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Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen

Ursachen, Formen und adäquater Umgang mit diesen im Rahmen des Konzeptes eines familienorientierten Kleinstheimes

Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Sandro Kirst
  • Abgabedatum: Juli 2004
  • Umfang: 130 Seiten
  • Dateigröße: 410,0 KB
  • Note: 2,4
  • Institution / Hochschule: Berufsakademie Thüringen Staatliche Studienakademie Eisenach Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-8655-6
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-8655-6 P
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Kirst, Sandro Juli 2004: Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Jugendhilfe, Heimerziehung, Interventionsmöglichkeiten, Phasenmodell, soziale Umfeld

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Diplomarbeit von Sandro Kirst

Einleitung:

Der Titel der Arbeit spricht von Ursachen und adäquatem Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen.

Anstelle des Begriffes Verhaltensauffälligkeiten findet man in der Fachliteratur unter anderem auch folgende Bezeichnungen: Verhaltens-störung, Erziehungsschwierigkeiten, Anpassungsschwierigkeiten, ab-weichendes Verhalten oder auch Persönlichkeitsstörungen.

Ich habe mich im Zusammenhang mit dieser Arbeit bewusst für den Begriff Verhaltensauffälligkeiten entschieden, weil er nach meinem Erachten offener und unspezifischer ist, als die anderen Begrifflichkeiten. Des Weiteren bezieht sich dieser Terminus nicht nur auf das sogenannte Auffällige, sondern schließt zugleich die Person ein, welcher das Verhalten auffällt.

Aufgrund meiner praktischen Ausbildung in einem Kinderheim wurde ich oft mit Verhaltensauffälligkeiten konfrontiert. Zu Beginn, spürte ich im Umgang mit den Kindern, häufig Gefühle wie Unzulänglichkeit, Machtlosigkeit und Resignation. Mit der Zeit bemerkte ich jedoch, dass derartige Verhaltensweisen nicht nur dem Zweck dienten, andere zu provozieren und zu ärgern, sondern eine tiefere Bedeutung besitzen und unter Umständen ein Hilferuf der Betroffenen sind, die ein bestimmtes pädagogisches Vorgehen erfordern.

Um Einsicht in diese Problematik zu erlangen und Kenntnisse über pädagogische Möglichkeiten sowie Kompetenzen zu erwerben, beschäftigte ich mich in dieser Arbeit mit der bereits genannten Problemstellung. Weiterhin soll diese Arbeit eine Orientierungshilfe für meine Kollegen und ihre praktische Tätigkeit sein.

So beinhaltet der theoretische Teil zunächst einmal die Darstellung des Phasenmodells von Erikson. Im Anschluss daran ist eine nähere Bestimmung des Begriffes Verhaltensauffälligkeiten nötig, um eine Grundlage für die folgenden theoretischen Aussagen zu schaffen.

An die Beschreibung spezieller Auffälligkeiten schließt sich im nächsten Punkt die Ursachenklärung an. In der gegenwärtigen Diskussion über die Ätiologie spielen unterschiedliche Überlegungen und Ansätze eine entscheidende Rolle, welche in diesem Punkt näher betrachtet werden sollen.

In einem weiteren Teil der Arbeit werde ich einführende Gedanken zur Heimerziehung vorstellen, die unter anderem rechtliche Voraussetzungen sowie Ziele und Grenzen beinhalten.

Im praktischen Teil der Arbeit gehe ich dann zu der gegenwärtigen Situation eines Kinderhauses in St. Gangloff über. Es folgen gezielte Interventions-möglichkeiten, die bei verhaltensauffälligen Kindern erfolgreich eingesetzt werden können. Mit einem Fallbeispiel schließt der praktische Teil.

Der Anhang beinhaltet kurz zusammengefasst weitere Verhaltens-auffälligkeiten.

Vorliegende Ausführungen erheben aufgrund der Komplexität des Inhaltes und der zeitlichen Komponente keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Ausgehend von FREUDS psychoanalytischem Modell möchte ich im folgenden ERIKSONS entwicklungspsychologische Theorie der Persönlichkeit darstellen. Erikson orientierte sich an Freuds Phasenmodell, nahm aber auch Veränderungen vor und berücksichtigte die sozialen Einflüsse, um eine gute Balance zwischen inneren und äußeren Einwirkungen herzustellen. Die Bedeutung von ERIKSONS Theorie liegt vor allem in einer exakten Beschreibung des Individualisationsprozesses innerhalb einer Mutter-Kind-Beziehung.

Problemstellung:

1. These:

Zwei Bedingungskomplexe bestimmen die Unterschiede zwischen den Menschen: 1. die Veranlagung (s. Disposition) , 2. der Umwelteinfluss (z.B. die Erziehung). Frühere Theorien, die immer nur einen Komplex als bestimmend annahmen, haben heute ihre Gültigkeit verloren. Inzwischen weiß man, dass die Entwicklung eines Menschen immer das Ergebnis einer Wechselwirkung von Anlage- und Umweltfaktoren darstellt.

Generell kann man davon ausgehen, dass alle Verhaltensweisen eine ererbte Basis haben. Allerdings sind, speziell beim Menschen, alle Verhaltensweisen durch Lernprozesse modifizierbar bzw. auch veränderbar. Weiterhin gibt es biologisch vorgegebene Grenzen, d.h. z.B. dass bei einer erblichen Veranlagung zu einer seelischen Krankheit die Möglichkeiten der Anpassung und Umgestaltung von Verhaltensprozessen beschränkt sind.

2. These:

Die Bedingungsvielfalt bei den Ursachen von Verhaltensauffälligkeiten sollte immer als Grundlage bei der Bewertung von Auffälligkeiten dienen. Eine einseitige Betrachtungsweise, wie sie teilweise in den beschriebenen Ansätzen vertreten ist, kann nie zu einer eindeutigen Ursachenklärung führen. Verschiedene Ursachen können zu gleichen Ursachen führen, gleiche Ursachen können unterschiedliche Erscheinungsformen erbringen.

Allgemeine Aussagen zur Ätiologie von Verhaltensauffälligkeiten können deshalb nur Hinweischarakter haben.

3. These:

Ich bin der Ansicht, dass z.B. eine Aggressive oder Depressive Veranlagung bis zu einem gewissen Grad durch Erziehung positiv beeinflussbar ist, aber dass jeder Betroffene seine Grenzen hat, oberhalb derer nichts mehr geht. Um dann weitere Fortschritte im pädagogischen Alltag zu erzielen, ist es angezeigt, eine psychotherapeutische bzw. medikamentöse Therapie zu machen.

Inhaltsverzeichnis:

Vorwort 1
Einleitung 1
I. Theoretischer Teil
1 Phasenmodell der kindlichen Entwicklung nach Erikson 3
1.1 Oral- Sensorische Phase 4
1.2 Muskulär- anale Phase 6
1.3 Lokomotorisch- genitale Phase 7
1.4 Latenzphase 8
1.5 Pubertät und Adoleszenz 9
1.6 Zusammenfassung 10
2. Verhaltensauffälligkeiten 11
2.1 Begriffsbestimmung 11
2.2 Ausgewählte Erscheinungsformen 16
2.2.1 Minderwertigkeit 16
2.2.2 Vermeidungsverhalten 18
2.2.3 Angst 20
2.2.4 Depressivität 22
2.2.5 Aggressivität 24
2.3 Ursachen und Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten 27
2.3.1 Theoretische Ansätze 28
2.3.1.1 Der psychoanalytische Ansatz 29
2.3.1.2 Der lerntheoretische Ansatz 31
2.3.1.3 Der medizinische Ansatz 34
2.3.1.4 Die Sozialisationstheorie 35
2.3.2 Das soziale Umfeld als Ursache für Verhaltensauffälligkeiten 37
2.3.2.1 Die Familie als primäre Sozialisationsinstanz 37
2.3.2.2 Die Schule als sekundäre Sozialisationsinstanz 40
2.3.2.3 Auswirkungen von Peer- Gruppen 43
2.3.3 Körperliche Konstitution als Ursache für Verhaltensauffälligkeiten 44
2.3.3.1 Körperbehinderungen 44
2.3.3.2 Frühkindliche Hirnschädigungen 45
2.3.3.3 Krankheiten 47
2.3.4 Zusammenfassung 48
3. Adäquater Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern 49
3.1 Erfassen des Ist- Zustandes des Kindes 49
3.2 Die pädagogisch- therapeutische Arbeit 50
3.2.1 Das Prinzip der Subjektzentrierung 50
3.2.2 Individualbasale Betreuung und Förderung 51
3.2.3 Partizipierende Betreuung und Förderung 52
3.2.4 Die gruppenbasale Betreuung und Förderung 53
3.2.5 Das Prinzip der Beziehungsstiftung 54
4. Heimerziehung im Kontext des KJHG 55
4.1 Rechtsgrundlagen 55
4.2 Kennzeichnen der Heimpädagogik 57
4.3 Aktuelle Tendenzen 58
4.4 Ziele und Grenzen 60
II. Praktischer Teil
5. Das Kinderhaus „Am Wald“ 62
5.1 Institutionelle Bedingungen 62
5.2 Klientel 62
5.3 Interdisziplinäre Arbeit 64
5.3.1 Elternarbeit 64
5.3.2 Teamarbeit 65
5.3.3 Kooperation mit Behörden 66
5.4 Pädagogische Fachkräfte 68
5.5 Pädagogische Regelleistungen 69
5.6 Supervision und Fortbildung 70
5.6.1 Supervision 70
5.6.2 Fortbildung 71
6. Neue pädagogische Konzeption 73
6.1 Mitarbeiter 73
6.2 Therapeutische Ressourcen 74
6.3 Pädagogische Interventionen im Freizeitbereich 77
7. Gezielte Interventionsmöglichkeiten im pädagogischen Alltag 80
7.1 Pädagogische Grundgedanken 80
7.2 Stimulusorientierte Interventionen 82
7.2.1 Signale geben 82
7.2.2 Autoritäre Verbote 83
7.2.3 Umleiten 83
7.2.4 Festhalten 84
7.2.5 Aufklärung über Folgen 84
7.2.6 Positive Aufforderung 85
7.2.7 Ich- Botschaften senden 85
7.3 Organismusorientierte Maßnahmen 86
7.3.1 Verständnis zeigen 86
7.3.2 Interesse demonstrieren 87
7.3.3 Verbalisieren von Gefühlen und Erlebnisinhalten des Kindes 87
7.3.4 Rationale Konfliktlösungen 88
7.4 Konsequenzorientierte Maßnahmen 89
7.4.1 Ignorieren 89
7.4.2 Humorvolles Reagieren 90
7.4.3 Erlaubnisse Erteilen 90
7.4.4 Provozieren des Fehlverhaltens 90
7.5 Zusammenfassung 92
8. Fallbeispiel 94
8.1 Anamnese 94
8.2 Diagnose 97
8.3 Schulbesuch 97
8.4 Heimunterbringung 99
8.5 Analyse 101
8.6 Prognose 104
III. Fazit 105
Anhang
Anhang I I
Anhang II VII
Literaturverzeichnis

Automatisiert erstellter Textauszug:

Eine Analyse der Lebens- und Erziehungssituation der Familie des Kindes gehören ebenso zur Vorbereitung wie die Analyse des sozialen Umfeldes des Kindes. In einem psychosozialen Gutachten werden die Ergebnisse zusammengefasst. Vorhandene Gutachten von Ärzten, Lehrern und Psychologen werden dabei gern mit herangezogen. Wenn die Wahl auf ein bestimmtes Heim gefallen ist, wird ein Hilfeplan (§ 36 KJHG) erstellt, wobei das Kind, die Eltern, ein Lehrer bzw. Ausbilder, der Heimpsychologe, ein Sozialarbeiter und Erzieher des Heimes anwesend sein sollten. In diesem Gespräch werden die notwendige Art der Hilfe, notwendige Leistungen und die Perspektive festgelegt. Der Hilfeplan soll halbjährlich auf seine Aktualität hin überprüft werden. Dies ist insofern wichtig, da sich aus der Erfahrung heraus innerhalb von sechs Monaten oft Veränderungen hinsichtlich der Perspektive des Kindes ergeben. [...]

3.2.3 Partizipierende Betreuung und Förderung Die Pädagogen sollten sich trotz „chronischen Personal- und Zeitmangels“6 längerfristig und intensiv mit dem einzelnen Kind beschäftigen. Hier verweise ich auf den Begriff des Bezugserziehers, den ich in einem anderen Punkt näher erläutern werde. THEUNISSEN bezeichnet es als „Patenschaft“.7 Diese Patenschaften sollten partizipierend und assistierend verlaufen. Durch kooperatives Handeln und gemeinsames Erleben mit der Bezugsperson soll das Kind zu mehr Handlungskompetenz und Kontrolle über das eigene Leben befähigt werden.8 Dadurch, dass sich das Kind mit dem Bezugserzieher identifiziert und somit Verhaltensweisen von dem Erzieher übernimmt, wird eine Veränderung des Verhaltens erreicht. Bereiche, in denen die Bezugsperson unterstützen kann, sind zum Beispiel Übungen im [...]

Bei einem recht hohen Prozentsatz von Kindern sind Körperbehinderungen Ursache für auffälliges Verhalten. Aussehen und Funktionstüchtigkeit des Körpers eines Kindes können infolge von Vererbung, Krankheit oder Unfall beeinträchtigt sein. Hinsichtlich des Aussehens handelt es sich um Merkmale, die von denen eines „normal“ gestalteten Menschen abweichen. Behinderungen sind immer dann gegeben, wenn durch sie eine Abweichung von funktionalen oder körperlichen Leistungsnormen vorliegt. Beide Bereiche greifen oftmals hinsichtlich der Auswirkungen für Lernfähigkeit und soziale Interaktion ineinander. Als körperliche Auffälligkeiten und Behinderungen werden hier all jene Beeinträchtigungen des körperlichen Aussehens und der körperlichen Funktionseinschränkung verstanden, denen zufolge das betroffene Kind Schwierigkeiten mit dem schulischen Lernen und im sozialen Bereich zu seinen Mitschülern erfahren kann.55 Um dieses auffällige Verhalten der Kinder zu vermeiden, sollte die Eingliederung in die Gesellschaft oberste Priorität besitzen. Wenn den Kindern von Anfang an die Möglichkeit gegeben wird, ein [...]

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Arbeit zitieren:
Kirst, Sandro Juli 2004: Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Jugendhilfe, Heimerziehung, Interventionsmöglichkeiten, Phasenmodell, soziale Umfeld

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