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Wahrgenommene Realität und emotionales Empfinden

Wahrgenommene Realität und emotionales Empfinden
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Sven Wagner
  • Abgabedatum: Mai 2003
  • Umfang: 213 Seiten
  • Dateigröße: 1,9 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Universität des Saarlandes Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7802-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7802-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7802-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Wagner, Sven Mai 2003: Wahrgenommene Realität und emotionales Empfinden, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Rezipientenforschung, Realitäts-Fiktions-Unterscheidung, Medienwirkung, Emotion, Gerichtssoap

Diplomarbeit von Sven Wagner

Zusammenfassung:

„Ich stelle mir vor, es ist ein Film und nicht die Wirklichkeit gewesen”, so eine junge Frau in einer Talkshow auf die Frage, wie sie mit den schrecklichen Bildern in ihrem Kopf klar kommt. Als Kind musste sie mit ansehen, wie ihr Vater ihre Mutter auf der Strasse erschlug. Kann ihre intuitive Antwort vor dem Hintergrund einer wissenschaftlichen Überprüfung in einen größeren Zusammenhang eingeordnet werden? Welchen Einfluss hat die empfundene Realitätsnähe auf das emotionale Erleben?

Zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden wird für den Rezipienten zunehmend schwieriger. Reality TV-Formate wie der Pseudo-Dokumentarfilm „The Blair Witch Project” oder „Reality-Soaps” wie „Big Brother” belegen den Trend: Die zunehmende Tendenz zur Unterhaltung durch Realitätsdarstellung ist eine zentrale Veränderung in der heutigen Mediengesellschaft. In manchen Reality TV-Sendungen sind fiktionale und reale Inhalte sogar bewusst gemischt. Eine echte Richterin urteilt über jugendliche Darsteller wie in „Das Jugendgericht” oder „Richterin Barbara Salesch” - und auf diese Weise werden respektable Einschaltquoten erzielt. Andererseits nimmt auch nicht jeder Fernsehzuschauer das Gesehene gleich wahr: Die Rezipienten unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Fähigkeit, Realität und Fiktion auseinander zu halten.

Die vorliegende Arbeit prüft den Zusammenhang zwischen empfundener Realitätsnähe und den Appraisalprozessen nach Scherer (SEC) am Beispiel fiktionalen Filmmaterials. Zugrunde liegt dabei die Annahme, dass die einem Film zugeschriebene Realitätsnähe (Perceived Reality (PR) bzw. Realitäts-Fiktions-Unterscheidungen (RFU)) einen Einfluss auf die emotionale Beurteilung hat. Wie etwa die Hälfte der Forschung auf dem Feld der Medienpsychologie lässt sich auch diese Arbeit unter dem Gesichtspunkt der Ergründung von Nutzen und Wirkung des Massenmediums Fernsehen einordnen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Theoretischer und empirischer Hintergrund 2
2.1 Realitäts-Fiktions-Unterscheidung und Medienkompetenz 2
2.1.1 Wo werden Realitäts-Fiktions-Unterscheidungen relevant? 2
2.1.2 Die Entwicklung zum medienkompetenten Erwachsenen 3
2.1.3 Realitätsmanagement beim Fernsehkonsum 5
2.1.4 Ein integratives Modell zu Realitäts-Fiktions-Unterscheidungen 6
2.1.5 Ein Instrument zur Erhebung von Realitäts-Fiktions-Unterscheidungen 18
2.2 Emotionales Erleben 24
2.2.1 Begriffsbestimmungen 24
2.2.2 Vier Traditionen der Emotionspsychologie 25
2.2.3 Kriterien im Appraisal emotionsauslösender Stimuli - die Stimulus Evaluation Checks (SEC) 33
2.2.4 Ein Instrument zur empirischen Bestimmung von Bewertungsprofilen 37
2.3 Fragestellung 41
3. Methode 45
3.1 Überlegungen zur Versuchsplanung 45
3.2 Versuchspersonen 46
3.3 Bedingungsvariationen 47
3.4 Material 48
3.4.1 Das Testheft - Fragebogen-Design 48
3.4.2 Das Filmmaterial - Warum Gerichtsshows geeignet erscheinen 54
3.4.3 Ein psychologisches Modell zur Beurteilung des Filmmaterials 58
3.4.4 Darstellerische Beurteilung des Filmmaterials 61
3.4.5 Juristische Beurteilung des Filmmaterials 63
3.5 Hypothesen und Überlegungen zur statistischen Prüfung 66
3.5.1 Störungshypothesen 66
3.5.2 Inhaltliche Vorhersagen relativ zum Versuchsplan 67
3.6 Untersuchungsdesign 71
3.6.1 Einfaktorielle Versuchspläne 71
3.6.2 Zweifaktorielle Versuchspläne 75
4. Versuchsdurchführung 77
4.1 Ablauf 77
4.2 Teilnehmer 78
5. Versuchsauswertung, Hypothesenbeurteilung und Diskussion 81
5.1 Versuchsauswertung 81
5.1.1 Daten 81
5.1.2 Ergebnisse, Statistiken, Signifikanztests und Effektgrößen 88
5.2 Beurteilung der empirischen Hypothese und Diskussion 111
6. Zusammenfassung 120
7. Verzeichnisse 121
7.1 Literaturverzeichnis 121
7.2 Tabellenverzeichnis 127
7.3 Abbildungsverzeichnis 129
8. Anhang 130

Automatisiert erstellter Textauszug:

onen bewertet werden müssen, um bestimmte Emotionen auslösen zu können, wie viele Dimensionen und welche relevant dafür sind, ist aber umstritten. Scherer (1990, 1993, 1998) definiert Emotionen als eine Episode temporärer Synchronisation aller Systeme des organismischen Funktionierens repräsentiert durch fünf Komponenten (Kognition, physiologisches Arousal, Motivation, motorischer Ausdruck, subjektives Erleben). Ausgelöst durch tatsächliche oder vorgestellte (mentale Repräsentation von Ereignissen), diskrete Ereignisse oder Reize. Stimmungen und Einstellungen sind damit ausgeschlossen, es können aber enge Wechselwirkungen mit Emotionen angenommen werden. Emotionen werden bei für den Organismus oder seine Ziele bedeutsamen Ereignissen ausgelöst. Alle Subsysteme sollten beteiligt sein und synchronisierte Veränderungen gegenüber einer „Baseline“ aufweisen. Er erwartet, dass die Reizbewertung Einfluss auf jedes Subsystem hat und sich in komplexen, multiplen Feedback und Feedforwardprozessen organisiert. Diese modalen Zustände werden durch die gängigen Label für Emotionen nur im Sinne von zentralen Tendenzen beschrieben und weisen eine weit darüber hinausgehende Vielfalt auf. Je nachdem mit welchen Ergebnissen der sequentielle Bewertungsprozess durchlaufen wurde, entstehen nach Scherer unterschiedliche Emotionen. D.h. es gibt eine weitgrößere Anzahl an Emotionen bei Scherer als z.B. Primäraffekt-Theoretiker postulieren würden. Scherer kommt insofern dieser Position näher, als er sagt, dass es bestimmte SEC-Muster gibt, die häufiger auftreten. [...]

Mandlers Theorie (1984) betrachtet Emotionen als Bestandteil informationsverarbeitender Prozesse, in denen autonome Erregung die Unterbrechung („interruptions“) von aktuellen Plänen und Zielen anzeigt. Die Interrupts sind adaptiv, da sie Änderungen in der Lebens- und Überlebensumwelt anzeigen. Das daraus entstehende Arousal mobilisiert den Körper und ändert gleichzeitig den mentalen Status der Person. Sie wird aufmerksamer, wacher und scannt die Umgebung. Die Ursache für das autonome Arousal wird gesucht und die Aufmerksamkeit dadurch auf Dinge gerichtet, die möglicherweise von adaptiver Bedeutung sind. Das emotionale Erleben und die begleitenden Verhaltensweisen sieht Mandler als das Endresultat der Interaktion zwischen Arousal und kognitiver Interpretation der Ursachen des Arousal, der Folgen und des „Coping-Potentials“ (Lazarus, 1991). MacDowell und Mandler (1989) prüften die aus der Theorie abgeleiteten Hypothesen mit Hilfe eines Videospiels. Nachdem die Probanden in mehreren Durchgängen Erfahrungen mit dem Spiel gesammelt und Erwartungen aufgebaut hatten, wurde das Spiel umprogrammiert. Die unerwarteten Ereignisse stellten die Operationalisierung der Unterbrechungen in Mandlers Theorie dar. Erhoben wurden Herzschlag und Hautleitfähigkeit, sowie ein affektiver Selbstreport. Die erste Hypothese konnte bestätigt werden. Das Arousal war größer im Zusammenhang mit unerwarteten als mit erwarteten Ereignissen. Die Interpretation der Ergebnisse zur zweiten Hypothese ist allerdings umstritten. Die Höhe des Arousal korrelierte nicht in allen Fällen mit der Intensität des emotionalen Erlebens, des weiteren bleibt unklar, ob das Arousal durch die Unterbrechung der Aktivitäten der Probanden ausgelöst wurde oder ob nicht alternativ die Neuheit des Ereignisses Auslöser desselben war (MacDowell & Mandler, 1989). Die Funktion eines wahrgenommenen Ereignisses ist jedoch nur ein Kriterium von vielen, die in eine kognitive Bewertung eingehen. Insbesondere hinsichtlich der Auslösung von Affekten greift eine Einschränkung auf die Funktion eines wahrgenommenen Ereignisses zu kurz. Im Folgenden nehme ich deshalb auf die Theorie des kognitiven Bewertungsprozesses von Scherer (1988) Bezug. Scherer stellt fest, dass auslösende Bedingungen für Emotionen in den wenigsten Theorien thematisiert sind. Spezifische Zuordnungen von Stimuli zu Emotionen fehlten fast gänzlich, bestenfalls fand man Differenzierungen entlang der Dimension negativ-positiv. In der Frage nach der Ausgestaltung des Bewertungsprozesses liegt auch das Problem dieser Ansätze. Man ist sich zwar einig, dass Ereignisse nach bestimmten Dimensi- [...]

Ob in einer Situation Gutes oder Schlechtes erwartet wird, hängt von einem primären und einem sekundären Appraisal ab. Das primäre Appraisal überprüft die Relevanz der Situation für die Person und die Beeinträchtigung der Ziele der Person. Im sekundären Appraisal werden die Folgen des Ereignisses, der Verursacher und die Möglichkeit auf die Folgen Einfluss zu nehmen bewertet. Die Unterscheidung des sekundären Appraisal in ein auf Emotionen fokussiertes und ein auf das Problem fokussiertes Coping beeinflusste die Depressionsforschung: „problem-focused“ Versuche mit dem emotionalen Zustand umzugehen und das Problem zu bewältigen sowie alternative Bewertungs- und Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln, stehen im Vordergrund. Beispielsweise beschäftigen sich Depressive mehr mit der Bewältigung des negativen emotionalen Zustandes, in dem sie sich befinden („emotionfocused“) statt mit Problemlösungsmöglichkeiten, die auf eine Änderung der Situation abzielen. Einen zu Lazarus konträren Standpunkt vertritt Zajonc (1980). Emotion und Kognition sind unabhängige Systeme und es ist möglich Emotionen zu generieren ohne die Beteiligung kognitiver Prozesse. Als Beleg führt Zajonc acht Eigenschaften von Emotionen auf, die eine Unterscheidung zweier unabhängiger Systeme nahe legen. Um Uneindeutigkeiten einer Übersetzung aus dem Englischen zu vermeiden, verwende ich Zajoncs Aussagen: [...]

Arbeit zitieren:
Wagner, Sven Mai 2003: Wahrgenommene Realität und emotionales Empfinden, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Rezipientenforschung, Realitäts-Fiktions-Unterscheidung, Medienwirkung, Emotion, Gerichtssoap

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