Vertrauensbeziehungen im E-Procurement und ihre unterstützenden Instrumente
Eine Analyse aus der Perspektive eines Einkäufers
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Julia Poth
- Abgabedatum: Oktober 2003
- Umfang: 144 Seiten
- Dateigröße: 850,0 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Leuphana Universität Lüneburg Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-7573-4
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-7573-4 P - ISBN (CD) :978-3-8324-7573-4 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Poth, Julia Oktober 2003: Vertrauensbeziehungen im E-Procurement und ihre unterstützenden Instrumente, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Vertrauen, Beschaffung, E-Commerce, Einkauf, Supply Chain
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Diplomarbeit von Julia Poth
Zusammenfassung:
In der Beschaffung werden internetbasierte Anwendungen in unterschiedlichster Ausprägung seit Anfang 2000 in vielen Unternehmen in Deutschland eingeführt. Allerdings wird das Potenzial von E-Procurement bislang nicht ausgeschöpft. Als wesentliches Hemmnis beurteilen die Literatur ebenso wie Untersuchungen ein Vertrauensproblem. Denn insbesondere die im Vergleich zur traditionellen Beschaffung neu eingesetzte Informationstechnologie wird häufig als Ursprung von Risiken und Problemen aufgeführt. Bislang konzentrierte sich die Vertrauensforschung jedoch auf den B2C (Business-to-Consumer) Bereich, während eine differenzierte Analyse der Vertrauensbeziehungen im B2B (Business-to-Business) Bereich und speziell im E-Procurement ausblieb.
Mittels einer Erläuterung des Vertrauenskonstruktes und des Begriffs E-Procurement wird zuerst analysiert, welche spezifische Vertrauenssituation in der elektronischen Beschaffung vorliegt. Bewusst liegt der Schwerpunkt auf dem Vertrauenskonzept, welches in der Literatur oft nur als kurzer Teilaspekt des E-Procurement beschrieben wird. Zu Gunsten einer vertieften Analyse fokussiert diese Arbeit dabei die Perspektive eines Einkäufers. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse werden daraufhin in der Literatur genannte vertrauensfördernde Maßnahmen klassifiziert. Diese Einteilung dient anschließend in leitfadenorientierten Experteninterviews als Anlass für eine Bewertung von vertrauensfördernden Maßnahmen. Schließlich werden Handlungsempfehlungen für die vertrauensfördernde Gestaltung von Eprocurement generiert.
Dazu werden in Kapitel B einleitend die konstitutiven Elemente des Vertrauenskonzepts identifiziert, bevor grundsätzliche Vertrauensbeziehungen erläutert werden. Zur Abgrenzung von ähnlichen Konzepten dient die folgende Gegenüberstellung. Anschließend wird der Vertrauensaufbau in idealtypischen Phasen vorgestellt und prinzipielle Determinanten erläutert. Darauf folgen die vielfältigen Funktionen von Vertrauen. Abschließend wird die Principal-Agent-Theorie der Neuen Institutionenökonomik in Bezug auf Vertrauensbeziehungen erläutert.
Sie dient in den folgenden Kapiteln der theoretischen Untermauerung und einem erleichterten Verständnis einiger Teilaspekte des Vertrauenskonzepts.
In Kapitel C wird das Konzept des E-Procurement dargestellt, wobei eine übergreifende Definition vorangeht. Dabei bestimmen Parameter, wie die Transaktionsobjekte, -partner, -mechanismen und -systeme, die Variationen in der elektronischen Beschaffung. Zwei typische Transaktionen über Auktionen bzw. Kataloge beschreiben exemplarisch ihre Anwendungen im E-Procurement.
Das folgende Kapitel D verbindet die Ergebnisse der vorherigen Kapitel und analysiert die Bedeutung von Vertrauen im E-Procurement. In Anlehnung an die Gliederung des Kapitels B werden zunächst die Definitionsmerkmale von Vertrauen im E-Procurement erläutert.
Besonderes Gewicht liegt auf der Analyse der speziellen Risikosituation in der elektronischen Beschaffung. Darauf folgt die Erörterung der Vertrauensbeziehungen im E-Procurement, für die anschließend die Probleme in ihrem Vertrauensaufbau erklärt werden. Die vertrauensspezifischen Wirkungen im E-Procurement werden zuletzt zusammengefasst.
Das nächste Kapitel E befasst sich mit vertrauensfördernden Maßnahmen im E-Procurement.
Zuerst werden grundsätzliche Probleme vorangestellt. Unter Bezugnahme auf die Risikosituation im E-Procurement werden danach Maßnahmen zur Risikominderung vorgestellt.
Darauf erfolgt eine Klassifizierung von Maßnahmen anhand des vorgestellten Vertrauensbildungsprozesses, bevor die Kosten und Grenzen einer Vertrauensförderung aufgezeigt werden.
Zuletzt liefert eine qualitative Untersuchung in Kapitel F neue Ansätze für die theoretisch erläuterte Vertrauensthematik. In leitfadenorientierten Experteninterviews werden Einkäufer nach ihrer Einschätzung der Vertrauensbedeutung sowie ihrer Bewertung von vertrauensfördernden Maßnahmen befragt. Auf diese Weise werden mögliche Handlungsempfehlungen für eine Vertrauensförderung vorgestellt und die vorangegangenen theoretischen Ergebnisse kritisch beurteilt.
Inhaltsverzeichnis:
| A. | Einleitung | 1 |
| I. | Problemstellung | 1 |
| II. | Ziele und Vorgehensweise der Arbeit | 2 |
| B. | Konzept Vertrauen | 4 |
| I. | Definitionsmerkmale | 4 |
| II. | Vertrauensbeziehungen | 6 |
| III. | Abgrenzung zu weiteren Konzepten | 7 |
| IV. | Vertrauensbildung | 9 |
| V. | Wirkungen von Vertrauen | 16 |
| VI. | Vertrauensbeziehung als Principal-Agent-Beziehung | 17 |
| VII. | Zusammenfassung | 23 |
| C. | Konzept Electronic Procurement | 24 |
| I. | Definitionsmerkmale | 24 |
| II. | Bestimmungsfaktoren | 25 |
| III. | Exemplarische Transaktionsabläufe | 31 |
| IV. | Zusammenfassung | 33 |
| D. | Vertrauen im E-Procurement | 35 |
| I. | Definitionsmerkmale im E-Procurement | 35 |
| II. | Vertrauensbeziehungen im E-Procurement | 40 |
| III. | Vertrauensbildung im E-Procurement | 43 |
| IV. | Wirkungen im E-Procurement | 45 |
| V. | Zusammenfassung | 47 |
| E. | Vertrauensfördernde Maßnahmen im E-Procurement | 48 |
| I. | Probleme bei der Maßnahmengestaltung | 48 |
| II. | Maßnahmen zur Risikominderung | 50 |
| III. | Maßnahmen im Vertrauensbildungsprozess | 57 |
| IV. | Kosten und Grenzen vertrauensfördernder Maßnahmen | 63 |
| V. | Zusammenfassung | 65 |
| F. | Qualitative Untersuchung | 67 |
| I. | Methodische Vorgehensweise | 67 |
| II. | Datenerhebung | 70 |
| III. | Ergebnisse | 72 |
| IV. | Zusammenfassung der Ergebnisse | 82 |
| V. | Zusammenfassende Handlungsempfehlungen | 86 |
| G. | Fazit | 87 |
| H. | Anhang zur qualitativen Befragung | 90 |
| I. | Interview-Leitfaden | 90 |
| II. | Informationen für Interviewpartner | 93 |
| III. | Ergebnisprotokolle | 97 |
| I. | Literaturverzeichnis | 123 |
Nachfolgend werden Maßnahmen vorgestellt, wie Vertrauen in den einzelnen Stufen einer Vertrauensbildung gefördert werden kann. Die Aufstellung konzentriert sich auf eine Auswahl, die für die hier übernommene Perspektive eines Einkäufers im E-Procurement relevant erscheint.396 1. Förderung der Vertrauenserwartung Die Bildung einer Vertrauenserwartung basiert auf der Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit. Sie erfolgt durch die Auswertung verschiedener Informationsquellen und ist an die Wahrnehmung und Bewertung relevanter Informationen gebunden.397 An diesen drei Stufen orientiert sich die folgende Übersicht. a. Förderung einer vertrauenswürdigen Einschätzung Ein vertrauenswürdigen Eindruck kann die Anmutung der Webseite und die Interface- und Navigationsgestaltung erwecken.398 Die inhaltliche Gestaltung und die Bereitstellung von klaren verständlichen Orientierungshilfen (Navigationsmetaphern) einzelner Webseiten steigern die Akzeptanz des Webauftritts und [...]
Allerdings bergen diese Maßnahmen selbst wieder Unsicherheiten: Versicherungen sind selbst mit subjektiv wahrgenommenen Risiken verbunden.391 Bei Garantieleistungen ist ein Vertrauen in die glaubwürdige Leistungswilligkeit und fähigkeit unerlässlich. Die Glaubwürdigkeit von Informationen ist dabei für anbieter-dominierte Informationen als tendenziell geringer anzusehen.392 Das Bedürfnis nach Glaubwürdigkeit steigt zudem bei internationalen Transaktionen im Internet mit unterschiedlichen Rechtssystemen und unbekannten Anbietern.393 Darüber hinaus vermögen diese Maßnahmen nicht alle Risiken zu begrenzen. Beispielsweise lassen sich über Versicherungen nur einen Teil finanzieller Risiken absichern.394 Zudem gilt für technische Verfahren: „Objektiv vielleicht gegebene exzellente Übertragungssicherheit schafft kein Vertrauen, wenn es nicht gelingt, diese Qualität in die Wahrnehmung der Betroffenen zu transportieren.“395 [...]
beispielsweise Webcams, Track and Trace Systeme oder Videofernüberwachung vor.383 Eine weitere Option stellen Anreizsysteme wie Erfolgsbeteiligungen dar. Im E-Procurement könnten darunter i.w.S. Kooperationen entlang der Supply Chain verstanden werden, bei denen alle Beteiligten finanziell und organisatorisch profitieren. Auch rechtliche Auszeichnungsvorschriften (Signaturgesetz, Datenschutzrichtlinien, Kartellrecht) fördern ein vertragskonformes Verhalten.384 Als Maßnahmen gegen hidden intention empfiehlt die Principal-Agent Theorie Rahmenverträge. Als Beispiele dafür werden in Abnehmer-ZuliefererBeziehungen Modell-Lebenszyklus-Verträge385 genannt. Über eine längere Vertragsdauer erscheint damit ein vorzeitiger Ausstieg unattraktiv. Eine vertikale Integration ist zum Beispiel in Form einer frühzeitigen Integration des Lieferanten in den Entwicklungsprozess möglich.386 In Bezug auf weitere externe Sicherungsmaßnahmen kann der Vermögenswert der Reputation als Geisel eingesetzt werden.387 Darüber hinaus kann der Einsatz spezieller, kostenintensiver (Sicherheits)-technologien als Commitment betrachtet werden, da diese sich durch einen hohen finanziellen Aufwand auszeichnen.388 Second oder Single Sourcing kann weiterhin die Verantwortung des Lieferanten steigern.389 Schließlich wiesen Gierl/Bambauer (2002) die Wirkung von virtuellen Informationsnetzwerken als „Safeguard“ vor opportunistischem Verhalten in industriellen LieferantenEinkäufer-Beziehungen empirisch nach.390 4. Bedeutung für eine Vertrauensförderung Die in diesem Abschnitt erläuterten Maßnahmen können das anfängliche Risiko im E-Procurement verringern und damit die potentielle Verwundbarkeit des Einkäufers mindern. Eine freiwillige Vorleistung durch den Einkäufer wird damit erleichtert. Zugleich kann der Einsatz der Maßnahmen i.S.v. symbolischer Kontrolle vertrauenswürdig wirken, wie im folgenden Abschnitt später erläutert wird. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832475734
Arbeit zitieren:
Poth, Julia Oktober 2003: Vertrauensbeziehungen im E-Procurement und ihre unterstützenden Instrumente, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Vertrauen, Beschaffung, E-Commerce, Einkauf, Supply Chain



