Das Verhältnis zwischen den deutschen Revisionisten und dem westeuropäischen Sozialismus 1895 – 1918
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Thomas Morawski
- Abgabedatum: Oktober 1980
- Umfang: 67 Seiten
- Dateigröße: 895,3 KB
- Note: 1,0
- Institution / Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-9489-6
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-9489-6 P - ISBN (CD) :978-3-8324-9489-6 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Morawski, Thomas Oktober 1980: Das Verhältnis zwischen den deutschen Revisionisten und dem westeuropäischen Sozialismus 1895 – 1918, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Revisionismus, Eduard Bernstein, Westeuropa, SPD, Partei
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Magisterarbeit von Thomas Morawski
Einleitung:
„Die ganze internationale Arbeiterbewegung empfing von Deutschland aus Befruchtung…“ und „an ihren Erfolgen begeisterten sich die Sozialisten anderer Länder, aus ihren Erfolgen schöpften sie immer neuen Mut zum Verharren unter dem erkorenen Banner, aus ihm Anfeuerung zu stets neuer Aktion für die Erringung des Wahlrechtes.“ Diese Worte stammen von Eduard Bernstein, dem Begründer des sogenannten Revisionismus.
Ist das Selbstbewusstsein, das Bernstein schon 1901 auf dem Höhepunkt der Revisionismus-Debatte an den Tag legt, berechtigt, war die deutsche Arbeiterbewegung und darin die im Mittelpunkt des theoretische Streites stehenden Revisionisten wirklich so beispielgebend für den europäischen Sozialismus? Gab es diesen Modellcharakter im Verhältnis des deutschen Revisionismus zu den Sozialisten in den westeuropäischen Bruderparteien? Diese Fragen sollen im Rahmen dieser Arbeit geklärt werden.
England und Südeuropa bleiben bei dieser Erörterung ausgespart. Zwar hat es auch nach diesen Seiten hin wichtige Beeinflussungen durch und von Bernstein selbst ausgehend gegeben, doch sind diese einerseits schon eingehend untersucht (England), andererseits lassen sich südeuropäische und mitteleuropäische Arbeiterbewegung nur schwerlich mit einander vergleichen.
Eine grundlegende Analyse, die heute in keiner Weise veraltet ist, weder wissenschaftlich, noch politisch. Im Gegenteil: in der politischen Standortbestimmung der linken Parteien Europas, gerade auch im europäischen Integrationsprozess, knüpft man immer wieder an die Thesen und Gegenthesen der Revisionismus-Debatte um die Jahrhundertwende 1800/1900 an. Revolutionäres Reden und reformistisches Handeln beschreiben diesen Spannungszustand.
Die Arbeit behandelt die Wechselwirkungen dieser Debatte vor dem westeuropäischen Hintergrund. Hauptuntersuchungsgegenstand sind dabei die ‚Sozialistischen Monatshefte’ als Diskussionsorgan der Revisionisten. Die wichtigsten Thesen der Studie:
Bedingt durch die begrenzte Verbreitung der Marx’schen Lehre gab es in Westeuropa wohl marxistisches Denken, aber wenig fundierte Marx-Rezeption. Daher waren Sozialisten, die über eingehende Marx-Rezeption zur eingehenden Marx-Kritik fanden, auch Einzelgänger, so der als Begründer des Revisionismus gekennzeichnete Eduard Bernstein.
Unabhängig von der Entwicklung des Marxismus oder der Marx-Kritik waren reformistische Konzepte in den sozialistischen Parteien Westeuropas politischer Alltag geworden, gestützt durch Selbsterhaltungsmechanismen politischer, auch gewerkschaftlicher Institutionen, selbst wenn diese als ‚Gegengesellschaft’ verklärt werden. So war der – theoretisch weitgehend desinteressierte – Reformismus ein typisch westeuropäisches Phänomen, der Revisionismus ein typisch deutsches Phänomen.
Daraus erklärt sich die Notwendigkeit für die deutschen Revisionisten, im Ausland Exempel auf die Theorie-Diskussion im Inland zu statuieren.
Westeuropa als Beweismittel für die Notwendigkeit einer Programm-Revision in der deutschen Sozialdemokratie taugte nur so lange, wie die Entwicklungen in den Bruderparteien mit den Erwartungen der Revisionisten übereinstimmten.
Inhaltsverzeichnis:
| Einleitung | 3 | |
| Quellenlage | 3 | |
| Was ist Revisionismus? | 4 | |
| Wer sind die deutschen Revisionisten? | 6 | |
| 1. | Revisionismus in Europa | 7 |
| Revisionismus in Frankreich | 8 | |
| Die Guesdisten | 10 | |
| George Sorel | 10 | |
| Jaurés und die Unabhängigen | 12 | |
| Modell SPD | 14 | |
| 2. | Revisionismus in Belgien | 15 |
| 3. | Revisionismus in den Niederlanden | 18 |
| 4. | Verbreitung des Revisionismus in Westeuropa | 21 |
| 5. | Der westeuropäische Reformismus als Maßstab für den deutschen Revisionismus | 22 |
| Fall 1 - Koalitionen und Regierungsbeteiligung | 23 | |
| Der ‚Cas Millerand’ | 23 | |
| Die Frage der Wahlbündnisse | 28 | |
| Fall 2 - Die Kolonialfrage | 35 | |
| Frankreich als Beispiel für eine ‚vernünftige Kolonialpolitik’ | 38 | |
| Der belgische und niederländische Kolonialismus | 39 | |
| Fall 3 - Der Generalstreik | 41 | |
| Generalstreiks in Belgien als Exempel | 42 | |
| Generalstreiks in Holland | 45 | |
| Streikbewegungen in Frankreich | 45 | |
| 6. | Schlussbetrachtung | 46 |
| Anmerkungen | 51 | |
| Literaturliste | 59 |
einzugehen, um die Nachteile des Wahlrechtes aufzuwiegen und es einmal wieder abschaffen zu können. Zwar erkannte Bernstein, daß der echte Liberalismus – wie in Westeuropa bereits zu beobachten - in Deutschland noch gar nicht angefangen habe, aber: „in Frankreich und in Italien wie in der Schweiz, in den Niederlanden wie in den skandinavischen Staaten – überall sehen wir die vorgeschrittene bürgerliche Linke ängstlich bemüht, sofern es nicht gelingt, die Arbeiter selbst in den Bannkreis ihrer Partei zu halten, mit den selbstverständlich sozialistischen Arbeiterparteien wenigstens möglichst gute Führung zu haben… Einsicht in die Notwendigkeit ist es welche das geschilderte Verhalten der vorgeschrittenen bürgerlichen Parteien jener Länder bestimmt“ (107). Dies sollte sich die deutsche Sozialdemokratie zum Vorbild nehmen, denn mit mehr Entschlossenheit wären „alle diese Anbiederungen … so lange ungefährlich, als die Sozialdemokratie eine geschlossene Partei der Arbeiterklasse bedingten Grundsätzen und Forderungen bildet“ (108). [...]
Wesentlich näher an der politischen Realität in Deutschland war die Möglichkeit, Wahlbündnisse mit Liberalen einzugehen. Die Ereignisse im Fall Millerand hatten es immerhin dahin gebracht, daß solch revisionistische Politik ernst genommen werden musste, ja daß der Revisionismus eine ernsthafte Gefahr für das deutsche Parteizentrum darstellte. In der Folge der Regierungsbeteiligung in Frankreich hatte 1899 der Parteitag von Hannover Bernsteins Thesen zu diskutieren. Der Revisionismus wurde eindeutig verworfen, die Partei erklärte sich für nach wie vor auf dem Boden des Klassenkampfes stehend, von den Guesdisten mit Beifall bedacht. Doch tatsächlich war die Entwicklung schon weiter fortgeschritten. Nachdem bereits 1894 die Landtage in Baden, Bayern und Hessen mit den Stimmen der Sozialdemokraten die Länderetats bewilligten, der Parteitag von Hamburg 1897 genaue Bedingungen formulierte, unter denen bei Reichstagswahlen [...]
Der Rückblick auf die Amtstätigkeit Millerands ließ für die deutschen Reformer den Schritt in die Regierung als umso berechtigter erscheinen. Millerands sozialpolitische Leistungen brauchten keine objektive Kritik zu scheuen, meinte David (101), Vollmar nannte auch Einzelheiten: Zehn-Stunden-Arbeitstag, in Millerands Geschäftsbereich gar ein Acht-Stunden-Tag, Anerkennung der Gewerkschaften als Tarifpartner, Selbstverwaltung der Arbeitsbörsen, Bildung von Arbeits-Aufsichtsbehörden sowie ein weitgehendes sozialreformerisches Programm, das u.a. die Einführung von Urabstimmungen bei Arbeitskämpfen vorsah (102). „ Es ist gar kein Frage, daß die innere Politik im Gegensatz zu der Stagnation in Deutschland geradezu erfrischend wirkt und zwar besonders auf dem Gebiet der Sozialpolitik“, schrieb ein namentlich nicht genannter Autor in den Sozialistischen Monatsheften (103). Jedoch war Millerand auch für Handlungen der Regierung mitverantwortlich, die bei den Sozialisten auf völliges Unverständnis stießen. So der formelle Abschluß eines Bündnisses mit dem zaristischen Russland, „der Verkörperung der brutalsten Reaktion“ (104), gar die Entgegennahme eines Ordens vom Zaren während der Pariser Weltausstellung, seine Haltung in den Streiks von Martinique und Chalon. Schließlich scheiterte ein weiteres sozialpolitisches Vorhaben, das obligatorische [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832494896
Arbeit zitieren:
Morawski, Thomas Oktober 1980: Das Verhältnis zwischen den deutschen Revisionisten und dem westeuropäischen Sozialismus 1895 – 1918, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Revisionismus, Eduard Bernstein, Westeuropa, SPD, Partei



