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Die Verwaltungsreform in Deutschland

Eine neo-institutionalistische Perspektive

Die Verwaltungsreform in Deutschland
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Kilian Wamsler
  • Abgabedatum: September 2001
  • Umfang: 132 Seiten
  • Dateigröße: 1,5 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Universität Konstanz Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-5713-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-5713-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-5713-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Wamsler, Kilian September 2001: Die Verwaltungsreform in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Neo-Institutionalismus, Organisationstheorie, Institution, Reform, Neues Steuerungsmodell

Diplomarbeit von Kilian Wamsler

Einleitung:

Seit Beginn der 90iger Jahre ist in den Öffentlichen Verwaltungen Deutschlands vor allem auf kommunaler Ebene eine Organisationsreform zu beobachten, wie sie zuvor in dieser Qualität noch nicht registriert wurde. Bei der Umsetzung der Reformen erwiesen sich die Kommunen als Motor und Innovationspool. Dabei gilt das von der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung (KGSt) entwickelte Neue Steuerungsmodell (NSM) als programmatische Grundlage der Reform.

Im Allgemeinen wird als Auslöser der Reform die Finanzkrise der Kommunen zu Beginn der 90iger Jahre gesehen. Das hohe Defizit und damit einhergehend die hohe Verschuldung öffentlicher Haushalte trug dazu bei, das bisher vorherrschende klassische Bürokratiemodell, zu hinterfragen. Bei diesem, v.a. für Routineaufgaben geschaffenen Modell bleiben Effizienz und Effektivität oft auf der Strecke. Das von der KGSt entwickelte Neue Steuerungsmodell verspricht durch Einführung betriebswirtschaftlicher Elemente, mehr Eigenverantwortung auf allen Ebenen, Dezentralisierung und Privatisierung von öffentlichen Aufgaben die Lösung dieser Probleme.

Vielfach zeigt sich jedoch in der Praxis, dass viele Städte die Verwaltungsmodernisierung unter dem Schlagwort des NSM als Marketing-Thema entdeckt haben und dies nutzen, um sich nach außen modern zu präsentieren. So lassen sich häufig große Differenzen zwischen Ankündigungsrhetorik und tatsächlicher Umsetzung der Reformen erkennen.

Der Autor dieser Arbeit setzt sich kritisch mit dieser Differenz auseinander. Er stellt anhand einer empirischen Untersuchung bei Verwaltungen dar, dass der Beginn und die Durchführung der Reform nicht unbedingt auf Effizienzgesichtspunkte zurückzuführen sind. Eine große Rolle spielen dagegen oft Marketingüberlegungen der Kommune, sich als modern und innovativ darzustellen. Außerdem entdeckt er bei der Durchführung der Reform typische Merkmale des Neo-Institutionalismus in der Organisationstheorie. Dieser Ansatz sieht formale Strukturen als Manifestation von Regeln und Erwartungen, die für die Organisation einen verbindlichen Charakter entfalten. Für Neo-Institutionalisten bestehen in einer Gesellschaft Vorstellungen, Regeln und Annahmen, wie effektive und effiziente Organisationen auszusehen haben. Eine Organisation, die diesen Erwartungen nicht entspricht erscheint unmodern und unzeitgemäß. Nimmt eine Organisation jedoch institutionalisierte Elemente in ihre Struktur auf, erhöht sich ihre Legitimität. Dadurch kann sie leichter die notwendigen Ressourcen akquirieren und somit ihr Überleben sicher. Für Neo-Institutionalisten spielen also Effizienzgesichtspunkte eine untergeordnete Rolle. Legitimitätsfragen stehen hier im Mittelpunkt des Interesses.

Durch die durchgeführte Untersuchung gelingt es dem Autor darzustellen, dass die begonnen Reformen in den Kommunen nicht nur durch Effizienzüberlegungen initiiert wurden. Vielmehr zeigt sich, dass diese Anstrengungen oft aufgrund externer Erwartungen unternommen werden. Die Kommune beginnt die Reformen um sich nach Außen als modern, innovativ und dynamisch zu präsentieren. Ein wichtiges Ziel ist somit auch die Vermarktungsmöglichkeit der Reformen. Letztlich kann somit die herkömmliche Begründung, die den Beginn der Reform als Reaktion auf eine ansteigende Verschuldung und eine Finanzkrise seitens der Kommunen zu Beginn der 90er Jahre sieht, teilweise entkräftet werden.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis III
Tabellenverzeichnis IV
Abkürzungsverzeichnis V
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Zielsetzung 3
1.3 Methode 4
1.4 Vorgehensweise 6
2. Das Neue Steuerungsmodell 7
2.1 Ausgangssituation 7
2.2 Das Konzept 9
2.2.1 Aufbau einer unternehmensähnlichen, dezentralen Führungs- und Organisationsstruktur 10
2.2.1.1 Abgrenzung der Verantwortung zwischen Politik und Verwaltung 10
2.2.1.2 Kontraktmanagement 11
2.2.1.3 Dezentrale Gesamtverantwortung 12
2.2.1.4 Controlling 12
2.2.1.5 Die neue Struktur und deren Steuerungsprozesse 13
2.2.2 Outputsteuerung 14
2.2.2.1 Produkte 16
2.2.2.2 Rechnungswesen 17
2.2.2.3 Qualitätsmanagement 18
2.2.3 Wettbewerb 19
2.2.4 Umsetzung 20
2.2.5 Kritik 22
3. Der Neo-Institutionalismus in der Organisationstheorie 24
3.1 Grundlagen und Grundbegriffe 25
3.1.1 Wissenssoziologie 26
3.1.2 Institution 27
3.1.3 Institutionalisierung 29
3.1.4 Zusammenfassung 31
3.2 Makroinstitutionalistische Ansätze 32
3.2.1 Schaffung und Weiterentwicklung formaler Organisationsstrukturen 32
3.2.2 Das Umweltverständnis: Technische und institutionelle Umwelten 36
3.2.3 Der Einfluss institutioneller Umwelten auf Organisationen 37
3.2.4 Institutioneller Isomorphismus 39
3.2.5 Probleme mit und Reaktion auf institutionelle Erwartungen seitens der Organisation 43
3.2.6 Zusammenfassung 46
3.3 Mikroinstitutionalistischer Ansatz 47
3.4 Kritische Würdigung 49
4. Der Interviewleitfaden 51
4.1 Konzeption und Auswertung des Interviewleitfadens 51
4.1.1 Konzeption des Interviewleitfadens 52
4.1.1.1 Die Auslöser der Reform 52
4.1.1.2 Die Ziele der Reform 53
4.1.1.3 Das Vorgehen bei der Umsetzung der Reform 53
4.1.1.4 Veränderungen durch die Reform 55
4.1.1.5 Firstmover - Latecomer - Betrachtung 57
4.1.2 Auswertung des Interviewleitfadens 57
5. Die Realität vor Ort - Die Verwaltungsreform nach dem Neuen Steuerungsmodell am Beispiel ausgesuchter Städte 59
5.1 Die Auslöser der Reform 59
5.2 Die Ziele der Reform 66
5.3 Das Vorgehen bei der Umsetzung der Reform 72
5.4 Veränderungen durch die Reform 79
5.5 Firstmover - Latecomer - Betrachtung 89
5.6 Interpretation der Ergebnisse 94
6. Schlussbetrachtung 105
Anhang: Interviewleitfaden 108
Literaturverzeichnis 113

Automatisiert erstellter Textauszug:

betriebswirtschaftliche Instrumente einzuführen. Das dann quasi gekoppelt mit Veröffentlichungen der KGSt und der Fachpresse zum Tilburger Modell haben bei uns dann natürlich diese Kopplung [...] gebracht, dass was wir schon begonnen haben, zu verknüpfen mit der Philosophie Neue Steuerung.“ (Interview 3: 1) „Das ging los mit einer Klausurtagung des Gemeinderats, wo man einfach mal darüber reflektiert hat, wie sieht das aus mit dem NSM der KGSt. [...] Und was hat das für Auswirkungen auf die Stadt. Und da haben wir dann so Verschiedene vortragen lassen. Und (das) ist das Thema, was den Gemeinderat fasziniert hat: Die Verschlankung der Verwaltung, indem man eine Ebene rausorganisiert. Da haben die die Amtsleiterebene sozusagen eliminiert und dabei – und das hat den Gemeinderat natürlich besonders fasziniert oder bestochen – das war die Einsparung von 66 Funktionsstellen, die damals genannt worden ist. Und Sie wissen ja, dass solche Gremien natürlich immer gern die Verwaltung verschlanken und Geld einsparen wollen und dieses dann, sagen wir mal, im Sinne politischer Zielsetzungen dann ausgeben zu können. Das war so mal der Urausgangspunkt.“ (Interview 7: 1) „Der andere Teil, das gibt es aber schon länger, war immer noch der Rationalisierungsgedanke [...].“ (Interview 5: 1) Allerdings werden auch immer wieder Gründe genannt, die nicht auf die Finanzkrise der Kommunen zurückzuführen sind. Es zeigte sich, dass die auf breiter Front geführte Diskussion um das von der KGSt entworfene NSM durchaus dazu beitrug, dass sich die Kommunen mit dem NSM auseinandersetzten (drei Nennungen). Auch spielte es offenbar eine Rolle, dass Reformen nach dem NSM in Mode waren (zwei Nennungen) und auch andere Verwaltungen sich nach dem NSM reformierten (zwei Nennungen). So wurde teilweise betont, dass die vorhandenen finanziellen Probleme im Vergleich zu anderen Städten eher gering waren und somit der Beginn der Reform nicht auf die Finanzkrise zurückzuführen war (zwei Nennungen). „Die meisten Städte geben ja an, dass der auslösende Faktor die wirtschaftliche Situation war. [...] Bei uns, also 92, kann man das noch nicht behaupten, dass es damals schon der Auslöser war. Später kam dann auch bei uns eine kleine Finanzkrise. Im Verhältnis zu anderen Städten sind wir eigentlich immer noch relativ gut. Aber da haben wir das dann auch getrennt. Wir haben gesagt: „Verwaltungsreform auf der einen Seite, Haushaltskonsolidierung auf der anderen Seite“. Das haben wir auch strikt getrennt. Also der Auslöser würde ich schon sagen, war hauptsächlich dieses Verhältnis Rat-Verwaltung, dann natürlich auch auf den Zug aufzuspringen, was alle machen – sage ich mal – einfach mal die Verwaltung zu reformieren. Wirtschaftlichkeitsaspekte haben auch eine wichtige Rolle gespielt. Wenn man diese Vorlage anschaut, ging man schon davon aus, dass man durch Kostenrechnung, Produktbildung, Budgetierung usw. auch unter dem Strich einen Wirtschaftlichkeitseffekt erzielen kann.“ (Interview 1: 2) [...]

„[...] (D)iese Philosophie, „Ich will die Betroffenen beteiligen“, die hat natürlich was für sich. Auch im Rahmen der Haushaltskonsolidierung. [...] Wir haben also keine zentrale Arbeitsgruppe gebildet um die Konsolidierungsmaßnahmen durchzuführen, sondern wir haben die Amtsleitungen [...] in die Pflicht genommen und haben gesagt: „Ihr müsst uns selbst Vorschläge machen, wie Ihr in Eurem Budget selbst Einsparungen vornehmen könnt““. (Interview 2: 3.) In einer Verwaltung ist als eigentlicher Auslöser zunächst die Teilnahme an der KGSt Mitgliederversammlung, auf der das „Tilburger Modell“ vorgestellt wurde, zu sehen. Später jedoch war auch die Finanzkrise der Kommunen ein entscheidender Faktor. „Die Initiative ging aus von der Mitgliederversammlung der KGSt. Und zwar war die Mitgliederversammlung damals in Karlsruhe, das war 1989. [...] ich (habe) an der Mitgliederversammlung teilgenommen in Karlsruhe als Vertreter der Stadt [...] und ich (kam) mit diesen Ideen des Prof. Banner [...] und habe dem OB berichtet, über die Veränderungen, die wir [...] auch vornehmen sollten. Und haben dann in den Folgejahren, das war im November 89 die Dinge erst einmal intern besprochen und haben dann so ab 1990/91 angefangen, die Instrumente auf den Weg zu bringen. [...] Und wir haben dann entschieden 1992 konkret mit den Veränderungen zu beginnen. [...] Und es kam eben eins hinzu, was in allen Kommunen ganz wichtig war und Einfluss nahm auf die Veränderung: Nämlich ab 1993 eine sehr starke Finanzkrise in allen Städten und Gemeinden, insbesondere in den Großstädten. Ganz schlimm im Bereich NRW, aber wir waren auch davon betroffen und mussten also ab 1993 gegensteuern. (Interview 2: 1) (Zitat aus Gründen der Anonymisierung geringfügig verändert) Auch zeigte sich, dass es bei diesen Verwaltungen überwiegend keine allzu große Rolle spielte, ob sich bereits andere Verwaltungen nach dem NSM reformierten. „Inwieweit spielte es bei Ihren Überlegungen eine Rolle, dass sich bereits andere Verwaltungen in Deutschland nach dem NSM reformierten?“ „Überhaupt keine, weil wir 1992 quasi auch Vorreiter waren, was die Budgetierung der Personalkosten betrifft.“ (Interview 2: 1) Bei den anderen vier Verwaltungen dagegen ist es ein Sammelsurium von Auslösern, die zum Beginn der Reformen nach dem NSM geführt haben. So standen situationsbedingte Besonderheiten, wie z.B. Überlegungen zum Verhältnis RatVerwaltung oder die von der Diskussion um das NSM losgelöste Einführung eines Controllings am Anfang der Überlegungen. Diese wurden dann mit den Überlegungen zum NSM verknüpft. Des Weiteren sah man durch das NSM auch die Chance auf Effizienzgewinne, Rationalisierung und die Verschlankung der Verwaltung (drei Nennungen). „Auslöser war im Wesentlichen unsere konkrete praktische Umsetzung „Einführung Controlling“ bei der Stadt [...]. Also wir hatten uns losgelöst von der Diskussion um das NSM schon auf Initiative des OB bemüht, [...]

Die sog. „Rasenmähermethode“ war lange Zeit die typische Methode der Haushaltskonsolidierung. Ausgangspunkt dieser Überlegungen sind die zu erwartenden Einnahmen der Verwaltung für das kommende Haushaltsjahr. Wird nun seitens der Kämmerei, die für den Haushaltsplan verantwortlich ist, festgestellt, dass mit einem Einnahmenrückgang zu rechnen ist, so werden die Ausgaben entsprechend dem erwarteten Einnahmerückgang gekürzt. Und zwar quer über alle Haushaltsstellen. Liegen z.B. die erwarteten Einnahmen um 5% unter denen des Vorjahres, so werden die Ausgaben ebenfalls um 5% gekürzt. Es wird quasi metaphorisch mit dem „Rasenmäher über alle Haushaltsstellen gefahren“ und jeweils die oberen 5% gekappt. Somit wird nicht darauf Rücksicht genommen, wie stark die einzelnen Bereiche belastet sind und ob vielleicht in einigen Bereichen eine höhere Belastung besser aufgefangen werden kann, als in anderen. Erfahrungsgemäß sind die Spielräume in den klassischen Vollzugsämtern wie Sozialamt oder Wohngeldstelle ohnehin schon sehr gering – während z.B. im Hoch- oder Tiefbauamt diese meist höher sind. [...]

Arbeit zitieren:
Wamsler, Kilian September 2001: Die Verwaltungsreform in Deutschland, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Neo-Institutionalismus, Organisationstheorie, Institution, Reform, Neues Steuerungsmodell

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