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Zum Vertrauen rußlanddeutscher Aussiedler in die Duisburger Polizei

Zum Vertrauen rußlanddeutscher Aussiedler in die Duisburger Polizei
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Steffen Zdun
  • Abgabedatum: Januar 2002
  • Umfang: 97 Seiten
  • Dateigröße: 598,5 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Gerhard-Mercator-Universität Duisburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8750-8
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8750-8 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8750-8 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Zdun, Steffen Januar 2002: Zum Vertrauen rußlanddeutscher Aussiedler in die Duisburger Polizei, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Spätaussiedler, Polizeiforschung, Migration, Kriminalität, Soziologie

Diplomarbeit von Steffen Zdun

Einleitung:

Werden in aktuellen Diskussionen die Aussiedler in Deutschland thematisiert, dann dominieren Schlagworte wie „Sprachkompetenz“ und „Integration“. Diese finden sich regelmäßig in Politikeraussagen und Medienberichten wieder. Dabei wird die Beherrschung der deutschen Sprache als Schlüssel zum Gelingen der Integration hervorgehoben.

Beispielhaft hierfür war etwa die Aussage des Beauftragten der Bundesregierung für Aussiedlerfragen Jochen Welt in einer Pressemitteilung im März 2001. „Ohne deutsche Sprachkenntnisse besteht weder gesellschaftlich eine hinreichende Möglichkeit, eingegliedert zu werden, noch haben die Betroffenen eine Chance, einen Arbeitsplatz zu finden“ (Welt 2001).

Der Zuzug von Aussiedlern nach Deutschland an sich ist nichts Neues. Bis Ende der Achtziger Jahre verlief dieser auch ruhig und ohne größere Probleme. Der Großteil reiste seinerzeit aus Polen und Rumänien ein. Das sollte sich mit Ausklang des Jahrzehnts jedoch ändern. Zum einen stieg die Gesamtzahl deutschstämmiger Zuwanderer rapide an. Zum anderen stellten ab 1990 erstmals die Russlanddeutschen den größten Anteil daran. Dieser pendelte sich in den Folgejahren bei Werten von über 90% ein (Holtfreter 1999).

Woran lag es nun aber, dass parallel zum Einsetzen dieser Entwicklungen die Integration der Aussiedler schwieriger wurde?

Hier sind nicht zuletzt die ökonomischen Aspekte zu nennen. So begann der enorme Zuwanderungszuwachs im Zeitraum der deutschen Wiedervereinigung. Wegen der damals angespannten finanziellen Lage waren Haushaltskürzungen in etlichen Bereichen unumgänglich. Davon betroffen zeigte sich auch die Integrationshilfe für Aussiedler (vgl. Sasse 1999: 229). Probleme entstanden zudem bei der Unterbringung der eintreffenden Menschen, womit insbesondere die Städte zu „kämpfen“ hatten. Sie konnten den nötigen Wohnraum nicht direkt zur Verfügung stellen und suchten deshalb Abhilfe in Übergangswohnheimen. Dort lebten die Aussiedler durchschnittlich zunächst rund eineinhalb Jahre (Giest-Warsewa 1998). Während dieser Zeit stellte sich ihr Kontakt zu den Einheimischen meist sehr gering dar und blieb weitestgehend auf die Ämter und die Medien beschränkt.

Diese Arbeit konzentriert sich auf die Russlanddeutschen. Sie stellen, wie erwähnt, seit Beginn der neunziger Jahre den Großteil der Aussiedler und fallen zudem durch ihren Gemeinschaftssinn auf. Dieser könnte im Integrationsprozess hilfreich sein und genutzt werden. Allerdings sammeln die Betroffenen nicht selten schon kurz nach der Ankunft Erfahrungen der Isolation sowie der Ablehnung seitens der Einheimischen und der Ausländer. Infolgedessen bildeten und bilden sich besonders in den Großstädten noch immer in einzelnen Stadtteilen oder Straßenzügen eigene Netzwerke und „Kolonien“. Die hauptsächlichen Kontakte beschränken sich dort auf die eigene Familie und den Freundeskreis; die Umgangssprache ist russisch.

Im Integrationsprozess zu erreichende Ziele sind auch das Vertrauen in die hiesige Polizei und deren Inanspruchnahme, damit gegebenenfalls auf diese staatliche Ressource bzw. die bestehenden Rechte zurückgegriffen wird. Hinderlich können sich dabei natürlich auch Sprachschwierigkeiten und der Rückzug in eigene Netzwerke auswirken. Im Rahmen dieser Arbeit sollte aber gerade auf eine weitere Barriere eingegangen werden.

So merkte schon Giest-Warsewa (1998) an, dass „das traditionelle Misstrauen aus dem Herkunftsland gegenüber staatlichen Institutionen .. auch auf die deutsche Polizei übertragen wird.“ Diese Ansicht wurde in der Forschung zwar vielfach geteilt (Nemigorskij/Gladtschenko 1997, Reich et al. 1999, Schmitt 2000), bislang aber nicht empirisch belegt. Es scheint sich also bisher meist eher um praktische Erfahrungen und Einzelaussagen zu handeln.

Ziel war es deshalb, mehr über den Zusammenhang zwischen einem „importierten“ Mißtrauen und einer Skepsis gegenüber der deutschen Polizei herauszufinden. Was denken die Aussiedler über bzw. was halten sie von der Polizei? Und wie sieht es mit der Inanspruchnahme polizeilicher Leistungen aus? Zahlreiche Studien über die Russlanddeutschen beschränken sich auf die Jugendlichen. Weil es sich hier aber nicht ausschließlich um ein jugendliches Phänomen zu handeln scheint, waren alle drei Generationen (Jugend, Eltern und Großeltern) einzubeziehen und ihre spezifischen Unterschiede herauszustellen.

Dabei durfte jedoch nicht außen vor bleiben, welche Einflüsse von der Einbindung in die erwähnten Netzwerke ausgehen. Und auch der Aspekt der Sprachkompetenz war einzubeziehen. Ferner stellte sich die Frage nach Auswirkungen der Dauer des Aufenthalts in Deutschland.

Zu diesen Fragen sollte hiermit eine regionale Stichprobe erhoben werden, um erste Erkenntnisse zu sammeln. Dabei fiel die Wahl des Untersuchungsortes auf die Stadt Duisburg. Es wäre zwar unzulässig, die Ergebnisse anschließend zu verallgemeinern, allerdings gibt es zu diesem Thema bislang wenig bis gar keine Studien. Somit könnte diese Arbeit Anhaltspunkte bieten, auf die gegebenenfalls aufzubauen wäre. Duisburg war gerade aufgrund der dortigen Konkurrenzsituation auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt interessant. Denn fehlt eine geregelte Beschäftigung und weitet sich die Freizeit somit aus, dann bleibt mehr Zeit für persönliche Kontakte. Schließlich geht es hier auch um die Hinterfragung von Netzwerken.

In Kapitel 1 wird die Situation der Russlanddeutschen in Deutschland behandelt. Dabei werden Einblicke in den Forschungsstand gegeben. Anschließend geht es im zweiten Kapitel um den Aufbau der Untersuchung. Die Präsentation der Ergebnisse erfolgt im dritten Kapitel, bevor sie im vierten noch einmal kurz zusammengefasst und anschließend diskutiert werden. In diesem Rahmen kommt es auch zu Vorschlägen für mögliche bzw. nötige Veränderungen. Den Schluss bildet dann das Fazit im fünften und letzten Kapitel.

Inhaltsverzeichnis:

Inhaltsverzeichnis i
Verzeichnis der Tabellen iii
Verzeichnis der Abbildungen iv
Einleitung 1
1. Theoretischer Rahmen und Forschungsstand 4
1.1 Die Historie der Russlanddeutschen und das Leben in den Herkunftsländern 5
1.2 Aufnahmebedingungen und –zahlen 9
1.3 Rußlanddeutsche in Duisburg 12
1.4 Ein- und Ausreisegründe 14
1.5 Erfahrungen in Deutschland 15
1.6 Drogenkonsum, Kriminalität und Polizeikontakte in Deutschland 22
2. Aufbau der Untersuchung 29
2.1 Hypothesenbildung 29
2.2 Methodisches Vorgehen 29
3. Ergebnisse 33
3.1 Ausgangssituation der Befragten 33
3.1.1 Soziodemographische Datenlage 33
3.1.2 Bildung und Arbeit 34
3.1.3 Ausreisegründe der Rußlanddeutschen 38
3.1.4 Soziale Situation der Teilnehmer 39
3.2 Umgang mit Gewalt 46
3.2.1 Gewaltverständnis und Kontakte mit Gewalt 46
3.2.2 Verhalten bei Körperverletzung und leichten Vergehen 47
3.3 Vertrauen in die Polizei 49
3.3.1 Vertrauen in die Polizei in den Herkunftsländern 49
3.3.2 Vertrauen in die Polizei in Deutschland 52
3.4 Inanspruchnahme der Polizei 55
3.5 Überprüfung der Hypothesen 58
3.5.1 Bei Inanspruchnahme der Polizei im Herkunftsland 59
3.5.2 Bei Misstrauen in die Polizei im Herkunftsland 60
3.5.3 Folgerungen 61
4. Resümee 63
4.1 Zusammenfassung und Bewertung der Ergebnisse 63
4.2 Empfehlungen 66
5. Fazit 71
Literaturverzeichnis 74
Anhang

Automatisiert erstellter Textauszug:

Tabelle 3: Orte der Begegnung mit Einheimischen nach Aufenthaltsdauer Mit Blick auf die Altersgruppen zeigte sich überdies, daß die älteste Generation erwartungsgemäß am seltensten die „Arbeit bzw. Schule“ als Begegnungsstätte mit Einheimischen nannte (22,5%). Im Bereich der „Freizeit“ hingegen gaben gerade die Jugendlichen Kontakte an (33,3%). Ein anderes Bild zeigte sich beim „Einkauf“, wo die beiden älteren Gruppen zu jeweils rund 60% auf Einheimische trafen. Bei den Nennungen zur „Nachbarschaft“ (60%) fiel besonders die Großelterngeneration auf. Von Isolationserfahrungen und Ausgrenzung sprachen mit der Zeit immer stärker die älteren Rußlanddeutschen, während dieses Gefühl bei der Jugend nachließ. Überrepräsentiert zeigten sich bei dieser Frage auch die Frauen mit 57,1%. Überdies fiel der Anteil der Arbeitslosen (42,5%) und der beruflich Dequalifizierten (32,5%) unter ihnen auf. Zudem gaben 60,4% an, daß sich ihre Erwartungen nicht [...]

42 sisch gesprochen wurde, wenn die Befragten angaben, daß sie fließend Deutsch können. Zwar wurde mit Freunden durchweg eher deutsch gesprochen als in der Familie, jedoch wurde die deutsche Sprache im Bekanntenkreis auch dann noch nur zu 25% von den Rußlanddeutschen bevorzugt, wenn sie diese bereits „relativ gut verstehen, sprechen und schreiben“ konnten. Im nächsten Schritt war zu erfragen, wo die meisten Kontakte zwischen den Teilnehmern und den Einheimischen auftraten (siehe Tabelle 3). Dabei lagen der Arbeitsplatz bzw. die Schule (68,7%) vorne, gefolgt vom „Einkauf“ (51,9%) und der „Nachbarschaft“ (38,3%). Dahinter zurück blieben die „Freizeit“ (26,2%) und der „Sport“ mit 13,1%. Hinsichtlich der Entwicklung über die Jahre waren aufgrund der Datenlage nur bei einigen Items Aussagen möglich, da ansonsten die Fallzahl zu gering war. Zugenommen haben demnach die Kontakte im Rahmen von „Arbeit und Schule“ (von 66,3% auf 75%). Hingegen wurde der „Einkauf“ (von 51,7% auf 47,7%) mit der Zeit seltener erwähnt, während sich die Angaben zur „Nachbarschaft“ beständig auf rund 38% beliefen. [...]

41 Schließlich ist auch bei den Ältesten der Familienkontakt von 84,2% auf 72,7% gesunken und die Treffen mit „Freunden“ nahmen von 36,8% im Laufe der Zeit auf 68,2% zu. Dem Hören von „Musik“ widmeten sie sich nach ein paar Jahren eher, während durchweg auf hohem Niveau mit über 45% „TV“ geschaut wurde. „Sport“ und „Ausgehen“, zu denen es in dieser Altersgruppe ohnehin nur selten kam, ließen beide immer mehr nach. In der Anfangszeit wurde auch noch häufiger gelesen; es sank aber von 47,4% auf 40,9% ab. Enorm hat dafür das „Spazieren“ von 10,5% auf 45,5% zugenommen, wobei es sich um eine der letzten „aktiven“ Freizeitbeschäftigungen der älteren Generation zu handeln schien. Hinzuweisen ist aber auch darauf, daß mit der Zeit 13,6% angaben, ihre Freizeit alleine zu verbringen, was sie in den ersten Jahren nur zu 5,3% taten. Kontakte zu Deutschen und weiteren Bevölkerungsgruppen Bei den sozialen Kontakten der Rußlanddeutschen in Deutschland ging es zunächst um die Frage nach deren Freundeskreis (siehe Tabelle 2). Der Großteil (62,8%) gab an, daß dieser sich hauptsächlich aus weiteren Rußlanddeutschen zusammensetzte. Dabei waren in besonderem Maße die Jüngsten (67,1%) und die Ältesten (66,7%) vertreten. Am zweithäufigsten wurde ein gemischter Bekanntenkreis angegeben (27,5%), wobei die Werte der drei Gruppen nahe beieinander lagen. Zu erwähnen bleibt noch, daß ein Kontakt zu Aussiedlern und Einheimischen am meisten seitens der Probanden mittleren Alters bestand (8,7%). [...]

Arbeit zitieren:
Zdun, Steffen Januar 2002: Zum Vertrauen rußlanddeutscher Aussiedler in die Duisburger Polizei, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Spätaussiedler, Polizeiforschung, Migration, Kriminalität, Soziologie

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