Verbalisierung von Emotionen bei gewaltbereiten Jugendlichen
Eine Analyse von Interviews im Strafvollzug
- Art: Magisterarbeit
- Autor: Felix Pfeiffer
- Abgabedatum: Oktober 2001
- Umfang: 98 Seiten
- Dateigröße: 705,4 KB
- Note: 1,5
- Institution / Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München Deutschland
- ISBN (eBook): 978-3-8324-5217-9
-
ISBN (Paperback) :
978-3-8324-5217-9 P - ISBN (CD) :978-3-8324-5217-9 CD
- Sprache: Deutsch
- Prämierung:
- Arbeit zitieren: Pfeiffer, Felix Oktober 2001: Verbalisierung von Emotionen bei gewaltbereiten Jugendlichen, Hamburg: Diplomica Verlag
- Schlagworte: Emotionen, Interviewanalyse, Soziolinguistik, Sprache, Sprachverhalten
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Magisterarbeit von Felix Pfeiffer
Einleitung:
Thema der Arbeit ist der Zusammenhang von Emotion und Sprache. Die Arbeit untersucht Interviews mit gewaltbereiten Jugendlichen vornehmlich aus dem sog. Skinhead-Milieu. Die Interviews wurden im Rahmen einer Studie der Universität Jena und des Deutschen Jugendinstituts unter Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Frindte (Universität Jena) und PD Dr. Klaus Wahl (Deutsches Jugendinstitut, München) durchgeführt.
Schwerpunkt der Arbeit ist der Zusammenhang von den Emotionen und der Sprache der Jugendlichen. Anhand einer qualitativen Analyse von einzelnen Interviewsequenzen, an denen Emotionen thematisiert werden, spezifiziert die Arbeit insbesondere solche linguistischen Merkmale, die auf ein „abweichendes“ oder ambivalentes Emotionsempfinden der Jugendlichen hinweisen. Unter einem „ambivalenten Emotionsempfinden“ verstehe ich allgemein, dass eine Person ein zwiespältiges, doppeldeutiges emotionales Befinden und Verhalten aufweist. Ein ambivalentes Emotionsempfinden ist zum Beispiel „Hassliebe“.
In der Arbeit wird dargelegt, dass die Jugendlichen aus der Studie oftmals ein solches ambivalentes Emotionsempfinden zeigen.
Charakteristisch ist ein nicht unmittelbarer und nicht eindeutiger Sprachstil des Jugendlichen. Kennzeichnend sind z.B.: Abschwächungspartikel („bisschen“, „irgendwie“, „halt so“ etc.); Indefinitpronomina („man“, „jemand“); linguistische Merkmale, die eine metaphorische Distanz des Jugendlichen zu seinem Äußerungsinhalt anzeigen; der Äußerungsinhalt ist thematisch nicht eindeutig auf die Frage des/r InterviewerIn bezogen; es treten Satzflussstörungen und Verzögerungen (Sprechpausen) auf; der Jugendliche wechselt stilistisch in einen nicht authentischen (z.B. formalen) Sprachcode.
Aus emotionspsychologischer Perspektive deuten die Analysen u.a. darauf hin, dass die Jugendlichen kognitive Prozesse bei Emotionen als zentral erachten (z.B. ein rationales Abwägen der Gefühle). Demnach stellen für die Jugendlichen ein Großteil der Emotionen kontrollierbare Variablen dar, die nicht aus einem herausbrechen und einen bestimmen, sondern mit denen man sich kognitiv beschäftigen kann, wann man will und Zeit und Lust dazu hat.
In der wissenschaftlichen Diskussion, insbesondere in der empirischen Sprachwissenschaft, stellt die verbale Analyse von Emotion ein bislang eher vernachlässigtes Forschungsinteresse dar. Die Arbeit möchte in diesem Sinne ebenso einen Beitrag zu einem differenzierteren wissenschaftstheoretischen Verständnis von Emotion und deren Realisierung in Sprache leisten. Und zu einer kritischen Diskussion über die Plausibilität formal wissenschaftlicher Beschäftigung mit diesem Forschungsfeld anregen.
Inhaltsverzeichnis:
| VORBEMERKUNG | 4 | |
| EINLEITUNG | 4 | |
| 1. | EMOTION | 4 |
| 1.1 | DER VERSUCH EINER BEGRIFFSBESTIMMUNG | 4 |
| 1.2 | ÜBERBLICK ÜBER DIE EMOTIONSTHEORIEN | 4 |
| 1.2.1 | Emotion als Wahrnehmung körperlicher Veränderungen: die James-Lange-Theorie | 4 |
| 1.2.2 | Die Zwei-Faktoren-Theorie nach Schachter & Singer | 4 |
| 1.2.3 | Der evolutionstheoretische Ansatz nach Robert Plutchik | 4 |
| 1.2.4 | Der kognitionstheoretische Ansatz nach Richard Lazarus | 4 |
| 1.2.5 | Emotionen vor jeder Kognition: Robert Zajonc | 4 |
| 1.2.6 | Das Komponenten-Prozess-Modell nach Klaus Scherer | 4 |
| 1.2.7 | Der sozial-konstruktivistische Ansatz nach James Averill | 4 |
| 1.3 | ZUSAMMENFASSUNG | 4 |
| 2. | AUSWIRKUNGEN VON EMOTION IN DER SPRACHE | 4 |
| 2.1 | THEMATISCHE SCHWERPUNKTSETZUNG | 4 |
| 2.2 | EMOTIONALE AUSDRUCKSWEISEN IN DER SPRACHE | 4 |
| 2.2.1 | Soziale Regeln emotionalen Ausdrucks | 4 |
| 2.2.2 | Zusammenhang zwischen Gesprächsinhalt und Sprachstil | 4 |
| 2.2.3 | Systematik emotionaler Ausdrucksweisen | 4 |
| 2.2.4 | Position linguistischer Elemente im Satz | 4 |
| 2.2.5 | Unterschiedliche Abstraktionsgrade in Sprache | 4 |
| 2.2.6 | Verwendung der Standardsprache | 4 |
| 2.2.7 | Quantitative Emotionsanalyse nach Gottschalk & Gleser | 4 |
| 2.2.8 | „Non-immediate language style“ | 4 |
| 2.3 | ZUSAMMENFASSUNG | 4 |
| 3. | DIE STICHPROBE DER UNTERSUCHUNG | 4 |
| 4. | EMPIRISCHER TEIL | 4 |
| 4.1 | SPRACHANALYSE | 4 |
| 4.2 | ANALYSEBEISPIELE | 4 |
| 4.2.1 | Dieter oder: Wer hat die Schuld an Dieters emotionalem Befinden? | 4 |
| 4.2.2 | Dieter oder: War Dieter als Kind manchmal traurig? | 4 |
| 4.2.3 | Karl oder: Karls Verhältnis zu Liebe | 4 |
| 4.2.4 | Marcel oder: Kann Marcel zeigen, dass er sich gut fühlt? | 4 |
| 4.2.5 | Wolfgang oder: Warum ist Wolfgang nervös? | 4 |
| 4.2.6 | Gerd oder: Macht sich Gerd Gedanken über seine Gefühle? | 4 |
| 4.2.7 | Silvio oder: Leidet Silvio unter seinen Gefühlen? | 4 |
| 4.2.8 | Robert oder: Versteht Robert die Frage nach Selbstreflexion? | 4 |
| 4.2.9 | Jochen oder: Wie steht Jochen zu seinen Gefühlen? | 4 |
| 4.2.10 | Alexander oder: Wann ist Alexander unsicher? | 4 |
| 4.2.11 | Alexander oder: Rechtfertigt Angst die Tat? | 4 |
| 4.2.12 | Heiko oder: Empfindet Heiko Trauer? | 4 |
| 4.3 | ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE | 4 |
| 5. | DISKUSSION | 4 |
| LITERATUR | 4 |
Die Autoren unterscheiden begrifflich zwischen Emotion, Affekt und Stimmung. Im Original verwenden sie an dieser Stelle den Begriff „affect“, der dem Emotionsbegriff meiner Arbeit entspricht. 44 Die „Häufigkeit des Auftretens“ der Autoren ist gleichzusetzen mit der Kategorie „Ausdrucksweisen, die quantitative Angaben machen“ von Caffi/Janney (1994) (siehe oben im Text). Ebenso ist Gottschalk/Glesers Kategorie „Direktheit“ der Aussage und „Persönliche Beteiligung“ gleichzusetzen mit den Kategorien „Spezifität“ und „Vagheit der Aussage oder des Selbstbewusstseins des Sprechers (Assertivität)“ von Caffi/Janney (1994). 45 Debus (2000:412) weist auf den Vorteil für die Analyse solcher „umweltbeschreibender“ Äußerungen (vs. Selbstauskünfte) hin. In ihnen sind Verfälschungstendenzen des Sprechers (z.B. soziale Erwünschtheit) weniger stark ausgeprägt. 42 [...]
2. Die relative Größe einer Emotion43 kann aus dem verbalen Gehalt der Äußerung abgeleitet werden. Paraverbale Merkmale bieten lediglich Hinweise und dienen eher der Verdeutlichung einzelner Emotionen. Eine eigenständige Aussagekraft besitzen paraverbale Merkmale nicht. Somit können sie in der Untersuchung vernachlässigt werden. 3. Die Größe einer Emotion kann direkt proportional zur Häufigkeit ihres Auftretens, zum Ausmaß der Direktheit (eine direkte verbale Ausdrucksweise wäre z.B. „ich hasse ihn“ vs. weniger direkt: „ich mag ihn nicht“) und zum Ausmaß der persönlichen Beteiligung (persönlich beteiligt: „ich habe Angst zu sterben“ vs. weniger persönlich beteiligt: „Menschen sterben“) bestimmt werden. 4. Wenn Emotionen unterdrückt werden, treten folgende Ausweichstrategien auf: a) Die Emotionen werden anderen Menschen unterstellt (Projektion), b) die Objekte, auf die sich die Emotion bezieht, werden durch andere ersetzt (Verschiebung), c) die Emotion wird nicht anerkannt, sie wird verleugnet und d) die Emotion wird in abgeschwächter Form mitgeteilt (soziale Anpassung). Zentral bei Gottschalk/Gleser sind die Variablen „Häufigkeit des Auftretens“, „Direktheit“ und „persönliche Beteiligung“ einer emotionalen verbalen Ausdrucksweise44. Auch wenn ein Sprecher eine eigene Emotion sprachlich unterdrücken will und z.B. einen anderen Sachverhalt beschreibt als den, der bei ihm emotionsauslösend ist, ist doch anhand des Ausmaßes und der Gewichtung genannter Variablen ein Rückschluss auf eine dem Sprecher eigene Emotion möglich45. [...]
Kallmeyer (1989) untersucht am Beispiel eines Mannheimer Dialekts dessen soziolinguistische Funktion der Gruppenbildung. 41 Damit stellen sie in dem Bereich „die einzige bedeutende, weltweit verbreitete“ Sprachinhaltsanalyse im emotionalen Kontext dar (Battacchi et al., 1996:107). 42 Demnach sollen in einem ersten Schritt die einzelnen emotional-sprachlichen Merkmale (verbale Ausdrucksweisen) des Textes ausgezählt werden. Im folgenden Schritt kann anhand einer speziellen Berechnung die Größe der Emotion als ordinale Variable ermittelt werden. Für die detaillierte Methodik der Berechung siehe z.B. Battacchi et al. (1996), Koch (1980), Schöfer (1977). Im Rahmen meiner Arbeit soll diese verkürzte Darstellung des Verfahrens reichen; ich wende Gottschalk/Glesers Originalberechnung in meiner Analyse nicht an. Für meine Arbeit sind die im Text folgenden Grundannahmen der Autoren bedeutsam. 41 [...]
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Link zur Arbeit:
http://www.diplom.de/ean/9783832452179
Arbeit zitieren:
Pfeiffer, Felix Oktober 2001: Verbalisierung von Emotionen bei gewaltbereiten Jugendlichen, Hamburg: Diplomica Verlag
Schlagworte:
Emotionen, Interviewanalyse, Soziolinguistik, Sprache, Sprachverhalten



