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Währungskrisen

Ergebnis irrationaler Anleger oder hausgemachter Fehler der betroffenen Länder?

Währungskrisen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Christian Stenzel
  • Abgabedatum: Dezember 2001
  • Umfang: 96 Seiten
  • Dateigröße: 1,1 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität Stuttgart Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5343-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5343-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5343-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Stenzel, Christian Dezember 2001: Währungskrisen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Asien, Modelle, irrational

Diplomarbeit von Christian Stenzel

Einleitung:

Für den Begriff „Währungskrise“ gibt es in der Außenwirtschaftslehre eine Vielzahl von Definitionen. Während einige Autoren, wie Milesi-Ferretti und Razin (2000), unter einer Währungskrise nur eine signifikante Abwertung der Währung verstehen, definieren andere (z.B. Eichengreen, Rose und Wyplosz (1996)) eine Krise als eine Situation, in der ein Land sowohl eine außergewöhnlich starke Währungsabwertung als auch einen massiven Verlust an Währungsreserven erlitten hat. Die Erfahrungen mit der Asienkrise (1997/98) haben jedoch gezeigt, dass diese Definitionen viel zu eng sind. Hier sahen sich die betroffenen Länder neben Wechselkurssteigerungen und Reserveverlusten zudem noch drastischen Sozialproduktsrückgängen ausgesetzt. Der Ökonom Krugman hat dieses „Definitionsdilemma“ erkannt und schreibt dazu resignierend in seinem Buch „Currency Crises“: „There is no generally accepted formal definition of a currency crisis, but we now them when we see them.“.

Ähnlich verhält es sich auch bei der Frage nach den Ursachen von Währungskrisen. Bisweilen wird die Verantwortung dafür irrationalen Anlegern zugeschrieben. Dabei wird ihnen vorgeworfen, dass sie ihr Kapital ohne jede Vorwarnung und unabhängig vom jeweils konkret vorherrschenden ökonomischen Umfeld aus einem Land abziehen und auf diese Weise den Kollaps der Währung herbeiführen würden. Als Paradebeispiel wird von den Anhängern dieses Standpunkts häufig die Asienkrise genannt. In diesem Fall hätte der Abzug von über 100 Mrd. US-Dollar im Zeitraum von Mitte 1997 bis Ende 1998 nichts mit unsoliden Wirtschaftsdaten in den betroffenen Ländern zu tun gehabt. Verantwortlich dafür seien allein psychologische Faktoren gewesen. Der Chefökonom der Weltbank Stiglitz bezeichnet dieses Verhalten der Anleger in Anlehnung an Alan Greenspans Begriff der „Irrational Exuberance“ als „Irrational Pessimism“.

Die Gegner dieser Betrachtungsweise führen dagegen an, dass die Kapitalflucht aufgrund makro- und mikroökonomischer Schieflagen in den asiatischen Ländern (z.B. hohe Leistungsbilanzdefizite, Krisen im Finanzsektor) begründet gewesen wäre. Darüber hinaus hätten die betroffenen Volkswirtschaften im Vorfeld und zum Zeitpunkt der Krise schwere geldpolitische Fehler gemacht, die den Zusammenbruch der Währungen und den wirtschaftlichen Niedergang noch beschleunigt hätten. Allgemein spricht man hier auch von hausgemachten Fehlern (engl. „Homemade Mistakes“).

Die vorliegende Arbeit setzt sich mit diesen konträren Standpunkten auseinander, indem am Beispiel der Thailandkrise die mikro- und makroökonomischen Entwicklungen sowie das Verhalten der Marktakteure mit Hilfe unterschiedlicher Ansätze zur Erklärung von Währungskrisen systematisch und umfassend untersucht werden. Der Grund für die Fokussierung auf die thailändische Währungskrise liegt darin, dass diese in der Fachwelt als Auslöser der Asienkrise angesehen wird. Zum anderen waren die für die Untersuchung benötigten statistischen Daten in hinreichend aussagekräftiger Qualität vorhanden. Darüber hinaus wäre eine länderübergreifende Krisenstudie in diesem Rahmen nicht abzuhandeln gewesen, da jede Währungskrise in ihrer Art einzigartig ist und eine detaillierte Analyse erfordert hätte.

Gang der Untersuchung:

Die Arbeit gliedert sich insgesamt in fünf Kapitel. Nach der Einleitung werden im zweiten und dritten Kapitel insgesamt fünf unterschiedliche Ansätze zur Erklärung von Währungskrisen vorgestellt. Das Ziel besteht dabei darin, die Vorhersagen der einzelnen Modelle genau herauszuarbeiten. Dazu wird auf eine rigoros analytische Darstellung zurückgegriffen, wobei insbesondere bei den Modellen von Bird/Rajan und Krugman auf eine Darstellung innerhalb eines einheitlichen analytischen Rahmens geachtet wird. An dieser Stelle sei noch darauf hingewiesen, dass diese beiden Modelle vom Bearbeiter der Diplomarbeit wesentlich ausführlicher beschrieben werden, als dies die Autoren getan haben. Nach der inhaltlichen Analyse werden im vierten Kapitel die Modellprognosen mit den empirischen Fakten der Thailandkrise verglichen. Dabei erfolgt eine Überprüfung, ob sich die Ansätze zur Erklärung der Thailandkrise eignen. Das fünfte Kapitel fasst die wichtigsten Ergebnisse zusammen.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis III
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis V
1. Einleitung 1
2. Klassische Ansätze zur Erklärung von Währungskrisen 3
2.1 Der Ansatz von Krugman und Flood/Garber 4
2.2 Der Ansatz von Obstfeld 10
3. Neuere Ansätze zur Erklärung von Währungskrisen 18
3.1 Der Ansatz von Chang/Velasco 20
3.2 Der Ansatz von Bird/Rajan 23
3.2.1 Die Grundversion des Mundell-Fleming-Modells 23
3.2.1.1 Das Gütermarktgleichgewicht (IS-Kurve) 24
Das Geldmarktgleichgewicht (LM-Kurve) 26
Das Zahlungsbilanzgleichgewicht (ZB-Kurve) 28
Internes und externes Gleichgewicht bei festen Wechselkursen 32
3.2.2 Die Modelldynamik 33
Phase I (Boom-Phase) 34
Phase II (Sättigungs-Phase) 36
Phase III (Bust-Phase) 36
3.3 Der Ansatz von Krugman 40
3.3.1 Die modifizierte Version des Mundell-Fleming-Modells 40
Die modifizierte IS-Kurve 40
Die LM-Kurve im (e/Y)-Diagramm 43
Die ZB-Kurve im (e/Y)-Diagramm 44
Internes und externes Gleichgewicht bei flexiblen Wechselkursen 45
3.3.2 Die Modelldynamik 48
3.3.3 Die Effekte einer kontraktiven Geld- und Fiskalpolitik 50
. Relevanz der Krisenansätze für die Thailandkrise 52
4.1 Überprüfung des Ansatzes von Krugman und Flood/Garber 52
4.2 Überprüfung des Ansatzes von Obstfeld 56
4.3 Überprüfung des Ansatzes von Bird/Rajan 60
4.3.1 Phase I (1990 bis 1996) 61
4.3.2 Phase II (1996 bis 1997) 64
4.3.3 Phase III (1997 bis zum 2. Juli 1997) 65
4.4 Überprüfung des Ansatzes von Chang/Velasco 66
4.4.1 Die Entwicklung des thailändischen Finanzsektors 67
4.4.2 Die thailändische Finanzkrise 69
4.5 Überprüfung des Ansatzes von Krugman 72
5. Zusammenfassung 76
Anhang VII
Literatur- und Hyperlinkverzeichnis VIII
Erklärung XVII

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die Variablen ia , Ya und e sind exogen, weil hier nur der Fall einer kleinen offenen Volkswirtschaft mit festen Wechselkursen betrachtet wird. Da die Zentralbank keine bzw. nur unzureichende Maßnahmen zur Neutralisierung von Devisenzuflüssen ergreift, muss der Ausgleich eines Zahlungsbilanzüberschusses durch endogene Veränderungen von B erfolgen.80 Die Endogenität von B gilt allerdings nur für Phase I und Phase II. In Phase III ist B hingegen exogen, weil die Zentralbank den Einfluss der Devisenabflüsse auf die monetäre Basis neutralisiert. Somit bleiben die Geldbasis bzw. das Geldangebot konstant. Die Staatsausgaben G stellen einen Parameter der Wirtschaftspolitik dar und sind deshalb exogen. Die Variablen i, Y und ZB werden immer durch die Modellzusammenhänge als endogene Variablen bestimmt. [...]

Die absolute Höhe des Zinsreagibilitätsgrades RG wird u.a. beeinflusst von den institutionellen Gegebenheiten der internationalen Finanzmärkte und vom Verhalten der Investoren. Bei rigorosen internationalen Kapitalverkehrsbeschränkungen ist RG klein, im Extremfall bei einem Verbot des Kapitalverkehrs sogar gleich null. In diesem Ausnahmefall spielt die Differenz zwischen Inund Auslandszins bei Anlageentscheidungen keine Rolle mehr, da von vornherein keine Finanztransaktionen zugelassen sind. Man spricht hier von vollkommener Kapitalimmobilität. Aber auch bei vorhandener Freizügigkeit des Kapitalverkehrs kann der Wert von RG sehr klein werden und zwar dann, wenn z.B. inländischen Investoren ausländische Wertpapiere wegen eines höheren Risikos (z.B. ein höheres Zahlungsausfallrisiko) nicht mehr als perfekte Substitute ansehen. Dies nennt man unvollkommene Kapitalsubstitution. Im Gegensatz dazu, kann RG unendlich groß werden, nämlich dann, wenn vollkommene Kapitalmobilität (d.h. es gibt keine Kapitalverkehrskontrollen) und vollkommene Kapitalsubstitution (d.h. die Anleger betrachten in- und ausländische Finanzaktiva bei Identität der erwarteten Ertragsraten als perfekte Substitute) gegeben sind.64 In diesem Fall gibt es keine Differenz zwischen Inlandszins und Auslandszins. [...]

Diese Gleichung bringt explizit zum Ausdruck, dass sich bei einem Zahlungsbilanzüberschuss (-defizit) die Währungsreserven der Zentralbank vergrößern (verkleinern).56 Da Veränderungen der Währungsreserven aus Devisenmarktinterventionen der Zentralbank resultieren, können sie Hinweise über Art und Umfang von Ungleichgewichten zwischen Angebot und Nachfrage am Devisenmarkt geben. Insofern besteht am Devisenmarkt bei ZB > 0 (ZB < 0) ein Angebotsüberschuss (Nachfrageüberschuss) an ausländischer Währung, den die Notenbank durch Devisenankauf (Devisenverkauf) beseitigen muss, wenn sie die Aufwertung (Abwertung) der heimischen Währung vermeiden will.57 Abgesehen davon, ergibt sich bei einem Zahlungsbilanzsaldo eine Veränderung der monetären Basis B (bei festen Wechselkursen). So vergrößert (verringert) sich bei einem Zahlungsbilanzüberschuss (-defizit) über eine Zunahme (Abnahme) der Währungsreserven die Geldbasis. Dies ist gleichbedeutend mit einer Expansion (Kontraktion) des inländischen Geldangebotes M. B ist in diesem Fall eine endogene Variable. Es besteht also eine proportionale Beziehung zwischen der Veränderung des Geldangebots und der Veränderung der Währungsreserven. Wenn die Zentralbank die monetäre Basis konstant halten will, dann muss sie Änderungen von R durch gegenläufige Änderungen von H ausgleichen: [...]

Arbeit zitieren:
Stenzel, Christian Dezember 2001: Währungskrisen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Asien, Modelle, irrational

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