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Verarbeitung von Rechnungslegungsinformationen zu Forschung und Entwicklung am Kapitalmarkt

Verarbeitung von Rechnungslegungsinformationen zu Forschung und Entwicklung am Kapitalmarkt
Über dieses Buch
  • Art: Diplomarbeit
  • Autor: Katinka Wölfer
  • Abgabedatum: Februar 2006
  • Umfang: 75 Seiten
  • Dateigröße: 420,8 KB
  • Note: 1,0
  • Institution / Hochschule: Justus-Liebig-Universität Gießen Deutschland
  • ISBN (eBook): 978-3-8324-9530-5
  • ISBN (Paperback) :
    978-3-8324-9530-5 P
  • ISBN (CD) :978-3-8324-9530-5 CD
  • Sprache: Deutsch
  • Prämierung:
  • Arbeit zitieren: Wölfer, Katinka Februar 2006: Verarbeitung von Rechnungslegungsinformationen zu Forschung und Entwicklung am Kapitalmarkt, Hamburg: Diplomica Verlag
  • Schlagworte: DAX, Aktivierung, Konzernabschluss, F&E, Kapitalmarktrelevanz

Diplomarbeit von Katinka Wölfer

Einleitung:

Die weltweit 1.000 forschungs- und entwicklungsintensivsten Unternehmen gaben 2004 zusammen rund 384 Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung aus (durchschnittlich elf Prozent mehr als im Vorjahr) und markieren so eine global zu beobachtende Entwicklung von der Industriegesellschaft hin zu einer Dienstleistungs-, Hochtechnologie- und Wissensgesellschaft. Im Zuge dieser Innovationsdynamik gewinnen immaterielle Werte gegenüber den traditionellen Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital mehr und mehr an Bedeutung und entwickeln sich zum entscheidenden Werttreiber vieler Unternehmen.

Gleichzeitig hat jedoch das externe Rechnungswesen mit den Veränderungen der ökonomischen Realität nicht mithalten können, was sich darin äußert, dass immaterielle Werte wie zum Beispiel Forschung und Entwicklung in der Bilanz nicht zum Ausdruck kommen.

So lehnen die handelrechtlichen Regelungen und prinzipiell auch die US-amerikanischen Rechnungslegungsnormen den bilanziellen Ansatz von Forschung und Entwicklung ab und verweisen auf die mangelnde Objektivierbarkeit der Wertermittlung. Die bilanzielle Ausklammerung der Forschung und Entwicklung kann jedoch dazu führen, dass Rechnungslegungsinformationen forschungs- und entwicklungsintensiver Unternehmen an Relevanz im Informationsverarbeitungsprozess der Anleger verlieren und sich aus den Informationsdefiziten Fehlallokationen am Kapitalmarkt ergeben.

Die seit 2005 von allen kapitalmarktorientierten Unternehmen im Konzernabschluss anzuwendenden internationalen Rechnungslegungsstandards gewähren dagegen eine höhere Transparenz der Rechnungslegung, indem sie Unternehmen bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen zur bilanziellen Erfassung von Entwicklung verpflichten und damit deren Bedeutung als wichtiger Werttreiber der Unternehmen gerecht werden.

Am Kapitalmarkt ist deshalb prinzipiell mit einer positiven Resonanz auf die Aktivierung zu rechnen. Gleichzeitig entstehen jedoch den bilanzierenden Unternehmen beim Bilanzansatz von Forschung und Entwicklung Ermessensspielräume, die möglicherweise zu einer Einschränkung der Verlässlichkeit der Rechnungslegungsinformationen führen können und damit die erwarteten positiven Kapitalmarktwirkungen in Frage stellen.

Gang der Untersuchung:

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es deshalb, die Bedeutung der bilanziellen Abbildungsalternativen von Forschung und Entwicklung am Kapitalmarkt zu untersuchen.

Dazu wird zunächst in Kapitel 2 auf die Bedeutung, Definitionen und Charakteristika von Forschung und Entwicklung eingegangen.

Der erste Hauptteil der Arbeit (Kapitel 3) dient einer ausführlichen Darstellung der Bilanzierung, Bewertung und dem Ausweis von Forschung und Entwicklung in ausgewählten Rechnungslegungssystemen.

Anschließend beschäftigt sich der zweiten Hauptteil (Kapitel 4) mit den Wirkungen des Bilanzansatzes von Forschung und Entwicklung sowohl am Aktien- als auch am Anleihe- und Kreditmarkt. Im fünften Kapitel werden schließlich die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zusammengefasst.

Inhaltsverzeichnis:

Abkürzungsverzeichnis IV
1. Problemstellung 1
2. Forschung und Entwicklung 3
2.1 Bedeutung von Forschung und Entwicklung 3
2.2 Definitionen und Charakteristika von Forschung und Entwicklung 3
3. Bilanzielle Abbildung von Forschung und Entwicklung 6
3.1 Bilanzierungs- und Bewertungsproblematik von Forschung und Entwicklung 6
3.2 Bilanzierung, Bewertung und Ausweis von Forschung und Entwicklung in ausgewählten Rechnungslegungssystemen 11
3.2.1 Handelsrechtliche Vorschriften (HGB) 11
3.2.2 US-Generally Accepted Accounting Principles (US-GAAP) 15
3.2.3 International Financial Reporting Standards (IFRS) 19
3.2.4 Zusammenfassende Charakteristika der Regelungen 24
3.3 Reformansätze zur bilanziellen Abbildung von Forschung und Entwicklung 26
4. Kapitalmarktwirkungen der bilanziellen Abbildung von Forschung und Entwicklung 30
4.1 Problematik unterschiedlicher Rentabilitätsdarstellungen 30
4.2 Bedeutung der bilanziellen Abbildung von Forschung und Entwicklung am Aktienmarkt 35
4.2.1 Kapitalmarktrelevanz der bilanziellen Abbildung von Forschung und Entwicklung 35
4.2.1.1 Begriff und Messung der Kapitalmarktrelevanz 35
4.2.1.2 Empirische Ergebnisse 40
4.2.1.3 Fazit 51
4.2.2 Kapitalmarktrelevanz der asymmetrischen Informationsverteilung bei Forschung und Entwicklung 51
4.3 Bedeutung der bilanziellen Abbildung von Forschung und Entwicklung am Anleihe- und Kreditmarkt 56
5. Zusammenfassung 59
Literaturverzeichnis 61

Automatisiert erstellter Textauszug:

Die Aktivierung der Forschungs- und Entwicklungskosten sollte deshalb besonders bei forschungsund entwicklungsintensiven Unternehmen zu einer vergleichsweise höheren Relevanz der veröffentlichten Rechnungslegungsdaten am Kapitalmarkt führen (siehe Kapitel 4.2.1). Außerdem sollte die transparentere Berichterstattung dem Entstehen von Informationsasymmetrien am Kapitalmarkt entgegenwirken (siehe Kapitel 4.2.2). Möglicherweise kommt es durch die, verglichen mit der Aufwandsverrechnung, bessere Darstellung der Vermögens- und Ertragslage auch zu einer Erleichterung der Kapitalaufnahme am Anleihe- und Kreditmarkt (siehe Kapitel 4.3). Für diese Vermutungen lässt sich empirisch jedoch nur dann eine Bestätigung finden, wenn Kapitalmarktteilnehmer die im Zusammenhang mit einer Aktivierung von Forschungsund Entwicklungskosten berichteten Rechnungslegungsdaten gleichzeitig auch – wenigstens zu einem gewissen Grad als verlässlich genug ansehen. Andernfalls kann nicht mit Kapitalmarktwirkungen einer Aktivierung von Forschungsund Entwicklungskosten gerechnet werden. Insofern soll im Folgenden versucht werden, den argumentativ kaum lösbaren Konflikt zwischen Relevanz und Verlässlichkeit (siehe die Ausführungen zur Bilanzierungsproblematik in Kapitel 3.1) mithilfe empirischer Kapitalmarktuntersuchungen aufzulösen.109 [...]

in der Lage ist, das Unternehmensgeschehen ökonomisch angemessen abzubilden, enthalten die nach HGB oder US-GAAP ermittelten Rentabilitätskennzahlen tendenziell einen „Berichtsfehler“.106 So sind, wie oben dargestellt, bei (etablierten) Unternehmen mit geringen Wachstumsraten der Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen in der Regel die berichteten Rentabilitäten verglichen mit den ökonomischen – die sich im Rahmen der Aktivierung von Forschungs- und Entwicklungskosten ergeben würden – zu hoch (Aggressive Reporting). Lev (2003) beziffert die so ermittelte Überschätzung der Eigenkapitalrentabilität auf durchschnittlich 20 Prozent.107 Bei (jungen und forschungs- und entwicklungsintensiven) Unternehmen mit hohen Wachstumsraten der Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen weisen hingegen die berichteten Rentabilitätskennzahlen vergleichsweise zu geringe Werte auf (Conservative Accounting). Demnach führen Differenzen zwischen der Wachstumsrate der Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen und der Eigenkapital- oder Gesamtkapitalrentabilität zu Abweichungen der nach HGB oder US-GAAP berichteten Rentabilitäten von ihren ökonomisch „richtigen“ Werten.108 Als Konsequenz ergibt sich eine für Bilanzadressaten intransparente Berichterstattung, die die Beurteilung des Wertschöpfungspotenzials des betreffenden Unternehmens nur auf Basis der publizierten Rechnungslegungsdaten erheblich erschwert und infolgedessen dazu führen kann, dass die berichteten Größen im Informationsverarbeitungsprozess der Kapitalmarktteilnehmer an Relevanz verlieren. [...]

Auf der Passivseite der Bilanz sind die passivischen latenten Steuern um den Betrag der auf die aktivierten Forschungs- und Entwicklungskosten entfallenden Ertragssteuern zu erhöhen. Schließlich erhöhen sich die Gewinnrücklagen um den Saldo aus den aktivierten Forschungs- und Entwicklungskosten und den Steuerrückstellungen.101 Das Periodenergebnis ist um die in der Periode aufwandswirksam erfassten Forschungs- und Entwicklungskosten zu erhöhen und um die Abschreibungen darauf sowie auf den Bestand der nun aktivierten Forschungs- und Entwicklungskosten zu vermindern. Inwiefern sich das Periodenergebnis durch die Anpassungen ändert, hängt von der Höhe dieser beiden Größen ab. Bei Wachstumsunternehmen mit jährlich steigenden Forschungs- und Entwicklungskosten wird sich das Ergebnis durch die nachträglich vorgenommene Aktivierung tendenziell erhöhen - bei weniger forschungs- und entwicklungsintensiven Unternehmen kann das Ergebnis aber auch sinken.102 In der Höhe, in der sich das Periodenergebnis bei Wachstumsunternehmen erhöht, sind nun die Gewinnrücklagen entsprechend zu vermindern. Unter Berücksichtigung der zuvor vorgenommenen (betragsmäßig größeren) Erhöhung der Gewinnrücklagen (siehe oben) ist insgesamt jedoch von einer Erhöhung der Gewinnrücklagen auszugehen. Infolgedessen steigt das Eigenkapital.103 Die dargestellten Anpassungen einer HGB- oder US-GAAPBilanz an eine Bilanz nach internationalen Rechnungslegungsstandards zeigen, dass aus der unterschiedlichen Behandlung von Forschungs- und Entwicklungskosten wesentliche Auswirkungen auf die Darstellung der Vermögens- und Erfolgslage [...]

Arbeit zitieren:
Wölfer, Katinka Februar 2006: Verarbeitung von Rechnungslegungsinformationen zu Forschung und Entwicklung am Kapitalmarkt, Hamburg: Diplomica Verlag

Schlagworte:
DAX, Aktivierung, Konzernabschluss, F&E, Kapitalmarktrelevanz

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