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Vereinbarkeit von Beruf und Familie - ein Wirtschaftsthema

Darstellung und Bewertung familienfreundlicher Personalpolitik als möglicher Beitrag zur Bewältigung des Dauerkonfliktes von Müttern zwischen Beruf und Kinderbetreuung unter Einbeziehung des Standpunktes von Unternehmen

Vereinbarkeit von Beruf und Familie - ein Wirtschaftsthema
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Alexandra Ruoff
  • Abgabedatum: Mai 2008
  • Umfang: 138 Seiten
  • Dateigröße: 5,7 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Wirtschaftsakademie Pfalz Deutschland
  • Bibliografie: ca. 60
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-4575-1
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Ruoff, Alexandra Mai 2008: Vereinbarkeit von Beruf und Familie - ein Wirtschaftsthema, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Familienfreundlichkeit, Personalpolitik, Vereinbarkeit, Arbeitszeit, Wiedereinstieg

Diplomarbeit von Alexandra Ruoff

Einleitung:

Es ist erforderlich ‘[...] Familie und berufliche Karriere nicht länger als Entweder-Oder zu diskutieren. Wir brauchen Frauen in beiden Rollen: als qualifizierte Fach- und Führungskräfte und als engagierte Mutter.’.

Dieses Zitat verweist auf eine brisante Thematik, die spätestens seit den Diskussionen über das Elterngeld oder den Ausbau der Kinderbetreuung für unter Dreijährige verstärkt in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt ist.

Demnach haben auch heute noch besonders Frauen erhebliche Probleme damit, Familie und Karriere in Einklang zu bringen. Aus diesem Grund müssen sich viele Mütter nach der Geburt eines Kindes leider noch immer fragen:

Verpasse ich den beruflichen Anschluss, wenn ich zu Hause bleibe und mich um mein Kind kümmere?

Bin ich eine gute Mutter, wenn ich weiterhin arbeite?

Wer unterstützt mich bei der Kinderbetreuung?

Wie passen Beruf und Familie zusammen?

In diesem Zusammenhang sind grundlegende Rahmenbedingungen entscheidend, ob Mütter mit kleinen Kindern eine funktionierende Vereinbarkeit von Beruf und Familie erreichen.

Neben dem eigenen Engagement zählen vor allem hierzu:

praktikable und ausreichend verfügbare Kinderbetreuungsangebote.

flexible Arbeitsbedingungen im Kontext einer familienorientierten.Unternehmens-kultur des Arbeitgebers.

Der Ausgangspunkt meiner Arbeit ist daher der Dauerkonflikt zwischen Beruf und Kinderbetreuung – insbesondere von Müttern in Westdeutschland, deren Kinder maximal sechs Jahre alt sind.

Meine Arbeit gliedere ich wie folgt:

Darstellung des Dauerkonfliktes zwischen Beruf und Kinderbetreuung von Müttern.

Erläuterung und Bewertung einer familienorientierten Personalpolitik als möglicher Lösungsansatz für die Bewältigung dieses Spannungsverhältnisses.

Im Verlauf der Arbeit wird die Frage geklärt, wie die Bedürfnisse von berufstätigen Müttern mit den betriebswirtschaftlichen Interessen von Arbeitgebern in Einklang gebracht werden können. Dabei soll die Vereinbarkeitsproblematik aus beiden Blickwinkeln detailliert erläutert und bewertet werden.

Ziel dieser Arbeit ist es, den Dauerkonflikt von Müttern mit den damit einhergehenden Schwierigkeiten aufzuzeigen und gleichzeitig Lösungsansätze zu erörtern, auf welche Weise berufstätige Mütter von ihren Arbeitgebern bei einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Arbeitswelt unterstützt werden können. Bei dieser Gelegenheit soll vor allem auf die Notwendigkeit familienfreundlicher Maßnahmen – im beiderseitigen Interesse – hingewiesen werden. Abschließend wird geprüft, ob eine familienorientierte Personalpolitik dazu beitragen kann den noch bestehenden Vereinbarkeitskonflikt von Müttern zwischen Beruf und Kinderbetreuung zu entschärfen.

Um die realen Erfahrungen von berufstätigen Müttern im Rahmen dieser Ausarbeitung in Bezug auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu bündeln, habe ich eine empirische Untersuchung in Form eines Fragebogens durchgeführt.

Im Kapitel 2 lege ich dar, welche Ziele ich dabei verfolgt habe und wie ich bei der Erstellung, Auswertung und Präsentation der Ergebnisse vorgegangen bin.

Den Dauerkonflikt von Müttern werde ich im Kapitel 3 veranschaulichen, wobei ich einerseits Widerstände im Berufsleben und andererseits Defizite im Bereich der öffentlichen Kinderbetreuung herausarbeite, da diese Faktoren nach wie vor eine funktionierende Vereinbarkeit für Mütter erschweren.

Im Kapitel 4 stelle ich einführend aktuelle familienpolitische Maßnahmen in Deutschland vor, die für meine Arbeit von Bedeutung sind. Eine Lösung des Konfliktes von Müttern kann allerdings nicht alleine durch die familienpolitischen Maßnahmen des Staates (z.B. Ausbau der Kinderbetreuung) erreicht werden. Daher sind vor allem Arbeitgeber gefordert, vereinbarkeitsfördernde Maßnahmen anzubieten, wie z.B. flexible Arbeitszeiten oder Unterstützung bei der Kinderbetreuung, wenn sie qualifizierten Müttern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen bzw. erleichtern wollen. Deshalb zeige ich im weiteren Verlauf dieses Kapitels auf, was unter dem Begriff der familienfreundlichen Personalpolitik zu verstehen ist. Abschließend lege ich dar, welche Gründe und betriebswirtschaftlichen Faktoren für die Einführung einer an den Bedürfnissen von Familien orientierten Personalpolitik sprechen.

Im Kapitel 5 führe ich aus, auf welche Weise Betriebe ihre Mitarbeiterinnen bei dem täglichen Spagat zwischen Beruf und Kinderbetreuung unterstützen können. Vor diesem Hintergrund werde ich mögliche Handlungsfelder einer familienorientierten Personalpolitik erläutern und sie anhand von Beispielen veranschaulichen, wie sie in einigen Betrieben der Wirtschaft bereits praktiziert werden. Abschließend werde ich die Chancen für eine bessere Vereinbarung der Interessen der Unternehmen mit den Bedürfnissen von berufstätigen Müttern aufzeigen.

Das Kapitel 6 ‘Praxischeck- Familienfreundlicher Betrieb’ beinhaltet die Ergebnisse meiner Befragung bei berufstätigen Müttern bezüglich familienfreundlicher Maßnahmen in Unternehmen, welche ich sowohl darstelle als auch bewerte.

Im letzten Kapitel fasse ich die wichtigsten Aussagen meiner Arbeit mit persönlichen Schlussfolgerungen zusammen. Abschließen will ich sie mit einem (Aus-)Blick in die Zukunft bezüglich einer gelingenden Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Im Bereich der Forschung handelt es sich bezüglich der Fragestellung meiner Arbeit um ein noch sehr junges Gebiet, da es nach meiner Kenntnis erst seit ca. fünf Jahren in Deutschland eigene Studien bezüglich dieser Thematik gibt. Meist beschränken sich diese allerdings auf die Sichtweise von Unternehmen. Mit dieser Arbeit möchte ich einen Beitrag dazu leisten, dass diese Problematik auch aus dem Blickwinkel von berufstätigen Müttern gesehen wird.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis V
1. Einleitung 1
2. Grundlagen der empirischen Untersuchung 5
2.1 Präsentation der Ergebnisse 6
2.2 Statistische Daten der befragten Personen 6
2.3 Methodik 8
2.3.1 Vorüberlegungen 9
2.3.2 Zeitraum und Ort der Befragung 9
2.4 Verlauf der Untersuchung 10
3. Dauerkonflikt – Mütter zwischen Kinderbetreuungund Berufstätigkeit 11
3.1 Kinderbetreuung – eine Herausforderung 13
3.1.1 Zwischen Wunsch und Realität 15
3.1.2 Unterstützung bei der Betreuung 21
3.2 Berufstätigkeit von Müttern 23
3.2.1 Alleinverdiener-Modell verliert an Bedeutung 23
3.2.2 Berufliche Nachteile durch Elternzeit 28
3.2.3 Vorurteile gegenüber berufstätigen Müttern 31
4. Politik und Arbeitswelt – Neue Wege zu mehr Familienfreundlichkeit 34
4.1 Familienpolitik – Aktuelle Instrumente 35
4.1.1 Elterngeld 36
4.1.2 Ausbau der Kinderbetreuung 37
4.1.3 Förderprogramm: Betrieblich unterstützte Kinderbetreuung 38
4.2 Familienfreundliche Personalpolitik in Unternehmen 39
4.2.1 Begriffsbestimmung 40
4.2.2 Zielgruppe 42
4.2.3 Argumente für eine familienorientierte Personalpolitik 44
4.2.3.1 Familienkompetenzen anerkennen und nutzen 46
4.2.3.2 Potenziale von Frauen ausschöpfen 49
4.2.3.3 Einspareffekte 52
5. Betriebliche Handlungsfelder mit Praxisbeispielen 55
5.1 Flexible Arbeitsbedingungen 56
5.1.1 Reduzierung der Arbeitszeit 57
5.1.2 Flexibilisierung der Arbeitszeit 59
5.1.2.1 Gleitzeit 60
5.1.2.2 Arbeitszeitkonten 61
5.1.2.3 Sabbatical 63
5.1.3 Familienfreundlicher Arbeitsort 65
5.1.4 Zusammenfassung: Chancen für die Vereinbarung 66
5.1.4.1 Chancen: Teilzeitarbeit 67
5.1.4.2 Chancen: Flexible Arbeitszeit 69
5.1.4.3 Chancen: Telearbeit 71
5.2 Förderung des beruflichen Wiedereinstiegs 73
5.2.1 Planungs- und Rückkehrgespräch 74
5.2.2 Kontakthaltemöglichkeiten 75
5.2.3 Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen 77
5.2.4 Erleichterter Wiedereinstieg in das Unternehmen 78
5.2.5 Zusammenfassung: Chancen für die Vereinbarung 79
5.3 Service für Familien 80
5.3.1 Unterstützung bei der Kinderbetreuung 80
5.3.1.1 Reguläre Betreuung 81
5.3.1.1.1 Betriebskindergarten 82
5.3.1.1.2 Bereitstellung von Belegplätzen 84
5.3.1.1.3 Unterstützung von Elterninitiativen 86
5.3.1.2 Im Notfall auf der sicheren Seite 87
5.3.1.3 Kinderbetreuungszuschuss 92
5.3.2 Beratungs- und Vermittlungsstelle 94
5.3.2.1 Unternehmensintern 95
5.3.2.2 Externe Dienstleistungsunternehmen 97
5.3.3 Zusammenfassung: Chancen für die Vereinbarung 99
6. Praxischeck: Familienfreundlicher Betrieb 102
6.1 Familienfreundliche Maßnahmen – Angebote 102
6.2 Persönliche Erfahrungen von Müttern 105
6.3 Zufriedenheitsfaktor von berufstätigen Müttern 109
7. Schlussbetrachtung 111
Literaturverzeichnis CXI
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis CXI
Anhang CXI
Fragebogen CXI
Werbung bzw. Stellenangebot CXI

Textprobe:

Kapitel 3.2, Berufstätigkeit von Müttern:

Die eigene Berufstätigkeit ist heutzutage auch für Mütter mit kleinen Kindern ein wichtiger Lebensbestandteil geworden. Allerdings ist besonders diese Personengruppe noch immer mit erheblichen Hemmnissen in Bezug auf eine gelingende Vereinbarkeit von Beruf und Familie konfrontiert. Um dies zu veranschaulichen, werde ich im Rahmen dieses Abschnittes einige Eckpunkte zur Berufstätigkeit von Müttern und den damit einhergehenden Schwierigkeiten erläutern.

Kapitel 3.2.1, Alleinverdiener-Modell verliert an Bedeutung:

Innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte ist die Erwerbstätigkeit von Frauen um ca. 20 Prozent angestiegen. Hierdurch hat sich jedoch das Problem der Balance von Beruf und Familie verschärft. Traditionell wurde die Vereinbarkeit in der Vergangenheit dadurch ‘gelöst’, dass ein Elternteil – meist die Mutter – die Erwerbstätigkeit zugunsten der Kinderbetreuung aufgab und der Mann als Alleinverdiener den Lebensunterhalt der Familie sicherte.

Doch diese ‘Pseudo-Vereinbarkeit’ ist für viele heute keine Alternative mehr. Daher verliert das in Deutschland lange gelebte Alleinverdiener-Modell immer mehr an Bedeutung. Hierbei war ein Partner – meist der Vater – alleine für die Bestreitung des Lebensunterhaltes zuständig, während gewöhnlich die Mutter ihre Berufstätigkeit zugunsten der Kinderbetreuung aufgab.

(Wie in nachfolgender Abbildung ersichtlich), wird von 90 % der von mir befragten Frauen die Alleinverdiener-Ehe abgelehnt.

Eine Ursache für dieses Ergebnis liegt darin begründet, dass Frauen heutzutage Familie und Karriere miteinander vereinbaren wollen. Allerdings wird hier unter Karriere nicht unbedingt der steile Aufstieg auf der so genannten Karriereleiter, sondern eher eine fachliche Weiterentwicklungsmöglichkeit verstanden.

Vor diesem Hintergrund spielt ebenfalls eine Rolle, dass laut Aussage des Trend- und Zukunftsforschers Matthias Horx Frauen noch nie so gut qualifiziert waren wie heute: Wer einen Hochschulabschluss bzw. eine andere qualifizierte Ausbildung hat, würde sich seiner Meinung nach nicht mehr mit ‘der Hausfrauenrolle zufrieden’ geben.

Auch in einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Emnid gaben die meisten Frauen (85 %) an, dass sie Beruf und Familie miteinander vereinbaren wollen. Nur ein unbedeutender Anteil von 5 % der befragten Frauen gab an, sich ausschließlich auf die Rolle als Hausfrau und Mutter konzentrieren zu wollen.

Das Umdenken der Frauen bestätigt auch meine eigene Umfrage , in der die meisten Mütter angaben, dass ihnen eine eigene berufliche Tätigkeit sehr wichtig sei. Als Hauptgrund ihrer Berufstätigkeit führten sie an, dass diese ihnen Spaß macht und ihnen die sozialen Kontakte zu Kollegen und Kunden wichtig seien. Von weiterer Bedeutung war auch, dass sie ‘am Ball bleiben’ können, um dadurch einerseits den beruflichen Anschluss nicht zu verlieren und andererseits ihre Unabhängigkeit zu bewahren. Einige Frauen wollten durch ihre aktuelle Berufstätigkeit zukünftige berufliche Nachteile vermeiden. Bei dieser Fragestellung spielten finanzielle Aspekte am wenigsten eine Rolle.

Allerdings hat sich trotz zunehmender Erwerbstätigkeit von Frauen die Arbeitsteilung in der Familie nicht verändert. Infolgedessen sind noch immer hauptsächlich Mütter für die Hausarbeit und die Betreuung der Kinder zuständig, unabhängig von der zeitlichen Dauer ihrer Berufstätigkeit (siehe Kapitel 3.1).

Um den umfangreichen familiären Verpflichtungen und auch den beruflichen Anforderungen gerecht werden zu können, sind daher berufstätige Mütter mit kleinen Kindern überwiegend (ca. 70 %) in Teilzeit beschäftigt. (Definition der Teilzeitarbeit siehe Kapitel 5.1.1) Nach Ludwig und Schlevogt ist dies ‘[…] ein sichtbarer Ausdruck des oftmals komplizierten Balancierens zwischen Familie und Beruf.’.

Demnach wird das traditionelle Erwerbsmuster in der Familie zunehmend durch eine ‘Vollzeit-Teilzeit-Variante’ ersetzt, in dem ein Elternteil in Teilzeit und der andere in vollem Stundenumfang erwerbstätig ist. Auch in meiner Umfrage gaben 70 % der befragten Frauen an, dass sie nach ihrer beruflichen Unterbrechung mit reduzierter Stundenzahl ihre Arbeit wieder aufgenommen haben. Daher ist festzustellen, dass die Möglichkeit der Teilzeitarbeit für viele Mütter mit kleinen Kindern eine gute Chance darstellt, um Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. (siehe Kapitel 5.1.1).

Nach wie vor besteht eine recht hohe Diskrepanz zwischen Wunsch und Realität: So können nicht alle Frauen mit kleinen Kindern neben ihren familiären Verpflichtungen gleichzeitig eine Berufstätigkeit ausüben.

Dies bestätigten auch Studien des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung aus dem Jahr 2002. Darin wünschten sich 86 % aller Eltern mit Kindern unter drei Jahren, dass beide Elternteile erwerbstätig sein können. Allerdings können sich diesen Wunsch nur 23 % der Mütter erfüllen. Dies empfinden viele der Betroffenen als sehr unbefriedigend.

Arbeit zitieren:
Ruoff, Alexandra Mai 2008: Vereinbarkeit von Beruf und Familie - ein Wirtschaftsthema, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Familienfreundlichkeit, Personalpolitik, Vereinbarkeit, Arbeitszeit, Wiedereinstieg

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