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Vertragsverhandlungen mit russischen Partnern

Ein Beitrag zur Theorie und Praxis interkultureller Verhandlungen

Vertragsverhandlungen mit russischen Partnern
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Ludmila Riewe, geb. Detzel
  • Abgabedatum: August 2005
  • Umfang: 113 Seiten
  • Dateigröße: 944,0 KB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Universität Osnabrück Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9075-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9075-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9075-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Riewe, geb. Detzel, Ludmila August 2005: Vertragsverhandlungen mit russischen Partnern, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Russland, Osteuropa, Verhandlungsstrategien, Kultur, interkulturell

Diplomarbeit von Ludmila Riewe, geb. Detzel

Einleitung:

In den letzten Jahren gewinnen die Ost-West-Beziehungen zunehmend an Bedeutung. Immer häufiger kommt es nicht nur zu privaten, sondern auch verstärkt zu geschäftlichen Kontakten mit Vertretern osteuropäischer Länder. Eine besondere Stellung kommt dabei Russland zu. Durch zunehmende Modernisierung und Stabilisierung des Landes hat sich Russland zu einem der dynamischsten Märkte mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 6,75 Prozent entwickelt.

Der russische Wirtschaftsmarkt mit seinen etwa 145 Millionen Konsumenten (Bundesstatistikamt Russland 2004) bietet enorme wirtschaftliche Chancen und eröffnet unendliche Möglichkeiten für internationale wirtschaftliche Verbindungen. Auch deutsche Geschäftsleute haben dieses Potential erkannt und engagieren sich verstärkt auf dem russischen Markt. Der Erfolg jeder Zusammenarbeit hängt dabei in entscheidendem Maße von den vorangegangenen Verhandlungen ab. Neben der Problematik des Verhandelns im Allgemeinen kommt es bei Verhandlungen mit russischen Partnern zu Kommunikationsherausforderungen im Bezug auf den sprachlichen Gebrauch. Dies wird weitgehend durch den Einsatz der englischen Sprache als Lingua franca oder eines Dolmetschers gelöst. Aber wenn man auch die gleiche Sprache wie z.B. Englisch spricht, garantiert es keine einwandfreie Verständigung zwischen Parteien aus unterschiedlichen Kulturen, da diese weiterhin in eigenen kulturspezifischen Kategorien denken und auch dementsprechend handeln. Das ist in erster Linie der Grund für die Missverständnisse zwischen den in eine geschäftliche Beziehung eingebundenen Menschen.

Die Überwindung dieser Problematik ist von großer Bedeutung im Russlandgeschäft und entscheidet über Erfolg oder Missverfolg einer Verhandlung. Nicht selten wird aber Russland wegen der geographischen Nähe unterschätzt. Auf den ersten Blick erscheinen das Land und die Leute vertraut, doch die kulturellen und mentalitätsbedingten Unterschiede machen oft nicht nur die Verständigung, sondern auch das Verständnis für den russischen Partner fast unmöglich. Ist der deutsche Partner nicht bereit, kulturelle Unterschiede zu akzeptieren und eine Beziehung zu seinem russischen Geschäftspartner aufzubauen, sind Verhandlungen zum Scheitern verurteilt.

Vor diesem Hintergrund ergeben sich für die vorliegende Arbeit folgende Fragen: Welche kritischen Punkte sind im Verhandlungsverlauf mit einem russischen Partner zu beachten? Was kennzeichnet russische Verhandlungsführung und welche Taktiken werden in Verhandlungen bevorzugt? Wie wirken sich die russische Kultur und Mentalität auf den Verlauf und Erfolg einer Verhandlung aus?

Gang der Untersuchung:

Die vorliegende Arbeit ist in sieben Kapitel gegliedert. Im zweiten Kapitel werden die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen vorgestellt. Das dritte Kapitel widmet sich der Bedeutung von Kultur und deren Auswirkung auf das Verhalten von Menschen. Um das Konstrukt Kultur besser zu verstehen, werden zum einen die Dimensionen von Hofstede und zum anderen die Kulturstandardmethode nach Thomas kurz vorgestellt.

Im vierten Kapitel werden die drei Ebenen einer Verhandlung nach Zeisberg erläutert und für jede Ebene charakteristische Aspekte dargestellt. Im fünften Kapitel werden die bereits im dritten Kapitel vorgestellten Kulturforschungen nach Hofstede und nach Thomas auf Russland übertragen. Das sechste Kapitel entspricht in seinem Aufbau der Struktur des vierten Kapitels und geht konkret auf die Verhandlungen zwischen deutschen und russischen Partnern auf jeder Ebene ein.

Dafür werden einerseits die Literaturrecherchen und andererseits die Ergebnisse der eigenen Umfrage von einigen hunderten deutscher Unternehmen und Institutionen mit einem Engagement in Russland eingesetzt. Ferner wird überprüft, inwieweit die im vierten Kapitel beschriebenen Verhandlungstheorien bei der Strategiewahl für eine Verhandlung mit russischen Partnern geeignet sind. Im letzten Kapitel erfolgt die abschliessende Zusammenfassung der Arbeit.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis 5
Abbildungsverzeichnis 7
Tabellenverzeichnis 7
1. Einleitung 8
1.1 Hintergrund und Fragestellung 8
1.2 Vorgehensweise 9
2. Deutsch-russische Wirtschaftsbeziehungen 9
3. Kultur, Kulturdimensionen, Kulturstandards 11
Der Kulturbegriff 11
3.2 Kulturdimensionen nach Hofstede 13
3.3 Die GLOBE-Studie 14
3.4 Kulturstandardmethode nach Thomas 15
3.5 Notwendigkeit interkultureller Kompetenz 16
4. Verhandlungen 17
4.1 Definition des Verhandlungsbegriffs 17
4.2 Ebenen einer Verhandlung nach Zeisberg 18
4.3 Prozessebene: Verlaufsstruktur einer Verhandlung 19
4.3.1 Vorbereitung einer Verhandlung 19
4.3.2 Ablauf: Fünf-Phasen-Modell der Verhandlungsführung nach Hartig 21
4.3.3 Abschluss 25
4.3.4 Nachbereitung und Umsetzung 25
4.4 Methodische Ebene: Verhandlungsstrategien und –taktiken 25
4.4.1 Verhandlungsstrategien 25
4.4.1.1 Das „dual concern“ Modell 26
4.4.1.2 Integratives Verhandeln nach Pruitt 28
4.4.1.3 Das Harvard-Konzept 30
4.4.2 Verhandlungstaktiken 32
4.4.2.1 Verbale Taktiken 33
4.4.2.2 Nonverbale Taktiken 34
4.5 Soziale Ebene: Auswirkungen unterschiedlicher Wertesysteme auf den Erfolg interkultureller Verhandlungen 35
4.5.1 Abschluss- versus beziehungsorientierte Geschäftskulturen 35
4.5.2 Formelle versus informelle Geschäftskulturen: Hierarchien, Status und Respekt 35
4.5.3 Interkulturelle Kommunikationsbarrieren 37
4.5.3.1 Verbale Kommunikation 38
4.5.3.2 Paraverbale Kommunikation beim Verhandeln: Stimmlage, Schweigen 39
4.5.3.3 Nonverbale Kommunikation beim Verhandeln: Distanzverhalten, Gesten, Berührung und Blickkontakt 40
4.5.3.3.1 Das Raumkonzept 40
4.5.3.3.2 Die Bedeutung von Zeit 41
4.6 Fazit: Erfolgsfaktoren einer interkulturellen Verhandlung 42
5. Anwendung der Kulturtheorien auf Russland 43
5.1 Vergleich zwischen Russland und Deutschland anhand Hofstedes Dimensionen 43
5.2 Studie von Naumov und Puffer zur Charakterisierung der russischen Kultur anhand von Hofstedes Dimensionen 44
5.2.1 Individualismus-Kollektivismus 45
5.2.2 Machtdistanz 46
5.2.3 Maskulinität-Feminität 47
5.2.4 Unsicherheitsvermeidung 48
5.2.5 Paternalismus 48
5.2.6 Fazit 50
5.3 Zentrale russische Kulturstandards 51
5.3.1 Gruppenbezogenheit 51
5.3.2 Hierarchiebewusstsein 51
5.3.3 Paternalismus 51
5.3.4 Emotionalität 52
5.3.5 Situative Polarität 52
5.3.6 Gegenwartsbezogene Prozessorientierung 53
5.3.7 Pessimismus/Fatalismus 53
5.4 Einige Hintergründe der russischen Kulturstandards 53
6. Besonderheiten einer Verhandlung mit russischen Partnern 54
6.1 Prozessebene: Vorbereitung einer Verhandlung 55
6.1.1 Verlauf 58
6.1.2 Russische Verhandlungstypen 59
6.1.3 Vertrag und seine Erfüllung 61
6.1.4 Pflege sozialer Beziehungen im Rahmen einer Verhandlung 62
6.2 Methodische Ebene: Verhandlungsstrategien und –taktiken 63
6.2.1 Russischen Verhandlungsführung 63
6.2.2 Übertragbarkeit der Verhandlungstheorien auf die Wahl einer Strategie 65
6.2.3 Bevorzugte Taktiken russischer Verhandlungspartner 66
6.3 Soziale Ebene: Auswirkungen russischer Kultur und Mentalität auf den Erfolg einer Verhandlung 68
6.3.1 Informelle Netzwerke und Bürokratie 68
6.3.2 Kommunikationsstil russischer Verhandlungspartner 68
6.3.2.1 Verbale Kommunikation 68
6.3.2.2 Paraverbale Kommunikation: Emotionen in einer Verhandlung 69
6.3.2.3 Nonverbale Kommunikation beim Verhandeln mit russischen Partnern: Körpersprache, Blickkontakt 69
6.3.2.3.1 Kultur der Berührung und Körpernähe 69
6.3.2.3.2 „Zeit ist Zeit und Geld ist Geld“ – Zeitverständnis im russischen Geschäftsleben 70
7. Schlussbetrachtung 71
Literaturverzeichnis 73
Anhang A: Ergänzende Abbildungen zum Text 79
Anhang B: Ergänzende Übersichten zum Text 82
Anhang C: Fragebogen und Ergebnisse der Umfrage 89

Automatisiert erstellter Textauszug:

Tabelle 5: Körperkontakt und Distanzverhalten, Gesteland 1999, S. 74. 4.5.3.3.2 Die Bedeutung von Zeit Zeit und Termine werden in verschiedenen Kulturen unterschiedlich aufgefasst. In einigen Kulturen werden Pünktlichkeit und feste Terminplanung sehr geschätzt. Termine und Tagesordnungen werden korrekt eingehalten und Sitzungen nicht unterbrochen. Pünktlichkeit wird zum Teil mit Zuverlässigkeit gleich gesetzt. Solche Kulturen bezeichnet Trompenaars (1993, S. 161f) als konsekutiv bzw. sequentiell, da eine Sache nach der anderen abarbeitet wird. Im Gegensatz dazu stehen synchrone Kulturen, die Zeit anders empfinden und anders damit umgehen. Für Südeuropäer und Lateinamerikaner ist es nicht ungewöhnlich, an mehreren Verabredungen gleichzeitig teilzunehmen, während einer Besprechung weitere Angelegenheiten parallel zu erledigen oder von unangemeldeten Besuchern oder Telefonanrufen unterbrochen zu werden. Sie messen der Pünktlichkeit keine große Bedeutung zu und sehen die Verpflichtung gegenüber 41 [...]

Amerikaner sind dagegen immer auf genügend Abstand bedacht. Dieser große Abstand könnte aber für Italiener ein Signal dafür sein, dass man sie nicht mag, was sich wiederum auf den Erfolg einer Geschäftsbeziehung auswirken kann, besonders wenn man weiß, dass für Italiener Beziehungsebene und gegenseitige Sympathie eine große Rolle spielen (Gesteland 1999, S. 71-76 und Amt für Multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt am Main 1993, S. 52). Berühren ist ebenfalls eine Ausdrucksform und ist stark kulturabhängig. Sich bei einer Begrüßung umarmen oder den anderen am Arm oder Schulter berühren zeugt in lateinamerikanischen und arabischen Kulturen von Vertrautheit und Nähe. Personen aus Deutschland werden diese Art von Nähe eher als aufdringlich und unangenehm empfinden (Adler 2002, S. 241). Deutsche beschränken sich bei einer Begrüßung auf das Händeschütteln, während die Amerikaner nur selten die Hand geben (Amt für Multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt am Main 1993, S.52). Kulturen mit großem Körperkontakt und geringer Distanz (20-35 cm) Arabische Länder, Mittelmeerraum, das romanische Europa, Lateinamerika Kulturen mit mäßigem Körperkontakt und mittlerer Distanz Osteuropa (Russland), Nordamerika, Australien Kulturen mit geringem Körperkontakt und großer Distanz (40-60 cm) Der größte Teil Asiens, Nordeuropa (Deutschland), GB, USA [...]

Tabelle 4: Intensität des Blickkontakts, Gesteland 1999, S. 76. Die Gesten der nonverbalen Sprache bergen wegen ihrer Mehrdeutigkeit das größte Konfliktpotenzial in sich. Gesten wie mit dem Zeigefinger zeigen, sich an den Kopf tippen, das OK-Zeichen und viele weitere gelten in einigen Kulturen als angemessen und in anderen Kulturen als unhöflich und beleidigend (Gesteland 1999, S. 79-82). Die nichtverbale Kommunikation beinhaltet nicht nur Körpersprache, Gestik und Blickverhalten, sondern auch unterschiedliche Konzepte von Raum und Zeit, die im engen Zusammenhang mit dem Weltbild, Werte- und Einstellungssystemen stehen (Amt für Multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt am Main 1993, S. 50). 4.5.3.3.1 Raumkonzept Raum und Körperdistanz sind ein weiterer wichtiger Aspekt in der interkulturellen Kommunikation. Wie weit ist die Distanzzone, bei der sich ein Mensch wohl fühlt, hängt im Wesentlichen von der Kultur und der jeweiligen Situation ab. Italiener und Griechen gehören zu den Menschen mit geringem Distanzverhalten und werden oft von z.B. Nordeuropäern als aufdringlich und aggressiv beschrieben. Die Nordeuropäer und 40 [...]

Arbeit zitieren:
Riewe, geb. Detzel, Ludmila August 2005: Vertragsverhandlungen mit russischen Partnern, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Russland, Osteuropa, Verhandlungsstrategien, Kultur, interkulturell

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