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Der Verbalaspekt im Französischen unter besonderer Berücksichtigung der Verwendung des Imparfait im Kontext redekommentierender Verben

Der Verbalaspekt im Französischen unter besonderer Berücksichtigung der Verwendung des Imparfait im Kontext redekommentierender Verben
Über dieses Buch
  • Art: Magisterarbeit
  • Autor: Andrea Ortwein
  • Abgabedatum: Februar 1994
  • Umfang: 111 Seiten
  • Dateigröße: 785,3 KB
  • Note: 2,0
  • Institution / Hochschule: Ruhr-Universität Bochum Deutschland
  • Bibliografie: ca. 30
  • ISBN (eBook): 978-3-8428-0588-0
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Ortwein, Andrea Februar 1994: Der Verbalaspekt im Französischen unter besonderer Berücksichtigung der Verwendung des Imparfait im Kontext redekommentierender Verben, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: Verbalaspekt, redekommentierende Verben, Imparfait, Vergangenheitszeiten, Inzidenzschema

Magisterarbeit von Andrea Ortwein

Einleitung:

Über das Thema Verbalaspekt ist viel geschrieben und diskutiert worden. Es gibt zahlreiche Abhandlungen, die sich mit diesem Phänomen auseinandersetzen, sei es in Bezug auf eine Sprache oder in sprachvergleichender Absicht. Diese Vielfalt an Literatur gänzlich zu erfassen, würde den Rahmen einer Magisterarbeit sprengen. Deshalb wurde sich auf einige wenige Autoren beschränkt.

Am Anfang erfolgt eine Darstellung von Theorien zur Kontrastivierung von Perfekt und Imperfekt im Romanischen und Slavischen. Es handelt sich hierbei um die Arbeiten von Pollak, Weinrich, Barrera-Vidal und Koschmieder. Diese Abhandlungen wurden in erster Linie unter der Fragestellung betrachtet, wie die Opposition zwischen den Tempora jeweils beschrieben wird und ob der Aspektbegriff für das Romanische genauso anwendbar ist wie für die slavischen Sprachen.

Das nachfolgende Kapitel befasst sich insbesondere mit den Funktionsbereichen des französischen Imparfait. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, sich auf den Vergangenheitsbereich zu konzentrieren, da nur hier von einer Opposition zum Passé gesprochen werden kann. Als Literaturgrundlage wurden einige gängige französische Grammatiken ausgewählt.

Im dritten Abschnitt folgt eine Darstellung der russischen Aspektopposition anhand der Grammatiken von Tauscher\\Kirschbaum, Isacenko und Forsyth. In Anknüpfung daran wird nochmals auf Pollak Bezug genommen, der in seiner Abhandlung u.a. auf Analogien zwischen der slavischen und der romanischen Aspektopposition hinweist.

Anschließend wird vom allgemeinen Teil der Arbeit zu einem Spezialfall des Tempusgebrauches übergeleitet: Es handelt sich hierbei um die so genannten Rede kommentierenden Verben, auch Verba dicendi oder Anführungsverben genannt. Der Tempusgebrauch bei diesen Verben lässt sich nicht ohne weiteres durch gängige Regeln erklären. Die Verba dicendi stellen somit eine eigenständig zu behandelnde Verbgruppe dar.

Nachdem ein Blick auf einige sprachwissenschaftliche Erklärungsansätze zu diesem Phänomen geworfen worden ist, wird eine eigenständige Betrachtung angestrebt. Ziel einer derartigen Untersuchung soll und kann es nicht sein, Regeln für den Tempusgebrauch der jeweiligen Verba dicendi zu erstellen. Es geht vielmehr darum, verschiedene Betrachtungsweisen herauszuarbeiten, die unter Umständen bei der Tempuswahl eine Rolle spielen können.

So werden im Folgenden zunächst einmal die syntaktischen Strukturen von Rede Kommentierenden Verben im Französischen untersucht. Begonnen wird mit komplexeren hypotaktischen Satzstrukturen. Darauf folgt eine Betrachtung von temporalen, modalen und ähnlichen Satzergänzungen bei Sätzen mit einfachem Aufbau. Eine Untersuchung des Prädikats und seiner unmittelbaren Umgebung beinhaltet u.a. eine Analyse des Subjekts, des Objekts, etc. Zu diesem Untersuchungsaspekt gehört außerdem die syntaktische Einbettung des Rede kommentierenden Verbes innerhalb der wörtlichen Rede.

Das zweite große Kapitel dieser Untersuchung ist der Semantik und Pragmatik gewidmet. Zunächst einmal werden die Rede kommentierenden Verben anhand ihrer Bedeutung untersucht. Man kann sie in unterschiedliche Gruppen einteilen, z.B. in Verben des Fragens, des Reagierens, Phasenverben, etc.

Auch der Redeinhalt selbst kann für die Tempuswahl von Bedeutung sein. Es wird u.a. untersucht, ob es sich um eine wiederholte, inkohärente oder gezielte Rede handelt.

Ein weiterer Punkt der Analyse wäre schließlich der Kontext bzw. die Stellung der Verben innerhalb eines größeren Textabschnittes. In diesem Absatz geht es um die Bedeutung der Tempusformen bei einem Szenenwechsel, im Erzählerkommentar und zur Kennzeichnung eines Handlungshöhepunktes. Auch können die nachfolgenden und die vorausgehenden Vergangenheitszeiten die Wahl des einen oder anderen Tempus beeinflussen. Ein zusätzlicher Faktor, der zu untersuchen wäre, ist die Redundanz der Rede kommentierenden Verben.

Abschließend wird nochmals ein Bezug zum Slavischen hergestellt. Auch dort können die Rede kommentierenden Verben sowohl im imperfektiven als auch im perfektiven Aspekt gebraucht werden. Anhand von einigen Textbeispielen soll gezeigt werden, dass auch hier die Verba dicendi eine eigenständige Gruppe darstellen. Teilweise handelt es sich jedoch um eine rein historische Entwicklung im Verbalsystem.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung 1
1. Aufbau der Arbeit 1
2. Aspekt und Aktionsarten 4
3. Die Aktionsarten durativ, telisch und dynamisch 6
I Wie wird die Opposition zwischen Perfekt und Imperfekt dargestellt 7
1. Pollak : Inzidenzschema 7
2. Weinrich: Vordergrund und Hintergrund 9
3. Koschmieder: Zeitbezug 11
4. Barrera-Vidal: Opposition und komplementäre Distribution 15
5. Zusammenfassung 17
II Das Imparfait als Vergangenheitszeit 18
1. Welche Kriterien werden für den Gebrauch des Imparfait genannt? 18
2. Welche Verwendungsbereiche ergeben sich daraus? 19
3. Kombinierbarkeit mit Adverbien, Konjunktionen, etc 23
4. Zusammenfassung 25
III Warum Verbalaspekt? - Gemeinsamkeiten und Unterschiede in bezug auf die slavische Aspektopposition 26
1. Darstellung der slavischen Aspektopposition in den Grammatiken 26
1.1 Unvollendeter Aspekt 26
1.2 Vollendeter Aspekt 30
2. Die Aspektopposition im Slavischen und Romanischen 30
IV Die redekommentierenden Verben 30
1. Zur Terminologie und Problemstellung 30
2. Sprachwissenschaftliche Erklärungsansätze 30
2.1 Lorck : Assimilation der Denkakte 30
2.2 Lerch : Das Imperfektum als Ausdruck der lebhaften Vorstellung 30
2.3 Sten : Verlaufscharakter und Handlungshintergrund 30
2.4 Togeby : Markierung der Quelle der Äußerung 30
2.5 Klum : Adverbiale Ausdrücke als Sprungbrettphrasen 30
2.6 Forsyth : Kopulafunktion 30
2.7 Imbs : Imparfait d'ouverture/finale/pittoresque 30
3. Zusammenfassung 30
V Betrachtung der redekommentierenden Verben im Französischen 30
1. Syntax 30
1.1 Komplexer Satzbau : Parataxe und Hypotaxe 30
1.1.1 Inzidenzschema 30
1.1.2 Passé Simple in effektiver Funktion 30
1.1.3 Syntaktische Verknüpfung zweier Imparfaits 30
1.1.4 Gérondifkonstruktionen beim Imparfait 30
1.1.5 Verba dicendi im Nebensatz 30
1.2 Einfacher Satzbau: Beeinflussung durch Satzergänzungen 30
1.2.1 Hervorhebungen mit ce qui, ce que, au lieu de 30
1.2.2 Die vorangestellte Konjunktion et 30
1.2.3 Modale Ergänzungen 30
1.2.4 Temporale Ergänzungen 30
1.2.5 Lokale Ergänzungen 30
1.3 Das Prädikat und seine unmittelbare Umgebung 30
1.3.1 Infinitivkonstruktionen 30
1.3.2 Das Subjekt 30
1.4 Die syntaktische Einbettung des redekommentierenden Verbes 30
2. Semantik und Pragmatik 30
2.1 Bedeutung der Verben 30
2.1.1 Manifestierung eines emotionalen Zustandes 30
2.1.2 Verben zur Charakterisierung des Sprechens 30
2.1.3 Verben des Reagierens 30
2.1.4 Verben des Fragens 30
2.1.5 Phasenverben 30
2.1.6 Neutrale Verben 30
2.1.7 Unechte Verba dicendi 30
2.1.8 Intensionale Verben 30
2.1.9 Zusammenfassung 30
2.2 Der Redeinhalt 30
2.2.1 Iteration 30
2.2.2 Inkohärenz 30
2.2.3 Intensität 30
2.2.4 Länge 30
2.3 Der Kontext 30
2.3.1 Szenenwechsel 30
2.3.2 Sonderstellung im Text 30
2.3.3 Weglassbarkeit des Verbs 30
2.3.4 Erzählerkommentar 30
2.3.5 Tempusfolge 30
3.0 Zusammenfassung der Ergebnisse 30
VI Redekommentierende Verben im Russischen 30
1. Handlungsfolge innerhalb des Satzes 30
2. Redekommentierendes Verb mit Partizip Präsens 30
2.1 Redekommentierendes Verb im vollendeten Aspekt 30
2.2 Redekommentierendes Verb im unvollendeten Aspekt 30
3. Umgebung vorher und nachher vollendeter Aspekt 30
3.1 Redekommentierendes Verb im vollendeten Aspekt 30
3.2 Redekommentierendes Verb im unvollendeten Aspekt 30
4. Nachfolgendes Verb steht im unvollendeten Aspekt 30
4.1 Redekommentierendes Verb im vollendeten Aspekt 30
4.2 Redekommentierendes Verb im unvollendeten Aspekt 30
5. Vorausgehender unvollendeter Aspekt 30
5.1 Redekommentierendes Verb steht im vollendeten Aspekt 30
5.2 Redekommentierendes Verb im unvollendeten Aspekt 30
6. Redekommentierendes Verb im Plural 30
Literaturverzeichnis
1. Sprachwissenschaftliche Werke
2. Enzyklopädien
3. Verzeichnis der verwendeten Primärliteratur

Textprobe:

Kapitel 3, Koschmieder: Zeitbezug:

Bei Koschmieder liegt ein völlig anderer Ansatz zur Interpretation der aspektuellen Opposition vor als bei Pollak und Weinrich. Während letztere syntaktische Untersuchungen bzw. textlinguistische Methoden angewandt haben, stehen bei Koschmieder denkpsychologische Vorgänge im Vordergrund, denn seiner Meinung nach ist der Zeitbegriff ‘aufs engste verknüpft mit dem Vorgang des Denkens selbst’.

Laut Koschmieder lässt sich jeder konkrete, individuelle Vorgang auf einer Zeitlinie lokalisieren und nimmt dort seinen individuellen Platz ein, den so genannten Zeitstellenwert. Auf dieser Zeitlinie befindet sich auch das Ich bzw. Ichbewusstsein, zusammen mit dem Gegenwartspunkt. Gegenwart und Ich bewegen sich fortwährend von der Vergangenheit in Richtung Zukunft. Alle Zeitstellenwerte, die links vom Gegenwartspunkt liegen, werden der Vergangenheit, alle Zeitstellenwerte, die rechts liegen, der Zukunft zugeordnet.

Zeitstellenwerte sind dem Gegenwartspunkt immer entgegengesetzt, d.h., sie sind von der Zukunft in die Vergangenheit gerichtet.

Das Ich mit Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit bildet also gleichsam ein verschiebbares Koordinatensystem auf der Zeitlinie, in dem dieselben Zeitstellenwerte nach ihrem Lageverhältnis zum Gegenwartsbewusstsein (.) einmal als Zukunft und einmal als Vergangenheit gewertet werden können, wenn das Ich sie durchschritten hat.

Ein Tatbestand kann durch die Aussage eines Sprechers in mehrfacher Hinsicht charakterisiert werden:

1. in bezug auf seine Lage im kalendarisch-chronometrischen System (=Zeitstellenwert); 2. in der Beziehung seines Zeitstellenwertes zum Ich.

‘Die Art der Beziehung (.), in die ein Tatbestand zurzeit gesetzt wird, wenn der Sprecher durch den Sinngehalt der Aussage zwischen dem Ich und dem Tatbestand hinsichtlich der Richtung’ eine Beziehung aufbaut, bezeichnet Koschmieder als Zeitrichtungsbezug.

Hierbei sind zwei Möglichkeiten gegeben:

- Eine Aussage ist aus der Vergangenheit in die Zukunft gerichtet.

Der Tatbestand wird somit als geschehend charakterisiert.

- Eine Aussage ist aus der Zukunft in die Vergangenheit gerichtet.

Dadurch wird der Tatbestand als geschehen interpretiert und in seiner Totalität erfasst.

Eine weitere Art der Beziehung zwischen Zeitstellenwert und Ich ist der Zeitstufenbezug. Hierbei wird der Zeitstellenwert eines Tatbestandes entsprechend seiner Lage zum Gegenwartspunkt als Vergangenheit, Zukunft oder Gegenwart aufgefasst.

Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen befasst sich Koschmieder mit dem Problem der Aspekte im Slavischen. Zur funktionalen Bestimmung der Kategorie des Aspektes muss zunächst ein Ausgangspunkt gefunden werden, von dem aus die Gegensätze analysiert werden, die zwischen unvollendetem und vollendetem Aspekt zutage treten, um daraufhin eine Zweckbestimmung vorzunehmen. Deshalb geht Koschmieder von der Frage aus, ob es im Slavischen einen Fall gibt, ‘wo die Verwendung des einen Aspekts nötig, die des anderen unnötig ist’.

Dieser Fall tritt dann ein, wenn es darum geht, ein Präsens auszudrücken. Hier muss stets der unvollendete Aspekt genommen werden, denn der vollendete ist präsensunfähig. Aus dieser Präsensunfähigkeit ergibt sich laut Koschmieder für den perfektiven Aspekt eine Richtungsbezogenheit aus der Zukunft in die Vergangenheit, also der Gegenwart und dem Ich entgegengesetzt. Die Handlung wird hierbei in ihrer Totalität als geschehen aufgefasst und ist in ihrem Zeitstellenwert lokalisierbar.

In Analogie dazu ergibt sich für den unvollendeten Aspekt eine Richtungsbezogenheit von der Vergangenheit in die Zukunft, da dieser dem vollendetem entgegengesetzt ist. Die Handlung wird seitens des Sprechers als geschehend charakterisiert und in ihrem Verlauf dargestellt.

Aufgrund der Tatsache, dass die Aspekte jeweils unterschiedliche Richtungsbezüge aufweisen, kommt Koschmieder zu folgendem Ergebnis:

Die Aspekte sind die grammatischen Kategorien zum Ausdruck des Zeitrichtungsbezugs, und zwar der perfektive für den Richtungsbezug Zukunft --> Vergangenheit, der imperfektive für den Richtungsbezug Vergangenheit --> Zukunft.

Arbeit zitieren:
Ortwein, Andrea Februar 1994: Der Verbalaspekt im Französischen unter besonderer Berücksichtigung der Verwendung des Imparfait im Kontext redekommentierender Verben, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
Verbalaspekt, redekommentierende Verben, Imparfait, Vergangenheitszeiten, Inzidenzschema

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