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Die Verwendung von Pflanzen in der traditionellen Medizin bei drei Baka Gruppen in Südost Kamerun

Die Verwendung von Pflanzen in der traditionellen Medizin bei drei Baka Gruppen in Südost Kamerun
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Annika Wieckhorst
  • Abgabedatum: August 2002
  • Umfang: 151 Seiten
  • Dateigröße: 3,2 MB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Universität zu Köln Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-6435-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-6435-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-6435-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Wieckhorst, Annika August 2002: Die Verwendung von Pflanzen in der traditionellen Medizin bei drei Baka Gruppen in Südost Kamerun, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Ethnomedizin, Ethnobotanik, (Baka-) Pygmäen, Umweltschutz, Medizinalpflanzen

Magisterarbeit von Annika Wieckhorst

Zusammenfassung:

Die Magisterarbeit von Frau Annika Wieckhorst, die auf einem längeren Feldforschungsaufenthalt beruht, behandelt schwerpunktmäßig das medizinische Wissen der Baka, einer vor nicht allzu langer Zeit weitgehend vom Sammeln und der Jagd lebenden „Pygmäen“-Gruppe im südlichen Kamerun. Weiterhin beschäftigt sie sich mit dem Problem des Erhalts der Biodiversität und dem Schutz großer Urwaldgebiete in der Region sowie mit der Problematik der Integration der Baka in ein geplantes Naturschutzgebiet.

In den ersten Kapiteln werden die Zusammenhänge von Medizin und Artenschutz erläutert, Konzepte der ethnomedizinischen Forschung und ihrer Anwendungsbereiche diskutiert, sowie Informationen zur Geographie und Ökologie Kameruns gegeben. Die allogenen und autochthonen Bevölkerungen werden vorstellt und Informationen zur Gefährdung der Waldgebiete durch Holzeinschlag mitgeteilt.

Der Hauptteil der Arbeit mit den Ergebnissen der Feldforschung beginnt mit einer Analyse der Krankheitskonzepte der Baka, wobei deren Vorstellungen über Krankheitsverursachung und die unterschiedlichen Typen der Heiler (nganga) beschrieben werden. Dem folgt eine Darstellung der emische Systematik der Krankheitsursachen, um schließlich über die Themenbereiche „Krankheitsempfinden und Krankheitsverständnis“ zur Diagnose und „Therapie und Prävention“ überzuleiten.

Der Beschreibung der Techniken, mit denen die verschiedenen Pflanzen und ihre Teile verarbeitet werden, folgt dann die Darstellung der Applikation der so gewonnenen Heilmittel – exemplarisch dargestellt an einigen der häufig auftretenden Krankheiten. Weiterhin wird eine statistische Beziehung zwischen den Heilpflanzenarten und ihrer (oft multiplen) Verwendung mitgeteilt. Auch werden den lokalen Pflanzentermini die international gebräuchlichen wissenschaftlichen Benennungen zugeordnet, womit diese wichtige Arbeit eine Grundlage für zukünftige Vergleiche der Medizinpflanzennutzung bei anderen Ethnien in vergleichbaren Waldgebieten des westlichen und zentralen Afrikas liefert.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 9
1.1 Medizin und Artenschutz 9
2. Theoretischer Hintergrund zur Medizinanthropologie 11
2.1 Definitionen 11
2.2 Konzepte, Ansätze und Anwendungen 13
3. Der Südosten Kameruns 20
3.1 Geographie und Klima 20
3.2 Flora und Fauna 21
3.3 Wirtschaft 22
3.4 Bevölkerung 23
3.4.1 Allogene Bevölkerung 23
3.4.2 Autochthone Bevölkerung 23
3.5 Interessengemeinschaften 26
3.5.1 Holzgesellschaften 26
3.5.2 Jagdsafariveranstalter und kommunale Jagdgemeinschaften 27
3.5.3 Lokale Administration 28
3.5.4 Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen 28
4. Methodische Vorgehensweise 30
4.1 Aufgabenstellung und Stand der Forschung 30
4.2 Erhebungsmethoden 32
4.3 Geschichte der Untersuchungsregion 32
4.4 Auswahl und Beschreibung der drei Untersuchungsgebiete 33
5. Erkrankungskonzepte 35
5.1 Allgemeine Erklärungsmodelle 35
5.2 Traditionelle Heilkundige bei den Baka 37
5.3 Die medizinischen Behandlungssektoren am Beispiel der Baka 40
5.4 Erkrankungsursachen 42
5.5 Krankheitsempfinden und Krankheitsverständnis 46
5.6 Diagnose: Krankheitssymptome und das Erkennen der Krankheit 47
5.7 Therapie und Prävention: Die Heilung des Kranken 49
6. Medizinalpflanzen aus den Untersuchungsgebieten 53
6.1 Wissenschaftliche und indigene Termini der Medizinalpflanzen 55
7. Herstellung von Heilmitteln 64
7.1 Herstellungsschemata (Abbildungen 510) 65
8. Anwendung und Verabreichung der Medizinalpflanzen 71
8.1 Anwendung von Heilmitteln bei exemplarischen Krankheiten 71
8.2 Beziehung zwischen Heilpflanzenarten und Verwendungshäufigkeiten 77
8.3 Kenntnisse und Auftreten der untersuchten Krankheiten 78
8.4 Häufigkeit der Nutzung (Krankheiten) der Medizinalpflanzen 80
9. Schlussbetrachtung 81
9.1 Mögliche Aktionen und postulierte Folgen 84
10. Bibliographie 85
A: Anhang 88
A 1: Inhaltsstoffe, Toxikologie, Pharmakologie, Verbreitung und botanische Beschreibung einiger Medizinalpflanzen 89
A 2: Auflistung aller untersuchten Medizinalpflanzen (nach Gattungen geordnet) 99
A 3: Verwendung der Medizinalpflanzen (Teil I und II) 102
A 4: Anwendungen aller untersuchten Medizinalpflanzen 112
A 5: Gesprächspartner während der Datenerhebung 141
A 6: Glossar: Baka Terminologie 142
A 7: Definitionen 145
A 8: Nützliche Adressen und Informationsquellen 151
A 9: Photos aus den Untersuchungsgebieten 152

Automatisiert erstellter Textauszug:

(4) Bei der Beeinflussung einer erwünschten Situation, zum Beispiel, wenn man wissen möchte, ob eine geliebte Person an einen denkt, wird mit einer Machete der Stamm von foungi (Trilepsium sp.; Moraceae) eingeschlagen und gleichzeitig an die betroffene Person gedacht. Bei sofortigem Heraustreten des weißen Harzes, denkt die Person an denjenigen. Dieses Harz kann ebenso zur Wundversorgung verwendet werden. Bei kleineren Schnittwunden bewirkt das Harz die schnelle Schließung der Wunde und wirkt zudem antiseptisch. (5) Gegen Schwierigkeiten bei der Arbeit: hierbei wird die Wurzel von kungú (diese Liane konnte bisher noch nicht wissenschaftlich bestimmt werden, ist jedoch nicht zu verwechseln mit kúngu (Piptadeniastrum africanum; Mimosoideae)) über dem Feuer zerpudert. Die Haut an den Händen wird mit einer scharfen Blattkante leicht eingeritzt und das Wurzelpuder hineingerieben. Dies bringt Verbesserung der Arbeitsleistung. (6) Abwehr vor gefährlichen Tieren: die Früchte von djaga (Tetrapleura tetraptera; Mimosaceae) verbreiten, wenn man sie ins Feuer wirft, einen Geruch, der gefährliche Tiere, wie u.a. Elefanten, Leoparden oder Gorillas, vertreibt.88 [...]

5.4.3. Weitere „Erkrankungsursachen“ Es lässt sich des weiteren sagen, dass nach jeder Krankheit, unabhängig von der Erkrankungsursache, der Behandlungsform und der Behandlungsaussicht, traditionelle Medizin existiert, die (1) die Möglichkeit einer wiederholten Erkrankung eindämmt (SCHUTZ), (Zum Beispiel der Samen von sené [Canarium schweinfurthii; Burseraceae]) (2) präventiv vor Krankheiten schützt (PRÄVENTION), (Zum Beispiel schützt liambá [Desplatsia dewevrei; Tiliaceae], in Form eines aus der Rinde geflochtenen Armbandes, präventiv vor natürlichen Krankheitsursachen und mbondo [Keayodendron bridelioides; Euphorbiaceae] mittels eines Getränks der gewässerten Rinde, vor übernatürlichen Krankheitsursachen.) (3) oder eine Person kräftigt und stärkt, sei es nach dem Durchlaufen eines Krankheitsprozesses oder zur generellen Stärkung. (STÄRKUNG) (Zum Beispiel péké [Raphia laurentii; Palmae]) Ein weiterer Schutz bzw. eine Beeinflussung von Situationen mit Hilfe von Heilmitteln besteht zudem bei folgenden Fällen.87 (1) Gegen „generelle Probleme“ mit Mitmenschen oder bei allgemeinen Schwierigkeiten: hierbei wird der Samen von abiako (Solanum torvum; Solanaceae) gekaut und ausgespuckt. Während das Ausspuckens sollte an das Problem, bzw. die Lösung des Problems gedacht werden. (2) Gegen die Angst, bevor man in den Wald geht: es wird etwas Rinde von moka (Corynanthe pachyceras; Rubiaceae) abgeschabt und der gesamte Körper damit eingerieben. (3) Zur Beruhigung des Herzschlages in Gefahrensituationen, zum Beispiel bei der Begegnung mit einem gefährlichen Tier im Wald: wenn jemand in den Wald, zum Beispiel, zur Jagd geht und vorher die Blätter von djándo/ yando (Alchornea floribunda; Euphorbiaceae) gegessen hat, verlangsamt sich der Herzschlag so, dass, entweder in Gefahrensituationen oder bei dem Erlegen eines Tieres, ruhiger und überlegter gehandelt werden kann. [...]

(2) Bei einer durch Schadenzauber verursachter Krankheit geht es zunächst darum, die dafür verantwortliche Person ausfindig zu machen. Ist diese gefunden, wird ein sogenanntes Gottesurteilsgift oder eine Wahrheitsdroge angewendet, womit die Schuld oder die Unschuld desjenigen bewiesen werden kann. Ein Beispiel hierfür bietet „kúngu“ (Piptadeniastrum africanum; Mimosoideae), von dessen Baum etwas Rinde abgeschabt und in ein trichterförmiges Blatt, mit wenigen Tropfen Wasser, gewickelt wird. Die giftige Flüssigkeit wird in die Augen des Beschuldigten getröpfelt. Erblindet das Auge, so ist der Beweis für Schuldigkeit erbracht. Schwillt es nur an, verliert aber nicht die Sehkraft, dann ist das Opfer fälschlich beschuldigt worden. Unabhängig von der Verursachung durch Ahnen/ Geister oder übelwollenden Mitmenschen, unterscheiden sich die Behandlungsaussichten bei einer übernatürlichen Erkrankungsursache in drei Aspekte: a. Die Heilung der Krankheit ist eindeutig und erfolgversprechend durchführbar. Der nganga und der Heiler suchen die erforderlichen Medizinalpflanzen und eine Behandlung kann sofort begonnen werden. b. Eine Heilung ist prinzipiell möglich, erfordert jedoch ein hohes Maß an Zeit und Aufwand. Die Heilung ist ein langwieriger Prozess, da die benötigten Heilpflanzen meist schwer zugänglich sind, bzw. das Heilmittel aufwendig herzustellen ist. c. Die Behandlungsaussicht bei dieser Art der Erkrankung ist erfolglos, denn die Krankheit wird zwangsläufig zum Tode führen, da die Verursachung, so zum Beispiel die Beeinflussung durch Zauberei, Hexerei oder Besessenheit, so schwerwiegend und stark ist, dass eine Genesung nicht mehr möglich ist. Keiner der Informanten in den untersuchten Baka Gruppen hat angegeben, dass auch die Möglichkeit bestehe, keinen Zugang zu entsprechenden Pflanzen und Heilmitteln zu haben, um diese Form der Zauberei/ Hexerei/ Besessenheit zu heilen. Somit wurde davon ausgegangen, dass es einer „höheren Macht“ obliegt (und nicht der Wirkung der Heilmittel), ob ein Patient stirbt oder geheilt wird. In dem Untersuchungsgebiet Ndongo im Nki-Gebiet wurde des weiteren berichtet, dass bei einem solchen Fall dem Patienten eine etwas abgelegene Hütte im Wald gebaut wird, wohin er sich zum Sterben zurückziehen kann, bevor ein letztes Abschiedsfest mit dem ganzen Dorf gefeiert wird.86 [...]

Arbeit zitieren:
Wieckhorst, Annika August 2002: Die Verwendung von Pflanzen in der traditionellen Medizin bei drei Baka Gruppen in Südost Kamerun, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Ethnomedizin, Ethnobotanik, (Baka-) Pygmäen, Umweltschutz, Medizinalpflanzen

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