Vertrauen in Unternehmensnetzwerken
Eine interdisziplinäre Betrachtung bei ausgewählten Autoren der Psychologie, Soziologie und Volkswirtschaftslehre
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Arno Schwarz
- Abgabedatum: Oktober 2005
- Umfang: 133 Seiten
- Dateigröße: 1,6 MB
- Note: 2,3
- Institution / Hochschule: Technische Universität Chemnitz Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9226-7
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9226-7 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9226-7 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Schwarz, Arno Oktober 2005: Vertrauen in Unternehmensnetzwerken, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Netzwerk, Kooperation, Vertrauensförderung, Zusammenarbeit, Management
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Diplomarbeit von Arno Schwarz
Problemstellung:
„Für die optimale Ausschöpfung aller Potentiale eines Unternehmens tritt das Unternehmensnetzwerk als Organisationsform immer mehr in den Vordergrund“ (Becker 1999). Aufgrund der zunehmenden Globalisierung, des steigenden Wettbewerbsdrucks, der immer kürzeren Produktlebenszyklen, der zunehmenden Flexibilität und Unsicherheit des Marktes, der flacher werdenden Produktionstiefe, dem Trend zu Outsourcing und Spezialisierung auf Kernkompetenzen und einem permanenten Wandel der Rahmenbedingungen werden Unternehmensnetzwerke gebildet, um diesen Bedingungen zu begegnen und gerecht werden zu können.
Unternehmensnetzwerke gelten nach Sydow als „eine Organisationsform ökonomischer Aktivität, die sich durch komplexreziproke, eher kooperative denn kompetitive und relativ stabile Beziehungen zwischen rechtlich selbständigen, wirtschaftlich jedoch zumeist abhängigen Unternehmungen auszeichnet“. Aus dieser Definition wird ersichtlich, dass es sich um eher kooperative Beziehungen handelt, die jedoch auf ökonomischen Erfolg hin ausgerichtet sind. Die Stabilität von Netzwerken impliziert, dass diese langfristig koordiniert werden müssen. Die Koordination von Unternehmensnetzwerken ist eine Aufgabe, die an das Management höchste Anforderungen stellt. Es müssen verschiedene Aspekte betrachtet und beurteilt werden, wenn es zu einem Zusammenschluss oder einer Kooperation zwischen Unternehmen kommen soll. „Zahlreiche Autoren, die sich mit diesen veränderten Koordinations- und Kooperationsformen bzw. Netzwerkbeziehungen beschäftigen, betrachten vertrauensvolle Beziehungen als äußerst bedeutungsvoll für die Netzwerkentstehung, -reproduktion und -integration“ (Sydow/Windeler 1994).
Bei der Koordination von Interorganisationsbeziehungen im Sinne von Unternehmensnetzwerken spielt Vertrauen eine wichtige Rolle. Interorganisationsbeziehungen sind als Oberbegriff von Unternehmensnetzwerken zu verstehen, denn „als Interorganisationsbeziehungen werden alle jene Beziehungen bezeichnet, die zwei oder mehr Organisationen, seien es Unternehmen, Behörden, private oder öffentliche Forschungseinrichtungen, miteinander unterhalten.
Vertrauen kann sowohl positive Effekte bewirken als auch negative Auswirkungen haben, wenn es missbraucht wird. So birgt Vertrauen immer auch Risiken in sich. Einerseits kann Vertrauen die Flexibilität in Unternehmensnetzwerken erhöhen, es können Kosten gesenkt werden, die durch Kontrollmaßnamen und bürokratischen Aufwand entstehen würden, Informations- und Entscheidungswege können verkürzt werden und Vertrauen kann positiven Einfluss auf die Struktur sowie Kultur in Unternehmensnetzwerken ausüben. Andererseits kann Vertrauen bei Missbrauch negative Folgen haben, beispielsweise durch vorenthaltene Informationen, Situationen die ausgenutzt werden, durch opportunistisches Verhalten etc.
Durch die Existenz von Vertrauen kann letztlich die Koordination der im Netzwerk agierenden Unternehmungen erleichtert, ein offener Informationsaustausch zwischen den Partnern praktiziert, die interorganisationale Konflikthandhabung erleichtert und der Handlungsspielraum der Unternehmen vergrößert werden, wodurch eine Senkung der Transaktionskosten möglich wird.
In den sozialwissenschaftlichen Disziplinen wie der Psychologie, der Soziologie und der Volkswirtschaftslehre finden sich Autoren, die sich dem Thema Vertrauen widmen, jedoch wird Vertrauen in Unternehmensnetzwerken selten interdisziplinär betrachtet.
Gänzlich fehlt ein Versuch, die einzelnen Theoriestränge dieser Disziplinen miteinander zu verbinden oder die Erkenntnisse aus den verschiedenen Perspektiven der hier vorgestellten Theorien auf Unternehmensnetzwerke zu übertragen.
Es stellt sich nun die Frage, ob sich ein Modell entwickeln lässt, was die einzelnen Theoriestränge aus Soziologie, Psychologie und der Volkswirtschaftlehre verbindet und ob man aus solch einem Modell Ableitungen für den Umgang mit Vertrauen in Unternehmensnetzwerken folgern kann. Genau hier setzt diese Arbeit an.
Gang der Untersuchung:
Die Bedeutung von Vertrauen in den Wirtschaftswissenschaften, der Psychologie und Soziologie ist unumstritten. In Teilgebieten der Betriebswirtschaftslehre wie z.B. der Organisationstheorie wird Vertrauen als wesentlich für die Beziehungen und den Erfolg in Unternehmen angesehen. Die Entwicklung und das Bestehen von Vertrauen sind wichtige Elemente für ein gesundes Unternehmen. Vertrauen ist das Fundament einer funktionsfähigen Organisation.
Angesichts der Entwicklung von Unternehmensnetzwerken als einer zukunftsorientierten Organisationsform scheint es daher angebracht, die Bedingungen und Auswirkungen von Vertrauen in Unternehmensnetzwerken zu untersuchen und aus interdisziplinärer Sicht zu beleuchten.
Vertrauen lässt sich in vier Hinsichten betrachten, erstens als Summe spezifischer Persönlichkeitsmerkmale (Eigenschaften und Verhaltensweisen), weiter im Hinblick auf zwischenmenschliche Beziehungen (Erwartungen und Hoffnungen), drittens in Bezug auf die Systeme (Interaktion, Unternehmen, Staat) und letztlich im situativen Kontext (Konjunkturlage, Zeitgeist, Unternehmenskultur, -klima, Zeitdruck und Aufgabenstruktur). Da diese vier Perspektiven bedeutsam sind für Vertrauen in Unternehmensnetzwerken und Erklärungsansätze in verschiedenen Disziplinen wie Psychologie, Soziologie und Volkswirtschaftslehre zu finden sind, sollen diese als Grundlage der Theorienauswahl herangezogen werden. Es werden ausgewählte Ansätze, die sich mit Vertrauen befassen, aufgegriffen und aus der jeweiligen Perspektive auf Unternehmensnetzwerke übertragen.
Ziel der Arbeit ist der Versuch, die einzelnen Theoriestränge interdisziplinär und integrativ zu verbinden. Die gewonnen Informationen aus den verschiedenen Theorien bezüglich Vertrauen sollten es ermöglichen, Vertrauen aus verschiedenen Blickwinkeln und auf unterschiedlichen Ebenen zu betrachten. Aus dieser Ebenenbetrachtung können Maßnahmen abgeleitet werden, die erklären, wie Vertrauen innerhalb der einzelnen Ebenen eines Unternehmensnetzwerkes entsteht und gefördert werden kann.
Zu diesem Zweck wird Vertrauen als Koordinationsinstrument interdisziplinär betrachtet und auf Unternehmensnetzwerke „als organisatorische Koordinationsform zwischen Markt und Hierarchie“ übertragen.
Die Vorgehensweise bei der Bearbeitung ergibt sich aus Problemstellung und Zielsetzung. Zuerst wird allgemein die Wesensart von Unternehmensnetzwerken geklärt und die Umstände für ihre Entstehung verdeutlicht. Der erste Teil der Arbeit beschäftigt sich also kurz und überblickartig mit Unternehmensnetzwerken im Allgemeinen, geht auf die wirtschaftlichen Bedingungen, welche Netzwerkstrukturen fördern, ein und stellt verschiedene Ausprägungen von Netzwerken dar.
Im Anschluss an diesen ersten Teil erfolgt in den darauf folgenden Teilen II, III und IV eine Betrachtung des Begriffs Vertrauen innerhalb verschiedener Disziplinen. Um eine solche interdisziplinäre Diskussion von Vertrauen in Unternehmensnetzwerken zu ermöglichen, ist es notwendig, Theorien, die sich mit Vertrauen im engeren und weiteren Sinne beschäftigen, aus der entsprechenden Fachliteratur auszuwählen.
Teil II der Arbeit wird sich daher dem Konstrukt ‚Vertrauen’ bei ausgewählten Vertretern der Psychologie zuwenden, Teil III beschäftigt sich mit ausgewählten Vertretern der Soziologie und ihrem theoretischen Verständnis bezüglich ‚Vertrauen’. Im Teil IV werden ausgewählte Vertreter der Volkswirtschaftlehre und ihre jeweiligen Theorien bezüglich des Konstrukts ‚Vertrauen’ vorgestellt.
Die Theorienauswahl erfolgt aus Bereichen der Psychologie, Soziologie und Volkswirtschaftslehre, da in diesen verschiedene Sichten auf Vertrauen ermöglicht werden und um so den vier Perspektiven auf Vertrauen, wie sie in der Zielsetzung schon nach P. Nieder zitiert wurden, also der Summe spezifischer Persönlichkeitsmerkmale, den zwischenmenschliche Beziehungen, den Systemen und dem situativen Kontext, gerecht werden zu können.
Nach Begründung der Theorienauswahl werden jene kurz erörtert und nach ihrer Bedeutung für das Konstrukt ‚Vertrauen’ untersucht. Anschließend werden Sie auf Unternehmensnetzwerke konkret übertragen und mit dem aktuellen Stand der Literatur verbunden. Dabei werden die Bedingungen für die Entstehung von Vertrauen in Unternehmensnetzwerken erarbeitet und Möglichkeiten aufgezeigt, wie dieser Prozess in Unternehmensnetzwerken gefördert werden kann.
Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse aus Theorien der Volkswirtschaftslehre, der Soziologie und der Psychologie sowie deren Übertragung auf Unternehmensnetzwerke sollte es möglich sein, ein theoretisches Modell zu erstellen, welches die einzelnen Theoriestränge miteinander verbindet und die Entstehung und Wirkung von Vertrauen in Unternehmensnetzwerken interdisziplinär und ebenenspezifisch betrachtet.
Aus diesem Modell werden im Teil V, soweit möglich, Handlungsvorschläge für das Management von Unternehmensnetzwerken abgeleitet. Zum Schluss wird eine kurze Zusammenfassung der in der Arbeit gewonnen Erkenntnisse erfolgen.
Inhaltsverzeichnis:
| ABBILDUNGSVERZEICHNIS | III | |
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | IV | |
| TEIL I. | UNTERNEHMENSNETZWERKE IM ALLGEMEINEN | 1 |
| 1.1 | PROBLEMSTELLUNG, ZIELSETZUNG UND METHODIK | 1 |
| 1.2 | DIE EINORDNUNG VON VERTRAUEN IN UNTERNEHMENSNETZWERKEN | 4 |
| 1.3 | ENTSTEHUNGSGRÜNDE FÜR UNTERNEHMENSNETZWERKE | 8 |
| 1.4 | ERSCHEINUNGSFORMEN VON UNTERNEHMENSNETZWERKEN | 10 |
| 1.5 | ZUM BEGRIFF ‚VERTRAUEN' | 13 |
| TEIL II. | AUSGEWÄHLTE THEORETISCHE ZUGÄNGE ZU VERTRAUEN BEI VERTRETERN DER PSYCHOLOGIE | 16 |
| 2.1 | PERSPEKTIVE AUF DAS VERTRAUENSKONSTRUKT BEI AUSGEWÄHLTEN VERTRETERN DER PSYCHOLOGIE | 16 |
| 2.1.1 | Vertrauen bei M. Deutsch als situationsspezifisches Verhalten von Individuen | 16 |
| 2.1.2 | Vertrauen als personenspezifische Einstellung bei E. H. Erikson und J. B. Rotter | 23 |
| 2.2 | GEMEINSAMKEITEN UND UNTERSCHIEDE DER VORGESTELLTEN ANSÄTZE | 28 |
| 2.3 | DIE KONSEQUENZ DER ERKENNTNISSE FÜR UNTERNEHMENSNETZWERKE | 30 |
| TEIL III. | AUSWÄHLTE THEORETISCHE ZUGÄNGE ZU VERTRAUEN BEI VERTRETERN DER SOZIOLOGIE | 35 |
| 3.1 | PERSPEKTIVE AUF DAS VERTRAUENSKONSTRUKT BEI AUSGEWÄHLTEN VERTRETERN DER SOZIOLOGIE | 35 |
| 3.1.1 | Vertrauen bei N. Luhmann auf persönlicher Ebene und Systemebene | 36 |
| 3.1.2 | Vertrauen bei A. Giddens | 41 |
| 3.1.3 | Vertrauen bei J. S. Coleman als zeitlich versetze Tauschhandlung | 48 |
| 3.2 | GEMEINSAMKEITEN UND UNTERSCHIEDE DER VORGESTELLTEN ANSÄTZE | 51 |
| 3.3 | KONSEQUENZEN DER ERKENNTNISSE FÜR UNTERNEHMENSNETZWERKE | 53 |
| TEIL IV. | AUSWÄHLTE THEORETISCHE ZUGÄNGE ZU VERTRAUEN BEI VERTRETERN DER VOLKSWIRTSCHAFTSLEHRE | 61 |
| 4.1 | AUSGEWÄHLTE ANSÄTZE DER VOLKSWIRTSCHAFTSLEHRE IN VERBINDUNG MIT VERTRAUEN | 61 |
| 4.1.1 | Unsicherheit und Vertrauen bei L. Mises und F. A. Hayek | 62 |
| 4.1.2 | Vertrauen in der Spieltheorie im Rahmen der ‚Tit-for-Tat-Strategie' | 69 |
| 4.1.3 | Der Abschied vom klassischen rationalen Homo Oeconomicus hin zum Homo Oeconomicus Maturus bei B. S. Frey | 73 |
| 4.2 | GEMEINSAMKEITEN UND UNTERSCHIEDE DER VORGESTELLTEN ANSÄTZE | 77 |
| 4.3 | KONSEQUENZEN DER ERKENNTNISSE FÜR UNTERNEHMENSNETZWERKE | 79 |
| TEIL V. | FOLGERUNG AUS DEN DARGESTELLTEN ANSÄTZE | 87 |
| 5.1 | CHANCEN EINES INTEGRATIVEN UND INTERDISZIPLINÄREN VERTRAUENSMODELLS | 87 |
| 5.2 | VERTRAUEN ALS VORAUSSETZUNG EINER KOOPERATION | 89 |
| 5.3 | VERTRAUEN IN UNTERNEHMENSNETZWERKEN INNERHALB UNTERSCHIEDLICHER STRUKTUREN UND VERSCHIEDENEN EBENEN | 89 |
| 5.4 | DIE VORGESTELLTEN PSYCHOLOGISCHEN VERTRAUENSANSICHTEN UND ÜBERTRAGUNG AUF UNTERNEHMENSNETZWERKE | 93 |
| 5.5 | DIE VORGESTELLTEN SOZIOLOGISCHEN VERTRAUENSANSICHTEN UND ÜBERTRAGUNG AUF UNTERNEHMENSNETZWERKE | 100 |
| 5.6 | DIE VORGESTELLTEN VOLKSWIRTSCHAFTLICHEN VERTRAUENSANSICHTEN UND IHRE ÜBERTRAGUNG AUF UNTERNEHMENSNETZWERKE | 107 |
| 5.7 | HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN FÜR DAS MANAGEMENT VON UNTERNEHMENSNETZWERKEN | 112 |
| 5.8 | RESÜMEE | 118 |
| ANHANG I | INTERPERSONAL TRUST-SCALE VON ROTTER | 120 |
| ANHANG II | STADIEN DER ENTWICKLUNG NACH ERIKSON | 121 |
| LITERATURVERZEICHNIS | 122 |
sieren. Erst wenn genügend Konsumenten dem Verkäufer vertrauen, wird dieser ausreichend Produkte absetzen können und die Kosten des Vertrauensaufbaus bzw. den Aufbau eines guten Rufes durch Gewinne wieder einspielen. Mises misst diesem Vertrauensaufbau zwischen Verkäufer und Käufer, also dem ‚Goodwill’ der Kundschaft, den Status eines ‚unentbehrlichen Produktionsmittels’ bei. Mises unterscheidet drei Fälle, in denen Vertrauen als Produktionsmittel wirken kann. Im Fall des Monopolpreises190 bei der Nachfrage besteht, die von nur einem Anbieter befriedigt wird, kann der Monopolist seinen Gewinn maximieren, indem er das Angebot gering hält und den Preis der angebotenen Menge hoch ansetzt. Der Kunde hat keine Wahlmöglichkeit und muss den vom Verkäufer verlangten Preis zahlen oder auf die Dienste des Monopolisten verzichten. [...]
entwickeln werden. Er muss Spekulationen bezüglich der zukünftigen Preise von Produkten annehmen, für die er Produktionsmittel in der Gegenwart bereitstellen muss. Seine Planung richtet sich nach diesen Spekulationen aus.186 „Wir sprechen nicht etwa von Preisen, die gebildet werden würden, wenn die Wirte nicht sterbliche Menschen und nicht mit menschlichen Schwächen und Unvollkommenheit behaftet wären. Wir konstatieren keinen homo oeconomicus und keine Idealmenschen, sondern wir nehmen den Menschen so, wie er ist. Dieser Mensch verfügt nur über unzureichende Einsicht und nur über beschränktes Wissen, er irrt, er kann leicht getäuscht werden, er weiss nicht immer, was frommen würde, er ist ungeduldig, nervös, eitel, launenhaft, wetterwendisch. Doch dieser Mensch wertet, seine Wertungen entscheiden auf dem Markt, und aus seinen Handlungen gehen die Marktpreise hervor“.187 Das von Mises vertretene Menschenbild ist kein idealisiertes Menschenbild, denn er stellt den Menschen mit all seinen Schwächen und kognitiven Begrenzungen dar. Da der Mensch nicht die Möglichkeit besitzt, alle Informationen, die der Markt anzubieten hat, sofort zu erhalten und zu verarbeiten, muss er sich vor dem Kauf eines Produktes über dessen Qualitäten und Preise erkundigen. Die sich im Wettbewerb befindlichen Wirte, im Sinne von Anbietern, haben einerseits das Ziel, den Markt mit besseren, d.h. mit neuen Produkten zu versorgen. Sie wollen andererseits durch Massen-Herstellung billiger produzieren als ihre Konkurrenten. Mit Hilfe der Werbung geben sie den Konsumenten psychologisch geschickt verpackte Informationen über neue, günstige und verbesserte Produkte. Der Konsument, der sich nur auf seine am Markt gesammelten Erfahrungen stützen kann, weiß nicht immer wo er das günstigste, seinen Bedürfnissen entsprechende Produkt finden kann. Er wird durch Informationen der Werbung beeinflusst, wenn diese genügend aufdringlich gestaltet worden sind und die Empfindungen von Individuen ansprechen.188 Der Einzelhändler ist Verkäufer und fachkompetenter Berater in einer Person. „Der Käufer muss in vieler Hinsicht den Worten des Verkäufers, der seine Ware anpreist, vertrauen, weil er sich nicht selten vor dem Einkaufe kein selbständiges Urteil zu bilden vermag. [...] Man kauft dort, wo man selbst oder wo Freunde, denen man vertraut, bisher gut bedient wurde. “.189 Den Entschluss, eine bekannte Bezugsquelle zu wechseln, kommt nach Mises Meinung eher selten vor, daher befindet sich der Verkäufer vor dem Problem, wie er das Vertrauen der Konsumenten erwerben und erhalten kann. Werbung und das persönliche Bemühen des Verkäufers sind Kosten, die sich erst im Laufe der Zeit durch den Vertrauensaufbau der Konsumenten amorti186 187 [...]
Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek (1899-1992), war britischer Volkswirtschaftler österreichischer Herkunft und sowohl ein Vertreter des Neoliberalismus als auch Verfechter einer liberalen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung.183 Mises und Hayek sind Vertreter der Neo-Österreichischen-Schule der Nationalökonomie, welche von C. Mengner (1871) gegründet wurde. Mengner erklärte vorhandene Unsicherheiten, indem er auf die Unbeherrschbarkeit der Natur verwies. Aussagen der neoklassischen Theorie wurden von den Vertretern der Neo-Österreichischen-Schule teilweise heftig kritisiert. Die Ursache der Kritik war das Auslegen menschlichen Handelns unter den Prämissen des Homo Oeconomicus. Das axiomatische Gleichgewichtsmodell wurde abgelehnt, da es menschliches Handeln nicht so erklären vermag, wie es in der Realität vorkommt. Unsicherheitsaspekte und die Dynamik des Wettbewerbs wurden eingeführt und von Generation zu Generation der NeoÖsterreichischen-Schule erweitert. Sowohl Mises als auch sein Schüler Hayek gehen bei ihrer Wettbewerbsvorstellung nicht vom Modell der vollkommenen Konkurrenz aus, vielmehr sehen sie Wettbewerb als einen Prozess, der in Richtung eines Gleichgewichtszustandes tendiert, der aber niemals erreicht wird. Wie in Abb. XIV dargestellt, handelt es sich bei der Neo-Österreichischen-Schule um eine Unsicherheit zweiter Ordnung. Das begrenztes Wissen der am Markt agierenden Akteure muss berücksichtigt werden, daher werden statische Methoden abgelehnt.184 Ludwig von Mises ist der Ansicht, die Marktwirtschaft würde durch das Bestehen von Sondereigentum an Produktionsmitteln und Arbeitsteilung charakterisiert. Das Handeln des Individuums innerhalb einer Marktwirtschaft beschreibt er wie folgt: „Jeder handelt für sich, doch jedermanns Handeln ist mittelbar auch auf die Erfüllung der Zwecke der anderen Handelnden gerichtet. Jedes Handeln wird dadurch zu einem Mithandeln, jedermann dient handelnd seinen mithandelnden Genossen. Jeder gibt, um zu empfangen ; jeder dient, um bedient und bedankt zu werden. Jeder ist Zweck und Mittel zugleich : Zweck sich selbst und Mitteln allen anderen zur Erreichung ihrer Zwecke“.185 Mises geht davon aus, dass der „Wirt“ im Sinne eines Verkäufers, der sein Angebot anbietet, auf einen Nachfrager trifft, den Käufer. Der ausgehandelte Preis ist der Punkt, an dem sich Angebot und Nachfrage treffen. Den Markt sieht er als einheitlich, unzerlegbar und als einen Zusammenhang von Handlungen. Der Mensch jedoch ist nicht in der Lage, diesen Zusammenhang im Ganzen zu betrachten und zu verstehen. Die Leistung eines Unternehmers besteht darin, sich an die ständig ändernde Situation auf dem Markt anzupassen. Der Unternehmer weiß nicht, wie sich der Markt (Angebot und Nachfrage) bzw. Mengen und Preise von Produkten [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832492267
Arbeit zitieren:
Schwarz, Arno Oktober 2005: Vertrauen in Unternehmensnetzwerken, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Netzwerk, Kooperation, Vertrauensförderung, Zusammenarbeit, Management



