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Verbriefungen als Finanzierungsmöglichkeit für den deutschen Mittelstand

Verbriefungen als Finanzierungsmöglichkeit für den deutschen Mittelstand
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Mark Lübinski
  • Abgabedatum: September 2006
  • Umfang: 126 Seiten
  • Dateigröße: 3,8 MB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
  • Bibliografie: ca. 80
  • ISBN (eBook): 978-3-8366-0981-4
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Lübinski, Mark September 2006: Verbriefungen als Finanzierungsmöglichkeit für den deutschen Mittelstand, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Verbriefung, ABS, Asset-backed security, Finanzierung, Mittelstand

Diplomarbeit von Mark Lübinski

Einleitung:

Der Markt der Verbriefungen hat sich in den letzten zehn Jahren rasant entwickelt. Allerdings betrafen diese Transaktionen bis jetzt eher den Immobilienmarkt oder große Unternehmen.

In Deutschland bildet aber der Mittelstand die tragende Säule der Wirtschaft. Er sorgt für die Hälfte des BIP und den Großteil der Arbeitsplätze. Bis jetzt finanzierte sich der deutsche Mittelstand hauptsächlich über Bankkredite bei seiner Hausbank. Besonders im Zuge der Diskussion zu BASEL II wird immer öfter die Befürchtung ausgesprochen, dass der Mittelstand in Zukunft auf diesem Wege nur noch schwer an Fremdkapital kommen werde.

Problemstellung:

Diese Arbeit soll untersuchen, ob das Instrument „Verbriefungen“ für mittelständische Unternehmen eine interessante Alternative zum klassischen Bankkredit darstellt. Dabei soll diskutiert werden, ob die Hausbanken ihre Rolle als langfristiger Finanzierungspartner behalten können (und wollen), oder ob für Mittelstand-Unternehmen mittel- bis langfristig die Möglichkeit entsteht, sich mit dem Instrument „Verbriefungen“ direkt über den Kapitalmarkt zu finanzieren.

Den Schwerpunkt der Arbeit bildet eine Umfrage unter Investmentbanken, Kreditbanken und mittelständischen Unternehmen mit dem Ziel, die jeweiligen Präferenzen der betroffenen Akteure zu ermitteln und zu prüfen, inwieweit sie übereinstimmen.

Verbriefungen sind ein modernes Finanzmarktinstrument, das in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung erfahren hat. Sie zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass auf der Grundlage relativ unsicherer und oft illiquider Assets liquide Wertpapiere beliebiger Bonität erstellt werden können. Üblicherweise wird eine Anleihe emittiert, die zu mehr als 80% aus einer Tranche besteht, die das höchstmögliche Rating AAA hat. Das wird vor allem durch Overcollateralization und Nachrangigkeit mehrerer Tranchen innerhalb einer Anleihe erreicht.

In Abhängigkeit von dem Ziel, das durch eine Verbriefungstransaktion erreicht werden soll - Refinanzierung, Risikovermeidung oder die Entlastung des regulatorischen Eigenkapitals können unterschiedliche Ausprägungen von Transaktionen - True-Sale-Verbriefung, ABCP, synthetische Verbriefung, Whole Business Securitisation - gewählt werden.

Während das Instrument „Verbriefungen“ von Kreditbanken schon jetzt zur Finanzierung des Mittelstandes indirekt benutzt wird – durch die Verwendung ihrer Kredite an mittelständische Unternehmen als Asset bei einer Transaktion – konnten die Betriebe selbst bis jetzt in Deutschland nur sehr begrenzt von Verbriefungen profitieren. Als Grund dafür wurde eine im internationalen Vergleich eher unüblich enge Bindung zwischen Hausbanken und Mittelständler und die bisherige Verfügbarkeit relativ günstiger Kredite vermutet.

Im Rahmen dieser Arbeit wurde eine Umfrage durchgeführt, in der diese Bindung untersucht wurde. Gleichzeitig wurden Fragen zum Wissensstand über Verbriefungen sowie über die Akzeptanz dieses Instrumentes gestellt. Dadurch sollten das Marktpotential für die Verbriefung der durch den Mittelstand generierten Erträge sowie die Erfolgsfaktoren einer solchen Konstruktion ermittelt werden.

Es wurden 126 potentiellen Investoren, 1752 Kreditbanken und 3493 mittelständische Betriebe angeschrieben. Die Rücklaufquoten betrugen 12,70, 3,37 und 6,87%.

Da es in Deutschland zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Arbeit noch keine größeren Transaktionen außerhalb der Verbriefung von Mezzanine-Kapital gab, wurden in der Arbeit zwei Konstruktionen vorgeschlagen, die es einer sehr großen Anzahl relativ kleiner Betriebe mit einem nicht besonders hohen Kapitalbedarf ermöglichen würden, sich über Verbriefungen zu finanzieren. Statt die Forderungen oder die Schuldner einzeln zu bewerten, könnte in diesen Konstruktionen die Ausfallwahrscheinlichkeit für das Gesamtportfolio dank der sehr hohen Anzahl von Mittelständlern rein stochastisch geschätzt werden. An die Stelle der Einzelprüfung und des Einzelratings treten bei einer solchen Konstruktion das Gesetz der Großen Zahl und statistische Methoden.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sowohl die Investoren als auch die Mittelständler selbst ein starkes Interesse an solchen Verbriefungen haben.

Gleichzeitig stellte sich heraus, dass die Kreditbanken zwar noch eine partnerschaftliche Beziehung zu ihren mittelständischen Kunden zu pflegen glauben, diese Geschäftsbeziehung von den Mittelständlern selbst aber deutlich skeptischer gesehen wird. Es ist zu vermuten, dass Maßnahmen zur Objektivierung der Konditionen, die in der öffentlichen Diskussion unter „BASEL II“ subsumiert werden, zu starker Verunsicherung auf beiden Seiten geführt haben und letztendlich die langjährige partnerschaftliche Beziehung gefährden. So sind die meisten befragten Mittelständler gar nicht bereit, für eine langfristige Beziehung mehr zu zahlen. Sie sehen offenbar keinen Vorteil einer solchen langen Beziehung.

Als Ergebnis bleibt festzuhalten, dass die hohe Akzeptanz der untersuchten Konstruktionen – sowohl bei Investoren als auch bei Mittelständlern – und die sinkende Bedeutung der langfristigen Beziehung zwischen einem mittelständischen Unternehmen und seiner Hausbank dafür sprechen, dass Verbriefungen kurz- bis mittelfristig zu einer ernst zu nehmenden Finanzierungsmöglichkeit für den deutschen Mittelstand werden.

Inhaltsverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis IV
Tabellenverzeichnis IV
1. Motivation 1
2. Einführung und Grundbegriffe 2
2.1 Typische Verbriefungstransaktionen 2
2.1.1 True-Sale-Verbriefung 2
2.1.2 ABCP 6
2.1.3 Synthetische Verbriefung 7
2.1.4 Whole Business Securitisation 9
2.1.5 Rechtliche Probleme 10
2.2 Bedeutung des Verbriefungsmarktes 11
2.3 Motivation für Verbriefungen 14
2.3.1 Refinanzierung 14
2.3.2 Verbriefungen als Risikovermeidungsstrategie 15
2.3.3 EK-Regelungen als treibende Kraft von Verbriefungstransaktionen 20
3. Finanzierung des Mittelstandes 24
3.1 Finanzierungsprobleme des Mittelstandes 25
3.2 Klassische Finanzierungsinstrumente 27
3.2.1 Finanzierung aus dem Eigenkapital 27
3.2.2 Bankkredit 29
3.2.3 Andere Finanzierungsmöglichkeiten 33
3.3 Besonderheiten bei Verbriefungstransaktionen für den Mittelstand 36
3.3.1 Verbriefungskonstruktionen mit indirekter Wirkung 37
3.3.2 Verbriefungskonstruktionen mit direkter Wirkung 41
3.3.2.1 Verbriefung von Forderungen 42
3.3.2.2 Verbriefungen mit einer ertragsabhängigen Verzinsung 45
3.4 Vergleich unterschiedlicher Finanzierungsmöglichkeiten 49
4. Infrastruktur 53
4.1 True Sale Initiative 55
4.2 Technische Infrastruktur 56
5. Umfrage 59
5.1 Technische Realisierung 60
5.2 Präferenzen der Investoren 62
5.3 Präferenzen der Kreditbanken 76
5.4 Präferenzen der Mittelständler 89
5.5 Ergebnisse 105
6. Zusammenfassung 107
Glossar 110
Anhang: XML 113
Quellenverzeichnis 115
Danksagung 124
Erklärung 125

Textprobe:

Kapitel 3.3.1, Verbriefungskonstruktionen mit indirekter Wirkung:

Im vorigen Abschnitt wurde angesprochen, dass das Volumen der vergebenen Kredite in den letzten Jahren gesunken ist. Sollten Banken eine Möglichkeit bekommen, Risiken, die sie durch Vergabe von Krediten an mittelständische Unternehmen eingehen, abzusichern bzw. sich günstig zu refinanzieren, werden sie evtl. mehr Kredite an die Unternehmen vergeben. Verbriefungen, die eine solche Absicherung ermöglichen, haben somit eine indirekte positive Wirkung auf die Finanzierung der mittelständischen Unternehmen.

Speziell die synthetischen Konstruktionen bieten auch einen anderen Vorteil – die Kredite bleiben bei der Bank. Dadurch wird das Verhältnis zwischen einem Mittelständler und „seiner Hausbank“ nicht gestört. Einige Bankchefs lehnen aus Angst, dieses Verhältnis zu schädigen, Kreditverkäufe ab.

Das Bankensystem in Deutschland ruht aus historischen Gründen auf drei Säulen: große Geschäftsbanken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen. Während eine große Privatbank oder eine größere Sparkasse durchaus in der Lage sind, nur aus ihrem Kreditportfolio ausreichend viele Kredite für eine Transaktion auszuwählen, kann eine kleine regionale Genossenschaftsbank oder Sparkasse das nicht. Gerade diese regionalen Banken sind aber oft die Partner von mittelständischen Unternehmen, die keine Investmentbank-Dienste nachfragen und auch nicht weltweit durch eine Bank vertreten werden müssen.

Um diesen kleineren, aber für das Bankensystem – und durchaus für die gesamte Volkswirtschaft – wichtigen Banken zu ermöglichen, ihre Kreditrisiken am Kapitalmarkt abzusichern, bedarf es einer Institution, die für sie die Bündelung der Kredite und die Vorbereitung der Transaktion vornimmt. Als besonders geeignet dafür haben sich in den letzten fünf Jahren die Landesbanken und die KfW erwiesen.

PROMISE:

Die KfW Bankengruppe ist eine staatliche Institution in Form einer Anstalt öffentlichen Rechts (allerdings mit einer Bilanzsumme von rund 329 Milliarden Euro im Jahr 2004 eine der zehn größten Banken in Deutschland), zu deren primären Aufgaben auch die Förderung des Mittelstandes gehört. Die von der KfW initiierte Plattform für Kreditverbriefung PROMISE wurde deswegen auch als ein Förderinstrument des Mittelstandes konzipiert. Die Struktur kombiniert eine klassische synthetische Verbriefung mit einer KfW-Garantie.

Die PROMISE Struktur erlaubt einem oder mehreren Originatoren ihre Kredite über den Markt abzusichern, ohne dass sie sich aktiv auf dem Kapitalmarkt engagieren. Sie sichern sich über einen CDS der KfW ab, die dann ihrerseits eine „gewöhnliche“ synthetische Transaktion am Markt platziert, wodurch auch die KfW kein Risiko eingeht. Gleichzeitig bekommt sie eine CDS-Gebühr von den Originatoren.

Durch die hohe Anzahl der einzelnen Mittelstandsrisiken übernehmen die Käufer der Anleihe nur das systematische Risiko des deutschen Mittelstandes, während die Einzelrisiken „wegdiversifiziert“ werden. Die Käufer können sich außerdem auf standardisierte Abläufe, standardisierte Dokumentation der PROMISE-Transaktion und den guten Ruf der KfW verlassen.

Durch diese Standardisierung wird die Konstruktion für alle günstiger. PROMISE hat zwar primär nur eine Absicherungsfunktion. Die so abgesicherten Kredite können die Banken aber bei der KfW selbst (Produkt „Globaldarlehen“) oder bei einem beliebigen Kreditgeber als eine hervorragende Sicherheit nutzen, da die KfW durch ihre Rechtsform die gleiche Behandlung erfährt wie die Bundesrepublik Deutschland. Sie hat also nicht nur ein AAA-Rating, sondern verpflichtet den Kreditgeber auch nicht zum Halten von regulatorischen Eigenkapital. Trotz dieser ausgebauten Infrastruktur wird in Europa nur zwischen 1 und 2% des ausstehenden Kreditvolumens verbrieft.

Arbeit zitieren:
Lübinski, Mark September 2006: Verbriefungen als Finanzierungsmöglichkeit für den deutschen Mittelstand, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Verbriefung, ABS, Asset-backed security, Finanzierung, Mittelstand

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