Virtuelle Unternehmen
Möglichkeiten und Grenzen für KMU
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Markus Bönig
- Abgabedatum: September 2000
- Umfang: 81 Seiten
- Dateigröße: 937,7 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Leuphana Universität Lüneburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-2992-8
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-2992-8 P - ISBN (CD) :978-3-8324-2992-8 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Bönig, Markus September 2000: Virtuelle Unternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Kooperation
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Diplomarbeit von Markus Bönig
Einleitung:
In den letzten Jahren hat sich der Wettbewerb in Industrien wie der Automobilzulieferindustrie drastisch verschärft. Im Zuge der Globalisierung der Märkte, also der Ausdehnung des Teilezukaufs auf die internationalen Beschaffungsmärkte, hat sich auch die Konkurrenz heimischer Zulieferer erweitert. Osteuropäische und asiatische Billiglohnländer schaffen mit ihren Angeboten einen starken Preisdruck.
Zusätzlich stellt die Strategie des Single Sourcing die Zulieferer vor neue Anforderungen, da die meisten Hersteller langfristig bemüht sind, die Zahl ihrer Direktzulieferer stark einzuschränken. Die gelieferten Produkte müssen dadurch immer stärker Systemcharakter besitzen und weisen somit auch eine höhere Komplexität auf. Die zunehmende Produktvielfalt der Hersteller verringert andererseits die Stückzahlen der einzelnen Modelle und erhöht hiermit den relativen Entwicklungsaufwand pro Modell. Dieser Trend wird durch die Verkürzung der Produktlebenszyklen weiter verstärkt.
Unternehmen, die im Zuliefermarkt wettbewerbsfähig bleiben wollen, müssen daher über breites Know-how verfügen und in der Lage sein, kostengünstig zu produzieren. Sie müssen flexibel auf die Anforderungen des Kunden reagieren und in kurzer Zeit Produkte mit hoher Qualität entwickeln können.
Kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) fällt es zunehmend schwerer, diesen Anforderungen gerecht zu werden. Weder verfügen sie über das breite Know-how, das heute von einem Lieferanten umfangreicher Systeme erwartet wird, noch stehen ihnen die Finanzmittel zur Verfügung, um dem Kunden rund um die Welt zu folgen bzw. dort zu fertigen, wo die Produktionskosten niedrig sind. Mittelständische Zulieferunternehmen sind deshalb gut beraten, unter anderem Kooperationen mit anderen Mittelständlern einzugehen, um sich gegenseitig zu ergänzen. Eine in der Literatur derzeit vieldiskutierte Kooperationsform ist das Virtuelle Unternehmen. „Die Idee dieser flexiblen Kooperationsform ist die überbetriebliche Verlagerung, Integration und Konzentration von Geschäftsprozessen der Kooperationspartner.“.
Gang der Untersuchung:
Zunächst bedarf es meines Erachtens einer differenzierten Auseinandersetzung über die konkreten Ausgestaltungen des Virtuellen Unternehmens, sowie der Voraussetzungen. Der Begriff, die Merkmale und die Entstehungsgeschichte der Virtuellen Unternehmung, die im zweiten Kapitel erläutert werden, sind auch für die meisten Insider der Szene noch unbekannte Selbstverständlichkeiten. Dabei sollen hier weniger die informationstechnologischen Aspekte beleuchtet werden, da sie weder Virtualisierungs-strategien wirklich ermöglichen noch verhindern. Die beiden Netzwerkexperten Nitin und Nohria und Robert G. Eccles bestätigten diese Position bei einer Konferenz an der Harvard University: „Man kann Netzwerkorganisationen nicht allein auf elektronischen Netzwerken aufbauen.“ Es geht mir hier vielmehr um die komplexen organisationalen und kommunikativen Prozesse. „Der bisherigen Diskussion mangelt es - ihrer eigenen Einschätzung nach - sowohl an einer operativen, konsistenten Modellierung von Virtualisierungsstrategien als auch am Praxisbezug.“ Am Ende des dritten Kapitels steht deshalb ein komplexeres Modell, das zwischen vier Ebenen mit jeweils vielschichtigen Dimensionen der Virtualisierung unterscheidet. Anhand des Modells lässt sich der aktuelle und der angestrebte Virtualisierungsgrad in den jeweiligen Virtualisierungsdimensionen ableiten.
Das sich anschließende vierte Kapitel setzt sich aus drei Teilbereichen zusammen. Auf der einen Seite werden konkrete Chancen der interorganisationalen Virtualisierung für KMUs aufgezeigt. Auf der anderen Seite wird aber auch dargestellt, wie ein derartiges Virtuelles Unternehmen entstehen kann und welche praktischen Probleme sich bei der Umsetzung ergeben. Das fünfte und letzte Kapitel setzt sich kritisch mit den Risiken der Virtualisierung auseinander und gibt einen Ausblick auf die zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten in diesem Bereich.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | PROBLEMSTELLUNG | 1 |
| 2. | EINORDNUNG VIRTUELLER UNTERNEHMEN | 3 |
| 2.1 | Der Begriff der Virtualität | 5 |
| 2.1.1 | Virtuelle Speicherverwaltung | 6 |
| 2.1.2 | Einheit von Aktualität und Potentialität | 7 |
| 2.2 | Evolution des Begriffs „Virtuelles Unternehmen“ | 8 |
| 2.2.1 | Phase der unbewussten Vorbereitung | 8 |
| 2.2.2 | Phase der übertriebenen Euphorie | 9 |
| 2.2.3 | Phase der kritischen Ernüchterung | 11 |
| 3. | VIRTUALISIERUNGS-STRATEGIEN | 12 |
| 3.1 | Intraorganisationale Virtualisierung | 13 |
| 3.1.1 | Delokalisierung | 13 |
| 3.1.2 | Entzeitlichung | 14 |
| 3.1.3 | Dematerialisierung | 14 |
| 3.1.4 | Destrukturierung | 16 |
| 3.2 | Extraorganisationale Virtualisierung | 17 |
| 3.2.1 | Wertschöpfungskettenoptimierung | 19 |
| 3.2.2 | Steuerung durch Macht | 20 |
| 3.2.3 | Vielzitierte Beispiele | 21 |
| 3.3 | Interorganisationale Virtualisierung | 23 |
| 3.3.1 | Transaktionskostentheoretischer Ansatz | 24 |
| 3.3.2 | Hybride zwischen Markt und Hierarchie | 25 |
| 3.3.3 | Temporalisierung | 27 |
| 3.3.4 | Vielzitierte Beispiele | 28 |
| 3.4 | Kunden- und produktbezogene Virtualisierung | 30 |
| 3.4.1 | Grad der Intransparenz | 31 |
| 3.4.2 | Optimierung der Wertschöpfungskette des Kunden | 31 |
| 3.4.3 | Einbeziehung des Kunden | 33 |
| 4. | ABLEITUNG EINER STRATEGIE FÜR KMU | 35 |
| 4.1 | Chancen für KMU | 36 |
| 4.1.1 | Ausgangslage | 36 |
| 4.1.2 | Nutzenpotentiale in einem virtuellen Unternehmen | 37 |
| 4.1.3 | Supranormale Gewinne für Initiatoren | 41 |
| 4.2 | Bildung eines virtuellen Unternehmens | 44 |
| 4.2.1 | Die Rolle von Vertrauen | 47 |
| 4.2.2 | Ermittlung der Kernkompetenzen | 50 |
| 4.2.3 | Suche nach geeigneten Partnern | 51 |
| 4.2.4 | Bildung des Kooperationsnetzwerks | 52 |
| 4.3 | Probleme bei der Umsetzung | 54 |
| 4.3.1 | Informationstechnische Anforderungen | 54 |
| 4.3.2 | Aktivierung durch proaktive Vermarktung | 57 |
| 4.3.3 | Controlling in Virtuellen Unternehmen | 59 |
| 4.3.4 | Gewinnverteilung | 62 |
| 4.3.5 | Rechtliche Ausgestaltung | 63 |
| 5. | KRITISCHE WÜRDIGUNG UND AUSBLICK | 64 |
| LITERATURVERZEICHNIS | 68 | |
| EIGENSTÄNDIGKEITSERKLÄRUNG | 73 |
rungsstrategien zu modellieren, wird ungeachtet der empirischen Kritik und der bei Williamson theoretisch angelegten Opportunismusannahme am häufigsten für die Beschreibung von Virtuellen Unternehmen herangezogen. Das Hauptargument für die Hybride wird mit den Informations- und Kommunikationstechnologien angegeben, da sie zu einer Reduzierung von Transaktionskosten führen. Transaktionen, die zuvor in der Hierarchie abgewickelt wurden, können jetzt schon in Hybriden erfolgen. Prinzipiell sind hier Hybride aber keine eigenen Koordinationsformen, sondern eher ein Gemisch der Vorteile beider Koordinationsformen. Jörg Sydow kann Unternehmensnetzwerke nicht als eigenständige Organisationsformen ansehen, die grundsätzlich andere Eigenschaften als Märkte und Hierarchien aufweisen sollen: „Unternehmensnetzwerke, mehr noch als Märkte und Hierarchien, enthalten sowohl marktliche als auch hierarchische Elemente. Eine grundsätzlich neue, zusätzliche Qualität dieses Koordinationsmechanismus vermag ich nicht zu erkennen.“1 [...]
Im Kern des Ansatzes steht die vergleichende Analyse der Kosten der sogenannten governance structures, also der Koordinationsformen, für die Effizienz in der Abwicklung von Transaktionen hinsichtlich der entstehenden Transaktionskosten. In dieser statischen Analyse kommt man zu der Einsicht, dass bei niedrigen Transaktionskosten – d.h. bei niedriger Spezifität, geringer Häufigkeit und geringer Sicherheit – der Markt der Hierarchie zur Koordination von Transaktionen überlegen ist. Umgekehrt – bei hoher Spezifität, hoher Häufigkeit und hoher Unsicherheit – schneidet die Hierarchie besser gegenüber dem Markt ab. Die von Williamson so eingeführten hybriden Organisationsformen können als eine neoklassische Vertragsform zwischen Unternehmen verstanden werden, die sich im Kontinuum zwischen Hierarchie und Markt bewegen. Hybride sind eine intermediäre Form der Abwicklung von Transaktionen mit mittlerer Spezifität, durchschnittlicher Häufigkeit und mittlerer Unsicherheit. 3 [...]
Ein besonders beeindruckendes Beispiel für eine derartige Verkettung von Kernkompetenzen zu einem virtuellen Unternehmen ist das von Paul Farrow gegründete Unternehmen Walden Paddlers : „Mit der klaren Vision vor Augen, technisch hochwertige, aber preisgünstige Kajakboote aus recyceltem Kunststoff für jedermann zu produzieren und zu vermarkten, schuf Farrow in einem halben Jahr ein Netzwerk von Zulieferern, Herstellern, Designern und Verkäufern mit einem einzigartigen Know-how. Neben günstigen Marktbedingungen sieht Farrow insbesondere in der unkonventionellen und flexiblen Bindung der Partner als Faktor für den rasch einsetzenden Erfolg seines Unternehmens, dessen einziger Angestellter er ist. Der eigentliche Wert des Unternehmens liegt daher für ihn nicht im bilanziellen Betriebsvermögen, sondern vielmehr in dem auf Kernkompetenzen der Partner aufgebautem Netzwerk."2 [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832429928
Arbeit zitieren:
Bönig, Markus September 2000: Virtuelle Unternehmen, Hamburg: Diplomica Verlag
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