Verhaltenswissenschaftliche Auswirkungen der Analyse und Verrechnung Abweichungen höherer Ordnung im Rahmen der Plankostenrechnung
- Art: Bachelorarbeit
- Autor: Christian Hetke
- Abgabedatum: August 2009
- Umfang: 48 Seiten
- Dateigröße: 505,8 KB
- Note: 1,3
- Institution / Hochschule: Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Deutschland
- Bibliografie: ca. 24
- ISBN (eBook): 978-3-8366-4025-1
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Hetke, Christian August 2009: Verhaltenswissenschaftliche Auswirkungen der Analyse und Verrechnung Abweichungen höherer Ordnung im Rahmen der Plankostenrechnung, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Abweichungsanalyse, Plankostenrechnung, Controllability, Behavioral Accounting, Mitarbeiterverhalten
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Bachelorarbeit von Christian Hetke
Einleitung:
Im Rahmen der Kostenkontrolle werden betriebliche Unwirtschaftlichkeiten erfasst und deren Ursachen analysiert. Diese Kontrolle kann u. a. in Form der Plankostenrechnung stattfinden, die die Kostenvorgaben mit den Istkosten vergleicht, um durch die Auswertung deren Abweichung, Aussagen über die Effizienz der betrieblichen Aufgabenträger treffen zu können. Im Rahmen der Abweichungsanalyse stellt sich dabei vor allem die Herausforderung der Verrechnung von Abweichungen höherer Ordnung, da diese nicht verursachungsgerecht auf einzelne Kostenstellen verteilt werden können.
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit findet eine umfassende Auseinandersetzung sowohl mit der allgemeinen Problematik höhergradiger Abweichungen, als auch mit der Auswahl problemadäquater Methoden zur Lösung dieses Problem statt. Der Fokus der Ausführungen liegt dabei auf den Wirkungen, die verschiedene Abweichungsanalysemethoden auf das Verhalten der Kostenstellenverantwortlichen haben und auf den Implikationen, die sich daraus für die Effizienz des Kostenkontrollsystems ergeben.
Um dieses Ziel zu erreichen wird zunächst ein allgemeiner Überblick über die Aufgaben der Kostenkontrolle sowie über die Rolle der Abweichungsanalyse in diesem Prozess gegeben. Im Rahmen der Betrachtung werden anhand eines Rechenbeispiels vier der wesentlichsten Methoden zur Verrechnung von Abweichungen höherer Ordnung vorgestellt, namentlich die alternative, die kumulative, die symmetrische und die differenzierte Methode.
Der Kernteil der Arbeit gibt einen Einblick in die Verhaltensauswirkungen, die durch ein Kontrollsystem im Allgemeinen und durch die Abweichungsverrechnungsmethoden im Spezifischen ausgelöst werden können. Um den komplexen Beziehungen zwischen den psychologischen Verhaltensdeterminanten gerecht werden zu können werden diese Betrachtungen unter vorher festgelegten Annahmen durchgeführt. Dabei werden sukzessiv verschiedene verhaltenswissenschaftliche Erklärungsansätze erschlossen, um auf deren Grundlage Aussagen über mögliche Verhaltensweisen der Kostenstellenverantwortlichen abzuleiten.
Diese Analyse soll letztendlich die Grundlage bieten, um abschließend die grundsätzliche Eignung der betrachteten Verrechnungsmethoden zur zielgerichteten Verhaltensbeeinflussung von Kostenstellenverantwortlichen zu erörtern.
Inhaltsverzeichnis:
| ANHANGSVERZEICHNIS | III | |
| ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS | IV | |
| SYMBOLVERZEICHNIS | V | |
| 1. | EINLEITUNG | 1 |
| 2. | THEORETISCHE GRUNDLAGEN DERABWEICHUNGSANALYSE | 2 |
| 2.1 | Die Abweichungsanalyse als Teil der Kostenkontrolle | 2 |
| 2.1.1 | Alternative Analysemethode | 7 |
| 2.1.2 | Kumulative Analysemethode | 8 |
| 2.1.3 | Symmetrische Analysemethode | 10 |
| 2.1.4 | Differenzierte Analysemethode | 11 |
| 2.2 | Kriterien zur Auswahl einer geeigneten Abweichungsanalyse | 12 |
| 3. | VERHALTENSAUSWIRKUNGEN DER ANALYSE VON ABWEICHUNGEN HÖHERER ORDNUNG | 14 |
| 3.1 | Notwendigkeit der Betrachtung verhaltenswissenschaftlicher Aspekte im Rechnungswesen | 14 |
| 3.2 | Betriebliche Einflussfaktoren auf das Mitarbeiterverhalten | 16 |
| 3.2.1 | Wirkung von Kontrollinformationen | 16 |
| 3.2.2 | Wirkung von Feedbacks | 19 |
| 3.2.3 | Wahl der Bezugsgröße | 21 |
| 3.3 | Verhaltenswissenschaftliche Erklärungsansätze | 22 |
| 3.3.1 | Die Attributionstheorie | 23 |
| 3.3.2 | Das Controllability-Kriterium | 25 |
| 3.3.3 | Die Erwartungs-Wert-Theorie | 28 |
| 3.3.4 | Die Anspruchsniveautheorie | 31 |
| 3.3.5 | Die Leistungsmotivationstheorie | 32 |
| 4. | FAZIT | 34 |
| ANHANG | 37 | |
| LITERATURVERZEICHNIS | 41 |
Textprobe:
Kapitel 3.1, Notwendigkeit der Betrachtung verhaltenswissenschaftlicher Aspekte im Rechnungswesen:
Betrachtet man die Zielstellung eines Kostenrechnungssystems, so erfüllt die technische Bereitstellung von Kosteninformationen keinen Selbstzweck. Vielmehr bestimmt sich der Sinn solcher Systeme über die Auswirkungen, die sie auf Organisationsmitglieder und deren Verhalten haben. Werden die bereitgestellten Kosteninformationen genutzt, um das Verhalten der Entscheidungsträger in eine unternehmenszielkonforme Richtung zu lenken, können die Verrechnungsverfahren letztlich einen Wettbewerbsvorteil des Unternehmens begründen und so dessen langfristiges Überleben sichern.
Die Effektivität eines Kontrollsystems definiert sich folglich über dessen Fähigkeit, das Verhalten der Mitarbeiter eines Unternehmens in eine gewünschte Richtung zu steuern. Unter diesem Gesichtspunkt müssen alle aufgeführten Analysemethoden, unabhängig von ihrer mathematisch-analytischen Plausibilität, auch bezüglich ihrer verhaltensorientierten Auswirkungen überprüft werden. Um dies zu erreichen müssen Unternehmen und Organisationen ständig neue Annahmen darüber treffen, wie sich ihre Mitarbeiter motivieren lassen und wie sie die Rechnungswesensinformationen nutzen bzw. von ihnen beeinflusst werden. Ziel ist es dabei, ein System zu etablieren, welches den Entscheidungsträgern die Möglichkeit gibt, ihre individuellen Bedürfnisse zu befriedigen während sie die Unternehmensziele verwirklichen. Wird das System von den Aufgabenträgern jedoch abgelehnt, endet dies in einer ungenügenden Unterstützung bei der Behebung der Abweichungsursachen. Unter diesem Gesichtspunkt ist vor allem die mehr oder weniger große Willkür bei der Verrechnung höhergradiger Abweichungen kritisch zu betrachten, da sie zu einer Ablehnung der Verrechnungsmethode bzw. des gesamten Kostenkontrollsystems führen kann. Dies erklärt auch die Bedeutung der verhaltenswissenschaftlichen Erkenntnisse über das Einzel- und Gruppenverhalten bei der Entwicklung und Bewertung von verhaltenssteuernden Rechnungswesenssystemen. Denn nur eine detaillierte Analyse der möglichen Verhaltensauswirkungen von Rechnungswesenssystemen stellt sicher, dass das gewünschte Mitarbeiterverhalten und somit eine Steigerung der betrieblichen Effektivität gewährleistet werden.
Im Rahmen dieser Arbeit soll die Betrachtung wissenschaftlicher Erklärungsansätze des menschlichen Verhaltens auf zwei Theorien reduziert werden, die Prinzipal-Agenten-Theorie und das Behavioral Accounting. Die Prinzipal-Agenten-Theorie ist ein institutionsökonomischer Ansatz, um die vertraglichen Regelungen der Beziehung zwischen Auftraggeber (Prinzipal) und Auftragnehmer (Agent) zu untersuchen und effizient zu gestalten. Das zugrundeliegende axiomatische Menschenbild dient der Komplexitätsreduktion und beschreibt den Agenten als einen eigennutzenmaximierenden Opportunisten mit beschränkter Rationalität. Dabei wird die Beziehung zwischen dem Agenten und seinem Prinzipal durch divergierende Risikoneigungen sowie durch eine asymmetrische Informationsverteilung geprägt, die es dem Prinzipal verbietet, die Arbeitsleistungen des Agenten genau zu messen. Ein weiteres charakteristisches Merkmal der Prinzipal-Agenten-Beziehung sind ihre unterschiedlichen Interessen, da der Agent versucht ist durch möglichst wenig Arbeitseinsatz ein möglichst hohes Einkommen zu erwirtschaften, wohingegen der Prinzipal mit möglichst geringen Ausgaben einen möglichst hohen Erfolg erwirtschaften möchte. Folglich wird ein Anreizsystem benötigt, welches eine gewisse Kongruenz zwischen den Individualzielen des Agenten und den Unternehmenszielen bewirkt sowie Arbeitszurückhaltung, sogenanntes shriking, verhindert.
Im Gegensatz dazu steht das Behavioral Accounting für eine Reihe empirischer Untersuchungen, die ohne axiomatische Prämissen versuchen, Erkenntnisse über das Verhalten von Mitarbeitern in einem Kostenrechungssystem zu erhalten. In Folge der großen Anzahl exogener wie endogener Einflussfaktoren besteht hier jedoch bislang kein geschlossenes Erklärungssystem, sondern vielmehr eine Reihe von Teilsystemen, die nur für einen bestimmten Realitätsausschnitt verlässliche Aussagen über das potentielle Verhalten der Probanden machen können. Hierin liegt auch die Ursache dafür, dass das Behavioral Accounting bislang kaum Einzug in die betriebliche Praxis gefunden hat. Denn auf Grund der mangelnden Übertragung der kumulierten Untersuchungsergebnisse auf neue Theorieansätze, auch als Theoriedefizit des Empirismus bezeichnet, können keine allgemeingültigen Gestaltungsaussagen über das Kostenrechnungssystem gemacht werden. Dies führte dazu, dass der Gestaltung verhaltensadäquater Rechnungswesenssysteme in der Vergangenheit nur eine untergeordnete Rolle zugesprochen wurde und der verhaltenswissenschaftlichen Forschung auf dem Gebiet des Rechnungswesens bis heute kaum mehr als eine Erklärungsfunktion zukommt.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836640251
Arbeit zitieren:
Hetke, Christian August 2009: Verhaltenswissenschaftliche Auswirkungen der Analyse und Verrechnung Abweichungen höherer Ordnung im Rahmen der Plankostenrechnung, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Abweichungsanalyse, Plankostenrechnung, Controllability, Behavioral Accounting, Mitarbeiterverhalten



