Vertrauen als Element eines modernen Organisationsprinzips?
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Sabrina Schlage
- Abgabedatum: September 2000
- Umfang: 88 Seiten
- Dateigröße: 484,4 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4249-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4249-1 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4249-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Schlage, Sabrina September 2000: Vertrauen als Element eines modernen Organisationsprinzips?, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Personal, Führung, Organisation, Motivation, Betriebspsychologie
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Diplomarbeit von Sabrina Schlage
Einleitung:
Vertrauen ist im privaten Bereich ein Wort, das allgemein verständlich erscheint. Zusätzlich rückt Vertrauen auch im beruflichen Kontext mehr in den Vordergrund. In modernen Organisationen, zu denen vor allem privatwirtschaftliche Unternehmen zählen, werden die Aufgaben einzelner Mitglieder komplexer (z.B. durch Abbau von Hierarchien), fallen Kontrollmechanismen weg (z.B. die Stempeluhr) und bekommen Begriffe wie „Vertrauenskultur“ oder „Vertrauensarbeit“ eine größere Bedeutung. Jenseits des Taylorismus wandelt sich die Redensart „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“. Das bedeutet Kontrolle wird zunehmend durch Vertrauen ersetzt, vor allem dort, wo eine Kontrolle kaum oder nur unter extrem hohen Kosten möglich ist. Dieser Wandel scheint oft ein schwieriges Unterfangen zu sein und wird daher noch nicht überall umgesetzt. Das ersetzen des Misstrauens durch Vertrauen erscheint risikoreich, eventuelle negative Erfahrungen prägen und bleiben im Bewusstsein. Positive Erfahrungen, also das Honorieren von Vertrauen, wird dagegen leider häufig nicht wahrgenommen.
Um zu erklären wie Vertrauen in Organisationen entstehen kann, ist es notwendig zunächst den Begriff „Vertrauen“ näher zu erläutern. Dies ist umso dringlicher, da sich eine Vielzahl von unterschiedlichen Vorstellungen entwickelt hat, welche Verhaltens- bzw. Handlungsweisen unter Vertrauen subsummiert werden.
Lässt sich das Phänomen „Vertrauen“ überhaupt erklären und eingrenzen oder ist es nur ein Gefühl, das vorhanden ist?
Gang der Untersuchung:
Die vorliegende Arbeit ist inkl. der Einleitung und des Schlussteils in fünf Teile gegliedert. Im Teil B werden zunächst wesentliche Begriffe eingeführt, die als Grundlage für die weiteren Ausführungen dienen. Weiterhin wird der Begriff „Vertrauen“ ein- und abgegrenzt, da es, wie schon im Problemaufriss angedeutet, keine einheitliche Definition für Vertauen gibt. Das fehlen einer solchen erklärt die vielen verschiedenen Vorstellungen über die Bedeutung von Vertrauen. Aus dieser Ein- und Abgrenzung wird dann eine Definition abgeleitet, die sich auf den Menschen als ökonomisch handelndes Individuum bezieht.
Im Teil C ist die Beziehung zwischen zwei Akteuren Untersuchungsgegenstand. Der Vertrauensmechanismus wird hierbei aus unterschiedlichen Perspektiven erläutert. Zum einen aus der Sicht eines Vertrauensgebers und zum anderen aus der Sicht eines Vertrauensnehmers. Dies ist notwendig, da sich die Entscheidung, Vertrauen zu schenken bzw. zu platzieren, grundlegend von der Entscheidung, Vertrauen zu honorieren bzw. zu enttäuschen, unterscheidet. Wie kommen die beiden Akteure zu ihrer Entscheidung und was beeinflusst sie dabei? Die herausgearbeiteten Merkmale lassen sich auf andere soziale Systeme übertragen, z.B. auf Unternehmen, Gruppen, Abteilungen, also überall dorthin, wo Menschen aufeinandertreffen. Es wird gezeigt, dass die erklärten Wirkungen von Vertrauen durch soziale Systeme sogar verstärkt werden können.
Der Teil D schaut in Organisationen hinein. Es wird geklärt welche Rahmenbedingungen Vertrauen fördern können. Außerdem wird auf Unternehmenskulturen eingegangen, da diese, wenn sie gut und stark sind, einen Wettbewerbsvorteil darstellen können. Danach wird dargestellt was eine Vertrauenskultur auszeichnet und geklärt, ob eine Einordnung in bestehende Schemata von Unternehmenskulturen möglich ist bzw. ob sie eine Sonderstellung einnimmt. Es wird auf klassische und moderne Organisationsprinzipien eingegangen und untersucht, inwiefern sie zur Entstehung von Vertrauen beitragen. Aus der Vielzahl der verschiedenen modernen Organisationsprinzipien, werden zwei herausgegriffen, näher vorgestellt und anhand zweier Beispiele verdeutlicht.
Inhaltsverzeichnis:
| INHALTSVERZEICHNIS | II | |
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | IV | |
| A. | EINLEITUNG | 1 |
| 1. | Problemaufriss | 1 |
| 2. | Untersuchungsziele und Aufbau der Arbeit | 1 |
| B. | BEGRIFFLICHE GRUNDLAGEN | 3 |
| 1. | Unsicherheit und Rationalität im Verhalten | 3 |
| 1.1 | Unsicherheit | 3 |
| 1.2 | Vollkommene Rationalität versus begrenzte Rationalität | 5 |
| 1.3 | Opportunistisches Verhalten | 8 |
| 1.4 | Motivation | 9 |
| 2. | Mechanismen zur Reduzierung von Unsicherheit und Komplexität | 10 |
| 2.1 | Institutionen Die Neue Institutionenökonomik | 10 |
| 2.1.1 | Property-Rights | 12 |
| 2.1.2 | Transaktionskosten | 13 |
| 2.1.3 | Principal-Agent-Theorie | 14 |
| a) | Vor Vertragsabschluss (ex ante) | 16 |
| b) | Nach Vertragsschluss (ex post) | 16 |
| c) | Spezifische Investitionen | 17 |
| 2.2 | Der explizite Vertrag | 18 |
| 2.3 | Vertrauen | 20 |
| 2.3.1 | Zuversicht | 21 |
| 2.3.2 | Hoffnung | 22 |
| 2.3.3 | Zutrauen | 22 |
| 2.3.4 | Vertrauen und Misstrauen | 23 |
| 2.3.5 | Explizite Verträge und Vertrauen | 25 |
| C. | DIE VERTRAUENSBEZIEHUNG ALS PRINCIPAL-AGENT-BEZIEHUNG | 27 |
| 1. | Die Vertrauensbeziehung | 27 |
| 1.1 | Vertrauen als impliziter Vertrag | 28 |
| 1.2 | Vertrauen und Kontrolle | 28 |
| 2. | Der Vertrauensgeber als Principal | 33 |
| 2.1 | Bildung der Vertrauenserwartung | 34 |
| 2.1.1 | Generalisiertes Vertrauen | 35 |
| 2.1.2 | Spezifisches Vertrauen | 36 |
| 2.1.3 | Vertrautheit | 36 |
| 2.2 | Die Vertrauensentscheidung | 37 |
| 3. | Der Vertrauensnehmer als Agent | 38 |
| 3.1 | Motivation | 39 |
| 3.2 | Extrinsische Anreize | 39 |
| 3.3 | Handlungsempfehlung | 41 |
| D. | VERTRAUEN IN ORGANISATIONEN | 42 |
| 1. | Unternehmenskultur | 42 |
| 1.1 | Starke und schwache Unternehmenskulturen | 43 |
| 1.2 | Vertrauenskultur | 47 |
| 1.2.1 | Grundlagen für den Aufbau von Vertrauen | 48 |
| a) | Weniger Kontrolle | 48 |
| b) | Veränderungen steuern | 49 |
| c) | Gegenseitige Akzeptanz | 50 |
| d) | Der richtige Ort | 50 |
| e) | Verschieden Standpunkte zulassen | 51 |
| f) | Keine Verlierer produzieren | 51 |
| g) | Fehler zulassen | 52 |
| h) | Richtig Führen | 52 |
| 1.2.2 | Vertrauen im Führungsprozess | 53 |
| a) | Willensbildung | 53 |
| b) | Willensdurchsetzung | 54 |
| c) | Willenssicherung | 54 |
| 2. | Organisationsprinzipien | 55 |
| 2.1 | Klassische Organisationsprinzipien | 55 |
| 2.1.1 | Hierarchie | 55 |
| 2.1.2 | Bürokratie | 56 |
| 2.1.3 | Taylorismus | 58 |
| 2.2 | Moderne Organisationsprinzipien | 60 |
| 2.2.1 | Vertrauensarbeitszeit | 61 |
| 2.2.2 | Prozess- und Kundenorientierung | 65 |
| 2.2.3 | Mettler-Toledo - ein Beispiel für Prozessorientierung | 67 |
| 2.2.4 | Stadtverwaltung Wolfsburg - ein Beispiel für Vertrauensarbeitszeit | 68 |
| E. | SCHLUSSTEIL | 70 |
| 1. | Zusammenfassung | 70 |
| 2. | Fazit | 72 |
| LITERATURVERZEICHNIS | 74 | |
| Internetadressen | 79 |
setzte zieht sich weiter vom Mitarbeiter zurück und gibt ihm zu verstehen, dass er sehr enttäuscht ist und ihm nicht mehr vertraut.85 Der Mitarbeiter zieht sich seinerseits enttäuscht und frustriert zurück. So kann es passieren, dass beide in einen "Trott" verfallen, bei dem der Mitarbeiter nur noch Routinearbeiten erledigen darf. Im schlimmsten Fall wird der Mitarbeiter zur Untätigkeit verdammt, wenn der Vorgesetzte seine Kontrollen und Eingriffe verstärkt. Dies Spiel kostet viel Zeit und am Ende sind beide frustriert, was dann oft in einer Kündigung des Mitarbeiters endet, gewollt oder nicht gewollt. Das Schlimme an dieser "Spirale des Versagens" ist die selbsterfüllende und sich selbstverstärkende Wirkung. Der Eindruck einer Leistungsschwäche führt durch die beschriebenen Maßnahmen des Vorgesetzten genau zu dem erwarteten Verhalten eines leistungsschwachen Mitarbeiters. Wird wenig von einem Mitarbeiter erwartet und gefordert, bringt dieser häufig auch wenig zustande usw. Diese Spirale entwickelt sich zumeist sehr unauffällig und langsam. Sie wird am Anfang kaum bemerkt, bzw. ist am Anfang kaum zu bemerken. Plötzlich jedoch bemerken beide, dass die Beziehung gestört, vielleicht auch schon zerstört ist. Die Studie ergab, dass Vorgesetzte zwischen leistungsstarken und leistungsschwachen Mitarbeitern unterscheiden. Dabei haben sie, gleich welcher Nationalität oder Branche, fast gleiche Kriterien: Motivation, Tatkraft, die Bereitschaft, mehr als die Pflicht zu tun, bei Problemen oder Projekten Verantwortung zu übernehmen, innovativ und visionär zu sein. Sie ordnen 90% der Mitarbeiter in "In-Gruppen" und "Out-Gruppen" ein. Die Mitglieder der "In-Gruppe" sind vertrauenswürdig und belastbar und erhalten verantwortungsvolle Aufgaben und Feedback. Die Mitglieder der "Out- [...]
herausgefunden, dass sehr oft der Vorgesetzte, meist ungewollt, zum Versagen der Mitarbeiter beiträgt. Auslöser für das Versagen eines Mitarbeiters können eine verfehlte Zielvorgabe sein, ein verlorener Kunde, die Versetzung in eine andere Abteilung oder Probleme in den zwischenmenschlichen Beziehungen von Mitarbeitern und Vorgesetzten. Die auslösende Situation kann sehr unterschiedlich sein. Durch sie rückt der Mitarbeiter jedoch in den Focus des Vorgesetzten. Er macht sich Gedanken über die Leistung des Mitarbeiters, die er für unterdurchschnittlich hält. Er kommt zu dem Schluss, dass der Mitarbeiter mehr Aufmerksamkeit braucht. So beginnt er, den Mitarbeiter stärker zu kontrollieren, betrachtet seine Arbeit (Leistung) kritischer; und fordert, dass Entscheidungen seiner Zustimmung bedürfen. Oft wird ein solches Verhalten vom Mitarbeiter als Vertrauensentzug gedeutet. Der Vorgesetzte scheint ihm nichts mehr zuzutrauen. Die Reaktion darauf kann unterschiedlich sein. Zum einen kann die Motivation, eigene Entscheidungen zu treffen oder Aktivitäten zu entwickeln, nachlassen. "Egal was ich tue, es wird sowieso in Zweifel gezogen, wenn der Chef es nicht gleich selbst erledigt". Zum anderen kann der Mitarbeiter übermotiviert sein. Nach dem Motto: "Jetzt erst recht". Oft führt genau dieses Verhalten zu weiteren Problemen, da der Mitarbeiter zu viel auf einmal möchte und das zu schnell. In beiden Fällen wird der Mitarbeiter sich zumeist emotional vom Vorgesetzten zurückziehen und der erste "Frust" beginnt. Hingegen fühlt sich der Vorgesetzte in seiner Meinung bestätigt. Die Probleme des Mitarbeiters nehmen zu, der Übereifer oder der Rückzug bestätigen scheinbar seine Annahme über das Leistungsvermögen des Mitarbeiters. Er überprüft die Arbeit nun noch genauer und verstärkt die Kontrolle. Selbst gute Leistungen werden nicht mehr gewürdigt oder als Glückstreffer abgetan. Der Vorge- [...]
arbeiter die Kontrolle als Misstrauen und ungerechtfertigte Einmischung betrachtet. Dies kommt einem Vertragsbruch gleich. Er wird sich ebenfalls nicht mehr an den Vertrag gebunden fühlen und seine innere Motivation und damit wird seine Leistungsbereitschaft nachlassen. Damit entfällt das schlechte Gewissen, das er ggf. hätte, würde der Vertrag für ihn noch bestehen. Die Verschlechterung der Leistung führt nun dazu, dass der Vertrauensgeber durch verschärfte Kontrolle versucht, den Vertrauensnehmer zu motivieren, wieder in seinem Sinne zu handeln. Aber ein mehr an Kontrolle führt nur zum Zusammenbruch der Vertrauensbeziehung. Misstrauen wirkt wie eine selbsterfüllende Prophezeiung.82 Vertrauen hat demnach eine Anreizwirkung, die sich auf die innere Motivation (intrinsische Motivation) auswirkt und diese verstärkt. Die nachfolgend zusammengefasste Studie veranschaulicht dieses Phänomen sehr deutlich. Werden Vertrauen und Vertragsbruch hier auch nicht explizit benannt, so zeigt die Studie doch anschaulich wie eine "Misstrauensspirale" funktioniert. [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832442491
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Schlage, Sabrina September 2000: Vertrauen als Element eines modernen Organisationsprinzips?, Hamburg: Diplomica Verlag
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Personal, Führung, Organisation, Motivation, Betriebspsychologie



