Verständigung im Netz
Gruppenspezifisches Verhalten in Newsgroups
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Bianca Kasperski
- Abgabedatum: Februar 1998
- Umfang: 136 Seiten
- Dateigröße: 899,9 KB
- Note: 1,7
- Institution / Hochschule: Universität - Gesamthochschule Essen Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-6775-3
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-6775-3 P - ISBN (CD) :978-3-8324-6775-3 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Kasperski, Bianca Februar 1998: Verständigung im Netz, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Kommunikation, Internet, Computer, Netiquette, E-Mail
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Magisterarbeit von Bianca Kasperski
Zusammenfassung:
Worin liegt der Reiz und Nutzen, über Computernetze Mitteilungen auszutauschen und wodurch unterscheiden sie sich von anderen Kommunikationsmedien und Kommunikationsformen? Wie wird man überhaupt ein „User“ und wie findet man Anschluss an die Netzgemeinde? Worin liegt das Besondere und ist es überhaupt so besonders computer-vermittelt zu kommunizieren?
Dies sind einige Ausgangsfragen, die die Autorin zu ihrer Arbeit veranlasst haben und die von ihr aus einem kommunikationswissenschaftlichen Blickwinkel beantwortet werden. Hierbei liegt der Schwerpunkt der Betrachtung darauf, wie Sprachgemeinschaften im Internet funktionieren.
Eingangs wird der Bezugsrahmen von technisch bzw. computer-vermittelter Kommunikation geklärt sowie grundlegendes Wissen über die Anwendungsformen des Internet und der Newsgroups vermittelt.
Aus einer beobachtenden und teilnehmenden Haltung heraus und einer ethnographischen Herangehensweise, legt die Verfasserin dann der Internet- bzw. Newsgroups-Kommunikation ein analytisches Merkmalsraster zugrunde, welches medial-bedingte und kommunikativ-gruppenspezifische Komponenten erfasst. Anhand dieser Kategorisierungen kann die Kommunikation per e-mail, Mailing-Listen, in Chats und Newsgroups voneinander abgegrenzt werden und es lassen sich motivationale Aspekte und typische Verhaltensstränge von Usern beschreiben.
Im Anschluss daran, folgt eine kommunikationswissenschaftliche Auseinandersetzung mit Verhaltensformen von Usern und deren idiomatischen Sprachgewohnheiten im Internet.
Jede Kommunikation ist eine prozeßhafte, risikoreiche Anstrengung, mit dem Ziel gegenseitiger Verständigung, die es verbal und/oder nonverbal abzusichern gilt. Bei computer-vermittelter Kommunikation fällt auf, dass das Medium „Computer“ kommunikative Möglichkeiten begrenzt, es aber gerade deshalb auch die Möglichkeit bietet, neue, dem Medium angepasste Verhaltensweisen, Kommunikationsformen und Kontrollmechanismen zu schaffen – um die Verständigung abzusichern (unabhängig davon, ob dies gelingt oder nicht).
Bei genauerer Analyse exemplarischer Kommunikationsvorgänge aus den Newsgroups lassen sich weiterhin spezifische Merkmale ableiten, die das Charakteristikum des „gruppenspezifischen Verhaltens“ zulassen. Denn Sprachwahl, Sprachgebrauch und kommunikatives Verhalten sind immer Ausdruck ganz spezieller Einstellungen, Erwartungen und Ansprüche der Kommunikationsteilnehmer an den Kommunikationsprozess und bezeugen, wenn dieses Verhalten annähernd normiert, adaptiert und kollektiv erlernt wird, nicht zuletzt eine Gruppenzugehörigkeit. In diese Analyse fließen soziale Komponenten wie „Vertrautheit herstellen“ und „Aufbau einer Internet-Community“ ebenso mit ein, wie eine ausführliche sprachwissenschaftliche Untersuchung der kommunikativen Verhaltensregeln (Netiquette), des netzspezifischen Sprachgebrauches und der Kommunikationsrequisiten (Smileys, Acronyme, Internet-Slang). Aspekte der Selbstdarstellung von Usern aber auch der oftmals kritisch gesehenen Anonymität im Internet runden hier die Betrachtung ab.
So wird abschließend deutlich, wie durch computer-vermittelte Kommunikation neue Kommunikationsräume und „elektronische Gemeinschaften“ konstituiert werden.
Inhaltsverzeichnis:
| VORWORT | III | |
| 1. | Einleitung | 6 |
| 2. | Kommunikation mit und durch den Computer | 14 |
| 2.1 | Technisch vermittelte Kommunikation: Stellenwert und Rolle der Kommunikation am Ende der 90er Jahre | 14 |
| 2.2 | Zum Begriff computer-vermittelter Kommunikation | 21 |
| 2.3 | Klärung von Mißverständnissen zu generellen Beobachtungsproblemen von Mensch-Computer-Interaktion | 26 |
| 3. | Das Internet | 28 |
| 3.1 | Eine kurze Einführung: Historischer Abriß, Aufbau und Dienste des Internet | 30 |
| 3.2 | Computer-vermittelte Kommunikation im Internet: E-mail, Mailing-Listen, Chat und Newsgroups | 33 |
| 4. | Die Newsgroups | 40 |
| 4.1 | Entwicklungs- und Wesensgeschichte | 40 |
| 4.2 | Themen, die die Welt bewegen: Aufbau des News-Systems | 43 |
| 4.3 | Diskutieren in Newsgroups: Über den Aufbau von News-Artikeln und das Mitsprache- und Mitbestimmungsrecht von Usern | 51 |
| 5. | Medial bedingte Merkmale computer-vermittelter Kommunikation | 56 |
| 5.1 | Einordnung der Newsgroups-Kommunikation in eine Kommunikationstypologie | 56 |
| 5.1.1 | Medial bedingte Merkmale der Newsgroups-Kommunikation | 65 |
| 5.1.1.1 | Zeitliche und räumliche Direktheit | 66 |
| 5.1.1.2 | Sensorische Qualitäten | 70 |
| 5.1.1.3 | Gegenseitigkeit | 72 |
| 5.1.1.4 | Öffentlichkeitsbezug | 74 |
| 5.1.1.5 | Wiederholbarkeit / Speicherfähigkeit | 76 |
| 5.1.1.6 | Bekanntheitsgrad der Teilnehmer | 78 |
| 6. | Gruppenspezifische Merkmale der Newsgroups-Kommunikation | 84 |
| 6.1 | Die Usenet-Gemeinschaft: Soziodemographische Merkmale von Usern | 84 |
| 6.2 | Über Kommunikations- und Verhaltensregeln in Newsgroups | 87 |
| 6.2.1 | Netiquette und Kooperationsprinzip | 88 |
| 6.3 | Kommunikationsrequisiten und netzspezifischer Sprachgebrauch | 98 |
| 6.3.1 | Smileys und der Sinn der Worte | 98 |
| 6.3.2 | Acronyme und Internet-Slang | 105 |
| 6.3.3 | Schreibe, wie Du sprichst? Über das Verhältnis von Schriftlichkeit und Mündlichkeit in Newsgroups-Kommunikation | 108 |
| 6.4 | Identitätsrequisiten und Selbstdarstellung im Netz | 118 |
| 7. | Resümee | 124 |
| 8. | Literaturverzeichnis | 127 |
| 8.1 | Newsgroups-Artikel | 132 |
| 9. | Tabellenverzeichnis | 133 |
| 10. | Abbildungsverzeichnis | 133 |
64 Des weiteren ist vorab anzumerken, daß wir das Merkmal Sensorische Qualitäten der Kommunikation in den Ausprägungen audiovisuell, akustisch und schriftlich angeben. Dies könnte ungenau erscheinen und in Zusammenhang mit den uns bekannten vier Kommunikationskanälen (optischer, akustischer, taktiler und olfaktorischer Kanal) zur Irritation führen, denn die Ausprägung schriftlich stellt im eigentlichen Sinne keine sensorische Qualität dar, audiovisuell faßt die Wahrnehmung zweier Kanäle zusammen und streng genommen bezeichnet akustisch nicht die sensorische Qualität, sondern nur den Kommunikationskanal (auditiv bezeichnet die Wahrnehmung). GROSSER behält sich hier vor, daß sie über verschiedene Dimensionen hinweg kategorisiert, um ein annähernd einheitliches Vergleichsgerüst von Massen- und Individualkommunikation anzugeben und um "für die Beziehung zwischen Kommunikator und Rezipient [...] eindeutige und eindimensionale graduelle Abstufungen zwischen den drei Ausprägungen dieser Kategorie postulieren" (1988: 28) zu können. Ich denke, daß hier eine nur definitionsgetreu gültige Zuordnung von formalen Kriterien nicht unbedingt dienlich ist und wir uns dieser Einteilung von GROSSER anschließen. Ich möchte dies kurz begründen: Da sich GROSSER (1988) vornehmlich mit Massenmedien beschäftigt, speziell dem Fernsehen, trennt sie hier nicht zwischen visuell und auditiv, sondern führt direkt die für das Fernsehen geltende Spezifizierung audiovisuell an, denn daß jemand Fernsehprogramme "nur sieht" ohne den Ton zu hören, ist eher unüblich (abgesehen von tauben Personen). Zudem läßt sich die Ausprägung audiovisuell ebenso auf persönliche Gespräche übertragen, ohne hier notwendigerweise zwischen visuell und auditiv trennen zu müssen. Zur Ausprägung schriftlich ist anzumerken, daß es sich bei schriftlicher Kommunikation um die visuelle Aufnahme sprachlicher Zeichen handelt. Neuere Präsentationsformen der sprachlichen Information wie Videotexteintragungen des Fernsehens sowie die Kommunikation am Computerbildschirm, aber auch den Brief, könnten wir mit der Ausprägung visuell versehen, denn wir sehen "die Kommunikation" ja nicht nur, wir lesen sie auch. Da Computerkommunikation eben nur schriftlich vermittelt werden kann und wir sie auch in Abgrenzung zu anderen Kommunikationsformen betrachten wollen, denke ich, daß die Bezeichnung schriftlich, wenngleich sie keine sensorische Qualität darstellt, als Qualität für die Kommunikation in diesem Zusammenhang bezeichnender ist als die Charakterisierung visuell. Sprechen wir von sensorischen Qualitäten und klammern haptische und olfaktorische Ausprägungen aus, dann deshalb, weil Massenmedien durch die technische Übertragung taktile und olfaktorische Wahrnehmungen der Kommunikationspartner aufgrund der zeitlichen und räumlichen Trennung von vornherein unmöglich machen und sie daher für die Kommunikation als [...]
62 Dialogformen bei der individuellen Kommunikation, zum Teil auch über Medien, die bisher der Massenkommunikation vorbehalten waren." (GROSSER 1988: 6) Somit können wir hier zu den o. g. Beispielen von BURGER/IMHASLY ein weiteres anführen, das aber über eine klare Merkmalsausprägung indirekter Kommunikation hinausgeht, nämlich den Computer und seine technisch-kommunikativen Einsatzmöglichkeiten. − Ergänzend zu BURGER/IMHASLY ist als ebenso "höheres Speichermedium" der Computer genannt. Durch ihn kann schriftliche Sprache und Kommunikation produziert und reproduziert werden. Die Möglichkeiten, die heutige Computersysteme bieten, gehen gar soweit, daß der Computer das Fernsehen und Telefon integriert. Wir können am Bildschirm "fernsehen", d. h. wir haben die Möglichkeit uns Filme aus dem Netz oder von CD (CD-Rom, CD-I, Video-CD) anzuschauen und bestehende Telefonsoftware ermöglicht uns per Tastatur andere Teilnehmer anzurufen. Neuartig ist auch das Bild-Telefon (I-Phone), d. h. wir können uns beim Sprechen über große Distanzen hinweg auf dem 52 Bildschirm "in die Augen schauen". Mit der Einführung des Begriffs Massenkommunikation tritt ein weiteres wichtiges Unterscheidungskriterium von Kommunikation in den Vordergrund, nämlich das der Öffentlichkeit. Oder anders ausgedrückt: Das Kriterium der Öffentlichkeit ermöglicht uns die Kommunikationsformen weiter zu spezifizieren, nämlich in private und öffentliche. Daher sprechen wir auch von Individual- oder Massenkommunikation. "Herkömmliche" Charakterisierungen sehen wie folgt aus (angelehnt an MALETZKE 1972 zit. n. GROSSER 1988: 15-18): • Individualkommunikation wird charakterisiert durch die Merkmale direkt, gegenseitig und privat. Als Beispiele sind hier zu nennen: persönliches Gespräch, Telefon und Brief. • Massenkommunikation weist die entgegengesetzten Merkmale auf, also indirekt, einseitig, öffentlich. Typische Beispiele sind: Zeitung, Rundfunk, Fernsehen und Video. Das Fernsehen mit Rückkanal und z. B. Meinungsumfragen durch Zuschauertelefon oder Zuschauergewinnspiel per live zugeschalteter Telefonverbindung beweisen, daß diese Einteilung nicht mehr zeitgemäß ist, denn das Fernsehen wird der Kategorie Massenkommunikation zugerech- [...]
61 − Die Schrift, als ältestes Medium bildet das sekundäre System lautsprachlicher Kommunikation und transponiert die akustischen Signale in eine visuelle Form (Schriftzeichen). − Die direkte Speicherung akustischer Signale erfolgt durch Tonbänder, Kassetten, Schallplatten und (ergänzend zu den von BURGER/IMHASLY gegebenen Beispielen) durch heutige CD's. − Visuelle Kommunikationsformen können durch die Repräsentation von Bildern, als eine Form sprachlicher Kodierung, durch Fotografien und (ergänzend zu den von BURGER/IMHASLY gegebenen Beispielen) durch heutige Foto-CD's gespeichert werden. − Als weiteres "höheres" Speichermedium gilt das Fernsehen, das natürliche Schwingungen in elektrische Impulse transformiert und sie auf dem Bildschirm zu Bildern zusammensetzt. Telefonnetze setzen ebenso akustische Schwingungen als "hörbare Sprache" zusammen. Lautsprache bleibt somit Lautsprache, ohne daß sie (wie bei der Schrift) transformiert werden muß. Videos und Filme können somit visuelle und akustische Kommunikationssignale speichern und für den Empfänger sichtbar und hörbar abrufbar machen. Die technische Abtrennung der Kommunikationsteilnehmer durch den medialen Speicher führte einen neuen Klassifizierungsbegriff von Kommunikation ein, nämlich den der Massenkommunikation, in der die Kommunikati50 onsteilnehmer völlig entpersonalisiert sind. Der Buchdruck und die elektronische Übertragung von Schall- und Bildwellen haben mit der Aufhebung von wechselseitigen und personalen Bezügen zu neuen Formen gesellschaftlicher Interaktion geführt: Eine ganze Reihe "makrosozialer Beziehungen (zwischen Gruppen, Individuen, Institutionen) wurden kommunikativ vernetzt [Hvhbg. auch im Orig. wie nachfolgende auch], indem sich mit diesen Formen indirekter Kommunikation Interessen, Strömungen, Staatliche Organe als Sender und Empfänger von Kommunikation etablieren können" (BURGER/IMHASLY 1978: 25). Die Neuen Medien haben sowohl Veränderungen bei der Massenkommunikation als auch bei der Individualkommunikation bewirkt: "So wurde bei Massenkommunikation erstmals der Dialog [eigene Hvhbg. B. K. wie nachfolgende auch] von Kommunikationsteilnehmern bzw. zwischen Kommunikator und Rezipient in direkter Form möglich, und damit eine Interakti51 onsform, die zuvor der Individualkommunikation vorbehalten war . Ebenso ermöglichten neue Übertragungstechniken erweiterte medial vermittelte [...]
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http://www.diplom.de/ean/9783832467753
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