Zum Verständnis von Geschlecht und Demokratie im Hinblick auf "Geschlechterdemokratie" der Heinrich-Böll-Stiftung
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Ulrike Jaenicke
- Abgabedatum: April 2001
- Umfang: 55 Seiten
- Dateigröße: 394,2 KB
- Note: 1,5
- Institution / Hochschule: Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (HWP) Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-4319-1
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-4319-1 P - ISBN (CD) :978-3-8324-4319-1 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Jaenicke, Ulrike April 2001: Zum Verständnis von Geschlecht und Demokratie im Hinblick auf "Geschlechterdemokratie" der Heinrich-Böll-Stiftung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Feminismus, Gender Mainstreaming, Geschlecht, Geschlechterverhältnisse
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Diplomarbeit von Ulrike Jaenicke
Zusammenfassung:
Im Zusammenhang mit Geschlechterverhältnissen wird seit kurzem häufig der Begriff Geschlechterdemokratie verwendet, ohne dass dessen Definition und Herkunft erklärt wird.
Wenig bekannt ist, dass in der bündnisgrünennahen Heinrich-Böll-Stiftung mit dem Begriff ein ganz konkretes Konzept verbunden ist, dessen gesellschaftspolitische Umsetzung eines der Ziele der Stiftung ist.
Die vorliegende Arbeit ist eine Betrachtung des Konzeptes Geschlechterdemokratie der Heinrich-Böll-Stiftung. Dabei wird im ersten Teil die Umsetzung des Konzeptes innerhalb der Stiftung beschrieben, im zweiten Teil das Konzept kritisch analysiert und im dritten Teil findet eine theoretische Auseinandersetzung zu Geschlecht und Demokratie statt.
Die Auseinandersetzung mit Geschlechterdemokratie findet zum einen im Hinblick auf die politische Relevanz des Konzeptes statt, zum anderen unter der Fragestellung, ob nicht die Verschiebung von Frauenpolitik zur Geschlechterpolitik dazu führen wird, Frauenpolitik in ihrer Bedeutung verschwinden zu lassen.
Die Betrachtung von Geschlechterdemokratie erfolgt aus feministischer Perspektive, somit wird für die Auseinandersetzung mit Geschlechterdemokratie überwiegend feministische Literatur verwendet.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Einleitung | |
| 2. | Geschlechterdemokratie in der Heinrich-Böll-Stiftung | |
| 2.1 | Definition von Geschlechterdemokratie | |
| 2.2 | Die Konzeptionierung von Geschlechterdemokratie vor dem Hintergrund der Kritik an institutionalisierter Frauenpolitik | |
| 2.3 | Geschlechterdemokratie und ihre Umsetzung in der Heinrich-Böll-Stiftung | |
| 2.3.1 | Gendertrainings | |
| 2.3.2 | Das Referat Geschlechterdemokratie | |
| 2.3.3 | Der Frauenrat | |
| 2.3.4 | Das Feministische Institut | |
| 2.4 | Kritische Anmerkung zu Geschlechterdemokratie in der Heinrich-Böll-Stiftung | |
| 3. | Kritische Betrachtung von Geschlechterdemokratie | |
| 3.1 | Geschlechterdemokratie und ihre Sprache | |
| 3.2 | Geschlechterdemokratie, ein unbekanntes Wesen | |
| 3.3 | Geschlechterdemokratie und Gender Mainstreaming | |
| 3.4 | Geschlechterdemokratie als Dialog | |
| 3.5 | Geschlechterdemokratie für „Männer und Frauen“ | |
| 3.6 | Geschlechterdemokratie und „ihre“ Männer | |
| 3.7 | Resümee der kritischen Betrachtung | |
| 4. | Theoretischer Teil | |
| 4.1 | Diskurs zum Geschlecht | |
| 4.2 | Gleichheit und Differenz, Verlauf der Diskussion | |
| 4.3 | Gedanken zu einer feministischen Demokratiedefinition | |
| 4.4 | Resümee des theoretischen Teils | |
| 5. | Schlussbetrachtung | |
| 6. | Inhaltsverzeichnis |
nen, Junge und Alte, Heterosexuelle und Homosexuelle, Menschen mit und ohne Behinderung) leben... “ (Blickhäuser 2000a: 9). Geschlechterdemokratie sei jedoch, so Henning von Bargen, offen für andere Entwürfe. „Da Zweigeschlechtlichkeit in der täglichen Arbeit von der Qualität her häufiger ist, liegt das Gewicht darauf. Teil von Geschlechterdemokratie und ihrer Umsetzung ist es jedoch, die individuelle Bandbreite zu berücksichtigen“31. In Zeiten, in denen neue rechtliche Rahmenbedingungen für gleichgeschlechtliche Partnerschaften entstehen, Intersexualität und Transgender in den Blickpunkt wissenschaftlicher Diskussionen rücken und sich die an die Kategorien Mann/Frau gebundenen Rollenverteilungen und Arbeitsteilungen auflösen, erscheint es sinnvoll, die Formulierung „Männer und Frauen“ durch erweiterte Formulierungen zu ersetzen. Denn die Rede von „Männern und Frauen“ hält die Existenz zweier Großformationen, einer Männerperspektive und einer Frauenperspektive, aufrecht, wodurch jedes Individuum gezwungen wird, sich der einen oder anderen Perspektive zuzuordnen, sich zu unterwerfen und Kollektividentitäten mit dem dazu gehörenden Rollenverständnis zu festigen (Thürmer-Rohr 1999: 101), wodurch sich die Dichotomie der Geschlechter patriarchaler Hegemonie aufrecht erhält. In dem folgenden Diskurs zum Geschlecht wird dies noch einmal aufgegriffen werden. Die Formulierung, die diesbezüglich in der Tagungsmappe zum Kongress „Geschlechterdemokratie 2000“ von der Heinrich-Böll-Stiftung gewählt wurde, scheint mir als Spiegel der gesellschaftspolitischen Situation geeigneter: „eine gendergerechte Politik kann sich jedoch nicht mehr alleine an Männer und Frauen richten, sondern muss alle Geschlechter , z.B. Transsexuelle, Transgender, Lesben, Schwule etc., einbeziehen.“32 [...]
Mit ihren Gedanken zum „Dialog zwischen Männern und Frauen“ leitet Christina Thürmer-Rohr über zu einem weiteren Punkt der kritischen Betrachtung. Geschlechterdemokratie spricht in allen Publikationen und Vorträgen fast ausschließlich von Männern und Frauen: „einen Dialog zwischen Männern und Frauen anschieben“, „ Männer und Frauen müssen sich in Bewegung setzten“30, oder „ ... dass die Verantwortung für die ... Veränderungen auf alle, d.h. Männer und Frauen, übertragen werde“ (Blickhäuser 1998: 22). Und selbst dort, wo zunächst nicht von Männern und Frauen gesprochen wird, erscheint es, als müsste durch den Zusatz in Klammern nun extra betont werden, dass es sich ausschließlich nur um Männer und Frauen handeln könne: „Gendertrainings werden von einem gemischtgeschlechtlichen Trainingsteam (Mann und Frau) durchgeführt“ (Blickhäuser 2000b: 6). Die Betonung des Begriffs „Männer und Frauen“ mag ihren Ursprung darin haben, dass Geschlechterdemokratie einen Wechsel der Perspektive vornimmt: weg von der reinen Frauenpolitik hin zu einer Politik, in der beide Geschlechter angesprochen werden. Auch ist nicht von der Hand zu weisen, dass es eine gesellschaftliche Trennungslinie zwischen Männern und Frauen gibt. Jedoch die ständige Wiederholung von „Männer und Frauen“ lässt die Frage aufkommen, ob es innerhalb des Konzeptes Geschlechterdemokratie Raum für Identitätsentwürfe jenseits der dichotomen Zweigeschlechtlichkeit gibt. Zumal Formulierungen, mit denen der Begriff „Männer und Frauen“ erweitert werden könnte, seltsam anmuten: „ ..., in der Männer und Frauen (aber auch MigrantInnen und NichtmigratIn- [...]
einander. Eher sprechen sie für sich selbst oder für die eigene Überzeugung oder für den eigenen Machterhalt (Thürmer-Rohr 1999: 97). Eine patriarchal geprägt Welt ist durch ihre dialogfeindlichen Vorgaben charakterisiert. Christina Thürmer-Rohr meint, es wäre sogar möglich zu sagen, dass der Kern feministischer Kritik eine Kritik am strukturellen Dialogmangel sei, an der Schwächung oder Abwesenheit des dialogischen Prinzips in der Gesellschaft. Und diese Kritik beziehe sich nicht nur auf die Beziehung zwischen Männern und Frauen (1999: 98). Dialogisches Denken geht von der Mehrzahl und der Vielzahl, der prinzipiellen Verschiedenheit aller Individuen aus, von der Differenz jedes Einzelnen zu jedem Einzelnen. Und das nicht als Ausdruck einer postmodernen Betonung der Vielfalt, sondern als notwendiger Weg, die jeweils eingeschränkte eigene Sicht zu erweitern, sich der Realität zu nähern und urteils- und handlungsfähig zu werden. Dialoge sind solange vergeblich, wie die jeweiligen Menschen sich als hierarchisch gestufte Großkategorien begegnen und sich selbst und ihre Gegenüber in Kategorieangehörige, des Geschlechts oder der Rasse, aufgehen lassen. Dialoge machen nur Sinn, wenn die Individuen ihre erzwungene oder gewollte Bindung an solche Einheiten überwinden und sich als gleichberechtigte unterscheidbare Menschen aus diesen Kategorien herauslösen (Thürmer-Rohr 1999:101). Für den Dialog zwischen Menschen verschiedenen Geschlechts gilt das gleiche, wie für Menschen verschiedener Herkünfte, Ethnien und Erfahrungen: sie müssen wissen, dass sie sich nicht in neutralen Raum befinden, in dem es möglich ist, die Rollen einfach zu wechseln. Sie können Ungleichheiten nicht ausklammern sondern müssen sie thematisieren. [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832443191
Arbeit zitieren:
Jaenicke, Ulrike April 2001: Zum Verständnis von Geschlecht und Demokratie im Hinblick auf "Geschlechterdemokratie" der Heinrich-Böll-Stiftung, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Feminismus, Gender Mainstreaming, Geschlecht, Geschlechterverhältnisse



