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Wachstumstheorie und politische Implikationen

Growth theory and political implications

Wachstumstheorie und politische Implikationen
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Martin Hendrik Hoppe
  • Abgabedatum: Dezember 2009
  • Umfang: 75 Seiten
  • Dateigröße: 540,7 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Helmut Schmidt Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 35
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-1415-8
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Hoppe, Martin Hendrik Dezember 2009: Wachstumstheorie und politische Implikationen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Wachstumsmodelle, Solow-Modell, Neoklassik, Wirtschaftspolitik, Wachstumsforschung

Bachelorarbeit von Martin Hendrik Hoppe

Einleitung:

Die Frage nach volkswirtschaftlichem Wachstum ist in unserer Gesellschaft allgegenwärtig. Konjunkturelle Schätzungen erfreuen sich hoher medialer Beliebtheit und werden nicht zuletzt als Indikator für Erfolg oder Misserfolg von politischen Entscheidungen und Maßnahmen in den jeweiligen Legislaturperioden verwendet.

Insbesondere in Zeiten globaler Krisen liegt ein besonderer Fokus auf den Wachstums- und Konjunkturprognosen. Konjunkturelle Fehlschätzungen werden dabei angeprangert und nicht selten sind Medien übersät von kurzfristiger Schwarzseherei auf der Grundlage einzelner saisonaler Trends. Dabei werden langfristige Wachstumsentwicklungen nur selten bis gar nicht thematisiert. Doch besonders diese sind für die nachhaltige Entwicklung von Ökonomien entscheidend. Nur über mehrere Jahre hinweg sind Phänomene wie das ‘Deutsche Wirtschaftswunder’ überhaupt abbildbar. Diese rasante Zunahme des Produktionsniveaus reicher Länder führte zu einer kontinuierlichen Steigerung des Bruttoinlandproduktes und damit auch des Einkommens. Insbesondere diese Steigerung des Wohlstands ist ein wichtiger Grund, sich mit langfristigem Wachstum zu befassen, wie auch Easterly treffend formuliert: ‘We don’t care about rising gross domestic product for its own sake. We care because it betters the lot of the poor and reduces the proportion of people who are poor. We care because richer people can eat more and buy more medicines for their babies’.

Die empirischen Befunde hinsichtlich des Wachstums haben die Ökonomen Nicholas Kaldor und später auch Paul Romer in sogenannten ‘stylised facts’ festgehalten. Sie konnten beobachten, dass die Produktion pro Arbeiter kontinuierlich stieg, ebenso wie die Kapitalausstattung pro Arbeiter. Außerdem konnte durch viele Beobachtungen eine negative Korrelation zwischen Bevölkerungswachstum und Wachstumsrate der Pro-Kopf-Einkommen gemessen werden, wohingegen die Korrelation zwischen Wachstum und Qualifikation der Arbeit positiv ausfällt. Abschließend konnte nachgewiesen werden, dass große Unterschiede im Produktivitätswachstum zwischen einzelnen Ländern existieren und dass ärmere Länder nicht tendenziell schneller wachsen als reiche.

Die Bedeutung langfristigen Wachstums ist grundlegend unbestritten, ebenso wie das allgemeingültige Ziel durch ökonomisches Wachstums Wohlfahrt zu schaffen und Armut zu lindern. Interessanterweise ist es aus Datenerhebungen und den ‘stylised facts’ ersichtlich, dass es einige Volkswirtschaften seit Dekaden Wachstumserfolge erzielen, wohingegen andere Nationen auf einem (tiefen) Niveau verharren, wie Abbildung für die Beispiele von Deutschland, den USA, Japan einerseits sowie Venezuela, Äthiopien und Namibia andererseits zeigt. Diese Disparitäten sind Grundlage vieler wachstumstheoretischer Modelle und deren Implikationen. Bereits seit der Klassik sind Ökonomen auf der Suche nach Methoden, die den Wachstumsprozess möglichst allumfassend abzubilden vermögen, um auf dessen Grundlagen eine wachstumsoptimale Wirtschaftspolitik abzuleiten. Hauptsächlich stellt sich dabei die Frage, wie überhaupt empirische Tatsachen modelliert dokumentiert werden können und welche Determinanten überhaupt das Wachstum beeinflussen und wenn mit welcher Intensität? Darüber hinaus stellt sich die Frage, welche Rolle dabei exogenen Parametern zukommt und wie viel ‘Glück’ im Spiel ist, oder ob sämtliche wachstumskritische Effektoren beeinflusst werden können.

In dieser Arbeit soll daher die Entwicklung wachstumstheoretischen Modelle sowie deren Ergebnisse im Vordergrund stehen. Im ersten Teil werden die theoretischen Grundlagen der jeweiligen Modelle vorgestellt und erklärt. Es sollen insbesondere die Unterschiede und die Neuerungen einzelner Phasen der Wachstumsforschung dargestellt werden. Im folgenden zweiten Abschnitt werden die politischen Empfehlungen der Theorien unterschiedlicher Epochen analysiert, sodass im dritten Teil kurz auf konkret ersichtliche Beispiele eingegangen werden kann, die einem im täglichen Leben begegnen. Abschließend soll kurz betrachten werden, ob es nach Maßgabe der vorgestellten Theorien und deren Implikationen eine ‘richtige Politik’ gibt, die in ihrer Anwendung tatsächlich zum wirtschaftlichen Erfolg geführt hat.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis 3
Abkürzungsverzeichnis 4
1. Einleitung 5
2. Die Entwicklung der Wachstumstheorie 6
2.1 Wachstumstheorien des Postkeynesianismus 7
2.1.2 Das Domar- Modell (1946) 9
2.1.2 Das Harrod- Modell (1939) 16
2.2 Wachstumstheorien der Neoklassik 20
2.2.1 Das einfache Solow- Modell 24
2.2.2 Das Solow- Modell mit technischem Fortschritt 28
2.2.3 Das Solow- Modell mit Humankapital 33
2.3 Endogene Wachstumstheorie 37
2.3.1 Das AK- Modell (1991) 39
2.3.2 Das Uzawa-Lucas- Modell (1988) 43
2.3.3 Das Romer- Modell (1990) 48
3. Wachstumspolitische Empfehlungen 54
3.1 Ziele der Wirtschaftspolitik 54
3.2 Implikation wachstumstheoretischer Modelle 55
3.2.1 Implikationen des Postkeynesianismus 55
3.2.2 Implikationen der Neoklassik 58
3.3.3 Implikationen der endogenen Wachstumsforschung 62
3.3 Praktische Beispiele 66
4. Schluss 68
Literaturverzeichnis 71

Textprobe:

Kapitel 2.2, Wachstumstheorien der Neoklassik:

Die neoklassische Modelltheorie des Wachstums keimt auf der kritischen Auseinandersetzung mit den Modellen der postkeynesianischen Periode, allen voran die eben vorgestellten Theorien von Domar und Harrod. So schreibt Solow: ‘Growth theory did not begin with my articles of 1956 and 1957, and it certainly did not end there. Maybe it began with ‘The Wealth of Nations’; and probably even Adam Smith had predecessors. More to the point, in the 1950’s I was following a trail that had been marked out by Roy Harrod and Evsey Domar, […]. Actually I was trying to track down and releve certain discomfort that I felt with their work’.

So bemängeln die Neoklassiker an der postkeynesianischen Theorie, dass die maßgeblichen Determinanten des Wachstums nicht herausgearbeitet wurden. In den Modellen der postkeynesianischen Epoche war es Maxime, die kontinuierliche Vollbeschäftigung zu sichern. Es ging also in erster Linie darum, Bedingungen zu erarbeiten unter denen eine derartig langfristige Vollbeschäftigung möglich war.

Problematisch ist diese Sicht, da sowohl Aussagen über das Arbeitskräftewachstum als auch über die produktionstechnischen Annahmen und deren Weiterentwicklungsmöglichkeiten fehlen. Es fehlen insbesondere technische Substitutionsmöglichkeiten des Faktors Arbeit durch Kapital oder durch technischen Fortschritt. In den Modellen des Postkeynesianismus wird ferner der Faktor Arbeit selber nicht explizit berücksichtigt. Vielmehr wird durch die limitationale Produktionsfunktion eine persistent genügend große Arbeiterschaft impliziert, die lediglich zur Kombination des wachsenden Kapitalstock benötigt wird. Insbesondere diese Unmöglichkeit der Faktorsubstitution führt dazu, dass mit Hilfe der postkeynesianischen Modelle keine langfristigen, das technische Niveau berücksichtigenden, Wachstumsanalysen möglich sind.

Außerdem kritisieren die Neoklassiker die pure Zufälligkeit des gleichgewichtigen Wachstums und damit die pessimistische Interpretation der ökonomischen Realität. Um simultan die Limitationalität und die Zufälligkeit des Wachstumsgleichgewichts zu überwinden, berufen sich Vertreter der Neoklassik auf eine Produktionsfunktion, die Faktorsubstitution zulässt und es so ermöglicht ein bestimmtes Outputniveau mit verschiedenen Faktorkombinationen herzustellen. Durch den Substitionscharakter der Produktionsfunktion lässt sich ein stabiles Konvergenzgleichgewicht ermitteln, sodass ein gleichgewichtiges Wachstum nicht mehr nur vom Zufall abhängt, sondern zu jeder gegebenen Sparquote und zu jeder gegeben Wachstumsrate der Arbeitskräfte ermittelt werden kann.

Abbildung 3 zeigt die unterschiedlichen Annahmen der jeweiligen Produktionstechnik. Im Gegensatz zum Postkeynesianismus geht in das neoklassische Modell eine substituierende Produktionsfunktion ein, die einen bestimmten Output mit verschiedenen Kombinationen der Produktionsfaktoren Arbeit N und Kapital K realisieren kann.

Neben der veränderten Produktionsfunktion versuchen die neoklassischen Modelle die offen gebliebene Frage zu erörtern, wovon das Wirtschaftswachstum maßgeblich bestimmt wird. Neoklassiker sehen wirtschaftliches Wachstum nicht mehr in der Abhängigkeit der Nachfrageentwicklung, wie in den meisten postkeynesianischen Modellen, sondern hauptsächlich in Abhängigkeit von der Entwicklung des Produktionspotentials. Für das Produktionspotential gibt es drei erfolgskritische Dimensionen: Erstens die Dimension der Arbeit, zweitens die des technischen Fortschritts und drittens die des Kapitals. Die beiden ersten Dimensionen fanden bei postkeynesianischen Modellen nicht genügend Berücksichtigung, da in ihren Modellen ausschließlich das Kapital erfolgskritischer Knappheitsfaktor ist.

Abschließend überwinden Vertreter der Neoklassik die kritisierte Schwäche des Postkeynesianismus nur absolute Werte zu determinieren, indem das Bevölkerungsniveau in die Betrachtung mit eigezogen wird und damit eine qualitative Aussage über Wachstumsniveaus anhand von Prokopfgrößen möglich wird.

Bekannte Arbeiten zu neoklassischen Wachstumsmodellen stammen von Swan (1956), Meade (1961) und Phelps (1961) sowie maßgeblich von Solow (1956). Da die neoklassische Theorie hauptsächlich durch die Arbeiten von Robert Merton Solow geprägt ist, werde ich mich, in Anbetracht des Umfanges meiner Arbeit, folgend auf dessen Grundmodell sowie einige Abwandlungen und Weiterentwicklungen beschränken.

Arbeit zitieren:
Hoppe, Martin Hendrik Dezember 2009: Wachstumstheorie und politische Implikationen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Wachstumsmodelle, Solow-Modell, Neoklassik, Wirtschaftspolitik, Wachstumsforschung

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