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Visuelle und auditive Kommunikation bei Sport-Liveübertragungen

Eine empirische Analyse der Inszenierungsmuster im Fernsehen am Beispiel der Basketball-Europameistermaschaft 2003

Visuelle und auditive Kommunikation bei Sport-Liveübertragungen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Kajo Fritz
  • Abgabedatum: Juli 2005
  • Umfang: 122 Seiten
  • Dateigröße: 1,1 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Deutsche Sporthochschule Köln Deutschland
  • Bibliografie: ca. 94
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0088-0
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8366-0088-0 P
  • ISBN (CD) :978-3-8366-0088-0 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Fritz, Kajo Juli 2005: Visuelle und auditive Kommunikation bei Sport-Liveübertragungen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Medienberichterstattung, Sportwissenschaften, Kommunikation, Liveübertragung, Medien

Diplomarbeit von Kajo Fritz

Einleitung:

Die grundsätzliche Intention dieser Arbeit besteht in der Beantwortung der Frage, auf welche produktionstechnische Weise die Inszenierung der Sportart Basketball im deutschen Fernsehen umgesetzt wird. Zu klären gilt, wie bei Direktübertragungen eine Randsportart audiovisuell abgebildet wird. Um diesem Punkt zu genügen, wird eine Analyse des Medienreizes (TV-Signal) unternommen, wobei dieser in den analogen Reiz (Bild) und den digitalen Reiz (verbalisierter Text/Kommentar) ausdifferenziert wird. Dies ist der Ansatz, um den jeweiligen Inszenierungsgrad der so destillierten Reize vergleichend gegenüberzustellen. Zu analysierende Gegenstände der medialen Inszenierung sind in dieser Untersuchung die Ästhetisierung, die Dramatisierung/Emotionalisierung und die Personalisierung.

Geklärt werden soll, inwiefern diese drei Inszenierungs-Faktoren zur möglichen Profilbildung und Produktqualitätsverbesserungen mittels der visuellen und auditiven Kommunikation eingesetzt werden und - in diesem Zusammenhang besonders interessant - ob diese durch die beiden Untersuchungsfelder harmonisch umgesetzt werden. Analysiert wird hierzu die Basketball-Europameisterschaft 2003 der Männer in Schweden. Beim journalistischen Stilmittel der Personalisierung wird ausschließlich der deutsche Basketball-Nationalspieler Dirk Nowitzki bei diesem Turnier eingehend betrachtet.

Der audiovisuelle Reiz, der über das TV-Signal den Zuschauern eines Fernsehprogramms geboten wird, kann sowohl aus der Perspektive der visuellen und wie auch der auditiven Kommunikation gesehen werden. Dabei haben das Bild und der Kommentar (auf den sich in dieser Betrachtung der digitalen Kommunikation ausschließlich bezogen wird) medienpsychologisch und –physiologisch grundsätzlich unterschiedliche Funktionen. Thomas Schierl beschreibt in seinem Buch „Text und Bild in der Werbung“ die unterschiedlichen Wirkungen des analogen (visuellen) und digitalen (in diesem Fall auditiven) Codes auf den Rezipienten. Im folgendem klärt der Autor, „inwieweit a) sich Bild und Text in ihrem Wesen und in ihren Kommunikationsmöglichkeiten unterscheiden, b) das eine zum anderen eher Komplement als Konkurrent ist und c) es ganz bestimmte Interdependenzen zwischen Text und Bild gibt“. Diese theoretischen Grundlage zum Muster wird nun die „Live“-Berichterstattung beim Basketball untersucht.

Mittels dieses wissenschaftlichen Untersuchungsblickwinkels sollen nun die Inszenierungs-Bestrebungen der übertragenden Sender aufgeschlüsselt werden. Folgen angewandter Inszenierung kann unter anderem Profilbildung in Form einer Ausdifferenzierung gegenüber anderen Sportarten und/oder eine allgemeine Produktqualitätsverbesserung (vgl. Schierl) sein. Inwiefern diese Medienproduktänderung letztlich zutrifft, müssen Folgeuntersuchungen klären. Diese Arbeit beschränkt sich grundsätzlich darauf, inwieweit Inszenierungsstrategien wissentlich oder unwissentlich umgesetzt werden. Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Inszenierungs-Harmonie bei Wort und Bild. Werden diesbezüglich Dysbalancen erkennbar, läge hier ein journalistisches Versäumnis vor, insofern man davon ausgehen kann, dass sich der veranstaltende Sender überhaupt seiner Inszenierungsmuster bewusst ist. Versäumnis deswegen, weil man davon ausgehen muss, dass, wenn Strategien der „in-Szene-Setzung“ bei einem Teil der gebotenen Kommunikation bewusst eingesetzt werden, diese als gewünscht erachtet werden müssen und somit durch eine umfassende Umsetzung aller zur Verfügung stehenden Mittel unterstützt werden sollten.

Die Inszenierung wird wie erwähnt in die Bereiche a) Ästhetisierung, b) Dramatisierung und c) Personalisierung segmentiert.

Zu a): Wiederum Schierl gibt in seinem Aufsatz „Ästhetisierung als produktpolitisches Instrument medial vermittelten Sports“ die theoretische Rahmung dieser Betrachtung. Von den drei Ästhetisierungsbereichen der Mikroebene (Sportakteure), der Mesoebene (Veranstalter, Sportklubs) und Makroebene (Mediensport) wird aus der Untersuchungslogik dieser Diplomarbeit heraus nur auf die letztgenannte eingegangen. Der Autor beschreibt die von ihm genannte „primär exogene Ästhetisierung“ in den Untersuchungspunkten Bild, Graphik, Sound, Kommentar. Zwar werden in dieser Arbeit auch mögliche Insertierungen und Graphiken in Betracht bezogen (wie Bild und Kommentar ja sowieso), der Sound - hintergründig und wichtiger besonders bei der Betrachtung der Mesoebene - wird indes ausgeklammert.

Determiniert wird in diesem Zusammenhang Ästhetik auf der analogen Seite anhand entsprechender Bildgestaltung. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Regie durch technische Veränderung des TV-Signals in Form von Naheinstellungen (Close-Ups) und Zeitlupen (Slow-Motions) - die ausgehend von der Slow-Motions im übrigen ausschließlich mit Close-Ups korrelieren - als Mittel zu Ästhetisierung verwandt werden. Zusätzlich werden die graphische Elemente der Übertragung untersucht.

Auf der Seite der auditiven Kommunikation wird eine Ästhetisierung durch positive Bewertungen des Spielgeschehens („Eine tolle Bewegung.“) oder Phrasierung („Wow, unglaublich.“) latent lanciert und fließen somit in die Analyse ein.

Zu b): Die Dramatisierung wird in diesem Fall als Sonder- bzw. Unterform der Ästhetisierung durch Inszenierung bzw. Thematisierung von Gewalt verstanden. Schierl spricht in diesem Zusammenhang von Gewalt, die „ästhetisch überhöht“ wird. Zwar geht der Autor hierbei von der Mikroperspektive des Sportlers und dessen „ästhetische Profilierung“ aus, doch lässt sich diese Beobachtung ebenso auf die Markoebene aufweichen, da jedes Profilierungsstreben eben durch das Medium Fernsehen transportiert werden muss, soll es den Empfänger erreichen.

Thematisierte Gewalt wird deswegen als Benefit für den Rezipienten verstanden, weil in ihr ein starkes Unterhaltungspotenzial zu Eigen ist. Nach C. G. Jungs liegt bei der Gewalt eine archetypische Verankerung im Menschen, die der Konsument durch Inszenierung unbeschwert und affektiv konsumiert (vgl. Schierl).

Hier nun wird gesondert aufgezeigt, wann und in welchen zeitlichen Umfängen die unter Punkt a) aufgezeigten bildlichen Ästhetisierungsfaktoren (Close-Up, Slow-Motion) sich in ihrer Aussage auf eine Sache konzentrieren, nämlich auf die Stilisierung von Aggression und Gewalt. In dieses Spektrum fallen all jene sportimmanenten Handlungen, die nicht dem Regelwerk konform sind (Fouls) oder den Zwei-“Kampf“-Charakter hervorheben.

Als verbalisiertes Pendant zur Dramatisierung wird untersucht, inwiefern der Wettkampfcharakter fern des neutralen Wettspiels Basketball durch Zusatzinformationen genährt („Die Erzfeinde treffen aufeinander.“) und/oder durch aktuelle Eindrücke des Spielverlaufs („Ein brutales Foul.“) thematisiert wird.

Zu c): Als ein Diktum der sogenannten „Journalistenschablone“ gilt das Stilmittel der Personalisierung. Verengt man die sportliche Gesamtsituation auf einen Handlungsträger oder fokussiert man einen Sportler durch Informationen aus seinem privaten Umfeld, verlässt dieser Spieler die Ebene des Sportlers hin zu einer öffentlichen Person, über die man Erkenntnisse fern des originären Sporttreibens gewonnen hat. Folge derlei Personalisierung kann (gesteigerte) Prominenz sein, die demnach generiert und provoziert wird. Ein Umstand, der im Sinne des Nachrichtenfaktors Prominenz gewollt sein muss.

Da jede Kameraeinstellung, die über die sogenannte „Halbtotale“ hinaus den Blick auf nur eine handelnde Person verengt, ist davon auszugehen, dass etwa im Vergleich zum Vermögen des Zuschauers in der Halle die visuellen Möglichkeiten stark verfremdet werden und somit der Blick gelenkt wird. Dem Fernseh-Zuschauer wird eine szenische Wichtigkeit einer einzelnen Person geboten. Es erfolgt eine bildliche Personalisierung.

Diesem Phänomen auf der Seite der digitalen Codierung wird immer dann Vorschub geleistet, wenn der Kommentator sportendogene („Sein bestes Spiel seit zwei Jahren.“) und/oder –exogene („Er ist gestern Vater geworden.“) Informationen über einen einzelnen Teilnehmer vermittelt.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
1.1 Zielsetzung und Aufbau 2
2. Bild und Text 8
2.1 Der analoge Code 9
2.2 Der digitale Code 15
2.3 Interaktion des analogen und digitalen Codes 17
3. Der audiovisuelle Medienreiz 20
3.1 Sport und Fernsehen 26
3.2 Sportsprache 29
3.3 Der Kommentar 32
4. Darstellungsformen des Sports im Fernsehen 36
4.1 Die Liveübertragung 37
4.2 Die Bildführung 38
5. Mediale Inszenierung von Sportereignissen 42
5.1 Ästhetisierung beim Fernsehsport 46
5.2 Dramatisierung beim Fernsehsport 49
5.3 Personalisierung beim Fernsehsport 51
6. Dirk Nowitzki 54
7. Hypothesen 56
8. Untersuchung 61
8.1 Design und Methode 61
8.2 Kategoriensystem 65
8.3 Untersuchungsgegenstand 72
8.4 Auswertungsverfahren 74
9. Hypothesendiskussion 76
9.1 Zusammenfassung 89
10. Interpretation der Ergebnisse 92
11. Fazit 97
12. Literaturverzeichnis 101
13. Abbildungsverzeichnis 113
14. Tabellenverzeichnis 114
15. Anhang 116
15.1 Ergebnisübersicht 116

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
1.1 Zielsetzung und Aufbau 2
2. Bild und Text 8
2.1 Der analoge Code 9
2.2 Der digitale Code 15
2.3 Interaktion des analogen und digitalen Codes 17
3. Der audiovisuelle Medienreiz 20
3.1 Sport und Fernsehen 26
3.2 Sportsprache 29
3.3 Der Kommentar 32
4. Darstellungsformen des Sports im Fernsehen 36
4.1 Die Liveübertragung 37
4.2 Die Bildführung 38
5. Mediale Inszenierung von Sportereignissen 42
5.1 Ästhetisierung beim Fernsehsport 46
5.2 Dramatisierung beim Fernsehsport 49
5.3 Personalisierung beim Fernsehsport 51
6. Dirk Nowitzki 54
7. Hypothesen 56
8. Untersuchung 61
8.1 Design und Methode 61
8.2 Kategoriensystem 65
8.3 Untersuchungsgegenstand 72
8.4 Auswertungsverfahren 74
9. Hypothesendiskussion 76
9.1 Zusammenfassung 89
10. Interpretation der Ergebnisse 92
11. Fazit 97
12. Literaturverzeichnis 101
13. Abbildungsverzeichnis 113
14. Tabellenverzeichnis 114
15. Anhang 116
15.1 Ergebnisübersicht 116

Textprobe:

Kapitel 5, Mediale Inszenierung von Sportereignissen: Die Meinung, die Inszenierung und Instrumentalisierung des Sports als mediale Strategieüberlegung sei eine Erfindung neuzeitlicher Couleur, ist schlichtweg falsch. Über 100 Jahre alt ist eines der eindrucksvollsten Beispiele, das mit Nachdruck verdeutlicht, dass Sport seit alters her („Brot und Spiele“ als volksbefriedende Elemente in der Antike) für vielerlei Belange manipuliert wurde. Die Tour de France, der Rad-Klassiker, der sich bis heute zu einem massenkompatiblen Sportevent emporgeschwungen hat, basierte auf der Idee des Herausgebers der französischen Sportzeitung L’Auto. Seine Intention war es 1903, sich durch ein neues Radrennen auf dem Sportzeitungsmarkt in Frankreich stärkeres Profil zu verschaffen.

Wie später eingehender beschrieben wird, ging mit der Instrumentalisierung des Sports die Inszenierung, also die strategisch gestaltete Wirklichkeit, einher. Der Grad der Inszenierung des Sports in den Medien unterliegt indes einem permanenten Wandel. Die Logik eines linear ansteigenden Wachstums ist keinesfalls erkennbar. Nach Schierl „oszillierte“ die Inszenierungsstärke bis in die 1980-er Jahre hinein zwischen Natürlichkeit und offensichtlicher Inszenierung. Die „Narrativität der Bilder“ bestimmte die Weimarer Republik und die Nachkriegsjahre. Christoph Bertling und Erik Eggers apostrophieren in diesem Zusammenhang mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 die „Inszenierung des Kollektivs“. Erst in den 1950-er Jahren hielt die Betonung einzelner Athleten im Sinne einer Abkehr von der Gleichschaltung hin zur Individualisierung Einzug in die bundesdeutsche Medienwelt.

Fern der Thematik der politischen Rahmung lieferte die deutsche Regisseurin Leni Riefenstahl21 mit dem zweiteiligen Dokumentarfilm über die Olympischen Spiele 1936 in Berlin einen ersten Meilenstein medialer Sport-Inszenierung. Mit kinematographischen Mitteln des Spielfilms dramatisierte, pathetisierte und stilisierte sie weniger die einzelnen Sportler als die Sportereignisse. Losgelöst von der Frage nach Intention der Filme ist der Versuch der Inszenierung deutlich erkennbar, an deren Stilgebung noch heute in den Sportmedien Analogien festzumachen sind. Doch auch die erste Diskrepanz zwischen dem Sport und dessen audiovisueller Inszenierung wurde durch Riefenstahl deutlich. Denn für Sport-Chronisten waren große Teile der Olympia-Verfilmungen ohne Wert. Der Sport wird hier derart überhöht, dass nur noch das filmische Abbild und nicht mehr das Abgebildete zählt.

Arbeit zitieren:
Fritz, Kajo Juli 2005: Visuelle und auditive Kommunikation bei Sport-Liveübertragungen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Medienberichterstattung, Sportwissenschaften, Kommunikation, Liveübertragung, Medien

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