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Vergleich der nationalen Forschungs- und Technologiepolitiken in Deutschland und Großbritannien ab 1990

Vergleich der nationalen Forschungs- und Technologiepolitiken in Deutschland und Großbritannien ab 1990
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Yilmaz Sütcü
  • Abgabedatum: April 2008
  • Umfang: 77 Seiten
  • Dateigröße: 501,1 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität Stuttgart Deutschland
  • Bibliografie: ca. 80
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-1536-5
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Sütcü, Yilmaz April 2008: Vergleich der nationalen Forschungs- und Technologiepolitiken in Deutschland und Großbritannien ab 1990, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Forschungspolitik, Technologiepolitik, Marktversagen, Deutschland, Großbritannien

Diplomarbeit von Yilmaz Sütcü

Einleitung:

Wirtschaftswachstum bringt den Menschen Wohlstand. Aus den Wachstumsmodellen ist bekannt, dass technischer Fortschritt eine wesentliche Determinante des Wachstums bildet. Technischer Fortschritt entsteht durch die Produktion von Innovationen. Immer neuere Produkte werden hergestellt, die auf der einen Seite eine Konsummöglichkeit darstellen, auf der anderen Seite aber lösen sie auch Veränderungen in der Gesellschaft aus. Es ist zu beobachten, dass im Laufe der Zeit Produkte und Dienstleistungen in doppelter Hinsicht einen steigenden Wissensgrad beanspruchen. Zum einen wird mehr Wissen benötigt, um die Produkte herzustellen. Zum anderen wird auch auf Seiten der Verbraucher mehr Wissen benötigt, um die Produkte nutzen zu können. Es entstehen Wissensökonomien und Wissensgesellschaften. Komplexer werdende Technologien und interdisziplinäre Forschung sagen voraus, dass Wissen auch in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen wird. Die neuen Produkte werden nach ihrer Herstellung am Markt gehandelt. In Zeiten der Globalisierung bedeutet das einen weltweiten Marktplatz und internationale Konkurrenz. Daher versucht ein Land seine Innovationen von denen anderer Länder abzuheben. Dies gelingt am besten, wenn die Innovationen eines Landes mit Wissen gekoppelt sind, das anderen Ländern noch nicht verfügbar ist. Da Innovationen im Laufe der Zeit einen steigenden Wissensgrad beanspruchen, wird in die Forschung investiert, um neues Wissen zu produzieren. Dieses Wissen wird dann umgesetzt in innovative Produkte und Dienstleistungen. Die Forschungs- und Technologiepolitik übernimmt diese beiden Aufgaben. Zum einen investiert sie in die Forschung, zum anderen setzt sie sich für die erfolgreiche Umsetzung der Forschungsergebnisse in innovative Produkte ein.

Ziel dieser Arbeit ist es, zunächst herauszustellen, ob staatliche Eingriffe in die Wirtschaft überhaupt gerechtfertigt sind. Dazu werden Formen des Marktversagens untersucht, mit denen staatliche forschungs- und technologiepolitische Maßnahmen begründet werden. Anschließend werden die Forschungs- und Technologiepolitiken von Deutschland und Großbritannien analysiert und schließlich miteinander verglichen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
2. Begriffliche Grundlagen 2
2.1 Forschung und Entwicklung 2
2.2 Technologie 3
2.3 Forschungs- und Technologiepolitik 4
3. Marktversagen und wirtschaftspolitische Ansatzpunkte für die Forschungs- und Technologiepolitik 5
3.1 Spillover-Effekte in endogenen Wachstumsmodellen 6
3.1.1 Learning-by-doing-Modell 7
3.1.2 Humankapitalmodell 9
3.1.3 Fue-Modell 11
3.2 Marktunvollkommenheiten im Außenhandelsmodell 14
3.3 Unsicherheiten und unvollkommene Kreditmärkte 17
3.4 Netzwerkeffekte 18
4. Forschungs- und Technologiepolitik in Deutschland 21
4.1 Akteure 21
4.1.1 Ministerien und Gremien 21
4.1.2 Schulen, Aus- und Weiterbildungseinrichtungen 22
4.1.3 Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen 23
4.1.4 Forschungsförderungseinrichtungen 24
4.1.5 Unternehmen 25
4.1.6 Europäische Union 26
4.2 Die technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands 27
4.2.1 Entwicklungen seit den 90er Jahren 27
4.2.2 Inputorientierte Fut-Iindikatoren 28
4.2.3 Outputorientierte Fut-Indikatoren 30
4.2.4 Marktorientierte Fut-Indikatoren 31
4.3 Studien zum Innovationssystem und Technologievorschau als Basis für die Fut- Strategie 32
4.3.1 Studien zum Innovationssystem 32
4.3.2 Technologievorschau 34
4.4 Fut-Strategie: die Hightech-Strategie für Deutschland 35
4.4.1 Querschnittsaktivitäten zur Innovationsförderung 35
4.4.2 Forschungsfeldspezifische Innovationsstrategien 38
4.5 Evaluation 39
4.5.1 Evaluationsverfahren drei-Schalenmodell 39
4.5.2 Evaluation ausgewählter Förderprogramme 39
5. Nationale Forschungs- und Technologiepolitik in Großbritannien 41
5.1 Akteure 41
5.1.1 Ministerien und Gremien 41
5.1.2 Schulen, Aus- und Weiterbildungseinrichtungen 42
5.1.3 Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen 43
5.1.4 Forschungsförderungseinrichtungen 44
5.1.5 Unternehmen 45
5.1.4 Europäische Union 45
5.2 Die technologische Leistungsfähigkeit Großbritanniens 46
5.2.1 Entwicklung seit den 90er Jahren 46
5.2.2 Inputorientierte Fut-Indikatoren 48
5.2.3 Outputorientierte Fut-Indikatoren 49
5.2.4 Marktorientierte Fut-Indikatoren 50
5.3 Studien zum Innovationssystem und Technologievorschau als Basis für die Fut-Strategie 51
5.3.1 Studien zum Innovationssystem 51
5.3.2 Technologievorschau 52
5.4 Fut-Strategie: science and innovation investment framework 2004- 2014 53
5.4.1 Science and innovation investment framework 2004- 2014 53
5.4.2 Technology strategy board 55
5.5 Evaluation 56
5.5.1 Evaluationsverfahren roame 56
5.5.2 Evaluation ausgewählter Förderprogramme 57
6. Vergleich der Fut-Politiken in Deutschland und Großbritannien 58
6.1 Vergleich der Forschungsinfrastrukturen 58
6.2 Vergleich der Fut-Indikatoren 60
6.3 Vergleich der Fut-Strategien 62
7. Schlußbemerkungen 63

Textprobe:

Kapitel 3.2, Marktunvollkommenheiten im Außenhandelsmodell:

Eigenschaften des Marktmechanismus, die zu einer suboptimalen Wohlfahrt führen und dadurch die Möglichkeiten zum Eingreifen des Staates eröffnen, bestehen auch im Außenhandelsmodell. Eigentlich ist es keine Funktionsschwäche des Marktes jedoch vermag der Markt allein nicht den inländischen wohlfahrtsoptimalen Wachstum zu sichern. Im Modell von Brander/Spencer (1983) werden in diesem Zusammenhang protektionistische Maßnahmen des Staates empfohlen, die zu einer Wohlfahrtssteigerung der eigenen Volkswirtschaft beitragen. Das Modell geht von einer Oligopolsituation mit zwei Unternehmen aus, wobei das eine im Inland und das andere im Ausland angesiedelt ist. Beide Unternehmen stellen jeweils das gleiche Produkt her. Zur Vereinfachung wird unterstellt, dass die Produktion beider Unternehmen ausschließlich in ein Drittland exportiert wird. Unter Cournot-Bedingungen werden die beiden Unternehmen ihre Produktionsmengen so festsetzen, dass bei gegebener Produktionsmenge des Konkurrenten der eigene Gewinn maximiert wird. Wird aber nun die Produktion des inländischen Unternehmens staatlich subventioniert, kann es die Produktionsmenge ausweiten und seinen Gewinn erhöhen. Gleichzeitig verringert sich dadurch die Produktion und der Gewinn des ausländischen Unternehmens. Es spielt dabei keine Rolle, ob es sich um Produktions- oder Exportsubventionen handelt. Wird im Modell aber inländischer Konsum zugelassen, so fällt die Steigerung der inländischen Produzentenrente im Fall einer Produktionssubventionierung höher aus als bei einer Exportsubvention. Die Erhöhung der Produzentenrente im Inland, d.h. der erhöhte Unternehmensgewinn abzüglich der Subventionen, kann gleichgesetzt werden mit der Erhöhung der nationalen Wohlfahrt. Dieser Vorgang wird auch internationales rent-shifting genannt. Neben Produktions und Exportsubventionen lassen sich auch mit Hilfe von Forschungssubventionen die inländische Produzentenrenten erhöhen, wenn die forschungsintensiven Industrien überdurchschnittlich hohe Oligopolgewinne erzielen. Das Entstehen der Oligopolgewinne wird im Modell durch Markteintrittsbarrieren und Grösseneffekten verursacht. Markteintrittsbarrieren entstehen durch irreversible und hohe Kosten, die mit der Entwicklung einer Innovation zusammenhängen. Anlage- und Humankapitalinvestitionen können beispielsweise für ein FuE-Projekt derart spezifisch sein, dass eine spätere Umlenkung in andere Verwendungen nicht möglich ist. Größeneffekte ergeben sich bei der Produktion hoher Stückzahlen durch Kostendegression. Mit steigendem Produktionsvolumen sinken dabei die Stückkosten. Markteintrittsbarrieren und Grösseneffekte bieten etablierten Unternehmen einen gewissen Schutz vor der potentiellen Konkurrenz und bewirken gleichzeitig Oligopolisierungs- bzw. im Extremfall Monopolisierungstendenzen. Schließlich sehen Brander/Spencer staatlichen Protektionismus in Form von Subventionen als eine sinnvolle strategische Maßnahme zur Erhöhung der nationalen Wohlfahrt, die allerdings zu Lasten der ausländischen Wohlfahrt vonstatten geht.

Handelt es sich aber um multinationale Unternehmen, so ist es nicht erkennbar, ob die aus der Subventionspolitik erzielten Erfolge tatsächlich im Inland verbleiben und damit die nationale Wohlfahrt erhöhen oder ob sie ins Ausland übertragen werden. Außerdem kann die strategische Handelspolitik auch durch Vergeltungsmaßnahmen des Auslands beeinträchtigt werden. Fördert in einem Zwei-Länder-Modell das eine Land seine inländischen Unternehmen durch Subventionen, so ist es für das andere Land ratsam, auf gleicherweise eine Subventionspolitik zu betreiben, um den Wohlfahrtsverlusten entgegenzuwirken. Dies führt zu einem Subventionswettlauf der letztendlich die Wohlfahrt beider Länder aufgrund unverhältnismäßig hoher Subventionsausgaben weiter senkt, als es im Falle ohne Subventionsförderungen wäre. Aus diesem Gefangenendilemma können sich die Länder befreien, wenn sie zusammen beschließen, die Subventionen abzubauen.

Eine weitere Form von Protektionmaßnahmen zum Wohl der nationalen Wirtschaft ist die Erhebung von Importzöllen. Begründet wird diese Maßnahme mit der Realisierung von Lerneffekten. Lerneffekte entstehen durch die im Zeitverlauf mit dem Produktionsprozess gemachten Erfahrungen und führen zu einer Steigerung der Arbeitsproduktivität. Diejenigen Unternehmen, die ihre technologische Effizienz und ihr Wissen durch Erfahrungen bei der Produktion eines bestimmten Gutes im Laufe der Zeit steigern konnten, besitzen gegenüber potentiellen Konkurrenten einen Kostenvorteil. Die Lerneffekte bewirken somit eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. In diesem Sinne wäre es möglich, durch den Einsatz eines Importzolls für bestimmte Güter, die entsprechende inländische Industrie zu schützen, bis die Unternehmen durch Lerneffekte ihre Produktionseffizienz verbessern und sich auf den Weltmärkten behaupten können.

Im Außenhandelsmodell von Grossman/Helpman (1990b) wird ebenfalls auf protektionistische Maßnahmen zum Schutz der inländischen Volkswirtschaft hingewiesen. Das Modell geht von zwei Ländern, zwei Faktoren und zwei Sektoren aus. Im High-tech-Sektor wird relativ mehr Humankapital eingesetzt als im Low-tech-Sektor, wobei der High-tech-Sektor bei der Produktion seines Gutes zusätzlich neues Wissen hervorbringt, das die Produktivität in beiden Sektoren erhöht. Internationaler Handel führt dazu, dass sich das humankapitalreichere Land auf High-tech-Produkte spezialisiert und das humankapitalärmere Land auf Low-tech-Produkte. Beide Länder realisieren kurzfristige Handelserfolge durch komparative Kostenvorteile nach dem Ricardo-Modell. Langfristig jedoch verschlechtern sich die Wachstumsbedingungen des auf Low-tech-Produkte spezialisierten Landes, weil sich die Produktion im High-tech-Sektor verringert und damit auch die externen Erträge, die aus der Wissensproduktion des High-tech-Sektors stammen, sinken. Unter diesen Umständen kann es sinnvoll sein, die Produktion von High-tech-Produkten zu subventionieren oder den Import von technologieintensiven Gütern zu beschränken, um so den inländischen High-tech-Sektor zu stärken.

Auf der anderen Seite gibt es auch Meinungen, die eine strikte Ablehnung protektionistischer Maßnahmen fordern. So wird betont, dass die Öffnung der Volkswirtschaften über Skaleneffekte größerer Märkte und internationale Wissens-Spillover aus dem Import von Technologiegütern eher Wachstumswirkungen auf die inländische Wohlfahrt haben, als die Abschottung durch Protektionismus, die letzlich eine Verringerung der Wachstumskräfte in allen beteiligten Volkswirtschaften mit sich bringt. Protektionismus in den Ländern beschränkt hierbei die gegenseitige Erzeugung externer Erträge. In der politischen Realität scheinen dennoch protektionistische Maßnahmen bevorzugt zu werden, da vor allem Güter der Spitzentechnologie vielfach staatlich subventioniert werden oder bestimmten Handelshemmnissen unterliegen.

Arbeit zitieren:
Sütcü, Yilmaz April 2008: Vergleich der nationalen Forschungs- und Technologiepolitiken in Deutschland und Großbritannien ab 1990, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Forschungspolitik, Technologiepolitik, Marktversagen, Deutschland, Großbritannien

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