Versprecher - ein Thema im Deutschunterricht
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Jana Mormer
- Abgabedatum: August 2008
- Umfang: 42 Seiten
- Dateigröße: 3,0 MB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Universität Potsdam Deutschland
- Bibliografie: ca. 25
- ISBN (eBook): 978-3-8366-4297-2
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Mormer, Jana August 2008: Versprecher - ein Thema im Deutschunterricht, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Sprachwissenschaft, Didaktik, Unterrichtsplanung, Rudolf Meringer, Freud`sche Versprecher
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Bachelorarbeit von Jana Mormer
Einleitung:
Die menschliche Sprache ist ein äußerst komplexes und faszinierendes Phänomen zugleich. Sprachwissenschaftler sind immer wieder über die Genialität und die Komplexität der Vorgänge, die bei der Produktion von Sprache ablaufen, erstaunt. Einblicke darüber, wie Sprachproduktion funktionieren könnte, verschaffen ihnen dabei vor allem die VERSPRECHER. Im Alltag verbreiten sie häufig allgemeine Heiterkeit. Vor allem Fernseh- und Radiomoderatoren sowie Politiker scheinen besonders anfällig für Versprecher zu sein. Dies mag damit zusammenhängen, dass Versprecher gehäuft auftreten, wenn jemand ununterbrochen spricht bzw. eine Redesituation besonders lebhaft ist. So informierte der HR-Radiosprecher Peter Lemke seine Hörer einst über eine neue ‘Schlachtregelung für Kinder’ anstatt für Rinder (http://www.radiopannen.de/). Auch CDU-Politiker Edmund Stoiber scheint mit den Versprechern auf Kriegsfuß zu stehen. Ihm machte die Phrase lodernde Glut zu schaffen. So meinte er in einer seiner Reden:
‘Es muss zu schaffen sein, meine Damen und Herren, wenn ich die CDU ansehe, die Repräsentanten dieser Partei an der Spitze, in den Ländern, in den Kommunen, dann bedarf es nur noch eines kleinen Sprühens sozusagen in die gludernde Lot, in die gludernde Flut, dass wir das schaffen können und deswegen in die lodernde Flut, wenn ich das sagen darf, und deswegen, meine Damen und Herren…’ (http://www.eule2003.de/gbereich/Nonsens/NN49/sz-stoiber.htm).
So unterhaltsam Versprecher auch sein mögen, in der Sprachwissenschaft nehmen sie eine weitaus größere Bedeutung, als lediglich den Unterhaltungsfaktor, ein. Sie sind nämlich ‘[the] ‚windows‘ into linguistic mental processes’, wie VICTORIA A. FROMKIN es bereits formulierte. Es sind tatsächlich Versprecher, die Aufschluss darüber geben, welche Prozesse in unserem Gehirn ablaufen könnten, bis ein Gedanke zu einem ausformulierten Satz wird. Obgleich Versprecher schon so lange existieren wie es Sprache gibt, ist die Forschung in diesem Bereich noch relativ jung. Als Begründer gilt der Sprachforscher RUDOLF MERINGER (1859-1932), der sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts erstmals, zusammen mit dem Psychiater und Nervenpathologen KARL MAYER (1862-1936), mit Versprechern auseinandersetzte. Gemeinsam veröffentlichten sie eine Sammlung zum Thema ‘Versprechen und Verlesen’ (1895). Seitdem wird auf diesem Gebiet, mit Ausnahme einiger Unterbrechungen, stetig geforscht.
Obwohl Versprecher mittlerweile ein anerkanntes Forschungsgebiet der Sprachwissenschaft sind, wurden sie in der Didaktik und somit im Deutschunterricht bisher kaum berücksichtigt. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Sie reichen von einem nicht erkannten Potential dieser Thematik über ein fehlendes Materialangebot bis hin zum Zeitmangel. Dennoch bin ich der Meinung, dass Versprecher durchaus für den Einsatz im Unterricht geeignet sind. Dementsprechend bietet das Thema die Möglichkeit, das Sprachbewusstsein der Schüler zu fördern, indem es ihnen z.B. Einsichten in den menschlichen Sprachplanungsprozess bietet.
Gang der Untersuchung:
Die didaktische Auseinandersetzung mit Versprechern wird den Schwerpunkt dieser Arbeit bilden. Nachdem im ersten Teil der Arbeit zunächst theoretische Grundlagen aus sprachwissenschaftlicher Sicht gelegt werden, wird sich der zweite Teil mit der didaktischen Analyse des Themenkomplexes beschäftigen. Neben einer Untersuchung der aktuellen Situation von Versprechern im Deutschunterricht soll das didaktische Potenzial des Gegenstandes herausgearbeitet sowie Hilfen zu Einsatzmöglichkeiten von Versprechern im Unterricht gegeben werden.
Inhaltsverzeichnis:
| 1. | Vorwort | 3 |
| 2. | Theoretisch-begriffliche Grundlagen | 5 |
| 2.1 | Definition und begriffliche Einordnung | 5 |
| 2.2 | Zur Klassifizierung von Versprechern | 7 |
| 2.2.1 | Die Theorie Meringers | 7 |
| 2.2.2 | Erweiterung der Theorie Meringers | 9 |
| 2.3 | Versprecher – das Fenster zur menschlichen Sprachplanung | 10 |
| 2.4 | Exkurs: Freud’sche Versprecher | 14 |
| 3. | Versprecher als Unterrichtsgegenstand | 16 |
| 3.1 | Zur aktuellen Situation | 16 |
| 3.1.1 | Zur Materiallage | 16 |
| 3.1.2 | Schwierigkeiten bei der Integration des Themas in den Deutschunterricht | 20 |
| 3.2 | Begründung der Themenwahl und didaktische Analyse | 22 |
| 3.3 | Methodisch-didaktische Vorschläge zur Durchführung | 24 |
| 3.3.1 | Aus Fehlern lernen: Versprecher als Fenster zum menschlichen Sprachplanungsprozess | 25 |
| 3.3.2 | Gedanken, Gefühle, Emotionen: Wodurch werden Versprecher beeinflusst? | 26 |
| 3.3.3 | Versprecher, Sprachspiel, Fehler | 27 |
| 4. | Resümee | 29 |
| Literatur | 31 | |
| Anhang | i |
Textprobe:
Kapitel 3.3.2, Gedanken, Gefühle, Emotionen: Wodurch werden Versprecher beeinflusst?:
Im Rahmen dieses Teilaspekts reflektieren die Schüler Sprache in Bezug auf Faktoren, die Sprechvorgänge im Allgemeinen beeinflussen und das Auftreten von Versprechern begünstigen. Dadurch wird die Fähigkeit der Schüler, das eigene Sprechen bewusster wahrzunehmen, geschult. Außerdem könnten ihnen in diesem Zusammenhang Kenntnisse zur Freud’schen Versprechertheorie vermittelt werden, die sie mit der ihnen bereits bekannten linguistischen Herangehensweise vergleichend betrachten. Die Schüler sollten dabei erkennen, dass Versprecher im Grunde nicht auf geheime Gedanken, wie Freud es annahm, zurückgeführt werden können. Zudem sollten sie befähigt werden, neben den linguistischen Ursachen von Versprechern weitere Faktoren und Situationen benennen zu können, die Einfluss auf die Sprechvorgänge nehmen (siehe S. 15).
Da die bereits vorgestellten Materialien zu Freud’schen Versprechern schülergerecht für den Einsatz im Unterricht konzipiert sind, halte ich es nicht für notwendig, an dieser Stelle dazu weitere Anregungen zu geben.
Wichtiger erscheint mir dagegen, auf die Stellung der Emotionen und Gefühle im Zusammenhang mit Sprache einzugehen. Ausgehend von der Versprechersammlung, die die Schüler als Hausaufgabe anfertigen sollten, könnte ein Bezug zu den Erfahrungen der Schüler hergestellt werden. Unter der Fragestellung, wann sich besonders oft versprochen wurde bzw. unter welchen Umständen die Schüler sich besonders häufig versprechen, sollten in einem Brainstorming ihnen bekannte Faktoren und Gründe gesammelt werden. Anschließend könnte eine Diskussion darüber folgen, ob man gegen Versprecher etwas unternehmen kann. Dabei sollte den Schülern bewusst werden, dass Versprecher menschlich sind und jedem passieren können.
3.3.3, Versprecher, Sprachspiel, Fehler:
Im Fokus dieser Einheit stehen Versprecher im Kontrast zu Sprachspielen und sprachlichen Fehlern. Die Schüler sollen erkennen, dass es sich bei jedem dieser Phänomene um sprachliche Normabweichungen zur Standardsprache handelt (siehe S. 6), die sich aber dennoch durch spezifische Charakteristika voneinander abgrenzen lassen. Dabei schulen die Schüler sich im Ermitteln von kennzeichnenden Merkmalen bestimmter Phänomene und vertiefen ihre Fähigkeit, einen Gegenstand in seinen Kernaussagen zu beschreiben.
Da der thematische Schwerpunkt der Unterrichtseinheit auf Versprechern liegt, sollten die Schüler sich zu Beginn mit diesem Begriff auseinandersetzen.
Zur ersten Reflexion des Begriffs, könnte das Gedicht ‘Der Versprecher’ des Hobbydichters FIFI FICK alias ROLF-FRIEDRICH FINCK, in dem er gekonnt mit den beiden Bedeutungen des Wortes versprechen spielt, herangezogen werden (siehe Anhang, vi). Nachdem die Schüler die beiden unterschiedlichen Bedeutungen des Begriffs versprechen herausgearbeitet haben, sollten sie anschließend eine Definition für dieses Wort im Sinne von ‘aus Versehen etwas Falsches sagen’, entwerfen.
Im Anschluss daran gilt es, Sprachspiele und sprachliche Fehler von Versprechern abzugrenzen, indem ebenfalls charakteristische Eigenschaften identifiziert werden. Als Variante könnte ein Teil der Klasse sich mit Sprachspielen beschäftigen, während der andere Teil die sprachlichen Fehler bearbeitet.
Zur Bestimmung kennzeichnender Eigenschaften von Sprachspielen könnte z.B. ausschnittsweise das Werk ‘Der Fönig’ von WALTER MOERS genutzt werden (siehe Anhang, S. vi). In diesem Werk bedient sich Moers Sprachspielereien, indem er z.B. die Buchstaben f und k miteinander vertauscht, um eine witzige Wirkung zu erzielen. Mittels der Aufgaben auf dem Arbeitsblatt II: ‘Versprecher, Sprachspiel, Fehler’ (siehe Anhang, S. vii) sollen die Schüler erkennen, dass Moers diese Normabweichung bewusst für belustigende Zwecke einsetzt. Diese Erkenntnis sollten die Schüler anschließend auf eine Definition für Sprachspiele transferieren.
Um sprachliche Fehler von Versprechern abzugrenzen, könnte erneut der Raab-Clip zum Einsatz kommen, in welchem ein Fehler des Sportjournalisten GERHARD DELLING als Versprecher bezeichnet wird. Dieser verwendete nämlich das englische Wort embarrassing (deutsch: beschämend, peinlich), um die Leistung eines Sportlers zu würdigen. Unter der Fragestellung, ob es sich in diesem Fall tatsächlich um einen Versprecher handelt bzw. welche Bedingungen erfüllt sein müssten, um von einem Versprecher reden zu können, kann mit den Schülern der Unterschied zwischen einem sprachlichen Fehler und einem Versprecher herausgearbeitet werden.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836642972
Arbeit zitieren:
Mormer, Jana August 2008: Versprecher - ein Thema im Deutschunterricht, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Sprachwissenschaft, Didaktik, Unterrichtsplanung, Rudolf Meringer, Freud`sche Versprecher



