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Vertrauen zwischen Hersteller und Handel

Eine kritische Analyse auf Basis sozial-psychologischer Ansätze

Vertrauen zwischen Hersteller und Handel
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Jan Stegmann
  • Abgabedatum: Februar 2004
  • Umfang: 76 Seiten
  • Dateigröße: 538,8 KB
  • Note: 1,7
  • Institution / Hochschule: European Business School Schloß Reichartshausen, Oestrich-Winkel Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8134-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8134-6 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-8134-6 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Stegmann, Jan Februar 2004: Vertrauen zwischen Hersteller und Handel, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Opportunismus, Koordinationsmechanismen, Machtasymmetrien, Komplexitätsreduktion, Altruismus

Diplomarbeit von Jan Stegmann

Zusammenfassung:

Im Verlauf der Arbeit kann gezeigt werden, dass durch Vertrauen koordinierte interorganisationale Beziehungen effizienter arbeiten können als dies mit den klassischen Mechanismen Markt und Hierarchie möglich ist. In der ökonomischen Theorie erfährt Vertrauen aber häufig keine ausreichende Beachtung und wird zum Teil lediglich als „Beiprodukt“ beim Aufbau hybrider Strukturen zwischen Markt und Hierarchie erfasst. Bei dieser Betrachtung wird hauptsächlich die rationale Interessenverfolgung der handelnden Akteure unterstellt, sodass Vertrauen keinen Eingang als eigenständiger Mechanismus erfahren kann. Dieser Ansatz greift aber offensichtlich zu kurz, da er nicht in der Lage wäre die speziellen Beziehungen etwa zwischen großen Handelsketten und einigen großen Herstellern zu erklären. Die beteiligten Unternehmen tauschen jeweils Informationen und Leistungen aus, die dem Anderen Möglichkeiten zu opportunistischem Verhalten bieten, ohne dass diese genutzt würden.

Daher wird versucht, Vertrauen als dritten Koordinationsmechanismus als erklärenden Ansatz aufzuzeigen. Mit Hilfe der zu Beginn dargelegten verschiedenen Vertrauenskonzeptionen kann die Funktionsweise dieses Mechanismus in der Hersteller-Handel-Beziehung aus sozial-psychologischer Sichtweise genauer analysiert werden. Besondere Bedeutung kommen dabei den Aspekten der Komplexitätsreduktion und der Selbstdarstellung der handelnden Akteure zu.

Der erste Aspekt der Komplexitätsreduktion erlaubt es sich in einem Raum vieler möglicher zukünftiger Kontingenzen zu bewegen, die von einem klassischen Vertrag nicht ebenso er-schöpfend erfasst werden könnten. Den handelnden Akteuren bietet dies vor allem zwei Vorteile: Sie können davon ausgehen, dass ihr Partner sich selbst bei einer Änderung der Umweltzustände in ihrem Sinne verhalten, d.h. in unvorhersehbaren Situationen kein opportunistisch- Verhalten zeigen wird. Weiterhin erlaubt diese komplexitätsreduzierende Funktion eine Erhöhung der Zahl der zukünftigen möglichen Kontingenzen, da nicht mehr alle unerwünschten explizit ausgeschlossen, sondern nur noch die erwünschte klar definiert werden muss. Somit vergrößert sich gleichzeitig die Handlungsfreiheit der kooperierenden Unternehmen, da auch vertraglich nicht oder nur schwer regelbare Alternativen genutzt werden können. In der Hersteller-Handel-Beziehung führt diese Möglichkeit etwa dazu, dass Unternehmen sensible Daten austauschen, um effizientere Strukturen zu erreichen; ohne gegenseitiges Vertrauen wäre dies nur schwer vorstellbar, da es den Beteiligten fast unmöglich sein dürfte wirklich sicher-zustellen, dass diese nicht zu opportunistischen Zwecken missbraucht werden.

Der zweite Aspekt der Selbstdarstellung erlaubt es, Aussagen über Einflussfaktoren auf den Aufbau und den Erhalt von Vertrauensbeziehungen zu treffen. Als wichtigster Faktor wird hier die zumeist beträchtliche Machtasymmetrie zwischen Hersteller- und Handelsunternehmen identifiziert. Sicherungsmechanismen, die eine vertrauenswürdige Handlungsweise der beteiligten Akteure hervorrufen oder zumindest wahrscheinlich machen sollen, stellen zu-meist keinen ausreichenden Anreiz dar. Der überlegene Partner kann es sich leisten Vertrauen zu enttäuschen, da die vorgesehenen Sanktionen aufgrund der Abhängigkeit des zweiten am Austausch beteiligten Akteurs entweder nicht durchgesetzt werden können oder zu schwach sind, um eine ernstzunehmende Drohung darzustellen.

Vertrauensbeziehungen zwischen Hersteller und Handel sehen sich aufgrund der meist beträchtlichen Machtasymmetrien also hauptsächlich einem Stabilitätsproblem ausgesetzt, welches vom stärkeren Partner gelöst werden muss. Beispiele erfolgreicher Kooperationen zwischen ungleichen Partnern zeigen, dass in dieser Strategie tatsächlich eine Möglichkeit zum beiderseitigen Nutzen besteht.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis III
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Zielsetzung 3
1.3 Gang der Untersuchung 3
2. Ausgewählte Aspekte der Theorie des Vertrauens 5
2.1 Die Transaktionskostentheorie als Bezugsrahmen der Hersteller-Handel-Beziehung 5
2.1.1 Transaktionskostentheorie 5
2.1.2 Markt und Hierarchie als Koordinationsmechanismen 6
2.1.3 Kooperationen als hybride Form zwischen Markt und Hierarchie 7
2.2 Entstehung von Vertrauen in Interorganisationsbeziehungen 9
2.2.1 Der Begriff des Vertrauens 9
2.2.2 Grundlagen von Vertrauen zwischen Organisationen 10
2.2.3 Vertrauen im Rahmen der Kontingenztheorie 12
2.2.4 Bedeutung der Kontingenztheorie für Kooperationen 13
2.3 Überblick über verschiedene Ansätze des Vertrauens 14
2.3.1 Der funktionalistische Ansatz nach Luhmann 14
2.3.2 Entwicklung von personalem zu Systemvertrauen 16
2.3.3 Der „Rational-Choice-Ansatz“ nach Coleman 18
2.3.4 Zusammenfassung zentraler Erkenntnisse 19
3. Vertrauen als überlegener Koordinationsmechanismus 20
3.1 Ökonomische Implikationen einer Vertrauensbeziehung 20
3.1.1 Kennzeichen enger interorganisationaler Kooperation 20
3.1.2 Vertrauensbeziehungen als Prinzipal-Agenten Problem 22
3.1.3 Vertrauensbildung zwischen Organisationen 23
3.1.3.1 Entwicklung von Interorganisationsbeziehungen 23
3.1.3.2 Interpersonales Vertrauen zwischen Systemvertretern 25
3.1.3.3 Die Problematik der Selbstdarstellung 27
3.1.4 Soziales Kapital und Macht als funktionale Äquivalente 27
3.1.5 Machtasymmetrien und opportunistisches Verhalten als zentrale Probleme der Hersteller-Handel-Beziehung 29
3.2 Effizienzgewinne durch Vertrauen 31
3.2.1 Einfluss auf Transaktionskosten 31
3.2.2 Einfluss auf Konfliktpotential 32
3.2.3 Grenzen einer Vertrauensbeziehung 33
3.3 Stabilisierungsmechanismen der Vertrauenserwartung 35
3.3.1 Interne Stabilisierungsmechanismen der Vertrauenserwartung 35
3.3.1.1 Die Theorie des iterativen Spiels 35
3.3.1.2 Self-Enforcing-Contracts 37
3.3.2 Externe Stabilisierungsmechanismen der Vertrauenserwartung 39
3.3.2.1 Reputation als Problem der Selbstdarstellung 39
3.3.2.2 Institutionalisierung/ Gesetzliche Regelungen 40
3.4 Machtasymmetrien als Vertrauenshindernis 42
3.4.1 Verhandlungen bei asymmetrischer Machtverteilung 42
3.4.2 Vertrauenserweis als Kommunikationsproblem 44
3.4.3 Möglicher Ansatz für eine Vertrauensbeziehung 46
4. Resümee 48
Anhangsverzeichnis 51
Anhang 52
Literaturverzeichnis 57

Automatisiert erstellter Textauszug:

Kontaktpersonen der anderen Organisation und nach den Vereinbarungen, die sich aus den impliziten Verträgen ableiten.113 Wenn eine auf Vertrauen basierende Beziehung aufgebaut ist, kann der Kreislauf schneller durchlaufen werden, da eine Verständigung über die Anforderungen der Gegenpartei schon vor dem offiziellen Start der Verhandlungen erreicht worden sein kann, weil durch implizite Verträge die Motivationen und Erwartungen bereits teilweise bekannt sind.114 Ring/ Van de Ven nehmen an, dass diese aus persönlichen Beziehungen zwischen Kontaktpersonen resultierenden impliziten Verträge sogar teilweise explizite ersetzen könnten.115 Dies scheint aber eher unwahrscheinlich wenn man Zaheer/ McEvily/ Perrones Ergebnisse betrachtet, die nahe legen, dass solche Effekte nur auf dem interorganisationalen Niveau auftreten. Eher scheint es, dass interpersonales Vertrauen die Basis für interorganisationales bildet, welches dann explizite Verträge teilweise verzichtbar erscheinen lässt. Die Verlagerung auf die interorganisationale Ebene führt damit auch dazu, dass der Prozess der Vertrauensbildung bei der Einführung neuer Kontaktpersonen nicht jedes Mal neu gestartet werden. [...]

Vertrauende, einen ersten Schritt macht und eine Entscheidung zugunsten des anderen trifft, ohne vollständige Information über dessen Motive und Fähigkeiten zu besitzen.108 Sie erbringt eine so genannte „riskante Vorleistung” und geht dabei das Risiko ein, dass der andere opportunistisch handelt.109 Der Vertrauen Empfangende kann jetzt entscheiden entweder vertrauenswürdig zu handeln, d.h. in Übereinstimmung mit den Annahmen des Vertrauensgebers oder er kann eine der verbleibenden Alternativen wählen und so die Vorleistung des anderen missbrauchen.110 Wenn Vorleistungen honoriert werden, können die beteiligten Organisationen in einen, wie in Abbildung 6 dargestellten Prozess eintreten und kooperative Interorganisationsbeziehungen aufbauen.111 Die drei Phasen – negotiations, commitments, und executions – werden wiederholt und auch simultan durchlaufen bis die Kooperation zwischen den Unternehmen schließlich beendet wird. In der Verhandlungsphase (negotiation) kommt es zu formellen Vereinbarungen (formal bargaining) und informellem „sense making“, während die Verhandlungspartner versuchen beiderseitig akzeptable Ergebnisse zu erzielen und die Motivationen des Gegenüber zu erkennen. Wenn diese erste Phase erfolgreich beendet wurde, werden Verträge abgeschlossen, um die getroffenen Vereinbarungen rechtskräftig werden zu lassen. Allerdings können und müssen nicht alle verhandelten Aspekte tatsächlich in Form eines expliziten Vertrages fixiert werden, da implizite Verträge (psychological contracts – nicht kodifizierte aber geteilte Erwartungen und Verpflichtungen, deren sich die Parteien oft nur zum Teil bewusst sind112) als Substitute für unterschriebene Vereinbarungen dienen. Die Anteile von expliziten und impliziten Verträgen an einer Vereinbarung können abhängig sein vom bereits bestehenden Vertrauen zwischen den Geschäftspartnern, dem Niveau der Unsicherheit über zukünftige Entwicklungen und der allgemeinen Geschäftspolitik. In der Ausführungsphase (executions) schließlich werden die Bestimmungen des Vertrages erfüllt und Interaktion findet wiederum auf zwei Ebenen statt: Auf der formalen Ebene interagieren die Beteiligten im Rahmen ihrer durch den Vertrag zugewiesenen Rollen. Auf der informellen oder persönlichen Ebene hingegen richtet sich ihr Verhalten stärker nach früheren Erfahrungen mit [...]

len Risiken und des Nutzens die von der Umwelt bedingten Risiken übersteigt.103 Exante setzt sich der Vertrauensgeber hauptsächlich aufgrund von Informationsasymmetrien einer Gefahr aus, da er nicht sicher sein kann, dass sein Gegenüber ihn mit allen relevanten Informationen versorgt hat. Der Aufbau von Reputation für vertrauensvolles Handeln kann für potentielle Vertrauensnehmer eine Möglichkeit sein ihre Vertrauenswürdigkeit zu beweisen und so den Aufbau einer Beziehung zu erleichtern.104 Ex-post wird der Vertrauensgeber das Risiko enttäuscht zu werden senken, indem er eine Beziehung hervorruft, die Anreize zu reziprok altruistischem Verhalten enthält.105 Daher müssen Verbindungen zwischen den Unternehmen hergestellt werden, die das Risiko opportunistischen Verhaltens reduzieren indem sie „blindes Vertrauen“ durch Vertrauen ersetzen, das auf die Erwartung aufbaut, der Transaktionspartner werde freiwillig – trotz der zur Verfügung stehenden Alternativen – vertrauenswürdig handeln.106 Das aufgebaute Vertrauen kann dabei – wie bei der Behandlung der Vertrauensansätze dargelegt – in persönliches und Systemvertrauen unterteilt werden. Während das erste sich auf Erfahrungen zweier Akteure aus fortgesetzter Interaktion miteinander bezieht und daher engen und häufigen Kontakt erfordert, resultiert das zweite aus dem gemeinsamen Glauben an die Funktionsfähigkeit des sozialen Systems und seiner Regeln.107 Mit dieser Unterscheidung zwischen personalem und Systemvertrauen wird das Problem des Locus im interorganisationalen Zusammenhang offensichtlich. Um erfolgreich Vertrauen zu erzeugen, müssen seine Wurzeln bekannt sein; d.h. ob Vertrauen sich auf persönliche Beziehungen zwischen den Akteuren bezieht oder eher auf Regeln und soziale Strukturen, die vertrauenswürdiges Verhalten hervorrufen. [...]

Arbeit zitieren:
Stegmann, Jan Februar 2004: Vertrauen zwischen Hersteller und Handel, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Opportunismus, Koordinationsmechanismen, Machtasymmetrien, Komplexitätsreduktion, Altruismus

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