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Vergleich der Leistungsfähigkeit von Biofilmverfahren bei Sanierungen bzw. Erweiterungen von kommunalen Kläranlagen

Vergleich der Leistungsfähigkeit von Biofilmverfahren bei Sanierungen bzw. Erweiterungen von kommunalen Kläranlagen
Über dieses Buch

Dissertation / Doktorarbeit von Volker Schmid-Schmieder

Einleitung:

Aufgrund des in Deutschland wie auch in anderen europäischen Nachbarstaaten in verstärktem Maße anstehenden Sanierungs- und Erweiterungsbedarfs bei kommunalen Kläranlagen mit größeren Auslegungskapazitäten zeigt sich die Notwendigkeit, die konkreten Einsatzmög-lichkeiten von Biofilmverfahren für diese Zwecke näher zu betrachten und anwendungs-orientierte Hinweise zur Leistungsfähigkeit derartiger Verfahrensvarianten zu erarbeiten.

In dieser Arbeit werden deshalb die unterschiedlichen Verfahrensvariationen der Biofilmsysteme - teilweise auch in Kombination mit der konventionellen Belebtschlammbiozönose- detailliert untersucht und die Ergebnisse zu dem bereits existierenden Erfahrungsschatz in Relation gesetzt.

Die hauptsächliche Zielsetzung der Untersuchungen liegt darin, ausreichend abgesicherte und wissenschaftlich begründete Ansätze zur Dimensionierung der einzelnen Biofilmstufen für weitgehende Nitrifikation und Denitrifikation zu entwickeln. Zu diesem Zweck werden die mikrobiologischen Kenntnisse, die bisher für das spezielle Einsatzgebiet der Biofilmanwendung in der Abwasserreinigung existieren, zusammengetragen und analysiert. Es zeigt sich bei der Auswertung der bis dato publizierten Erfahrungen, dass oftmals effektive Leistungsvergleiche aufgrund der meist sehr speziellen Aufgabenstellungen und Randbedingungen erschwert werden.

Aufbauend auf dem Spektrum der zur Beurteilung der einzelnen Biofilmverfahren relevanten Leistungsparameter und einer einheitlich aufgebauten Systematik der Verfahrensmodifikationen wird versucht, verfahrenstechnische Dimensionierungsansätze zu entwickeln und durch adäquate Versuche in halbtechnischen Pilotanlagen abzusichern.

So wird für die Hauptgruppe der mit der Belebtschlammbiozönose kombinierten Biofilm -verfahren als erstes repräsentatives System das Pegasus-Verfahren näher untersucht. Basierend auf der verfahrenstechnischen Konfiguration einer vorgeschalteten Denitrifikation mit einer Trägermaterialfüllung in der Nitrifikationszone kann folgende Leistungsfähigkeit anhand entsprechender Versuchsauswertungen per Regressionsrechnungen testiert werden:

- beim Kohlenstoffabbau sehr gute Eliminationsleistungen (bei unterschiedlichen Temperaturverhältnissen) bei CSB-Raumbelastungen zwischen 1,4 und 5,0 kg CSB/m3*d.

- bei der Nitrifikation sehr gute NH4-Eliminationsleistungen (bei unterschiedlichen Temperaturverhältnissen) bei TKN-Raumbelastungen zwischen 0,2 und 0,55 kg /m3*d bzw.0,075-0,175 kg NH4/m3*d.

- bei der Denitrifikation (Belebtschlamm) gute Eliminationsleistungen bei mittleren NO3-Raumbelastungen von 0,13 kg/m3*d.

- Schlammindices ISV< 120 ml/g TS sowie spezifische Überschussschlammproduktionsraten < 1,0 kg TS/kg BSB5 (mit starkem Schwankungsbereich).

Bei einem weiteren kombinierten Verfahren der o.g. Hauptgruppe, dem sog. EvU-Verfahren werden beim Kohlenstoffabbau und bei der Nitrifikation ebenfalls sehr gute Elimina-tionsleistungen festgestellt, auch in der mit Trägermaterial gefüllten Denitrifikationsstufe sind gute Eliminationsraten bei NO3-Raumbelastungen von 0,22-0,29 kg/m3*d zu erreichen.

Die Schlammindices ISV liegen bei 100 ml/g TS, die Schlammproduktion bei ca.1,0 kgTS/kg BSB5.

Für die Hauptgruppe der sessilen Biologien auf Trägermaterial werden bei dem ersten repräsentativen System, dem Schwebebettverfahren (Kaldnes) in den einzelnen teilprozessorientierten Verfahrensstufen mit jeweils darauf abgestimmten aktiven spezifischen Oberflächen ebenfalls sehr gute Kohlenstoffabbau-, Nitrifikations- und Denitrifikationsraten sowie gute Schlammindices ermittelt. Diese Ergebnisse sind auch bei dem dieser Hauptgruppe zuzuordnenden Biofilmsystem eines Festbettverfahrens mit fest installierter Trägerbiologie feststellbar.

Ein wichtiges Fazit ist dahingehend zu ziehen, dass im Vergleich zu konventionellen Belebtschlammverfahren die einzelnen näher untersuchten Biofilmsysteme in Bezug auf Kohlenstoff- und Stickstoffelimination gleichwertige Reinigungsleistungen aufweisen, so dass im Hinblick auf Dimensionierungsansätze eine ausreichend abgesicherte Basis für die Quantifizierung der Abbauleistungen und deren funktionalen Abhängigkeiten existiert.

Somit war die Möglichkeit gegeben, mit den aus den Untersuchungsergebnissen abgeleiteten Leistungsparametern und Bemessungsansätzen exemplarisch eine detaillierte Dimensionierung für die Erweiterung einer kommunalen Kläranlage mit einer Auslegungsgröße von 75.000 EW durchzuführen. Aus den errechneten Volumina bzw. Oberflächen der einzelnen verfahrens- technischen Komponenten der Abwasserreinigung resultiert, dass in Relation zu den Ergebnissen des klassischen Belebtschlammsystems bei den Biofilmverfahren signifikante Einsparpotentiale aufgezeigt werden können, und zwar in der biologischen Stufe Volumendifferenzen in der Größenordnung von 50-55% bei sessilen Trägermaterialbiologien (KALDNES, Festbett) und von 33-34% bei kombinierten Biofilmverfahren (EvU, Pegazur) in der Nachklärung Oberflächendifferenzen von ca. 49% bei den sessilen Trägerbiologien.

Diese Vorteile der diversen Biofilmverfahren in Form von Differenzvolumina und –oberflächen lassen sich direkt als Investitionskostenreduzierungen ausdrücken, denen erhöhte betriebliche Aufwendungen (Energieaufwand für Schwebebett, Rückspülung etc.) gegenübergestellt werden müssen.

Zu diesen wirtschaftlichen Aspekten kommen noch zusätzlich nicht-pekuniäre Vorteile wie geringerer Flächenbedarf mit positiven Auswirkungen auf die Standortrealisierung und auf erforderliche landschaftspflegerische Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, Möglichkeit der kompletten Einhausung der Anlagen mit positiven Auswirkungen auf die Minimierung der Geruchs- und Lärmemissionen, einen optimalen Winterbetrieb und die städtebauliche sowie architektonische Gestaltung der gesamten Anlage, gezielte Steuerungsmöglichkeiten der biologischen Stufen aufgrund der Spezifikation der jeweils eingesetzten Mikroorganismen und darauf optimal abstimmbarer Milieubedingungen insbesondere für spezielle Einsatzfälle wie temporäre Belastungsänderungen, Störfallbewältigung, jahreszeitlich bedingte Änderungen der Prozessbedingungen.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Erkenntnisstand 2
1.3 Untersuchungsansatz, Zielsetzung und Vorgehensweise 4
2. Mikrobiologische Grundlagen der Biofilmverfahren 7
2.1 Biofilmstruktur und –aufbau 7
2.2 Entwicklung von Biofilmen 11
2. 2.1 Entwicklungsstadien 11
2. 2.2 Bedeutung der EPS (Extrazelluläre polymere Substanzen) 14
2.3 Funktionale Darstellung der Biofilmeigenschaften zur Beschreibung der Abbaukinetik 16
3. Bemessungsgrößen und Leistungsparameter 27
3.1 prozessbestimmende Zulaufparameter 27
3.2 Prozessparameter 28
3.2.1 für Nitrifikation und Kohlenstoffabbau 28
3.2.2 für Denitrifikation 28
3.3 Spezifische Umsatzleistungen der relevanten Abwasserinhaltsstoffe 29
3.3.1 Einflussfaktoren für Nitrifikationsrate 29
3.3.1.1 Temperatureinfluss 29
3.3.1.2 Einfluss des C/N-Verhältnisses 30
Einfluss der NH4-Konzentration 30
Einfluss der O2-Konzentration 30
3.3.2 Einflussfaktoren für Denitrifikationsrate 31
3.3.2.1 Temperatureinfluss 31
3.3.2.2 Einfluss der Konzentration leicht abbaubaren Kohlenstoffs 31
3.4 Bemessungsgrößen für die Nachklärung 32
3.5 Grundlagen zum Vergleich der Leistungsfähigkeit Biofilmverfahren/Belebtschlammverfahren 32
4. Systematik der Biofilmverfahren 35
4.1 Sessile Biologie auf Trägermaterial 39
4.1.1 Biofilmverfahren ,mit ungeordnet bewegtem Trägermaterial 40
4.1.2 Biofilmverfahren mit fixiertem bzw. geordnet bewegtem Material 44
4.2 Kombinierte Verfahren (sessile und suspendierte Biomasse) 51
4.2.1 suspendiertes Trägermaterial 51
4.2.2 fixiertes Trägermaterial 57
5. Stand von Wissenschaft und Technik 59
5.1 Pegasus-Verfahrenstechnik 59
5.2 Japanische Pegasus-Erfahrungen 60
5.3 EvU-Verfahrenstechnik 61
5.4 Deutsche EvU-Erfahrungen 62
5.5 Kaldnes-Verfahrenstechnik 63
5.6 Skandinavische Kaldnes-Erfahrungen 68
5.6.1 Nitrifikation 68
5.6.1.1 Organische Schmutzfracht 68
5.6.1.2 Phosphat-Fracht 68
5.6.1.3 Säurekapazität 68
5.6.2 Nitrifikationsgeschwindigkeit 68
5.6.2.1 Temperatur 69
5.6.2.2 Leicht abbaubarer CSB 69
5.6.2.3 O2-Konzentration 69
5.6.2.4 NH4-Konzentration 70
5.6.3 Denitrifikationsgeschwindigkeit 70
5.6.3.1 vorgeschaltete Denitrifikation 71
5.6.3.2 nachgeschaltete Denitrifikation 71
5.6.3.2.1 für CSB/NO3 > 3,5 71
5.6.3.2.2 für CSB/NO3 < 3,5 72
5.7 Verfahrensschema Festbettverfahren 72
5.8 Deutsche Festbett-Erfahrungen (halbtechnisch/großtechnisch) 75
5.8.1 Für die Bemessung relevante Belastungszahlen 78
5.8.1.1 reiner Kohlenstoffabbau 78
5.8.1.2 Nitrifikation 78
5.8.1.3 Denitrifikation 81
5.8.2 Hinweise zur Anlagenkonfiguration und –ausrüstung 82
5.8.2.1 Belüftung 82
5.8.2.2 Rückspülung 82
5.8.2.3 Überschussschlammproduktion 82
5.8.2.4 Absetzeigenschaften 83
6. Versuchsstrategien und –bedingungen 84
6.1 Allgemeines 84
6.2 Pegazur-Versuche 85
6.2.1 Untersuchungsmethodik 85
6.2.2 Versuchsphasen 85
6.2.3 Abwassercharakteristika 88
6.2.3.1 Schwermetallverbindungen 89
6.2.3.2 Anorganische Stoffe 90
6.2.3.3 Randbedingungen für die Versuchsphasen 90
6.2.3.3.1 Temperatur 90
6.2.3.3.2 pH-Wert 90
6.2.3.3.3 Redoxpotential 91
6.2.3.3.4 Sauerstoffkonzentrationen 91
6.3 EvU-Versuche 95
6.3.1 Untersuchungsmethodik 95
6.3.2 Versuchsphasen 95
6.3.3 Abwassercharakteristika 96
6.4 Kaldnes-Versuche 98
6.4.1 Untersuchungsmethodik 98
6.4.2 Versuchsphasen 98
6.4.3 Abwassercharakteristika 99
6.4.4 Randbedingungen für die Versuchsphasen 100
6.4.4.1 Temperatur 100
6.4.4.2 pH-Wert 100
6.4.4.3 Sauerstoffkonzentration 100
7. Versuchsergebnisse 101
7.1 Pegasus-Versuche 101
7.1.1 Versuchsaufbau/-bedingungen 101
7.1.2 Auswertung der Versuchsergebnisse 101
7.1.2.1 Abbau der organischen Schmutzfracht 101
7.1.2.2 Stickstoffelimination 109
7.1.2.2.1 Nitrifikationsvorgänge 109
7.1.2.2.2 Denitrifikationsvorgänge 123
7.1.2.2.3 Schlammeigenschaften 123
7.1.2.2.4 Schlammproduktion 131
7.1.3 Vergleich mit bisherigen Ergebnissen 134
7.2 EvU-Versuche 134
7.2.1 Versuchsaufbau/-bedingungen 134
7.2.2 Auswertung der Versuchsergebnisse 135
7.2.2.1 BSB5 135
7.2.2.2 CSB 135
7.2.2.3 Respirationsaktivität 135
7.2.2.4 Nges, anorganisch 138
7.2.2.5 NH4-N 140
7.2.2.6 Pges 142
7.2.3 Vergleich mit bisherigen Ergebnissen bei kombinierten Biofilmverfahren 159
7.2.3.1 Biologisch wirksame Oberfläche der Aufwuchskörper 159
7.2.3.2 O2-Gehalt in Nitrifikationszone 159
7.2.3.3 C-Abbauleistung 160
7.2.3.4 Nitrifikationsleistung 160
7.2.3.5 Denitrifikationsleistung 160
7.2.3.6 Absetzverhalten 162
7.3 Kaldnes-Versuche 162
7.3.1 Versuchsaufbau/-bedingungen 162
7.3.2 Auswertung der Versuchsergebnisse 163
7.3.2.1 Abbau der organischen Fracht 163
7.3.2.2 Stickstoffelimination 170
7.3.2.2.1 Nitrifikationsvorgänge 170
7.3.2.2.2 Denitrifikationsvorgänge 174
7.3.2.2.3 Schlammeigenschaften 180
7.3.3 Vergleich mit bisherigen Ergebnissen 180
7.3.3.1 Kohlenstoffabbau 180
7.3.3.2 Nitrifikation 180
7.3.3.3 Denitrifikation 189
8. Vergleich der Leistungsfähigkeit von Biofilmverfahren/Belebtschlammverfahren 190
9. Dimensionierungshinweise für einzelne Biofilmverfahren 199
9.1 Sessile Biologie auf Trägermaterial 199
9.2 Kombinierte Verfahren 200
9.3 Beispielbemessung für den Sanierungs-/Erweiterungsfall einer kommunalen Kläranlage 205
10. Zusammenfassung, Schlussfolgerungen und Ausblick 210
11. Literaturverzeichnis 218
12. Anhang 230

Automatisiert erstellter Textauszug:

Repräsentativität der Untersuchungen: Generell musste bei der Analyse der weltweit bisher durchgeführten und publizierten Untersuchungen zu den einzelnen Biofilmverfahren festgestellt werden, dass für die Einsatzzwecke in der kommunalen bundesdeutschen Abwasserreinigung aus diversen Gründen (z.B. längere Winterperioden mit anschließenden langanhaltenden Schneeschmelzen in skandinavischen Ländern, zur anorganischen Feststoffreduzierung eingesetzte Vorfällungen mit hieraus resultierender Kohlenstoffminderung, häufig keine Mischsystembedingungen) keine ausreichende Repräsentativität gegeben ist. Etliche Einflussparameter hinsichtlich Abwasserzusammensetzung (Kohlenstoffgehalte, C/NVerhältnisse etc.), verfahrenstechnischer Randbedingungen (Temperatur, pH-Werte, Anordnung der Denitrifikationsstufe etc.) sowie Versuchsdurchführung erweisen sich als so signifikant, dass bei der Vorbereitung und Auswertung der im weiteren dargestellten wissenschaftlichen Untersuchungen der Repräsentativität der hieraus abgeleiteten Aussagen ein besonderer Stellenwert eingeräumt wurde. Insbesondere die Einhaltung der NgesÜberwachungswerte nach deutscher Überwachungsmethodik und Probenahme (im Vergleich zu anderen Ländern erheblich höhere Anforderungen bei der Stickstoffelimination, vor allem bei NH4-Stoßbelastungen) ist hervorzuheben. Die Vorgehensweise bei der Festlegung und Einstellung der geeigneten Versuchsbedingungen wird im folgenden für die jeweiligen Biofilmverfahren im Detail erläutert, und zwar a) die Versuchsdurchführung Pegazur-Verfahren b) die Versuchsdurchführung EvU-Verfahren c) die Versuchsdurchführung Kaldnes-Verfahren betreffend. 6.1. Allgemeines Aus der in Tabelle 3 im Kapitel 4 dargestellten Palette diverser Anordnungsmöglichkeiten der in dieser Arbeit eingehend untersuchten Biofilmverfahren wurde die vorgeschaltete Denitrifikation ausgewählt, die sich aufgrund der bei den einzelnen Versuchen vorgefundenen Abwassercharakteristika (insbesondere wegen der für eine weitergehende Denitrifikation ausreichenden Kohlenstoff-Zulauffrachten) anbot. Somit konnten auch zugleich Untersuchungsergebnisse für dieses bundesdeutsch in weitverbreitetem Umfang zur kommunalen Abwasserreinigung eingesetzte Denitrifikationsverfahren - gekoppelt mit einer anaeroben Schlammstabilisierung - gewonnen werden. Zu den Versuchsstrategien ist im allgemeinen anzuführen, dass die einzelnen Versuchsdurchführungen in erster Linie von dem Ziel geprägt waren, die kinetischen Abbauund Eliminationsraten bei den für die kommunale Abwasserbehandlung typischen Belastungen in den unterschiedlichen Temperaturbereichen des Sommer- und des Winterbetriebs zu ermitteln. Zudem sollte das Abbauverhalten teilweise auch bei höheren Belastungsbedingungen eruiert werden, um die betrieblich akzeptablen oberen Leistungsgrenzen definieren zu können. Auf der Basis dieser Untersuchungsschwerpunkte ist es möglich, für die bundesdeutschen Reinigungsanforderungen kommunaler Kläranlagen im Hinblick auf eine weitgehende Reduzierung der organischen Schmutzfrachten und der anorganischen Stickstoffkomponenten repräsentative Kenngrößen und Dimensionierungsparameter zu entwickeln. [...]

- 82 5.8.2 Hinweise zur Anlagenkonfiguration und -ausrüstung 5.8.2.1 Belüftung Die Ermittlung der erforderlichen O2-Zufuhr kann im Prinzip gemäß ATV-Arbeitsblatt A131 durchgeführt werden, wobei ein OVC = 1,6 kg O2/kg BSB5 als Folge des sehr hoch anzunehmenden Schlammalters angesetzt werden kann. Für den Nitrifikations- und Denitrifikationsprozess gilt ein OVN = (4,6 NO3-Ne +1,7 NO3-ND)/BSB5 mit mittleren Stoßfaktoren fc=1,2 und fn=2,0. In Bezug auf die O2-Betriebswerte ist ein cx = 2 mg/l sinnvoll, wobei ausgehend von den Diffusoreigenschaften der strukturierten Festbetteinheiten signifikant höhere spezifische Eintragswerte (nach Schlegel, 1986 bis zu 50% Zugewinn) zugrundegelegt werden können. Somit kann insgesamt in Abhängigkeit von der Beckentiefe eine maximale O2-Ausnutzung zwischen 20 und 30% erreicht werden. Zu Dimensionierungszwecken ist eine O2-Ausnutzung von 15-18 g/(Nm *m) anzusetzen. Desweiteren sind relativ hohe α-Werte (0,8) zu berücksichtigen, weil im Vergleich zur Belebtschlammbiozönose eine weitaus geringere Koaleszenzwirkung aufgrund des geringen suspendierten Biomassenanteils vorliegt. In Abhängigkeit von der spezifischen Oberfläche und vorhandenem Belastungsprofil kann 3 2 eine Luftbeaufschlagung zwischen 5 und 20 Nm /(h*m horizontale Festbettgrundfläche) gewählt werden (siehe Pape, 1995). Zur Bemessung der Belüftungseinrichtungen (feinblasige Druckluft) erscheinen O2-Gehalte zwischen 2 und 4 mg/l nach Literaturangaben als effektive Betriebsgröße, wenn man maximale spezifische Nitrifikationskapazitäten erzielen und gleichzeitig das O2-Zufuhr /O2Bedarf [OC/OA]-Verhältnis =1-2 einhalten möchte (siehe Abb.28 nach Kroiss, 1994). 5.8.2.2 Rückspülung Durch die intervallmäßigen Rückspülvorgänge mit Luft können Ablagerungen minimiert und somit die Biofilmdicken kontrolliert werden, so dass von einer Verdopplung der spezifischen Oberflächen und Belastungen bei der Dimensionierung ausgegangen werden kann. Die hierzu 3 2 erforderliche Spülluftmenge qL beträgt 7-10 m /(m *h) bei einer Dauer von 15min und einer Häufigkeit von 0,5 pro d. 5.8.2.3 Überschussschlammproduktion Der Schlammanfall ist von etlichen Parametern (Abwasserzusammensetzung, Flächenbelastung, hydraulische Bedingungen etc.) abhängig, was zu einem außerordentlich großen Schwankungsbereich führt. So liegen in der Literatur die spezifischen Schlammproduktionsraten zwischen 0,01 und 0,5 kg TS/kg BSB5, elim. (nach Pape, 1995) bzw. 1,08 bis 1,19 gTS/g BSB5 (nach Beier, Obenaus und Rosenwinkel, 1997). Zu Dimensionierungszwecken kann von einem mittleren Wert 0,75 kg TS/kg BSB5 gemäß ATV-Arbeitsblatt A135 ausgegangen werden. [...]

- 78 Von BIONET-Anlagen sind ebenfalls gute Denitrifikationsergebnisse bekannt, die zu NgesEliminationsraten von 80-85% im Mittel führten. In der Literatur werden zu diesem 2 Themenkomplex flächenspezifische NO3-Belastungen in der Größenordnung von 2,26 g/m *d (Böhm/Wilderer, 1997) bis 4,0 g/m *d (Kruse, 1994) genannt. 5.8.1 Für die Bemessung relevante Belastungszahlen Aus den oben aufgeführten Bandbreiten und etlichen, bisher weitgehend unveröffentlichten Ergebnissen von halbtechnischen BIONET-Anlagen lassen sich für die Bemessung relevante Belastungszahlen herleiten, und zwar für: 5.8.1.1 reinen Kohlenstoffabbau Bei spezifischen Oberflächen von 150 m /m und 68% Füllgrad ergibt sich eine biologisch 2 3 aktive Oberfläche von 100 m /m . 2 Auf dieser Basis kann die BSB5-Flächenbelastung zu 10 g/m *d angenommen werden, was zu einer BSB5-Raumbelastung von 1000 g/m *d führt. Der Flächenbelastungswert korrespondiert mit dem mittleren Wert der von Schlegel, 1997 angegebenen Bandbreite von 8 2 bis 12 g BSB5/m *d. 5.8.1.2 Nitrifikation Bei spezifischen Oberflächen von 200 m /m und 68% Füllgrad ergibt sich eine biologisch 2 3 aktive Oberfläche von 140 m /m . 2 Auf dieser Basis kann die NH4-Flächenbelastung zu 1,0 g/m *d angenommen werden, was zu einer NH4-Raumbelastung von 140 g/m *d führt. Der Flächenbelastungswert korrespondiert mit der von Schlegel angegebenen Bandbreite von 1,0 bis 2,0 g TKN/m *d. Nach der ATV-Arbeitsgruppe 2.6.3 (1996) sind beim Envicon-Festbett BA-Werte bis 0,8 g NH4/m *d möglich. Auslegungshinweise zur NH4-Flächenabbauleistung werden für Nitrifikationsstufen ohne Vorklärung auch von Beier, Seyfried et al. gegeben, die in der Größenordnung von 1,0 g 2 2 NH4/m *d (ohne Zwischenklärung) bzw.1,5 g NH4/m *d (mit Zwischenklärung) liegen (siehe Abb.25). In Abhängigkeit der NH4-Zulauffrachten ergeben sich die in Abb.26 dargestellten Raumabbauleistungen zwischen 100 und 250 g NH4/m *d. [...]

Arbeit zitieren:
Schmid-Schmieder, Volker November 2000: Vergleich der Leistungsfähigkeit von Biofilmverfahren bei Sanierungen bzw. Erweiterungen von kommunalen Kläranlagen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Abwasserreinigung, Dimensionierung, Leistungsvergleich diverser Behandlungsverfahren, biologisch/biochemische Verfahrenstechnik, sessile oder frei schwebende Trägerbiozönosen

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