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Verbriefungstransaktionen im Bankensektor – Auslöser oder Ursache der Finanzmarktkrise

Verbriefungstransaktionen im Bankensektor – Auslöser oder Ursache der Finanzmarktkrise
Über dieses Buch
  • Art: Bachelorarbeit
  • Autor: Alexander Noßmann, Orazio Battaglia
  • Abgabedatum: Juni 2011
  • Umfang: 96 Seiten
  • Dateigröße: 1,0 MB
  • Note: 1,3
  • Institution / Hochschule: Ruhr-Universität Bochum Deutschland
  • Bibliografie: ca. 91
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-1880-4
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Alexander Noßmann, Orazio Battaglia Juni 2011: Verbriefungstransaktionen im Bankensektor – Auslöser oder Ursache der Finanzmarktkrise, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Verbriefung, CDO, Asset Backed Securities, Risikomanagement, ABS

Bachelorarbeit von Alexander Noßmann, Orazio Battaglia

Einleitung:

Motivation:

‘Teufelszeug oder sinnvolles Instrument für eine Volkswirtschaft?’:

Nach Ausbruch der globalen Finanzmarktkrise im Jahre 2007 haben sich Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Presse und Weltöffentlichkeit genau diese Frage gestellt, als es um verbriefte Wertpapiere ging. Für viele war das Urteil schnell gefällt. ‘Die Verbriefung ist an allem Schuld’.

Zugegebenermaßen ist es angenehm und beruhigend, wenn sich der Beschuldigte als Täter entpuppt. Die Suche nach weiteren Verdächtigen kann eingestellt werden, man kann sich zurücklehnen und die Lehren aus den Missetaten noch lange Zeit nach der Verurteilung als Mahnmal des Schlechten diskutieren. Doch ist es wirklich so einfach, und bedarf es nicht einer umfassenden Analyse der Ereignisse auch im Vorfeld der Krise, um die Frage nach der Ursache oder dem Auslöser adäquat beantworten zu können? Genau dieser Versuch wird in der vorliegenden Bachelorarbeit mit dem Titel: ‘Verbriefungstransaktionen im Bankensektor - Auslöser oder Ursache der Finanzmarktkrise’ unternommen.

Aufgrund ihres globalen Ausmaßes und der anhaltenden Aktualität gehört die jüngste Finanzmarktkrise vermutlich zu einer der bestdokumentierten überhaupt. Es existieren bereits knapp vier Jahre nach ihrer Entstehung zahlreiche Arbeiten, die sich der Aufarbeitung selbiger gewidmet haben. Diese und weitere empirische Studien zu Implikationen von Verbriefungen vor allem im Bankensektor auch vor 2007 bilden die Grundlage der vorliegenden Arbeit. Begleitende Fragestellungen, die in diesem Kontext untersucht werden, sind:

Wie und weshalb werden Verbriefungen im Risikomanagement von Banken eingesetzt?

Welche empirisch nachgewiesenen Auswirkungen hat der Einsatz von Verbriefungen bei Banken u.a. auf Ausfallraten, das systematische Risiko oder die Kapitalstruktur? Inwieweit entstehen systemische Risiken?

Wie hat sich der Verbriefungsmarkt im Laufe der Zeit und insbesondere vor dem Hintergrund der Finanzmarktkrise entwickelt?

Wie hoch waren die Krisenverluste, und welche Ausfälle stammen wirklich aus Verbriefungen? Existieren sektorale oder geografische Unterschiede?

Wie und aus welchem Grund haben ausgewählte Kreditinstitute in der Finanzmarktkrise performed?

Gang der Arbeit:

Die Arbeit besteht aus zwei Teilen. Der erste liefert die definitorischen Grundlagen, die zum Verständnis der Funktionsweise von Verbriefungstransaktionen i.A. und spezifischen Wertpapieren dienen.

Im Kapitel 2 werden die zwei Typen von Verbriefungen (True Sale und synthetisch) dargestellt, gefolgt von einer Klassifizierung der wichtigsten Wertpapiere, die aus einer Verbriefungstransaktion hervorgehen können.

Kapitel 3 markiert die Überleitung zum zweiten Teil - von der Theorie zur Praxis - und beschäftigt sich mit der Frage, welche Implikationen Kreditverbriefungen auf das Risikomanagement und -verhalten von Banken im Zuge der Finanzmarktkrise haben. Dazu werden zunächst der Einsatz von Verbriefungen im Risikomanagement aus theoretischer Sicht und sich anschließende Chancen und Risiken beim Einnehmen spezifischer Rollen im Verbriefungsprozess erläutert. Basierend auf den theoretischen Erkenntnissen, werden anschließend ausgewählte Kreditinstitute und deren Engagement am Verbriefungsmarkt vor dem Hintergrund der Finanzmarktkrise eingängig analysiert. Ein Exkurs zum Zustandekommen von ABS-Ratings rundet das Kapitel 3 thematisch ab.

Kapitel 4 bildet das Kernstück dieser Arbeit. Zu Beginn werden Ergebnisse empirischer Arbeiten, die Implikationen von Verbriefungstransaktionen auf Banken und das Finanzsystem insgesamt untersucht haben, präsentiert. Die historische Entwicklung des Verbriefungsmarkts ist ebenfalls Inhalt dieses Abschnitts, bevor abschließend der Versuch einer Analyse zu Struktur und Ausmaß der Krisenverluste unternommen wird. Im Kapitel 5 erfolgt die Systematisierung der Ergebnisse.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis VI
Abkürzungsverzeichnis VII
1. Einleitung 1
1.1 Motivation 1
1.2 Gang der Arbeit 2
2. Verbriefungstransaktionen im Bankensektor 3
2.1 Typen von Verbriefungen 3
2.1.1 True Sale Verbriefungen 4
2.1.2 Synthetische Verbriefungen 7
2.1.2.1 Credit Default Swaps (CDS) 8
2.1.2.2 Credit Linked Notes (CLN) 8
2.1.2.3 Ablauf einer synthetischen Verbriefungstransaktion 9
2.2 Klassifizierung von Verbriefungspapieren 11
2.2.1 Asset Backed Commercial Papers (ABCP) 14
2.2.2 Mortgage Backed Securities (MBS) 16
2.2.2.1 Residential Mortgage Backed Securities (RMBS) 16
2.2.2.2 Commercial Mortgage Backed Securities (CMBS) 17
2.2.3 Collateralized Debt Obligations (CDOs) 18
3. Implikationen der Kreditverbriefung auf das Risikomanagement und -verhalten von Banken im Zuge der Finanzmarktkrise 21
3.1 Verbriefungen im Risikomanagement von Banken 21
3.2 Chancen und Risiken von Banken bei Einnehmen spezifischer Rollen im Verbriefungsprozess 24
3.2.1 Originator 25
3.2.2 Investor 33
3.3 Exemplarische Mikroanalyse ausgewählter Kreditinstitute im Rahmen der Finanzmarktkrise 36
3.3.1 Deutsche Bank 37
3.3.2 Goldman Sachs 40
3.3.3 IKB Deutsche Industriebank 42
3.3.4 Landesbank des Freistaats Sachsen (SachsenLB) 46
3.4 Exkurs: Zustandekommen von ABS-Ratings 50
4. Empirische Analyse von Verbriefungstransaktionen imBankensektor 53
4.1 Auswirkungen von Verbriefungstransaktionen auf Struktur- und Risikokennzahlen von Banken sowie systemische Risiken 54
4.1.1 US-amerikanische Banken 58
4.1.2 Europäische Banken 61
4.2 Entwicklung des Verbriefungsmarktes im Kontext der Finanzmarktkrise 64
4.3 Struktur der Krisenverluste in den USA und Europa 67
5. Systematisierung der Ergebnisse 72
Anhang X
Literaturverzeichnis XVI

Textprobe:

Kapitel 3.2, Chancen und Risiken von Banken bei Einnehmen spezifischer Rollen im Verbriefungsprozess:

Wie bereits im Kapitel 2 dargestellt, ist am Verbriefungsprozess eine Vielzahl von Teilnehmern involviert. Banken können dabei aus diversen Gründen verschiedene Rollen einnehmen. Im Zuge der Finanzmarktkrise war in einigen Fällen sogar festzustellen, dass Banken mehrere Rollen bei Verbriefungen auf Gesamtbankenebene gleichzeitig eingenommen haben.

Die folgenden Abschnitte 3.2.1 bis 3.2.4 geben daher einen Einblick, welche theoretischen Chancen und Risiken diese verschiedenen Positionen für Banken beinhalten, indem zunächst die Chancen und im Anschluss die Risiken der Nutzung von Verbriefungstransaktionen von Banken als Originatoren beschrieben werden.

3.2.1, Originator:

Zahlreiche Gründe veranlassen Banken, in einem Verbriefungsprozess als Originator zu fungieren. Drei wichtige Hauptmotive, die in diesem Abschnitt betrachtet werden, sind: die Finanzierungsfunktion, das Motiv der Entlastung des Eigenkapitals (regulatorisch und ökonomisch) und letztlich die bereits in 3.1 auf allgemeiner Ebene betrachtete Bedeutung für das Risikomanagement von Banken.

Verbriefungstransaktionen dienen den Banken als günstige Finanzierungsmöglichkeit. Im Einzelnen können sie diese zur Ausweitung des Kreditgeschäfts durch Diversifizierung ihrer Finanzierungsquellen, zur Reduktion der Finanzierungskosten und zum Abbau zeitlicher Inkongruenzen hinsichtlich der Fälligkeiten im Portfolio einsetzen. Diese Möglichkeiten werden im Folgenden näher erläutert.

Entscheidet sich eine Bank Originator einer Verbriefungstransaktion zu sein, kann sie ihr Kreditgeschäft in einem umfangreicheren und schnelleren Maße steigern, als wenn sie ausschließlich auf ihre traditionellen Geschäftsfelder bzw. Finanzierungsquellen angewiesen ist. Der Vorteil der Diversifikation der Finanzierungsquellen ist auch investorenbezogen begründbar. Die Investoren betrachten bei der Entscheidung, ob sie in die verbrieften Papiere investieren sollen, stärker die Qualität der verbrieften Forderungen als die Risikomerkmale der Originatorbank. Da sich die Qualität der verbrieften Forderungen noch eher als Originatorbank kurzfristig beeinflussen lässt, stellt dies aus Finanzierungssicht der Bank einen Vorteil gegenüber den traditionellen Finanzierungsformen dar. Angenommen, die Banken verfolgen allgemein unter Risikogesichtspunkten das Ziel, eine diversifizierte Finanzierungsstruktur aufzuweisen, kann Verbriefung dabei eine entscheidende Rolle spielen.

Ein weiterer Teilaspekt im Zusammenhang mit der Finanzierung ist - neben der Diversifizierung - eine mögliche Reduktion der Finanzierungskosten. Verbriefende Banken können sich über die internationalen Finanzmärkte indirekt refinanzieren. Die Separation des Forderungspools kann dabei günstigere Konditionen als bei der bilanziellen Refinanzierung zur Folge haben. Die Erklärung ist ähnlich zum Sachverhalt der Diversifizierung zu sehen. Sofern das Gesamtbankrisiko der Originatorbank höher ist als das Risiko der verbrieften Forderungen, können letztere der Bank aufgrund eines besseren Ratings günstigere Refinanzierungskonditionen sichern.

Einen letzten Aspekt bezüglich der Finanzierungsfunktion stellt der Abbau zeitlicher Inkongruenzen hinsichtlich der Fälligkeiten im Portfolio dar. Kreditinstitute betreiben in größerem Umfang Fristentransformation. Unterschiedliche Kapitalbindungsfristen beider Bilanzseiten determinieren einen erheblichen Teil des Liquiditätsrisikos von Banken. Häufig finanzieren Banken ihre langfristigen Vermögenswerte (beispielsweise Hypothekenfinanzierungen) mit kurzfristigen Refinanzierungsmitteln (beispielsweise Interbankenfinanzierungen). Diese Fristeninkongruenz kann durch eine Finanzierung mithilfe des Verkaufserlöses der verbrieften Forderungen behoben werden. Dabei haben die emittierten Wertpapiere meist die gleiche Fälligkeit wie die der Bankaktiva.

Neben der oben bereits detaillierten Erläuterung der Finanzierungsfunktion von Verbriefungen spielt in der Literatur und Praxis die Entlastung des ökonomischen und regulatorischen Eigenkapitals durch Verbriefungen eine bedeutende Rolle. Allgemein kann es durch den Transfer der Kreditrisiken zu einer Entlastung des regulatorischen und wirtschaftlichen Eigenkapitals der Bank kommen. Verbriefungstransaktionen können weiterhin helfen, Eigenmittel zu reduzieren bzw. Freiräume für die Nutzung neuer, renditeträchtiger Geschäftsmöglichkeiten zu schaffen. Aufgrund der Aussage hinsichtlich des ökonomischen Eigenkapitals lässt sich feststellen, dass bei Verbriefungstransaktionen, bei denen ein Risikotransfer stattfindet (teilweise oder vollständig), das ökonomische Eigenkapital, das zur Deckung der Risikopotenziale dient, entlastet wird. Die allgemeine Aussage - bezogen auf das regulatorische Eigenkapital - ist allerdings differenzierter zu betrachten und stark von den aufsichtsrechtlichen Entwicklungen der letzten Jahre abhängig. Vor allem die Basel-Anforderungen, die sukzessiv in den letzten beiden Jahrzehnten Einzug in die Bankenlandschaft gehalten haben, trugen sehr gemischte Implikationen auf die Motivation zur Verbriefung mit sich, die im Folgenden kurz erläutert werden.

Unter den Eigenkapitalvorschriften des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht von 1988, auch Basel I genannt, war die Entlastung des regulatorischen Eigenkapitals das vorherrschende Motiv für die Verbriefung von Krediten. Unter Basel I galt für alle Unternehmenskredite die gleiche, 100%ige Risikogewichtung für Kredite bei der Eigenkapitalunterlegung (8%), unabhängig davon, ob es sich um niedrig oder höher verzinsliche Instrumente handelte. Dies schaffte Banken einen Anreiz, niedrig verzinsliche Kredite aus ihren Bilanzen mittels Verbriefung zu transferieren. Nach 2004 galten überarbeitete Eigenkapitalvorschriften (Basel II), die diesen o.g. regulatorischen Anreiz zur Verbriefung jedoch gemindert haben, da sich die Eigenkapitalunterlegung unverbriefter Kredite in Abgrenzung zu Basel I deutlicher an den tatsächlichen Risiken orientierten. In jüngster Vergangenheit wurde Basel III verabschiedet.

Wie bereits im Abschnitt 3.1.2 dargelegt, kann eine asymmetrische Informationslage zu negativen Auswirkungen für die Beteiligten einer Verbriefungstransaktion führen. Um das Vertrauen in die Verbriefungsmärkte wiederherzustellen, wurde im neuen Regelwerk daher ein Selbstbehalt bei Verbriefungen implementiert. Waren bislang Selbstbehalte in Form von First Loss Pieces bzw. Senior-Tranchen in den Bilanzen der Originatoren ausschließlich freiwilliger Natur, ist nun entweder der Originator oder der Sponsor verpflichtet, einen Selbstbehalt vorzunehmen. Bis Ende 2014 gilt eine Übergangsfrist, die den Selbstbehalt auf 5% festlegt. Erst ab dem Jahr 2015 gilt in Deutschland ein Selbstbehalt von 10%. Ungewiss ist indes, welche Auswirkungen das jüngste Regelwerk auf das Verbriefungsverhalten der Banken haben wird. Der Investmentbank Morgan Stanley zufolge könnte das neueste Regelwerk den regulatorischen Anreiz zur Verbriefung weiter schwächen.

Arbeit zitieren:
Alexander Noßmann, Orazio Battaglia Juni 2011: Verbriefungstransaktionen im Bankensektor – Auslöser oder Ursache der Finanzmarktkrise, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Verbriefung, CDO, Asset Backed Securities, Risikomanagement, ABS

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