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Verschiedene Instrumente zur Aktienanalyse in Verbindung mit Behavioral Finance

Verschiedene Instrumente zur Aktienanalyse in Verbindung mit Behavioral Finance
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Johannes Braun
  • Abgabedatum: Februar 2005
  • Umfang: 149 Seiten
  • Dateigröße: 2,0 MB
  • Note: 1,8
  • Institution / Hochschule: Fachhochschule Offenburg Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9713-2
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9713-2 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9713-2 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Braun, Johannes Februar 2005: Verschiedene Instrumente zur Aktienanalyse in Verbindung mit Behavioral Finance, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Fundamentalanalyse, Gier, Rationalitätsfalle, Angst, Psychologie

Diplomarbeit von Johannes Braun

Problemstellung:

Die Aktie als private Geldanlageform hat gerade in Deutschland lange Zeit ein stiefmütterliches Dasein fristen müssen. Zu hoch war die Risikoaversion der deutschen Haushalte, als dass eine breite Akzeptanz für diese volatilen Beteiligungspapiere entstehen konnte. In den 50er und 60er Jahren wurde versucht, mit Subventionen seitens der Bundesregierung sog. „Volksaktien“ für den privaten Anleger attraktiv zu machen – ohne Erfolg. Viele Privatanleger, die sich in den 80er Jahren dann doch zögerlich für ein Aktienengagement entschieden hatten, wurden durch den Börsencrash im Oktober 1987 abgestraft.

Die ersten aufkeimenden Anzeichen einer Aktienkultur in Deutschland waren so gleich wieder zerstört und die Skeptiker dieser Geldanlageform fühlten sich bestätigt. Dies änderte sich erst, als die Deutsche Telekom 1996 mit immensem medialen Aufwand ihren auf Privatanleger zugeschnittenen Börsengang vorbereitete. Plötzlich waren Aktien in aller Munde. Die Aktie mit ihrer hohen Rendite wurde sogar als Antwort auf die schwächelnde staatliche Altersvorsorge angepriesen. Leider machte der dramatische Kurseinbruch um die Jahrtausendwende diese Wunschvorstellungen zunichte. Was war geschehen? Im Grunde fehlte dem Privatanleger häufig bereits das Basiswissen, um die Vorgänge, welche sich an den Börsen abspielen, nachvollziehen zu können. Darüber hinaus besaßen die wenigsten der Privatinvestoren überhaupt eine konkrete Anlagestrategie. Jeder IPO (= Initial Public Offering) wurde mitgemacht, jedem Kauftipp von selbsternannten „Börsengurus“ gefolgt. Irgendwann konnten die hohen Bewertungen nicht mehr fundamental gerechtfertigt werden. Hinzu kamen Bilanzskandale und Anlegertäuschungen seitens der Unternehmen. Die Gier schlug aufgrund erster Kursrückgänge, welche durch Verkäufe professioneller Anleger verursacht wurden, plötzlich in Angst um. Innerhalb von eineinhalb Jahren fiel bspw. der allumfassende Nemax-all-share-Index um 90%.

Bereits an der im Vergleich zu anderen Aktienmärkten relativ kurzen Historie des deutschen Aktienmarktes kann man erkennen, dass solide Kenntnisse über die Funktionsweise des Aktienhandels von Nöten sind, wenn hohe Verluste vermieden und auf lange Sicht Geld verdient werden soll. Deutlich wird auch, dass nicht nur Fakten die Kurse bewegen. Die Tatsache, dass an den Börsen Menschen die Angebots- und Nachfragesituation bestimmen, darf nicht außer Acht gelassen werden. Menschen handeln nicht immer rational, sondern lassen sich mitunter auch stark von Emotionen leiten. In Volkswirtschaften, welche früher eine ausgeprägte Aktienkultur hervorbrachten (insbesondere in den USA), wird diese Erkenntnis bestätigt. Erinnert sei an den Börsencrash im Oktober 1929 an der New Yorker Wallstreet. Auch hier waren extreme Kursgewinne – angeheizt durch bedenkenlose Kreditvergabe der Banken – vorausgegangen. Durch die darauf folgenden ebenso extremen Kursrückgänge – z.B. fielen Chrysler Aktien von 135 Dollar auf 5 Dollar, oder General Motors Aktien von 92 Dollar auf 1,25 Dollar – wurde eine weltweite wirtschaftliche Depression ausgelöst – die Weltwirtschaftskrise. Eine Vielzahl von Konkursen, Arbeitslosen und sogar Selbstmorde von Aktienhändlern waren die Folge.

Sicherlich wäre es vermessen zu behaupten, dass Kursbewegungen einzig und allein auf die Psychologie zurückzuführen sind. Die Anleger sind ihr nicht komplett ausgeliefert. Für die Tatsache, dass Kurse schwanken, gibt es auch andere Gründe, wie der ungleiche Informationsfluss (bspw. beim Insider im Gegensatz zum Privatanleger) in Kombination mit der durch den organisierten Börsenhandel möglichen hohen Reaktionsgeschwindigkeit der Anleger auf diese Informationen. Dennoch ist der sehr bedeutende Einfluss der Psychologie und den daraus resultierenden Irrationalitäten der Anleger nicht von der Hand zu weisen. Das belegen v.a. die zum Teil extremen Ausprägungen von Über- und Untertreibungen. Wer an der Börse Erfolge erzielen will, muss also den Einfluss der Psychologie ins Kalkül ziehen – und zwar die eigene, aber auch die der anderen Marktteilnehmern. Denn schon Keynes wusste, dass es nichts gibt, „was so verheerend ist, wie ein rationales Anlageverhalten in einer irrationalen Welt“.

Die Aktienanalyse dient der Ermittlung der Kaufwürdigkeit von Aktien. Zweck einer Anlage in Aktien ist nämlich eine Rendite, welche aufgrund des tendenziell höheren Anlagerisikos die Rendite von festverzinslichen Wertpapieren übertreffen soll. Allein durch Dividendenerträge ist das meistens nicht zu bewerkstelligen. Der Anleger erhofft sich auch eine Kurssteigerung der betreffenden Aktie. Die Anlageentscheidung gründet also auf Vorstellungen und Erwartungen über zukünftige Entwicklungen der Kapitalmärkte, welche – wie bereits dargelegt – durch die Emotionen der Marktteilnehmer nicht immer rational erklärbar sind. Außerdem spiegeln sich in diesen Kursentwicklungen wiederum die Erwartungen der anderen Marktteilnehmer wider. Überspitzt lässt sich mit Keynes das Problem folgendermaßen formulieren: „Entscheidend ist, was die durchschnittliche Meinung als das zukünftige Ergebnis dieser durchschnittlichen Meinung erwartet.“ Hinzu kommen unvorhersehbare kursbestimmende Ereignisse wie Naturkatastrophen und Terroranschläge. Da die Erwartungen des einzelnen Anlegers also nicht mit Sicherheit eintreffen werden, muss bei jeder Anlageentscheidung das Risiko gegenüber den Gewinnmöglichkeiten abgewogen werden.

Kriterien bei der Bewertung von Aktien sind somit eine möglichst hohe Rendite und ein möglichst geringes Risiko. Diese beiden Anlageziele sollen möglichst effizient kombiniert werden. Um die Rendite und das Risiko einer Aktienanlage einschätzen und beeinflussen zu können, ist eine sorgfältige und moderne Aktienanalyse unumgänglich. Diese hat zwei Aufgabengebiete: Zum einen die Auswahl der Aktien, in die investiert werden soll und zum anderen die Bestimmung des Zeitpunktes von Kauf bzw. Verkauf der Dividendenpapiere. Häufig wird Timing des richtigen Transaktionszeitpunktes ihre Stärken ausspielen könnte. Zuweilen wird aber auch die Meinung vertreten, die T.A. wäre aufgrund ihrer einfacheren Handhabbarkeit zur Vorauswahl von kaufenswerten und zur Überwachung von bereits erworbenen Aktien am besten einsetzbar, während die F.A. zur Feinauswahl dient. Solche Kombinationen werden von den Hardlinern des jeweiligen Lagers allerdings kategorisch abgelehnt. Für sie stellt die jeweils favorisierte Methode die einzig richtige und für beide Aufgaben effizienteste dar.

Gang der Untersuchung:

Nach der Herleitung der Problemstellung der Arbeit in Kapitel 1.1 wird die Existenzberechtigung der Aktienanalyse sowie ihre Aufgaben in Kapitel 1.2 bzw. 1.3 ausgeführt.

In Kapitel 2 soll die F.A. ausführlich erklärt werden, wobei die übliche Einteilung in Globalanalyse, Branchenanalyse und Einzelanalyse befolgt wird. Die verschiedenen Instrumente der T.A. werden in Kapitel 3 erläutert. Nachdem diese zwei klassischen Methoden beschrieben wurden, soll in Kapitel 4 auf die B.F. eingegangen werden. Hierbei soll zunächst geklärt werden, aus welchen Überlegungen diese Theorie hervorgegangen ist, bevor auf die durch sie gewonnenen Erkenntnisse eingegangen wird.

In Kapitel 5 soll schließlich geprüft werden, wie diese Erkenntnisse in die klassischen Methoden der F.A. und T.A. einfließen können. Kapitel 6 stellt eine kritische Betrachtung von F.A., T.A. sowie B.F. dar. Die Arbeit wird durch ein Fazit in Kapitel 7 abgeschlossen.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis VI
Abkürzungsverzeichnis VIII
1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Themenabgrenzung 2
1.3 Aufgaben der Aktienanalyse 5
1.4 Aufbau der Arbeit 6
2. Fundamentalanalyse 6
2.1 Grundlagen 6
2.2 Globalanalyse 9
2.2.1 Konjunkturanalyse 10
2.2.2 Monetäre Einflüsse 13
2.2.2.1 Zinsen 13
2.2.2.2 Geldmenge 14
2.2.2.3 Preisentwicklung 16
2.2.2.4 Wechselkurse 17
2.2.3 Einfluss der Politik 17
2.3 Branchenanalyse 18
2.3.1 Branchenzyklus 19
2.3.2 Intensität der Wechselwirkung mit der Konjunkturlage 20
2.3.3 Zeitpunkt der Wechselwirkung mit der Konjunkturlage 21
2.4 Einzelanalyse 22
2.4.1 Absolute Größen 22
2.4.1.1 Umsatz 23
2.4.1.2 Gewinn 23
2.4.1.3 Cash-Flow 24
2.4.2 Kennzahlenanalyse 25
2.4.2.1 Bilanzkennzahlen 25
2.4.2.2 Aktienbezogene Kennzahlen 29
2.4.2.3 Kursbezogene Kennzahlen 30
2.4.3 Unternehmensbewertungsverfahren 33
2.4.3.1 Ertragswertverfahren 34
2.4.3.2 Substanzwertverfahren 35
2.4.3.3 Mittelwertverfahren 35
2.4.4 Qualitative Faktoren 35
2.4.4.1 Humankapital 36
2.4.4.2 Unternehmensstrategie 36
2.4.4.3 Risikofaktoren 38
3. Technische Analyse 39
3.1 Grundlagen 39
3.2 Dow-Analyse 41
3.3 Chartanalyse 43
3.3.1 Trendanalyse 44
3.3.2 Widerstand und Unterstützung 45
3.3.3 Chartformationen 47
3.3.3.1 Trendfolgeformationen 47
3.3.3.2 Trendumkehrformationen 50
3.4 Elliott-Wave Analyse 54
3.5 Point & Figure Analyse 56
3.6 Candlestick-Analyse 57
3.6.1 Grundlagen 57
3.6.2 Die Aussagen einzelner Candlesticks 58
3.6.3 Die Aussagen von Candlestick-Kombinationen 58
3.7 Indikatorenanalyse 60
3.7.1 Grundlagen 60
3.7.2 Trendbestimmende Indikatoren 61
3.7.3 Trendfolgeindikatoren 63
3.7.3.1 Gleitender Durchschnitt 63
3.7.3.2 Moving Average Convergence Divergence Indikator 65
3.7.3.3 Sonstige Trendfolgeindikatoren 66
3.7.4 Oszillatoren 67
3.7.4.1 Momentum 68
3.7.4.2 Relative Stärke Index 68
4. Behavioral Finance 69
4.1 Grundlagen und Entstehung 69
4.2 Individualpsychologische Bedürfnisse und Motive am Aktienmarkt 72
4.2.1 Angst und Gier 72
4.2.2 Konformitätsbedürfnis 74
4.2.3 Harmoniebedürfnis und Vermeidung kognitiver Dissonanzen 75
4.2.4 Kontrollbedürfnisse 76
4.2.5 Sicherheitstrieb 77
4.3 Konsequenzen für das Anlegerverhalten 78
4.3.1 Rationalitätsfallen im Erleben 78
4.3.1.1 Vereinfachung von Sachverhalten 78
4.3.1.2 Selektive Wahrnehmung 78
4.3.1.3 Kontrollillusion 80
4.3.1.4 Geistige Buchführung 80
4.3.1.5 Relative Bewertungen 82
4.3.2 Rationalitätsfallen im Verhalten 85
4.3.2.1 Heuristiken 85
4.3.2.2 Folgen relativer Bewertungen 87
4.3.2.3 Herdenverhalten und Ansteckungseffekte 88
4.3.2.4 Home Bias 90
4.3.2.5 Kontrollverlustphänomen 91
5. Verknüpfung von Behavioral Finance und klassische Aktienanalyse 92
5.1 Strategien zur Verbesserung der Entscheidungsfindung 93
5.1.1 Grundlagen 93
5.1.2 Zielsetzungs-/ Motivationsphase 95
5.1.3 Informationsphase 96
5.1.4 Auswahl-/Transaktionsphase 99
5.1.5 Dissonanzbewältigungsphase 100
5.2 Die Momentumstrategie 101
5.3 Konträres Handeln mit der Sentimentanalyse 103
5.3.1 Grundlagen 103
5.3.2 Sentimentanalyse nach sentix 106
5.3.3 Sentimentanalyse nach animusX 108
5.3.4 Sentimentanalyse nach Cognitrend 109
6. Kritische Betrachtung der erarbeiteten Methoden 110
6.1 Fundamentalanalyse 110
6.2 Technische Analyse 111
6.3 Behavioral Finance 113
7. Fazit 114
Anhang 116
Literaturverzeichnis 127

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die zweite Annahme, auf die sich das Konzept von Elliott stützt, ist die Übertragbarkeit der Fibonacci-Zahlenreihen auf die Kapitalmärkte. Diese Zahlenreihe wurde von dem Mathematiker Leonardo da Pisa im 13. Jahrhundert entdeckt und lässt sich auf fast alle in der Natur vorkommenden Vorgänge logarithmischen Wachstums oder Schrumpfens anwenden. Sie lautet: 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89, 144, 233,.... Ermittelt wird sie, indem zwei nebeneinander liegende Zahlen addiert werden, beginnend mit 1: 1+1=2; 1+2=3; 2+3=5; usw.. Interessant hierbei ist nun, dass sich der Quotient zweier benachbarten Zahlen 1,618 (wenn die größere durch die kleinere dividiert wird), bzw. 0,618 (wenn die kleinere durch die größere dividiert wird) annähert, je weiter die Zahlenfolge ansteigt. Dividiert man die Zahlen durch die jeweiligen übernächsten Zahlen, so ist das Ergebnis dieser Rechenart 2,618 bzw. 0,382. Der gleiche Rechenschritt mit den drittnächsten Zahlen ergibt 4,236 bzw. 0,236. Elliott fand heraus, dass diese Zahlen das Verhältnis der Impulswellen beschreiben. So korrigiert bspw. die Welle 2 die Welle 1 um 61,8%, 38,2% oder 23,6%. Welle 3 beträgt meist 161,8% oder 261,8% von Welle 1. Auch bei den Korrekturwellen bestehen entsprechende Zusammenhänge.319 Die Elliott-Wave Analyse erhebt den Anspruch mit diesem Instrumentarium als einzige Analyseform die Kurse stets in einem bestimmten Rahmen prognostizieren zu können. Die fundamen317 [...]

Die Elliott-Wave Analyse, von R.N. Elliott in den 20er Jahren entwickelt, beschreibt eine Art natürlichen Rhythmus menschlichen Verhaltens an den Aktienmärkten aufgrund von Angst und Gier der Marktteilnehmer. Das Konzept basiert neben den bereits ausgeführten Hypothesen der T.A. auf zwei weiteren Grundannahmen: Erstens soll der gesamte Kurszyklus auf acht Wellen zurückzuführen sein, welche die Reaktionen der Börsianer auf die fundamentalen Daten repräsentieren. Diese bestehen aus fünf Impulswellen (es herrscht eine optimistische Stimmung und Gier, ein sog. „Bull-Market“) und drei Korrekturwellen (es herrscht eine pessimistische Stimmung und Angst, ein sog. „Bear-Market“). Abb. 20 zeigt eine stark vereinfachte Darstellung dieses Zykluses. Die Impulswellen werden mit Zahlen (1, 2, 3, 4, 5), die Korrekturwellen mit Buchstaben (a, b, c) bezeichnet. Dieser Zyklus soll nach Elliott in jeder Zeitebene zu finden sein. Er unterschied insgesamt neun Zeitebenen, wobei die kürzeste wenige Minuten umfasst, die größte bis zu 200 Jahren. Elliott lehnte sich dabei (ohne es zu wissen316) an die moderne Chaosmathematik und im Speziellen an die Theorie der Fraktale an: Fraktale sind Strukturen, welche auf den ersten Blick chaotisch wirken, sich aber immer wieder finden lassen wenn sie vergrößert, verkleinert oder zerlegt werden (bspw. bildet ein Baum die Form seiner Äste nach). Jedes Muster ist Bestandteil eines größeren Musters und jedes Muster ist wiederum aus kleineren Mustern aufgebaut. Entsprechend sollen sich auch die kursbestimmenden Stimmungsschwankungen der Börsianer (Gier und Angst) in solch einem Muster bewegen. Der in Abb. 20 gezeigte Wellenrhythmus stellt so die Welle und des ihm übergeordneten Wellenrhythmuses dar und [...]

V-Formation: Die V-Formation ist im Gegensatz zu den bisher behandelten Trendumkehrformationen Ausdruck eines abrupten Trendwechsels. Deswegen ist sie auch extrem schwer zu identifizieren. Nicht selten wird dem Techniker erst nach dem Durchlaufen der Formation ersichtlich, dass es sich um eine solche V-Formation gehandelt hat. V-Formationen folgen oft einem längeren Kursabschwung, der dazu führt, dass sich auch die letzten Anleger – meist wegen einer sehr schlechten Neuigkeit – um jeden Preis von der Aktie trennen wollen. Es folgt ein panikartiger „Sell-Out“ (Ausverkauf). Da diese extreme Reaktion der Verkäufer aber eine fundamental ungerechtfertigte Übertreibung darstellt, steigt der Kurs daraufhin ebenso plötzlich wieder an. Es bildet sich meist, wie bei der Untertasse, eine kleine Plattform. Wird diese bei steigenden Umsätzen nach oben hin verlassen, so ist dies ein Kaufsignal. Ohne Plattform ist die V-Formation quasi nicht gewinnbringend nutzbar, da der untere Umkehrpunkt nicht zu prognostizieren ist. Sie kommt auch auf dem Kopf stehend vor. Bei der V-Formation unterscheidet man den sog. „One-Day-Reversal“ und den sog. „Two-Day-Reversal“. Der “One-Day-Reversal” ist bereits nach einem Handelstag abgeschlossen. Der „Two-Day-Reversal“ dauert zwei Tage, wobei der Schlusskurs am Ende des ersten Tages meist den Tiefstpunkt bzw. Höchstpunkt der V-Formation darstellt.313 Abb. 18 und 19 zeigen die möglichen Ausprägungsformen der V-Formation mit Plattform. [...]

Arbeit zitieren:
Braun, Johannes Februar 2005: Verschiedene Instrumente zur Aktienanalyse in Verbindung mit Behavioral Finance, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Fundamentalanalyse, Gier, Rationalitätsfalle, Angst, Psychologie

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