehungen im Mittelpunkt stehen. Im Vergleich zu den Peers lassen sich Rückschlüsse zu den Eltern-Kind-Verhältnissen ziehen, was die Darstellungen des vorhergehenden Kapitels abrundet. Im letzten Teil der Arbeit werden auf der Grundlage der bisherigen Ausführungen zum Beziehungswandel die pädagogischen Konsequenzen entwickelt. Diese münden in einen Katalog von Erziehungshilfen, der dazu beiträgt, den Umgang der Eltern mit ihren heranwachsenden Kindern zu verbessern.

Als wesentliche Grundlage dienen die Publikationen Entwicklungspsychologie des Jugendalters (2000) und Eltern und Freunde (1998) von Helmut Fend, die auf dem Konstanzer Längsschnitt basieren. Diese Studie entstand unter der Leitung von Fend an der Universität Konstanz. Weitere Literatur von Fend sowie die Dissertation von Maja Storch (1994) beruft sich ebenfalls auf diese Studie. Die Resultate von Storch zum Konfliktgeschehen sind relevant für das dritte Kapitel.

Der Konstanzer Längsschnitt wurde von 1979 bis 1983 jährlich anhand standardisierter Fragebogen bei 12-bis 16-Jährigen in allgemein bildenden Schulen Hessens durchgeführt. Um sicherzustellen, dass keine regional und historisch ausgelesene Stichprobe vorliegt, verglich Fend die Ergebnisse mit anderen Studien. Es ergab sich, dass die befragten Jungen und Mädchen repräsentative Vertreter der Jugendlichen aus den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts waren.

Für 1072 Jugendliche gab es Daten zu den ersten vier Erhebungen von 1979 bis 1982. Die mit der Vollendung der 9. Klasse aus der Schule ausscheidenden Hauptschüler reduzierten die Befragtenanzahl der 10. Schulstufe auf 851 Schüler. Für die Jahrgänge 1980 und 1982 lagen zusätzlich Fragebogen von Eltern vor. Auf Grundlage dieser Daten konnten z.B. vorwiegende familiäre Konfliktthemen aus der Sicht der Eltern (s. Kap. 3.2.5) erfasst werden. Ziel des Konstanzer Längsschnitts war die Erforschung der Entwicklung des Menschen in der Adoleszenz. Da dies ein sehr allgemein formuliertes Ziel war, ergab sich ein entsprechend großer Untersuchungsumfang.

In einem fünf Bänden umfassenden Werk von Fend geht es nicht nur um die Interaktion zwischen Eltern und Jugendlichen, sondern u.a. um den Umgang mit der Schule, den Risikofaktoren und der Identitätsentwicklung. Der letzte Band Eltern und Freunde ist für diese Arbeit, in der Peer-Einflüsse berücksichtigt werden, besonders gut geeignet, da die veränderten Beziehungen zu Eltern und Gleichaltrigen gleichzeitig dargestellt werden.

Knapp 5000 Jugendliche und junge Erwachsene nahmen bundesweit an der Shell Jugendstudie 1992 teil. Hierzu wurden von Juli bis August 1991 die Angaben der 13- bis 29-Jährigen, zumeist zu Hause oder bei den Interviewenden, anhand standardisierter Fragebogen mündlich erfasst. Diese Haupterhebung wurde mit qualitativen und quantitativen Vorstudien vorbereitet und abgesichert. Da die Shell Studie `92 sich mit Lebenslagen, Orientierungen und Entwicklungsperspektiven junger Menschen in West- und Ostdeutschland befasst, bietet sie hinsichtlich des Eltern-Kind-Verhältnisses interessantes Material zum Vergleich jüngerer und älterer Altersgruppen in beiden Landesteilen.

Auf eine Gegenüberstellung zwischen ost- und westdeutschen Heranwachsenden zielt ebenso die Dissertation von Catrin Kötters (2000). Im Rahmen des Projektes Kindheit im Umbruch entstand es als vierter Band unter dem Namen Wege aus der Kindheit in die Jugendphase. Während Fend den Blick auf entwicklungspsychologische Zusammenhänge richtete, konzentrierte Kötters sich auf Verselbstständigungsprozesse. Zum Einsetzen des Überganges in die Jugendphase bezieht sie sich auf Büchner & Fuhs (1994), die zwischen dem 10. und 12. Lebensalter erste Distanzierungen von den Eltern belegen konnten. Daher wurden mit den 2600 Befragten der 5. bis 9. Jahrgänge allgemein bildender Schulen aus Sachsen-Anhalt und Hessen auch die 10- bis 12-Jährigen einbezogen, während der Konstanzer Längsschnitt und die Shell Studie `92 diese Altersgruppe aussparten. Die empirischen Daten, die im Frühjahr 1993 mit standardisierten Fragebogen erhoben wurden, bereicherten die Arbeit in der Analyse der Konfliktthemen sowie der Eltern und Peers als Bezugspersonen vom 10. bis zum 15. Lebensjahr.

Den bisher vorgestellten Studien ist gemeinsam, dass sie mittlerweile etwas ältere Werke sind. Infolgedessen sind leichte Veränderungen bis heute hin nicht auszuschließen. Aktualität gewährleisten die Daten zum Jugendsurvey null zoff und voll busy. Behnken, Maschke, Stecher & Zinneker (2002) analysierten Daten zu knapp 8000 Fragebogen, die 10-bis 18-jährige Kinder und Jugendliche allgemein bildender und beruflicher Schulformen aus Nordrhein-Westfalen ausfüllten.

Die Studie, die von August bis Oktober 2001 durchgeführt wurde, beabsichtigt eine Situationsbeschreibung der ersten Jugendgeneration des 21. Jahrhunderts. Dabei stehen die Lebensbereiche Familie, Schule und Peer-Group sowie jugend-spezifische Einstellungen und Wertestrukturen zu Politik, Gesellschaft und Umwelt im Vordergrund. Für die Bedeutung, die bestimmten Mitmenschen innerhalb und außerhalb der Familie zukommt, liefert die Studie eine Differenzierung zwischen 10- bis 12-Jährigen und 13- bis 18-Jährigen (s. Kap. 5.5). Man kann pragmatisch davon ausgehen, dass die Informationen nicht nur für Nordhein-Westfalen, sondern für alle alten Bundesländer annähernd repräsentativ sind, zumal jeder vierte westdeutsche Jugendliche in NRW wohnt. Analog kennzeichnen die herangezogenen Daten von Kötters zu Hessen und Sachsen-Anhalt stellvertretend den westlichen und östlichen Landesteil.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 4
1. Methodik 6
1.1 Der inhaltliche Aufbau 6
1.2 Relevante Studien 7
1.3 Eingrenzung des Begriffs Jugendalter 9
2. Die Bedeutung des Wandels der Eltern-Kind-Beziehungen im Jugendalter 11
3. Veränderungen in den Eltern-Kind-Diskussionen 18
3.1 Veränderungen bezüglich der Gesprächsthemen 19
3.2 Veränderungen bezüglich der Konflikte 22
3.2.1 Hintergründe und Besonderheiten zu den Konflikten zwischen Eltern und Jugendlichen 22
3.2.2 Verlauf der Konfliktintensität in der Adoleszenz 26
3.2.3 Die Konfliktthemen aus Sicht der Jugendlichen 27
3.2.4 Konfliktthemen im Vergleich zwischen Jungen und Mädchen 31
3.2.5 Die Konfliktthemen aus Sicht der Eltern 35
3.3 Zusammenfassung 39
4. Wandel in den gegenseitigen Unterstützungsleistungen 41
4.1 Unterstützungsleistungen der Eltern für die Kinder 42
4.2 Unterstützungsleistungen der Kinder für die Eltern 51
4.3 Vergleich der intergenerativen immateriellen Transferleistungen 54
5. Wandel und Erscheinungsbild der Beziehungsqualität 56
5.1 Wahrnehmungen der Beziehungsqualität und des Wohlbefindens im Elternhaus 57
5.2 Die Eltern als Bezugsquelle 59
5.3 Individuelle Entwicklungsverläufe 63
5.4 Zusammenhänge zwischen Konflikten und Beziehungsqualität 64
5.5 Die Bedeutung des Vaters und der Mutter 66
5.6 Symmetrie der Eltern-Kind-Beziehungen 74
5.7 Zusammenfassung 80
6. Die Orientierung an den Gleichaltrigen 81
6.1 Die Gleichaltrigen als Bezugsquelle 82
6.2 Reiz und Lernchancen der Peer-Group 87
6.3 Eltern und Peers: Gegner oder Verbündete? 92
6.4 Zusammenfassung 97
7. Pädagogische Konsequenzen: Umgang mit Jugendlichen 99
Schlusswort 107
Literaturverzeichnis 110

Automatisiert erstellter Textauszug:

In der Untersuchung des Wandels von Eltern-Kind-Beziehungen während des Jugendalters konzentrierte ich mich bisher mit dem Diskussions- und Unterstützungsverhalten auf die Handlungsebene. Nun gehe ich einen Schritt weiter und fokussiere durch die Betrachtung der Beziehungsqualität die Beziehungsebene. Fend (1998) definiert den Begriff Beziehungsebene durch „[…] die habitualisierten […] kognitiven Schemata, die konditionierten emotionalen Reaktionen und Handlungsbereitschaften von Kindern gegenüber Eltern und umgekehrt“ (Fend (1998), S. 127). Demnach finden sich auf der Beziehungsebene verfestigte emotionale Haltungen und Wertschätzungen wieder, die die Familienmitglieder füreinander empfinden. Interaktionen zwischen Eltern und Kind haben Auswirkungen auf die subjektiv wahrgenommene Beziehungsqualität. So lässt sich mit diesem Kapitel der Einfluss der Handlungs- auf die Beziehungsebene untersuchen - und umgekehrt. Die Einstellungen zu anderen Person beeinflussen nämlich auch die (im Zitat genannten) Handlungsbereitschaften ihnen gegenüber. Zunächst gebe ich empirische Daten zur Bewertung von Beziehungsqualität und familiärem Wohlempfinden wieder. Es folgt eine Analyse des Bedeutungswandels der Eltern als Bezugspersonen in ausgewählten Lebensbereichen. Bis hierhin steht die innere Ablösung bzw. Abgrenzung von den Eltern im Vordergrund. Im Kapitel 5.3 weise ich im Vergleich zu generellen Entwicklungsverläufen auf individuelle Unterschiede hin und gehe im nächsten Abschnitt auf die Auswirkungen von Konflikten auf die Beziehungsqualität ein. Während sich diese Ausführungen eher auf die Frühadoleszenz beziehen, behandeln die letzten zwei Kapitel das Jugendund junge Erwachsenenalter. Hier steht die jeweilige Bedeutung des Vaters und der Mutter für die Jugendlichen im Mittelpunkt, wie auch die Frage, ob sich die familiären Beziehungen zu mehr Symmetrie transformieren. [...]

Die Tabelle 5 bezieht ich mich nur auf die regelmäßige monatliche finanzielle Unterstützung. Anhand der Entwicklung der Prozentanteile ist für beide Geschlechter und Landesteile zu vermerken, dass die finanziellen Leistungen der Eltern in der Phase von 13 bis 29 Jahren in ihrer Häufigkeit deutlich zurückgehen. Für die regelmäßige finanzielle Zuwendung gilt: 13bis 17-jährige Jungen und Mädchen erhalten die intensivste Unterstützung mit ca. 80 % in den alten Bundesländern. In den neuen Bundesländern liegen die Prozentsätze bei 68 % für die männlichen und 61 % für die weiblichen Jugendlichen. Hier fallen die Angaben für die Altersgruppe von 25-29 Jahre auf 6 % (Männer) und 2 % (Frauen) ab. Im Westen verzeichnen die gleichen Geburtsjahrgänge regelmäßige finanzielle Unterstützungen seitens der Eltern noch zu 11 % (Männer) und 5 % (Frauen). Aus der [...]

Veränderungen in den Eltern-Kind-Beziehungen finden während des Jugendalters auf der Handlungsebene nicht nur in den (kontroversen) Diskussionen, sondern auch in den gegenseitigen Unterstützungsleistungen statt. In diesem Kapitel beschreibe ich stattfindende Veränderungen im Unterstützungsverhalten hinsichtlich materieller und immaterieller Transferleistungen, die Eltern für die Jugendlichen aufbringen und umgekehrt. Zusätzlich gehe ich auf die Motive ein, die das Unterstützungsverhalten bewirken. Während ich mich im vergangenen Kapitel besonders auf die Frühadoleszenz konzentriert habe, beziehe ich mich nun mittels der Shell Studie `92 auf die Altersspanne von 13 bis 29 Jahren und somit auf das Jugend- und junge Erwachsenenalter. Diese Studie bietet darüber hinaus einen Vergleich zwischen Ost- und Westdeutschland, wodurch eine Untersuchung der geleisteten Hilfen in Abhängigkeit vom gesellschaftlichen Kontext möglich ist. Anfangs schilderte ich, dass nicht nur Autonomie-, sondern auch Verbundenheitsbedürfnisse die Jugendlichen in ihrem Verhalten zu den Eltern beeinflussen. So stand im vorherigen Kapitel der Autonomieaspekt, der sich durch das geschilderte Konfliktverhalten äußert, im Vordergrund. Anhand der gegenseitigen Hilfen lassen sich nun erste Rückschlüsse ziehen auf bestehende gegenseitige Verbundenheit. Im ersten Abschnitt 4.1 betrachte ich die Unterstützungsleistungen der Eltern für die Kinder. Im folgenden Kapitel wechsele ich die Perspektive, um im letzten Teil durch einen Vergleich die gegenseitigen Hilfen zu bilanzieren. Unterstützungsleistungen wurden in der Shell Studie `92 nach materieller (finanzieller) und immaterieller Art unterschieden. Materielle Hilfen lassen sich in regelmäßige (monatliche) und unregelmäßige finanzielle Zuwendungen aufteilen. Immaterielle Unterstützungen gliedern sich in arbeitsmäßige und psycho-soziale (emotionale) Hilfen. Die Arbeitsleistungen der Eltern und Kinder untersuchte die Shell Studie `92 nach folgenden Items: Wäsche waschen, bügeln, Zimmer oder Wohnung aufräumen bzw. reini- [...]

Arbeit zitieren:
Fredeweß, Stefan November 2003: Wandel der Eltern-Kind-Beziehungen während des Jugendalters, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Adoleszenz, Erziehungshilfen, Elternhaus, Gleichaltrige, Peer Group

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