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Verfahren zur Erklärung und Schätzung von Zinsstrukturen

Verfahren zur Erklärung und Schätzung von Zinsstrukturen
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Sebastian Krah
  • Abgabedatum: März 2003
  • Umfang: 91 Seiten
  • Dateigröße: 705,6 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität Potsdam Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-7008-1
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-7008-1 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-7008-1 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Krah, Sebastian März 2003: Verfahren zur Erklärung und Schätzung von Zinsstrukturen, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Erwartungstheorie, Splines, Svensson, Zinsstrukturtheorie, Gleichgewichtsmodelle

Diplomarbeit von Sebastian Krah

Einleitung:

Relevanz der Thematik In volkswirtschaftlichen Modellen sowie in betriebswirtschaftlichen Theorien, so z. B. in der Investitionstheorie und im Bondmanagement, wird zur Modellbeschreibung bzw. als Basis für Berechnungen oftmals ein einziger „Marktzinssatz“ zu Grunde gelegt. Die Unterstellung eines solchen Zinssatzes widerspricht jedoch empirischen Beobachtungen, nach denen sich auf den Geld-, Kapital- und Kreditmärkten verschiedene Zinssätze für unterschiedliche Anlagezeiträume, Bonitäten der Emittenten und andere Merkmale feststellen lassen.

Insbesondere der Zusammenhang zwischen der Verzinsung von festverzinslichen Wertpapieren und deren Laufzeiten ist in der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung von steigendem Interesse. Kenntnisse über diesen Zusammenhang, als Fristigkeitsstruktur der Zinssätze oder auch Zinsstruktur bezeichnet, bieten eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten in der Praxis.

Ein Einsatzgebiet stellt die Bewertung von zinsabhängigen Finanztiteln, u. a. von Kuponanleihen, dar. In einfachen Barwertberechnungen wird zur Ermittlung des arbitragefreien Preises eines Bonds eine nicht realistische flache Zinsstrukturkurve unterstellt. Bei Kenntnis der Zinsstruktur kann der Wert von Anleihen mittels einer modifizierten Barwertformel unter Verwendung periodenspezifischer Zinssätze wesentlich exakter bestimmt werden.

Im Bereich des Bondmanagements eröffnet sich ein weiteres Anwendungsgebiet hinsichtlich verbesserter Immunisierungsstrategien von Portfolios festverzinslicher Wertpapiere gegen Zinsänderungsrisiken. Während das gewöhnliche Konzept der Duration ebenfalls eine flache Zinsstrukturkurve voraussetzt, sind auf komplexeren Annahmen beruhende Durationsmodelle in der Lage, die zeitliche Entwicklung nichtflacher Zinsstrukturen zu berücksichtigen. Es lassen sich daher genauere Aussagen bezüglich des Zinsänderungsrisikos von Anleihen treffen und Strategien zur verbesserten Immunisierung von Portfolios erarbeiten.

Geschäftsbanken haben in ihrer Funktion als Finanzintermediär u. a. die Aufgabe der Fristentransformation zu erfüllen. Durch Fristeninkongruenzen zwischen Aktiv- und Passivgeschäft entstehen Zinsänderungsrisiken, die eine Prognose der zukünftigen Zinsentwicklung notwendig machen. Diesem Zweck können Zinsstrukturschätzungen dienen. Sie ermöglichen Banken weiterhin, sich mittels dieser Informationen entdeckte Ineffizienzen auf den Kapitalmärkten zur Erzielung von Überschussrenditen nutzbar zu machen.

Auch aus geldpolitischer Sicht sind Zinsstrukturen von hohem Interesse. Aus ihnen können Informationen über Zeitpräferenzen von Anlegern am Kapitalmarkt und deren Erwartungen bezüglich der zukünftigen Zinsentwicklung gewonnen werden. Außerdem gelten Zinsstrukturen als Indikator für die am Markt dominierenden Inflationserwartungen. Von Zentralbanken können Zinsstrukturen deshalb als zusätzliche Informationen für eigene Zins- und Inflationsprognosen verwendet werden. Auch sind Rückschlüsse über die von den Marktteilnehmern erwartete zukünftige Zinspolitik möglich. Weiterhin lassen die durch die Zinsstruktur offenbarten erwarteten zukünftigen Zinssätze Interpretationen über das künftige Wirtschaftswachstum zu, da die Beteiligten von Terminkontrakten auch Vorstellungen über zukünftige gesamtwirtschaftliche Grunddaten, so z. B. die konjunkturelle Entwicklung, berücksichtigen. Es konnte in verschiedenen Untersuchungen gezeigt werden, dass eine steigende Zinsstrukturkurve in der Regel einem Wirtschaftswachstum vorausgeht, während Konjunktureinbrüche durch eine flache oder inverse Zinsstrukturkurve angekündigt werden.

Zinsstrukturen sind am Markt nicht direkt beobachtbar. Es lassen sich zwar für einige Marktsegmente mit hoher Liquidität für bestimmte Laufzeiten Umlaufrenditen feststellen, jedoch ist es ebenfalls von Interesse, Zinssätze für nicht häufig gehandelte Laufzeiten zu ermitteln. Daher werden Zinsstrukturen sowohl von institutionellen Anlegern, z. B. Geschäftsbanken, als auch von Zentralbanken geschätzt.

Aufbau der Arbeit Um den Zusammenhang zwischen der Laufzeit und der effektiven Verzinsung festverzinslicher Wertpapiere aufklären zu können, wurden verschiedenste Theorien und Ansätze entwickelt. Trotz dieser Bemühungen ist das Gebiet der Zinsstrukturtheorie noch immer weit davon entfernt, einen einheitlichen Erklärungsansatz für Zinsstrukturen zu liefern. Stattdessen lässt sich vielmehr ein Nebeneinander von Hypothesen beobachten, die jeweils bestimmte Sachverhalte in Ihre Erklärungsansätze einbeziehen, andere aber dafür unberücksichtigt lassen. In der Praxis lassen sich dagegen zur Schätzung von Zinsstrukturen gänzlich andere Verfahren feststellen, durch welche die beobachteten Zusammenhänge zwischen Restlaufzeit und Verzinsung möglichst gut mit anpassungsfähigen Schätzgleichungen beschrieben werden sollen.

Ziel dieser Arbeit ist es, zum einen die wichtigsten Theorien zur Erklärung von Zinsstrukturen aufzuarbeiten, um zu überprüfen, ob diese empirisch beobachtbare Kurvenverläufe realistisch begründen und inwieweit sie wirklich tauglich sind, Aussagen von praktischer Relevanz zu treffen. Zum anderen werden die in der Praxis Anwendung findenden Schätzverfahren dargestellt, um eine Beurteilung darüber, welche Ansätze für die Schätzung realer Zinsstrukturen tatsächlich geeignet sind, zu ermöglichen. Danach sollen die mit dem meistverbreiteten Verfahren geschätzten europäischen Zinsstrukturkurven dahingehend untersucht werden, ob in einem gemeinsamen Markt mit einer einheitlichen Währung die Zinsstrukturverläufe verschiedener europäischer Länder noch wesentliche Unterschiede zueinander aufweisen.

Die Arbeit ist daher so aufgebaut, dass im zweiten Kapitel die gängigen Theorien zur Erklärung von Zinsstrukturen behandelt und die neueren Gleichgewichtsmodelle vorgestellt werden. Der dritte Abschnitt umfasst die verschiedenen in der Praxis anzutreffenden Zinsstrukturschätzverfahren. Im vierten Kapitel findet ein Vergleich europäischer Zinsstrukturkurven auf der Basis der von Zentralbanken zur Verfügung gestellten Schätzergebnisse statt. Das letzte Kapitel beinhaltet eine Auswertung der in der Arbeit behandelten Thematik.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung 1
1.1 Relevanz der Thematik 1
1.2 Aufbau der Arbeit 3
2. Theoretische Ansätze zur Erklärung der Zinsstruktur 4
2.1 Grundlagen der Zinsstrukturtheorie 4
2.1.1 Definition und Eigenschaften der Zinsstruktur 4
2.1.2 Zinssätze und Risiken der Anlage 5
2.2 Die traditionelle Erwartungstheorie 9
2.3 Neuere erwartungstheoretische Modelle 12
2.3.1 Die modifizierte Erwartungstheorie von Lutz 12
2.3.2 Das Normalintervallmodell von Malkiel 13
2.4 Die Liquiditätsprämientheorie 15
2.5 Die allgemeine Präferenztheorie 17
2.6 Die Marktsegmentationshypothese 18
2.7 Die Preferred Habitat Theory 20
2.8 Zeitstetige Gleichgewichtsmodelle 22
2.8.1 Das Modell von Vasicek 22
2.8.2 Das Cox/Ingersoll/Ross-Modell 24
2.9 Bewertung der vorgestellten Ansätze 26
3. Verfahren zur Schätzung von Zinsstrukturen 28
3.1 Einführung 28
3.2 Das Verfahren von Carleton und Cooper 30
3.3 Approximation der Zinsstruktur durch ein Polynom 32
3.3.1 Das Verfahren von Chambers, Carleton und Waldman 32
3.3.2 Das Verfahren von Schaefer 34
3.4 Schätzung der Zinsstruktur durch Splines 35
3.4.1 Approximation durch quadratische Splines 36
3.4.2 Approximation mittels kubischer oder polynomialer Splines 38
3.4.3 Schätzung der Zinsstruktur durch exponentielle Splines 41
3.4.4 Anwendung von B-Splines bei der Zinsstrukturschätzung 43
3.4.5 Approximation der Zinsstruktur durch glättende Splines 44
3.5 Zinsstrukturschätzungen mittels parametrischer Verfahren 46
3.5.1 Das Verfahren von Echols und Elliot 46
3.5.2 Das Verfahren von Nelson und Siegel 47
3.5.3 Das Svensson-Verfahren 50
3.6 Beurteilung der Schätzverfahren 51
4. Untersuchung europäischer Zinsstrukturen 53
4.1 Schätzmethoden der Zentralbanken 53
4.2 Annahmen über europäische Zinsstrukturen 56
4.3 Datenbasis und -bearbeitung 56
4.4 Interpretation und Analyse der Ergebnisse 58
4.5 Kritische Würdigung 60
5. Fazit 62
Anhang A Schätzparameter europäischer Zinsstrukturen 64
Anhang B Kassazinssatzstrukturkurven 66
Anhang C Terminzinssatzstrukturkurven 70
Anhang D Berechnung der Standardabweichungen 74
Literaturverzeichnis 75

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die im Folgenden dargestellten Schätzverfahren werden jedoch unter Annahme der Ermittlung einer auf Zerobonds beruhenden Zinsstruktur beschrieben, da dies in der Praxis inzwischen die dominierende Vorgehensweise darstellt112 und somit eine erhöhte internationale Vergleichbarkeit der Ergebnisse der Schätzungen gegeben ist.113 Dazu wird davon ausgegangen, dass Zerobondzinssätze aus Effektivrenditen abgeleitet werden. In den folgenden Kapiteln wird zunächst ein diskretes Schätzverfahren, das lediglich für bestimmte Laufzeiten einen Zusammenhang zur Verzinsung von Anleihen herstellt, und danach stetige Schätzverfahren behandelt, die einen funktionalen Zusammenhang zwischen der Restlaufzeit von Anleihen und der Spot Rate unterstellen. Letztere bieten daher auch die Möglichkeit, Zinssätze für Anleihen nicht häufig gehandelter Restlaufzeiten in wenig liquiden Marktsegmenten zu bestimmen, während bei diskreten Schätzverfahren auf Interpolation zurückgegriffen werden muss. Verfahren zur Ermittlung der stetigen Zinsstruktur müssen nach Bliss drei wesentliche Bestandteile haben, damit eine Schätzung erst möglich wird:114 1. eine Preisgleichung zur Aufstellung eines funktionalen Zusammenhang mittels einer Diskontierungsfunktion zwischen den zukünftigen Zahlungsströmen und den Anleihepreisen, evtl. unter Beachtung weiterer Faktoren, wie z. B. Steuern, 2. die Diskontierungsfunktion selbst sowie 3. ein ökonometrisches Modell zur Schätzung der Parameter der Zinsstrukturfunktion. Das zur Anwendung kommende ökonometrische Verfahren ist hauptsächlich die Methode der kleinsten Quadrate. Hierbei werden die in den einzelnen Modellen zu schätzenden Parameter so gewählt, dass die Summe der quadrierten Abweichungen zwischen empirisch beobachteten ˆ Preisen Pj der Anleihen j und den theoretischen Preisen Pj , die sich nach der jeweiligen Schätzmethode ergeben, minimiert wird: (20) [...]

Die dargestellten Theorien zur Erklärung der Zinsstruktur basieren teilweise auf unterschiedlichen und nicht miteinander vereinbaren Ansätzen. Liquiditätsprämientheorie, allgemeine Präferenztheorie sowie Preferred Habitat Theory fußen auf den Annahmen der Erwartungstheorie. Ihnen kommt heute die größte Bedeutung bei der Erklärung von Zinsstrukturen zu, da sie die real beobachtbaren Verläufe plausibel erklären können.103 In verschiedenen Untersuchen wurde versucht, die Gültigkeit der o. g. Zinsstrukturtheorien zu belegen bzw. zu wiederlegen, die gefundenen Ergebnisse waren allerdings höchst unterschiedlich.104 In Anbetracht der Vielzahl der Analysen wird hier nur auf die wichtigsten zur Erwartungstheorie eingegangen. Diese konzentrierten sich im Wesentlichen darauf, ob der Terminzinssatz den zukünftigen kurzfristigen Zinssatz unverzerrt darstellt. Culbertson gelangte zu einem Ergebnis, dass die Erwartungstheorie widerlegt,105 da die zukünftigen Zinssätze durch den Terminzinssatz systematisch überschätzt werden.106 Zu einem gänzlich anderen Resultat kommt Meiselmann, der von der Fehlerhaftigkeit der Prognosen der Markteilnehmer hinsichtlich der zukünf- [...]

fallende Zinsstrukturkurven können mit diesem Modell erklärt werden. Durch Wahl der entsprechenden Parameter lassen sich auch komplexe Zinsstrukturverläufe beschreiben.98 Kritik am CIR-Modell wird dahingehend geäußert, dass die wie im Vasicek-Modell stattfindende Beschränkung auf eine unabhängige Variable zur Zinsstrukturerklärung als nicht adäquat erachtet wird.99 Empirische Untersuchungen konnten bisher nur geringe Unterstützung für den dem Modell zugrundeliegenden Zinsänderungsprozess liefern und die Zinsstrukturkurve nicht für alle Laufzeiten bestätigen.100 CIR stellen jedoch auch ein Modell der Zinsstruktur mit mehreren Faktoren auf, das den Vorteil hat, flexibler in seinen Ergebnissen hinsichtlich der Beschreibung der Zinsstruktur zu sein, weisen aber darauf hin, dass ein solches Modell wesentlich schwerfälliger und schwieriger zu analysieren ist.101 [...]

Arbeit zitieren:
Krah, Sebastian März 2003: Verfahren zur Erklärung und Schätzung von Zinsstrukturen, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Erwartungstheorie, Splines, Svensson, Zinsstrukturtheorie, Gleichgewichtsmodelle

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