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Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Der Beitrag Sozialer Arbeit im Mehrgenerationenhaus

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Andrea Warda
  • Abgabedatum: August 2005
  • Umfang: 104 Seiten
  • Dateigröße: 451,8 KB
  • Note: 1,5
  • Institution / Hochschule: Evangelische Fachhochschule Hannover Deutschland
  • Bibliografie: ca. 67
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0577-9
  • ISBN (CD) :978-3-8366-0577-9 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Warda, Andrea August 2005: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Mehrgenerationenhaus, Berufstätigkeit, Familie, Empowerment, Mehrgenerationenarbeit

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Diplomarbeit von Andrea Warda

Einleitung:

Wir leben in einer Zeit des Umbruchs: die Globalisierung fordert von Menschen und Märkten ein hohes Maß an Mobilität. Mit den Formen der Wirtschaft verändern sich auch die Formen des Zusammenlebens. Doch mitten in allen Umwälzungen und Neuerungen gibt es eine Konstante. Das ist die Familie. Um diese Kostante, ihre Bedeutung und Möglichkeit oder Unmöglichkeit sie in Verbindung mit Erwerbstätigkeit der Eltern zu leben geht es in dieser Arbeit. Das Thema der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist schon seit einiger Zeit, vermehrt seit etwa einem halben Jahr, in aller Munde. Es vergeht kaum ein Tag ohne neue Berichterstattungen über die angestrebte Familienfreundlichkeit Deutschlands, fehlende Kinderbetreuung, Geburtenrückgang und somit unser überaltertes Land. Zeitungsartikel mit den Schlagzeilen „Wohin mit den Kleinsten?“, „Kinder als Gewinn – wo Eltern sorglos arbeiten“, „Gemeinsam für Familien“, „Beruf und Familie? So geht´ s!“, “Stadt bietet Ausbildung für Tagesmütter“, „Beruf und Baby – wie geht das?“, „Krippenkinder, Rabenmütter?“, „Familienfreundlichkeit rechnet sich“, „Busemann: Weniger Pillen, mehr Erziehung“ oder auch „Land ohne Kinder“ gehören fast schon zur Tagesordnung. Auch Gerhard Schröder mit seiner Grundsatzrede zur nachhaltigen Familienpolitik im April 2005 hat genau diesen Nerv getroffen.

Er beschreibt dort die Familie als Erfolgsfaktor für die Wirtschaft und fordert von den Unternehmen, mehr zur Vereinbarkeit beizutragen, denn die Unternehmen setzten sich seiner Ansicht nach nicht genug für das Wachstum von Familien ein. Es sei Aufgabe von Politik, Wirtschaft und allen Gruppen der Gesellschaft zusammen, dass in Deutschland genügend Kinder geboren und gut ausgebildet würden. „Wir müssen auf jeden Fall die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter verbessern.“ Die Steigerung der Geburtenrate in Deutschland bezeichnete Schröder als „strategische Aufgabe ersten Ranges“. Die Bundesregierung wolle Deutschland bis zum Ende des Jahrzehnts zum familienfreundlichsten Land in Europa machen. Dies solle sich nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Familien auszahlen. Konkret fordert der Kanzler mehr Unterstützung der Unternehmen bei der Kinderbetreuung. Vor allem Frauen im Westen hätten Angst, dass sie wegen fehlender Betreuungsplätze für Kinder nur schwer oder gar nicht wieder in ihren Beruf zurückkehren könnten. „Wir dürfen aber nicht zulassen, dass sich eine junge Frau gegen ein Kind entscheidet, nur weil sie vor die Alternative Kind oder Karriere gestellt wird“, sagte Schröder. Auch müsse dafür gesorgt werden, dass Familien mit Normaleinkommen nicht der Kosten wegen, die Kinder nun einmal verursachen, auf ein solches verzichten.

Meiner Ansicht nach, und das ist mein Hauptanliegen, sollte es hier aber nicht um die Wirtschaft sondern um die Entscheidungsfreiheit für oder gegen Kinder, sowie um die Zufriedenheit und Gesundheit von Familien bzw. Menschen gehen. Interessant oder besser erschreckend empfinde ich es, wenn in einem Bericht über die Vereinbarkeitsproblematik in Deutschland im Vergleich zu der in Frankreich ganz klar wird, dass es diese dort gar nicht gibt. Das Wort Kinderfeindlichkeit existiert im Französischen nicht , genauso wie „Fremdbetreuung“, „Kinder abgeben“, „sich Kinder anschaffen“ in Frankreich unbekannte Begriffe sind. Die Frage dort sei nicht, ob man bzw. Frau ein Kind bekommt, sondern lediglich ob zwei, drei oder vier.

Dies alles hat mein Interesse an der Auseinandersetzung mit diesem Thema zwar nicht geweckt, wenn doch verstärkt. Angefangen hat es eigentlich damit, dass aus meinem Bekanntenkreis vermehrt laut wurde, dass Mütter keiner oder nur sehr eingeschränkter Arbeit nachgehen konnten aufgrund fehlender Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder. Weiterhin ging es darum, dass man rechnen müsse, ob man sich ein Kind leisten könne, ob der finanziellen Einbußen und des Bruchs der Erwerbsbiographie der Frau. Dies mündete in die Aussage, dass der Geburtenrückgang auch dadurch bedingt sei, dass immer weniger Familien u.a. aus finanziellen Gründen Kinder bekommen können – vielleicht doch aber gerne würden. Es sollten also durch eine verbesserte Vereinbarkeit von Beruf und Familie und somit verbesserte Rahmenbedingungen all diejenigen Kinder bekommen können, die es sich wünschen.

Auf die Mehrgenerationenhäuser bin ich durch einen Zeitungsartikel aufmerksam geworden. Da die ältere Bevölkerung zunimmt und dabei aktiv bleibt halte ich dieses Projekt für gut und zukunftsträchtig. Hier geht es nun jedoch weniger um die älteren Menschen, sondern um die jungen Familien und die Unterstützungsmöglichkeiten durch ein Mehrgenerationenhaus. Um mehr Informationen über Mehrgenerationenhäuser zu bekommen und ein konkretes vorstellen zu können, bin ich nach Pattensen gefahren und habe mir vor Ort die Einrichtung und Arbeit angesehen.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 4
1. Zum Begriff und Wandel der Familie in Deutschland 8
1.1 Gesellschaftliche Bedingungen 8
1.2 Zum Begriff der Familie 10
1.3 Zur Funktion und Bedeutung der Familie 12
1.4 Zu Geschichte und Wandel der Familie 13
1.5 Familie heute 15
2. Zum Begriff und der Bedeutung von Beruf 20
2.1 Der Begriff 20
2.2 Die Bedeutung 21
3. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – Ein Frauenthema? 24
3.1 Weibliche Sozialisationsfaktoren 24
3.2 Männerwelt Beruf – Frauenwelt Familie 27
3.3 Problemlagen von Frauen 31
3.4 Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie 37
3.4.1 Was Vereinbarkeit bedeutet 37
3.4.2 Warum Vereinbarkeit wichtig ist 38
3.4.3 Was Vereinbarkeit behindert 41
3.4.4 Was Familien brauchen 42
4. Das Mehrgenerationenhaus 45
4.1 Mehrgenerationenhäuser in Niedersachsen 46
4.2 Konzept der Mehrgenerationenhäuser in Niedersachsen 47
4.2.1 Allgemeine Zielsetzung 47
4.2.2 Zielgruppe 48
4.2.3 Arbeitsweisen und Methoden 48
4.2.4 Rahmenbedingungen 49
4.3 Konzept des Mehrgenerationenhaus Pattensen 50
4.3.1 Entstehung und Geschichte 50
4.3.2 Finanzierung 51
4.3.3 Räumlichkeiten 51
4.3.4 Ziele 52
4.3.5 MitarbeiterInnen 52
4.3.6 Angebote und familienunterstützende Dienstleistungen 52
4.4 Aufgaben der Sozialarbeiterin im Mehrgenerationenhaus Pattensen 56
4.5 Aufgabenbeschreibung für die geschäftsführende und leitende Tätigkeit der Vorsitzenden des Vorstandes 57
4.6 Chancen und Grenzen des Mehrgenerationenhaus Pattensen 58
4.6.1 Chancen der Familienbildung und des Mehrgenerationenhauses 58
4.6.2 Grenzen der Familienbildung und des Mehrgenerationenhauses 61
5. Und was ist daran Soziale Arbeit? – Empowerment im Sozialen Raum 62
5.1 Der Soziale Raum 63
5.2 Empowerment 64
5.2.1 Definition 64
5.2.2 Menschenbild und Grundwerte 65
5.2.3 Ebenen der Empowermentpraxis 67
5.2.4 Zielstationen 69
5.2.5 Politisches Empowerment als Politische Partizipation und Umweltgestaltung 70
5.2.6 Selbsthilfe 75
5.2.7 Anforderungen an die SozialarbeiterInnen 77
5.2.8 Chancen und Grenzen von Empowermentprozessen 81
6. Der Beitrag Sozialer Arbeit im Mehrgenerationenhaus – Ein Resümee 87
7. Literaturverzeichnis 99

Textprobe:

Kapitel 3.4, Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie:

Kapitel 3.4.1, Was Vereinbarkeit bedeutet:

Das Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ hat in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen und wird in Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit als zentrale gesellschaftliche Aufgabe diskutiert. Die weiter oben schon erwähnte Pluralisierung und Individualisierung des Familienalltags hat einen veränderten Bedarf an Unterstützung für die Erziehungsleistung der Familie hervorgebracht. Das Familienleben wird immer mehr vom Spannungsverhältnis zwischen Beruf und Familie beeinflusst. Es geht hier um eine möglichst problemlose und unkomplizierte Kombination von den zwei gegensätzlichen Lebens- und Anforderungsbereichen Familie und Beruf. Der Begriff der Vereinbarkeit ist heute anders belegt als noch vor 20 Jahren.

Mitte und Ende der 1980er – Jahre bezog sich die Forderung nach Vereinbarkeit in erster Linie auf die Ausweitung der Öffnungszeiten über die Mittagszeit, d.h. auf die Abschaffung des Halbtagskindergartens. In der öffentlichen Diskussion wird Vereinbarkeit oft auf den zeitlichen Aspekt beschränkt und Kindeswohl und Elternwohl kontrastiert. Aber Eltern wollen nicht Plätze um jeden Preis. Sie brauchen Entlastung, und zwar bei ihren familiären Pflichten, um berufstätig sein zu können – nach wie vor ist für einige Familien die finanzielle Notwendigkeit das entscheidende Argument für die Berufstätigkeit beider Eltern – und sie wollen, dass ihre Kinder gut untergebracht sind und eine anregungsreiche materielle und soziale Umgebung vorfinden. Den Eltern wird vermehrt die (pädagogische) Qualität der Einrichtungen wichtig. Aus diesem Grund bezieht sich die Forderung nach Vereinbarkeit in vielen Fachdiskussionen nicht mehr nur ausschließlich auf die Ausweitung von Öffnungszeiten. Vielmehr tritt der Ruf nach Angeboten, die Vereinbarkeit gewährleisten können, immer seltener isoliert auf, er ist eng verbunden mit dem Ruf nach Angeboten, die den Eltern im Hinblick auf ihre Erziehungs- und Bildungsvorstellungen angemessen erscheinen.

Kapitel 3.4.2, Warum Vereinbarkeit wichtig ist:

Lebensrealitäten und Lebensentwürfe vor allem jüngerer und gut ausgebildeter Frauen sehen eine Doppelorientierung auf Familie und Beruf vor. Der Stellenwert einer kontinuierlichen Berufsbiographie ist für Frauen deutlich gestiegen. Der Beruf gehört selbst-verständlich zu ihrer Lebensplanung dazu und Erwerbstätigkeit wird generell höher bewertet als die Haushaltsarbeit. Umfragen zeigen eindeutig, dass Frauen stärker beruflich aktiv sein wollen. Da dies jedoch nicht angemessen geschieht, liegt es nahe, dass Frauen Beruf und Familie nicht gut vereinbaren können. Auch wenn die Emanzipation in den vergangenen Jahrzehnten Fortschritte gemacht hat, liegen Erziehungsaufgaben wie schon erwähnt immer noch größtenteils bei den Frauen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist wichtig, um die Erwerbsbeteiligung von Frauen zu erhöhen, sie ist folglich die grundlegende Bedingung für eine bessere Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt.

Kinder sind trotz aller materiellen und immateriellen Sorgen, die sie mitunter verursachen an erster Stelle ein Synonym für Glück und Zuversicht und für das Vertrauen in die Zukunft. Wohl keiner wird ernsthaft die Freude und das Glück in Frage stellen, das Menschen in der Familie finden. In der Familie erleben sie Wärme, Schutz, Rückhalt und Geborgenheit. Gerade in unserer Zeit heftiger Veränderungen und dadurch hervorgerufener Verunsicherung der Menschen sind dies unverzichtbare Werte, die zur Stabilisierung der Gesellschaft erheblich beitragen. In der Familie erleben und erlernen Kinder Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit, Rücksicht, Verlässlichkeit und Toleranz. Familie ist – das zeigen Befragungen – für die große Mehrheit der Menschen der positive Lebensmittelpunkt. In Zeiten überwiegend abstrakt empfundener Solidarität ist die Familie ein leistungsfähiges soziales Netz und ein zentraler Ort für die Schaffung von sozialem Kapital für die einzelnen Mitglieder der Familie und für die gesamte Gesellschaft.

Entgegen anders lautender Behauptungen ist Familie geschätzt und stabil wie selten zuvor. Für über 90 Prozent der Menschen ist die Familie der wichtigste Bereich in ihrem Leben. In den angeblich so heilen 1950er Jahren lag die Wertschätzung der Familie deutlich niedriger. Der Wunsch nach einer eigenen Familie, nach eigenen Kindern ist bei jungen Menschen beiderlei Geschlechts mit über 80% sehr ausgeprägt. Ebenso wichtig wird von den Befragten der Lebensbereich „Beruf und Arbeit“ eingestuft. Junge Menschen wollen sich nicht länger entscheiden müssen zwischen beruflicher Karriere und dem Leben mit Kindern.

Besonders in der Zeit, wo die meisten Frauen Kinder bekommen, d.h. zwischen 25. und 40. Lebensjahr werden berufliche Weichen gestellt und Karrieren vorbereitet. Dies ist genau der Zeitraum, in dem aus betrieblicher Sicht von dieser Altersgruppe erhöhte Flexibilität, Mobilität und ein verstärktes berufliches Engagement gefordert werden. Damit ist das Konfliktfeld der Familienwirklichkeit beschrieben, das dazu führt, dass viele Mütter versuchen, Familie und Beruf mit individuellen Lösungen und unter hohen Belastungen zu vereinen, gepaart mit Selbstzweifeln und Überlastung. Vereinbarkeit darf aber nicht nur als reines frauenpolitisches Thema behandelt werden – unter den Vereinbarkeitszielen muss mehr gefasst werden als die gelingende Doppelbelastung der Frau. Ein ausgewogenes Verhältnis von Familie und Beruf kann nur dann erfolgreich sein, wenn die Familienarbeit zwischen Männern und Frauen in den entscheidenden Phasen des Familienlebens neu und gerecht verteilt wird. Die Verknüpfung von Familie und Beruf ist daher auch eine innerfamiliäre Frage, die von den Vätern die Bereitschaft verlangt, den Arbeitsaufwand zu teilen.

Da Erwerbsarbeit in der Regel die ökonomische Grundlage für das Leben in Familien ist, hat die Auseinandersetzung mit der Vereinbarkeit ihre Brisanz nicht verloren, sie ist vielmehr dringlicher geworden. Dass Kinder ein Armutsrisiko darstellen können, ist hinlänglich bekannt. Tatsächlich können sich auch diesseits der Armutsgrenze finanzielle Engpässe einstellen, sobald ein Kind erwartet wird und aus zwei Einkommen plötzlich eins wird. Dies ist für die meisten Familien nur schwer zu kompensieren. Es bedarf kaum der Erwähnung, dass die Eltern in finanziell angespannten Situationen vermehrt Stress empfinden und insbesondere für die Frauen die Gefahr besteht, sich zurückgesetzt zu fühlen, da sie nur noch über eine geringe finanzielle Eigenverantwortung verfügen. Die Fortführung beruflichen Engagements ist daher bei vielen Familien eine ökonomische Notwendigkeit, bei anderen ist sie mit der Rollenidentifikation und dem Selbstwertgefühl der Partnerinnen verknüpft. Bei Frauen, die aus dem Beruf aussteigen, ist zunächst ein deutlicher Anstieg von Depressivität zu verzeichnen. Die Berufstätig-keit schon kurz nach der Geburt des Kindes kann eine ganze Reihe positiver Effekte haben, die nicht zuletzt eine größere Zufriedenheit der Mütter bewirken und letztlich eine positive Atmosphäre im familiären miteinander schaffen. Welche Rolle die Frau bevorzugt – Beruf oder Mutterrolle – hängt von den eigenen Kindheitserinnerungen der Frauen ab.

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Warda, Andrea August 2005: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
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