Visuelle Maßnahmen für die Band Eisheilig
Einführung einer Band, die die "schwarze Szene" als Zielgruppe hat, in den Musikmarkt
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Anja Keil
- Abgabedatum: Juli 2001
- Umfang: 81 Seiten
- Dateigröße: 1,4 MB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Muthesius-Hochschule - Fachhochschule für Kunst und Gestaltung Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6349-6
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6349-6 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6349-6 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Keil, Anja Juli 2001: Visuelle Maßnahmen für die Band Eisheilig, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: schwarze Szene, schwarze Romantik, Gothic-Rock-Musik, Werbung, Tod
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Diplomarbeit von Anja Keil
Einleitung:
„Visuelle Maßnahmen für eisheilig.“.
Ein Titel für eine Diplomarbeit, der im Grunde genommen ziemlich nichtssagend ist. Auf der anderen Seite wirft er die Frage auf, die neugierig macht: Wer oder was ist eisheilig? Normalerweise antworte ich auf diese Frage: „eisheilig ist eine Band, die musikalisch die „Schwarze Szene“ bedient, ihre Musik hinterlässt so eine Art Endzeitstimmung“. Meist folgt dann eine weitere Frage, nämlich die nach der „Schwarzen Szene“. „Diese Frage lässt sich schon nicht mehr so einfach beantworten“, sage ich dann und prüfe gleichzeitig, ob die Person, die mich nach meinem Diplomthema gefragt hat, willens ist, ein bisschen Zeit zu investieren, bevor ich mit der Erklärung, die sich kurz auf eine Viertelstunde beschränkt, und, wenn es zu einem interessanten Gespräch kommt, auch schon mal eine Dreiviertelstunde dauern kann.
Meist beginne ich mit der „Ist-Situation“, also gehe gezielt auf die Frage nach der „Schwarzen Szene“ ein und schaue, ob meinem Gesprächspartner die Begriffe „Gruftie“ oder „Gothic“ etwas sagen. Ein kulturgeschichtlich bewanderter Mensch assoziert zu „Gothic“ vielleicht die gleichlautende Kunstepoche des Spätmittelalters, wobei er sich wundern wird, wie eine Insidervokabel jugendlicher Subkultur mit einer längst vergangenen Stilperiode des Mittelalters zusammenhängt. Ein kurzer wortgeschichtlicher Exkurs kann diesen Widerspruch auflösen: Ursprünglich bezeichnete man mit „gotisch“ – unter Anspielung auf den spätantiken Barbarenstamm – jene künstlerischen Hervorbringungen, die man als unzivilisiert, primitiv erachtete. Den auf das Kunstideal der Antike besonnenen Gelehrten des 16 Jhds. schien „gotico“ dann auch ein geeignetes Schimpfwort, um die gewagten, unklassischen Formen europäischer Architektur zwischen dem 13. und dem 15. Jahrhundert zu charakterisieren. Zur gleichen Zeit (nämlich zu Beginn des 19 Jh.), als sich dieser Spott in Bewunderung für die Kunst des Mittelalters verwandelte, begegnet uns in der englischsprachigen Literatur der Begriff der „gothic novel“. Gemeint ist der auch in der zeitgenössischen deutschen Belletristik sehr beliebte Schauerroman. „Gothic“ bezeichnet hier nicht nur die bevorzugte Thematisierung des Mittelalters, sondern vor allem die Lust am Bizarren, Mystischen, Irrealen, die hier bewusst über eine rationale Weltsicht gestellt wird.
In dieser Abwendung von dem sich immer mehr in technische Funktionalitäten zerteilenden Leben der beginnenden Moderne erkennen wir ein eigenwilliges Lebensgefühl, das sich nicht nur auf die Epoche der Romantik begrenzen lässt. Es scheint nicht weiter verwunderlich, dass Jugendliche in modernen Industriegesellschaften ihre Affinität zu den „Zivilisationsflüchtlingen“ und „Fortschrittsverweigerern“ unter den Künstlern des 19. Jhds. entdecken. Der künstlerischen Ausdrucksstärke einiger dieser jungen Leute, die sich diesem Lebensgefühl mit Inbrunst verschrieben haben, habe ich meine Diplomarbeit gewidmet.
Inhaltsverzeichnis:
| Vorwort | ||
| Eine Einführung in das Thema | ||
| Zielgruppe | ||
| Die „Schwarze Szene“ und die mit ihr verbundenen Vorurteile | ||
| Unterbrechung | ||
| Zwei Fonts | ||
| Hauptthematik der Band | ||
| Gedanken zum Tod | ||
| Unterbrechung 2 | ||
| Zwei Fonts | ||
| Historischer Hintergrund | ||
| Information zur Romantik und zur schwarzen Romantik | ||
| Meine Nähe und Distanz zur Thematik | ||
| Erste gestalterische Fragen | ||
| Das Projekt Eisheilig | ||
| Erläuterung zur Aussage der Band | ||
| Meine Gestaltung | ||
| Die Zusammenführung von historischen, religiösen und neuartigen Elementen | ||
| Weiterführendes Konzept | ||
| Der Versuch einer Verbindung | ||
| Glossar | ||
| Begriffserklärungen und Beispiele | ||
| Danksagung |
Musik verdeutlicht. Die Zitate sind absichtlich so gewählt, daß weder das Wort „Jesu“, noch das Wort „Gott“ in ihnen vorkommt, um die Jugendlichen, die sich, meinen Beobachtungen zufolge, doch wenig mit Jesus identifizieren können, nicht abzuschrecken. Zum Abschluß der Anzeige setzte ich wieder die schon aus der ersten Anzeige bekannte typografische Kreuzform ein, die, neben dem Verweis auf die Internetseite, den Namen eisheilig und den dem Zitat zugehörigen Liedtitel. Die Nachbereitungs-Anzeigen sollen geschaltet werden, sobald die CD auf dem Markt erhältlich ist, um die Zielgruppe immer wieder daran zu erinnern, daß es da noch etwas gibt, daß es sich lohnt zu kaufen - die CD von eisheilig. persönliche grußkarte Die Vorbereitungs-Anzeige verwende ich mit einer rückseitigen Bedruckung auch als Grußkarte für den engsten Fanclub von eisheilig. Sie wird an diejenigen geschickt, die sich das Demo von eisheilig bestellt haben, daß bis zum Erscheinen der ersten CD im Eigenvertrieb verschickt worden ist. Hier verwende ich neben der Beschreibung der neuen CD auch ein Zitat eines Liedes. Gleichzeitig bedankt sich die Band für die Bestellung des Demos bei ihren Fans. Die Band verschickte die Karten auf einen [...]
von uns die Leichen auf der Straße begegnen, die wir am Abend zuvor im Fernsehen gesehen haben, wäre der Umgang mit dem Tod sicherlich ein anderer. Hier möchte ich nicht weiter ausschweifen. Durch die Aussage des Textes: „eisheilig erscheint am 05.06“ und durch den Verweis auf die Internetseite wird die Botschaft der Anzeige interessant und rätselhaft. Sie macht auf den zweiten Blick neugierig und regt hoffentlich auch innerhalb der Szene die Disskussion an, daß in dieser heutigen*, deutschen Gesellschaft der Tod verdrängt wird. nachbereitend entwickelte ich eine Reihe von typografischen Anzeigen. Wie in der ersten Anzeige sind auch diese durch einen schwarzen Rahmen umrandet, der einen Bezug zur Todesanzeigengestaltung herstellt. Ich habe die Lieder von Eisheilig auf ihre Thematik hin untersucht und Begriffe wie „Tod“, „Liebe“, „Weltuntergang“ als Überschrift gesetzt. Die Überschriften sind absichtlich in einer Art Duden-Stil, abgeschaut aus der MicrosoftEnzyklopädie, mit Betonungs, Trennungs- und WortfamilienZeichen versehen. Sie veranschaulichen eine Art Wörterbuch. Der eigene eisheilig-Duden. Liest der Betrachter jedoch weiter, wird er zu jedem Wort eine Erklärung aus der Bibel finden. Ich erkläre also jedes Lied von eisheilig mit einem Bibelzitat, was die pietistische Weltsicht der Romantik und die Aussage in ihrer [...]
Mir war es außerdem wichtig, daß die Modelle nicht wie typische „Schwarze-Szene-Anhänger“ aussehen und die Situation in der Jetzt-Zeit und nicht in der Vergangenheit spielt. So kann diese Anzeige auch an Menschen herantreten, die nicht der Szene angehören und ich komme meinem Wunsch nach szeneübergreifender Gestaltung nach. In der Anzeige an sich, und auch in der Musik, sind schon so viele Hinweise auf die Vergangenheit, daß ich dies, in dieser sehr metaphorischen Gestaltung nicht auch noch unterbringen wollte. Mir ist klar, daß die Anzeige auf den ersten Blick schockiert, da sich jeder Betrachter zuerst fragt, ob die Person in dem Bett wirklich tot ist 26 ; das war auch meine Absicht. Das Thema Provokation ist bei der Zielgruppe von eisheilig schon längst abgeschlossen. Sie kann nicht mit Maßnahmen erreicht werden, die ein „Spaß-Konsument“ annehmen würde. Sie hat auch Kaufgewohnheiten, die orientieren sich allerdings an der Thematik Tod im weiteren Sinne. Natürlich ist es brisant, das Thema Tod, abgesehen vom semantischen Bezug, als Anzeige zu vermarkten, auf der anderen Seite sterben jeden Abend im Fernsehen zahlreiche Menschen und dies scheint niemandem etwas auszumachen. Würden einem jeden [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832463496
Arbeit zitieren:
Keil, Anja Juli 2001: Visuelle Maßnahmen für die Band Eisheilig, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
schwarze Szene, schwarze Romantik, Gothic-Rock-Musik, Werbung, Tod



