Vergleich von Frauen in Führungspositionen zwischen Deutschland und Frankreich
- Art: Diplomarbeit
- Autor: Angelika Neubrand
- Abgabedatum: April 2008
- Umfang: 74 Seiten
- Dateigröße: 2,1 MB
- Note: 2,0
- Institution / Hochschule: Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung Deutschland
- Bibliografie: ca. 79
- ISBN (eBook): 978-3-8366-2944-7
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Neubrand, Angelika April 2008: Vergleich von Frauen in Führungspositionen zwischen Deutschland und Frankreich, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Frauenpolitik, Frauenförderung, Soziale Herkunft, Karrierehindernisse, Karriereentwicklung
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Diplomarbeit von Angelika Neubrand
Problemstellung:
In den letzten Jahren ist das Thema, „Frauen in Führungspositionen“, sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft ein häufig diskutiertes Thema. Aufgrund des demografischen Wandels und des Fach- und Führungskräftemangels wird das Thema auch in den Medien immer präsenter.
Zwar ist Angela Merkel als erste deutsche Bundeskanzlerin die Regierungschefin in Deutschland, doch das bedeutet noch nicht, dass die Chancengleichheit zwischen Mann und Frau im beruflichen Alltag voll umgesetzt ist.
Vorgehensweise:
Diese Arbeit befasst sich mit der Entwicklung der Frauengeschichte, sowie mit der derzeitigen Situation der Frauen, angefangen von der Schulbildung über den Berufsabschluss bis zur Karriereentwicklung der Frauen.
Da es noch lange dauern wird, bis Frauen und Männer die gleichen Chancen auf Stellen im Topmanagement haben, werden die möglichen Karrierehindernisse, vor denen Frauen heute noch stehen, aufgezeigt.
Die größte Herausforderung für Frauen stellt immer noch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie dar. Daher beschreibt diese Arbeit Möglichkeiten von Staat und Wirtschaft, wie Frauen in diesem Punkt unterstützt werden können und wie unternehmensinterne Maßnahmen den Aufstieg von Frauen in Führungspositionen positiv beeinflussen.
Zuletzt gehe ich auf bekannte und erfolgreiche Frauen ein, die in ihrer jeweiligen Zeit eine wichtige Rolle gespielt haben oder noch spielen, um aufzuzeigen, wie die Wege, die zu einer Führungsposition führen sein können und welchen familiären Hintergrund diese Frauen besitzen.
Aufgrund der aktuellen Diskussionen über den Fach- und Führungskräftemangel in Deutschland, richtet sich der Blickpunkt immer häufiger auf die gut ausgebildeten Frauen, die zu Hause ihre Kinder betreuen. Da der Ausbau der Krippen- und Kindergartenplätze die daraus resultierende Folge ist, wird im zweiten Teil dieser Arbeit die Situation der Frauen in Frankreich dargestellt, das für die gut ausgebauten Kinderbetreuungsmöglichkeiten und den hohen Beschäftigungsanteil der Frauen als sehr familienfreundlich angesehen wird.
Für Frankreich ist zu beachten, dass es im Bezug auf Frauen ein sehr widersprüchliches Land ist. Frauenforschung wird fast nicht betrieben und Frauenministerien gibt es nicht. Die einzige Feminismusbewegung kam in den 70er Jahren auf, erlosch aber schnell wieder. Eine Quotenregelung war lange Zeit verfassungswidrig und ist in den meisten Unternehmen bis heute noch nicht eingeführt, da jede Quote eine Diskriminierung bedeutet. Aufgrund all dieser Tatsachen war es sehr schwer, für Frankreich geeignete Literatur zum Thema zu finden.
Wegen der kurzen Bearbeitungszeit konnte nicht auf alle relevanten Themen, die den Bereich Frauen in Führungspositionen betreffen, eingegangen werden. So bleiben der öffentliche Dienst und die selbstständigen Frauen weitestgehend ausgegrenzt, da Frauen im öffentlichen Dienst, aufgrund der Vorgaben, bei gleicher Qualifikation gegenüber den Männern bevorzugt werden. Bei den selbstständigen Frauen handelt es sich meist um Klein- und Kleinstbetriebe mit unter 9 Mitarbeitern, bei denen die Frau die Gründerin des Unternehmens ist und es somit keine Konkurrenz für ihre Stelle gibt.
Zudem grenze ich die unterschiedlichen Gehälter von Frauen und Männern in Führungspositionen aus, da diese Frauen bereits ins Topmanagement aufgestiegen sind. Das Gehalt betrifft somit nur noch die Ungleichheit innerhalb der Tätigkeitsebene und wird aus zeitlichen Gründen nicht behandelt.
Der Kern dieser Arbeit soll die Situation von Frauen in Führungspositionen in zwei verschiedenen Ländern aufzeigen, um dann Rückschlüsse ziehen zu können, was in Zukunft vom Staat und den Unternehmen unternommen werden muss, um die hohe Diskrepanz zwischen Männern und Frauen in Führungspositionen zu verringern.
Inhaltsverzeichnis:
| Vorwort | 3 | |
| Abkürzungsverzeichnis | 5 | |
| Abbildungsverzeichnis | 7 | |
| Tabellenverzeichnis | 8 | |
| 1 | Einleitung | 9 |
| 2 | Definition des Begriffes "Führung" | 11 |
| 3 | Frauen in Führungspositionen in Deutschland | 12 |
| 3.1 | Frauenpolitik von 1978 bis heute | 12 |
| 3.1.1 | Bildung, Studium und Qualifikation | 13 |
| 3.1.2 | Erwerbstätigkeit | 15 |
| 3.1.3 | Karriereentwicklung | 16 |
| 3.1.4 | Karrierehindernisse | 19 |
| 3.1.5 | Doppelbelastung durch Beruf und Familie | 22 |
| 3.2 | Maßnahmen zur Förderung von Frauen in Führungspositionen | 24 |
| 3.2.1 | Staatliche Maßnahmen | 24 |
| 3.2.2 | Betriebliche Maßnahmen zur Förderung von Frauen | 29 |
| 3.2.3 | Praktische Beispiele für Frauenförderprogramme | 33 |
| 3.3 | Soziale Herkunft und Lebenslauf von Frauen in Führungspositionen | 36 |
| 3.3.1 | Angela Merkel | 36 |
| 3.3.2 | Aenne Burda | 39 |
| 3.4 | Schlussfolgerung für Deutschland | 40 |
| 4 | Frauen in Führungspositionen in Frankreich | 42 |
| 4.1 | Frauenpolitik der 70er Jahre bis heute | 42 |
| 4.1.1 | Bildung, Studium und Qualifikation | 43 |
| 4.1.2 | Erwerbstätigkeit | 45 |
| 4.1.3 | Karriereentwicklung | 46 |
| 4.1.4 | Karrierehindernisse | 47 |
| 4.1.5 | Doppelbelastung durch Beruf und Familie | 48 |
| 4.2 | Maßnahmen zur Förderung von Frauen in Führungspositionen | 49 |
| 4.2.1 | Staatliche Maßnahmen | 49 |
| 4.2.2 | Betriebliche Maßnahmen zur Förderung von Frauen | 54 |
| 4.2.3 | Praktische Beispiele für Frauenförderprogramme | 54 |
| 4.3 | Soziale Herkunft und Lebenslauf von Frauen in Führungspositionen | 57 |
| 4.3.1 | Simone de Beauvoir | 57 |
| 4.3.2 | Anne Lauvergeon | 59 |
| 4.4 | Schlussfolgerung für Frankreich | 60 |
| 5 | Resümee und Ausblick | 62 |
| 5.1 | Fazit aus der Betrachtung von Deutschland und Frankreich | 62 |
| 5.2 | Zukunftschancen | 63 |
| Literaturverzeichnis | 64 |
Textprobe:
Kapitel 3.1.4, Karrierehindernisse:
„Warum erreichen in Deutschland so wenige Frauen Top – Positionen? Meiner Erfahrung nach planen die wenigsten ihre Karriere strategisch. Oft sind lange Erziehungszeiten ein Aufstiegshemmnis. Sehr häufig allerdings greifen Frauen aus Mangel an Selbstvertrauen nicht zu, wenn sich ihnen eine Chance bietet. Das liegt sicher auch daran, dass es ihnen an Mentoren fehlt. Männer in der obersten Führungsebene bestärken Frauen nur dann auf ihrem Weg nach oben, wenn sie Emanzipation als etwas Selbstverständliches betrachten. (…) Ansonsten wird sich das Klima in Unternehmen (…) erst dann nachhaltig zugunsten von Frauen verändern, wenn mehr Frauen in Spitzenpositionen tätig sind.“ (Dagmar Reim, Intendantin des Rundfunk Berlin – Brandenburg.
Karrierehindernisse sind in erster Linie kein frauenspezifisches Problem. Jeder Mann und jede Frau kann aufgrund mangelnder Qualifikation oder fehlender Kenntnisse an die Grenzen des Aufstiegs gelangen. Allerdings sind nach wie vor in den 50 größten börsennotierten Unternehmen in Europa durchschnittlich nur 11 Prozent der Stellen im Topmanagement mit Frauen besetzt. Gründe dafür sind, dass ein Teil der Frauen diese oberste Ebene freiwillig nicht besetzen will und lieber auf der zweitobersten Führungsebene verharren. Das liegt daran, dass diese Frauen die ständige Auseinandersetzung mit dem, was sie getan, gesagt und entschieden haben fürchten. Das ist also ein freiwilliger Verzicht auf das Topmanagement.
Die „gläserne Decke“, auch „Closed Shop Prinzip“ genannt:
Viel häufiger aber wird in der Fachliteratur der 80er Jahre „die Metapher von der gläsernen Decke“ verwendet. Das bedeutet, dass Frauen ins Topmanagement aufsteigen wollen, aber von scheinbar unsichtbaren Faktoren wie der Männerdomäne daran gehindert werden. Männer fürchten nämlich Frauen als die besseren Konkurrenten und schließen sie somit automatisch bei einer Stellenbesetzung aus, die sie ja meistens auch selbst durchführen. Die sich bewerbenden Frauen werden zwar zu den Vorstellungsgesprächen eingeladen, weil dies gut für die Öffentlichkeitsarbeit der Unternehmung ist, aber in der letzten Runde scheiden sie dann planmäßig aus.
Warum ist das so? Rund 96 Prozent der Vorstandsposten sind mit Männern besetzt. Diese bevorzugen wiederum mehrheitlich ihr eigenes Geschlecht. Als wissenschaftlich erwiesenen Grund für dieses Vorgehen, nennt Dr. Boris Liffers, Geschäftsführer der German Consulting Group, dass Frauen die Geschäfte anders führen als ihre männlichen Kollegen. Und diese weibliche Vorgehensweise können oder wollen die Männer oft nicht nachvollziehen. Sie macht ihnen vielmehr Angst und führt dazu, dass sie aus Bequemlichkeit lieber unter sich bleiben.
Der Begriff der „gläsernen Decke“ ist zwar einleuchtend aber dennoch trügerisch, denn „wie die Auswertung einer Reihe empirischer Studien zeigt, beginnen die Schwierigkeiten schon viel früher. Sie säumen den Weg von Frauen, die nach Führungspositionen streben, von Beginn an“.
Das Labyrinth:
Daher wird heute treffender die Metapher von einem Labyrinth verwendet. Es symbolisiert einen schwierigen Weg zum erstrebten Ziel. Der Weg erfordert Ausdauer und Sackgassen zwingen zum umdrehen und zur Neuorientierung. Aber das Ziel ist nicht unerreichbar, wie der kleine Teil von Frauen in der obersten Führungsebene beweist.
Geschlechterspezifische Faktoren:
Der Führungsstil:
Als typisch weibliche Skills kennzeichnen 94 Prozent der befragten männlichen Topmanager, Teamfähigkeit und Diplomatie, Bescheidenheit, Konsens- und Konfliktfähigkeit sowie soziale Kompetenz. Die meisten dieser Führungskräfte sind jedoch davon überzeugt, dass diese Fähigkeiten keinerlei Nutzen für ein Unternehmen bringen. Dr. Liffers ist sich sicher, dass Frauen nur dann Karriere machen können, wenn sie sich eher wie Männer verhalten. Dazu werden Skills genannt wie Durchsetzungsvermögen, Ehrgeiz und Entschlossenheit. Als prominentes Beispiel hierfür wird Angela Merkel genannt.
Doch darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Frauen auf die männlich geprägte Unternehmenswelt mit deren Maßstäben und Spielregeln freiwillig verzichten. Sie wollen keine emotional kühle Arbeitsumgebung, die von Durchsetzungskraft und Selbstbehauptungsdruck geprägt ist.
Forschungsergebnisse belegen, dass Männer und Frauen unterschiedliche Führungsstile anwenden. Allerdings belegen diese Ergebnisse auch, dass die Frauen eine wirkungsvollere Methode anwenden als die Männer. Die Methoden der Männer sind häufig nur teilweise effektiv oder sogar kontraproduktiv. Frauen setzen viel häufiger auf den kooperativen Führungsstil, bei dem die Zusammenarbeit und Mitwirkung bei Entscheidungen eine große Rolle für alle Beteiligten spielt. Der autoritäre Führungsstil, den hauptsächlich Männer anwenden, ist bei Frauen verpönt. Sie versuchen Sanftmut mit nötiger Konsequenz zu verbinden. Allerdings passen sich umso mehr Frauen den Männern an, je weniger weibliche Kollegen im Team sind, die den kooperativen Stil unterstützen.
Wenn die Männer in Zukunft nicht mehr Empathie für das Denken und Handeln von Frauen aufbringen, wird der männliche Führungsstil für Potenzielle Frauen in Führungspositionen ein selbstbestimmtes Karrierehindernis bleiben.
Kind und Familie:
Ein Faktor für einen Arbeitgeber, sich gegen eine Frau zu entscheiden, ist das Risiko, dass eine junge Frau, wegen der eventuell zukünftigen Betreuung von einem Kleinkind ausfallen könnte. In Deutschland unterbrechen meist die Frauen ihre Karriere wenn sie Kinder bekommen und arbeiten nach der Betreuungszeit nur noch verkürzt. Zusätzlich fallen sie bei Krankheit ihrer Kinder immer wieder aus. Der Ausfall eines 30- jährigen Mannes aufgrund der Kinderbetreuung ist viel unwahrscheinlicher als bei einer 30- jährigen Frau. Dies kann für einen Arbeitgeber bedeuten, dass er sich bei gleicher Qualifikation für den Mann entscheidet, da beim Ausfall der Frau wegen einer Schwangerschaft und die darauf folgende Erziehungszeit eine neue Arbeitskraft eingestellt werden muss und erneut Personalrekrutierungskosten auf ihn zukommen könnten. Für die Frau allerdings bedeutet dies, dass ihr die Berufsjahre fehlen und auch die Arbeitsstunden die sie bräuchte um eine ernstzunehmende Konkurrenz für die Männer darzustellen, wenn es um die Besetzung von Spitzenpositionen geht. Für diejenigen, die die Elternzeit in Anspruch nehmen, kommt hinzu, dass sie an den üblichen Gehaltsrunden nicht mehr teilnehmen. Wegen der sich ständig verändernden Arbeitsinhalte unserer hochkomplexen Arbeitswelt verpassen Frauen durch längeres Aussetzen leicht den Anschluss, und ihre Karrierechancen sinken rapide ab gegenüber den ständig anwesenden Mitarbeitern im Betrieb. Wenn sich die Frauen nach der Familienphase wieder entscheiden in den Beruf einzusteigen, wählen sie meist die Form der Teilzeitarbeit. Jedoch „ist das dafür gezahlte Gehalt meist nicht existenzsichernd“ und mit Teilzeitarbeit ist es nicht einfach in der Führungsetage zu bleiben, oder dorthin aufzusteigen.
In Deutschland besteht zudem das Problem, dass das Angebot von Kindergrippenplätzen viel geringer ist als die Nachfrage. So suchen zwei Drittel der Eltern für ihr zweijähriges Kind einen Krippenplatz. Es besteht aber nur ein Angebot für 13 Prozent.
Doch selbst diejenigen Frauen, die aufgrund ihrer Kinderlosigkeit dem Arbeitsmarkt voll zur Verfügung stehen, werden der „statistischen Diskriminierung“ ausgesetzt. Denn unabhängig davon wie ihre individuelle Familienplanung aussieht, werden sie in der Besetzung von Stellen in der Führungsebene nicht berücksichtigt, da sie „kollektiv eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, wegen Kindern auszufallen.“ So ist es nicht verwunderlich, dass Kinder eine wesentliche Rolle in der Karriereentwicklung von Frauen haben. Multivariate Analysen mit den Mikrozensus-Daten von 2004 zeigen, dass Kinder bei abhängig beschäftigten Frauen der Privatwirtschaft die Wahrscheinlichkeit verringern, eine Führungsposition zu erhalten. Bei den Männern ist das nicht der Fall.
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783836629447
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Frauenpolitik, Frauenförderung, Soziale Herkunft, Karrierehindernisse, Karriereentwicklung



